AT137314B - Verfahren zur Veredlung von Kunstfasern. - Google Patents
Verfahren zur Veredlung von Kunstfasern.Info
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Description
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Verfahren zur Veredlung von Kunstfasern.
Kunstseide hat in den bisher bekannten Arten den natürlichen Fasern gegenüber unter anderem den Nachteil grösserer Sprödigkeit, der durch die verschiedensten Appreturbehandlungen nur in ungenügendem Masse behoben werden kann. Es ist schon vorgeschlagen worden, durch chemische Einwirkung die geringe Elastizität der Kunstfasern zu steigern, aber nennenwerte Erfolge waren auch in dieser Richtung nicht zu verzeichnen.
Durch die vorliegende Erfindung gelingt es in einfacher Weise, die erwähnten Mängel der Kunstseide zu beheben bzw. sehr zu vermindern und ihr zugleich eine neuartige Beschaffenheit zu verleihen.
Zu diesem Zwecke wird Kunstseidegarn auf einen gewissen höheren Drall gedreht, ausgehend vom ungedrehten Zustande oder von bereits mit normaler Drehung versehenen Fäden. Solches Garn wird auf Spulen gewickelt und in dieser Form einer intensiven Befeuchtung bei höheren Temperaturen ausgesetzt. Hierauf erfolgt ein sorgfältiges Trocknen des auf der Spule befindlichen Garns. Nach dieser Behandlung wird das Garn in der entgegengesetzten Richtung wieder aufgedreht, u. zw. in der Regel mit mehr als der ursprünglichen Zahl der Drehungen. so dass das fertige Garn einen dem ursprünglichen entgegengesetzten Drehungssinn aufweist.
Durch die Behandlung gemäss der vorliegenden Erfindung erfährt die Kunstseide eine bleibende Kräuselung. Die Elastizität wird erhöht und das relative Wärmeleitungsvermögen vermindert. Im ganzen entsteht ein Produkt von wollartigem Charakter, welches sich vor echter Wolle durch besonderen Glanz auszeichnet und den charakteristischen warmen Griff der Wolle anfweist.
Praktisch wird zweckmässig derart verfahren, dass das normal gedrehte oder, was namentlich für Kupferseide in Betracht kommt, das ungedrehte Garn auf einer geeigneten Vorrichtung, wie Zwirnmaschine od. dgl., überdreht wird. Das Mass der Überdrehung richtet sich sowohl nach Art und Titer des Kunstseidegarns wie auch nach dem gewünschten Effekt, ob mehr oder weniger Kräuselung erwünscht ist. In der Regel ist mindestens das Vierfache einer normalen Drehungszahl erforderlich, um eine Veränderung im Sinne der Erfindung hervorzubringen.
Wenn beispielsweise für Titer von 60-80 den als normal 100-130 Drehungen/Meter oder für Titer von 200-300 den als normal 100-150 Drehungen/Meter anzunehmen sind, so würden im ersten Falle 4. 00-1200 Drehungen/Meter, in letzterem Falle 4. 00-600 Drehungen/Meter mindestens benötigt werden. Um ausgeprägte Effekte zu erhalten, kann die Drehzahl wesentlich über die Mindestzahl hinaus gesteigert werden.
Die überdrehten Garne werden vorteilhaft auf perforierte Spulen aus Metall oder einem sonstigen wasser-oder hitzebeständigen Material gewickelt, was zweckmässig in einem Arbeitsgange mit dem Vorgang des Überdrehens geschieht.
Die wichtige Benetzungsbehandlung wird bei höherer Temperatur vorgenommen. Besonders bewährt hat sich ein Dämpfen bei atmosphärischem Überdruck, welches in einem Dämpfkessel ausgeführt werden kann. In gewissen Fällen genügt auch ein Einlegen der Spulen in kochendes oder nahe dem Siedepunkt befindliches Wasser. Zur Unterstützung der Netzwirkung können Netzmittel verwendet werden, die entweder vorher auf die Faser gebracht werden oder der Netzflüssigkeit zuzusetzen sind. Der Netzvorgang kann je nach Art des
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Materials und des angewandten Netzverfahrens über eine kurze oder längere Zeit ausgedehnt werden. Wichtig ist, dass nach dem Benetzen ein völliges Trocknen des noch auf der Spule befindlichen Garns stattfindet.
Das Aufdrehen wird zweckmässig auf einer Zwirnmaschine oder einer ähnlichen Vor- richtung vorgenommen. Nach dem Verwendungszweck des fertigen Produkts richtet sich der Grad des Aufdrehens. Auf jeden Fall hat das Aufdrehen bis gegen den Nullpunkt zu geschehen. Für die meisten Zwecke wird aber über den Nullpunkt hinaus noch weitergedreht, so dass das fertige Garn wieder einen gewissen Drall, nun im entgegengesetzten Sinne, erhält ; man wird hiebei nur soweit als notwendig gehen, um an Arbeit zu sparen.
Das Verfahren eignet sich für alle Arten von Kunstseide für ungedrehte, gedrehte oder gezwirnte Gespinste. Auch Mischgespinste mit andern pflanzlichen oder tierischen Fasern können auf diese Weise veredelt werden. Das fertig behandelte Gespinst findet Verwendung für alle Zwecke der Garnverarbeitung, wie Gewebe, Gewirke, Geflechte, zu Stickzwecken usw.
Die aus den neuartigen Gespinsten gewonnenen Werkstoffe zeichnen sich durch besondere, bisher nicht erreichte Weichheit und Wollähnlichkeit aus. Sie lassen sich nach allen bekannten Methoden der Textilveredlung, wie Bleichen, Färben, Bedrucken usw., weiterverarbeiten.
Nach dem Verfahren der Erfindung behandelte Gespinste können auch nachträglich zu Stapelfasern zerschnitten und neu versponnen werden, wozu sich die künstlich gekräuselten Fasern besonders eignen.
Ausführungsbeispiele :
1. Kupferseidegarn vom Titer 150 den. mit der Drehungszahl 200 Meter wird auf 2000 Drehungen/Meter überdreht. Hierauf wird das überdrehte Garn, auf Nickelinspulen befindlich, bei 5 Atm. Überdruck während 20 Min. gedämpft. Nach dem Trocknen wird das Garn auf der Zwirnmaschine aufgedreht, über den Nullpunkt hinaus und auf 80 Drehungen/Meter im entgegengesetzten Sinne gebracht.
2. Viskosegam vom Titer 450 den. mit Drehungszahl 100 Meter wird auf
1200 Drehungen/Meter überdreht. Alsdann wird das auf der Spule befindliche überdreht Garn bei 2 Atm. Überdruck während einer halben Stunde gedämpft. Nach dem Trocknen wird das Garn aufgedreht über den Nullpunkt hinaus und auf 50 UmdrehungenlMeter im entgegengesetzten Sinne gebracht.
3. Acetatseidegarn vom Titer 120 den. mit der Drehungszahl 150 Meter wird auf 2000 Drehungen/Meter überdreht. Das auf der Spule befindliche Garn wird nun in kochendes Wasser eingehängt und während einer Stunde im kochenden Bade belassen. Nach sorgfältigem Trocknen erfolgt die Aufdrehung, wie in den vorangehenden Beispielen beschrieben, auf eine fertige Drehungszahl von 100 Meter im entgegengesetzten Sinne.
4. Ungedrehtes Kupferseidegarn vom Titer 120 den. wird auf 2500 Drehungen/Meter gedreht. Alsdann werden die Garnspulen während 40 Min. bei 4 Atm. Überdruck gedämpft.
Nach dem Trocknen wird das Garn bis zum Nullpunkt aufgedreht und in diesem Zustande auf einer geeigneten Schneidvorrichtung zu Stapelfasern zerschnitten.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Veredlung von Kunstfasern, dadurch gekennzeichnet, dass diese auf eine, gegenüber der normalen mindestens vierfach höhere, zweckmässig möglichst hohe Drehungszahl gebracht, in diesem Zustande gespult, bei höherer Temperatur befeuchtet, getrocknet und hierauf in entgegengesetzter Richtung aufgedreht wird.
Claims (1)
- 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Befeuchten durch Einlegen des gespulten Garns in kochendes oder nahe dem Siedepunkt befindliches Wasser geschieht.3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Befeuchten durch Dämpfen des gespulten Garns bei über 1000 C hewirkt wird.4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Trocknung auf der Spule erfolgt.5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass dem Kunst- seidegespinst durch Aufdrehen über den Nullpunkt hinaus eine der ursprünglichen, im Drehungssinn entgegengesetzte Drehung erteilt wird.
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