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Verfahren zum Beizen tierischer Hautblößen Die enzymatischen Beizmittel
werden meist auf der Basis von Pankreastryptase aufgebaut. Der Nachteil solcher
hinsichtlich ihrer eizwirkung ausgezeichneten Produkte besteht daGn, daß sie häufig
zu Leder mit ungenügender Narbenfestigkeit führen. Auch die von Mikroorganismen
gebildeten Enzyme werden zum Beizen von Blößen verwendet, wobei Leder mit festem
Narben erhalten werden, der bei der Verwendung von Pankreastryptase eintretenden
Nachteil also vermieden wird. Beim Beizen mit den von Bakterien und Schimmelpilzen
gebildeten proteolytischen Enzymen ist jedoch die Entfernung des Grundes bzw. Gneistes
aus dem Narben der Blößen ungenügend. Auch -mit einer Kombination beider Enzymarten,
nämlich der Pankreastryptase einerseits und der Schimmelpilz- bzw. Bakterienprotease
andererseits lassen sich die genannten Unzulänglichkeiten beider Beizverfahren nicht
in befriedigender Weise beheben.
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Es wurde nun gefunden, daß Blößen unter ausgezeichneter Schonung des
Narbens mit Hilfe der von Mikroorganismen, also von Bakterien oder bzw. und von
Schimmelpilzen gebildeten proteolytischen Enzyme, in einem pH-Bereich zwischen 6
und 9 gebeizt werden können, wenn die Blößen
vor, während oder nach
dem Beizprozeß .mit tierischen, pflanzlichen, mineralischen oder synthetischen Ölen
behandelt werden. Die gleichzeitige Mitverwendung von Pankreastryptase in geeigneten
Mengen kann in manchen Fällen von Vorteil sein.
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Im Hinblick darauf, daß während des Beizvorganges die in den Poren
der Haut sitzenden Fettstoffe, Pigmente und Rückstände der Epidermis gelockert und
- zum Teil bei der anschließenden mechanischen Bearbeitung - entfernt werden sollen,
muß es als überraschend bezeichnet werden, daß ein auf die Entfernung von Fettstoffen
gerichteter Prozeß gerade durch das Hinzufügen von Fettstoffen bzw. Ölen gefördert
wird. Für den sich bei dem erfindungsgemäßen Verfahren abspielenden Vorgang gilt
vermutlich die Deutung, daß das zugesetzte Öl in die Poren eindringt und - unabhängig
vom enzymatischen Geschehen - den die Poren ausfüllenden Grund bzw. Gneist schlüpfrig
und damit leicht gleitend macht. Im Sinne dieser Erklärung ist es verständlich,
daß die die Grundlösung fördernden Zusätze vor, während oder nach der Einwirkung
des enzymatischen Beizmittels, jedoch vor der mechanischen Entfernung des Grundes
der Beizflotte beigegeben werden können.
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Unter Ölen im Sinne der vorliegenden Erfindung sollen jene Produkte
pflanzlicher, tierischer, mineralischer oder synthetischer Herkunft verstanden werden,
die vornehmlich auf Grund ihres physikalischen Verhaltens als Gleitmittel für den
in den Poren sitzenden Grund wirken. Diese Öle sind im Wasser schwer, meist unlöslich
und bei der für den Beizvorgang gewählten Temperatur flüssig.
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Die erfindungsgemäße Behandlung kann zur Verbesserung des angestrebten
Effekts oder, falls dies für die gleichmäßigere Verteilung des Öls und den davon
abhängigen Erfolg der Behandlung erforderlich ist, in an sich bekannter Weise in
Gegenwart nichtionogener oder kationaktiver Emulgatoren, wie beispielsweise Äthylenoxydkondensationsprodukten
oder quaternären Ammoniumbasen bzw. -salzen, die die Enzyme nicht schädigen, erfolgen.
Diese Emulgatoren können auch in Kombination miteinander zur Anwendung kommen.
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Von Vorteil kann es weiterhin sein, die Öle zunächst in an -sich bekannter
Weise zu emulgieren und sie in dieser Form der enzymatischen Beizflotte zuzusetzen.
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Maßgebend für das Zustandekommen des erfindungsgemäßen Effektes ist
aber. in erster Linie das unveränderte Öl selbst, das sich in Form eines hauchdünnen
Films auf der Oberfläche des Narbens ablagert bzw. von der Narbenoberfläche adsorbiert
wird. Solche Filme auf der Narbenoberfläche werden nicht nur durch Mineralöle, wie
z. B. Spindelölraffinat, sondern auch durch Triglyceride, wie z. B. Rüböl oder kältebeständiges
Spermöl, gebildet.-Beim Beizen wird durch die Bewegung während des- Beizprozesses
das Öl in Tröpfchen in der Beizbrühe verteilt. Diese Öltröpfchen werden bei Berührung
mit der Narbenoberfläche von dieser adsorbiert und als Film abgelagert. Der Beizbrühe
außerdem zugesetzte Emulgatoren können das Öl feiner verteilen, was aber für den'
erfindungsgemä-Lien Effekt nicht maßgebend ist. Es sind auch schon Beizverfahren
bekannt, die Netz- bzw. Emulgiermittel ohne Ölzusatz enthalten. Manche Emulgatoren,
z. B. Fettalkoholpolyglykoläther oder bestimmte kationische Emulgatoren haben an
sich schon eine gewisse grundlockernde Wirkung, die jedoch nicht an die der Öle
heranreicht. Außerdem sind die genannten Emulgatoren nicht in der Lage, die Narbenoberfläche
zugleich so geschmeidig zu machen, wie die Öle, die demnach den Emulgatoren in zweifacher
Hinsicht überlegen sind, wie aus nachfolgenden Vergleichsbeispielen ersichtlich
ist. Beispiel i a) Ein Ziegenfell wurde wie üblich mit Kalk und Schwefelnatrium
2 ,Tage geäschert, dann enthaart, entfleischt, ausgewaschen und wie folgt weiterbearbeitet
Die linke Hälfte wurde mit 300% Wasser von 35° C, 0,5 % eines Schimmelpilztryptase-Präparates
mit einem Enzymwert von 2500, 0,5% eines Bakterienprotease-Präparates mit einem
Enzymwert von 2500, r,o 0/a Ammoniumsulfat und 0,250/0
Spindelölraffinat bei
pH 6,5 bis 7,0 ¢ Stunden gewalkt und dann geglättet.
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Die rechte Hälfte wurde in gleicher Weise behandelt, aber unter Zusatz
von o,25 % Fettalkoholpolyglykoläther mit 7 Mol Äthylenoxyd auf z Mol Fettalkohol
an Stelle von Spindelölraffinat.
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Beim Glätten der Blößen nach beendeter Beize fiel zunächst auf, daß
die Grundlockerung bei der linken Hälfte deutlich besser war als bei der rechten
und ferner, daß die linke Hälfte auf dem Narben durch die Ausbildung des Ölfilms
viel glatter war.
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b) Ein wie oben für die Beize vorbereitetes Ziegenfell wurde wie folgt
weiterbehandelt: Die linke Hälfte wurde in gleicher Weise gebeizt wie unter r, a),
aber unter Zusatz von 0,250/0 Spindelölraffinat und 0,25% des gleichen Fettalko-.
holpolyglykoläthers wie oben an Stelle der unter r, a) verwendeten einzelnen Komponente.
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Bei der rechten Hälfte wurden die o,25 % Spindelölraffinat durch Emulgator
ersetzt, so daß o,50/0 des gleichen Fettalkoholpolyglykoläthers wie oben zugesetzt
wurden.
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Beim Glätten nach beendeter Beize war die Grundlockerung bei der linken
Hälfte deutlich besser als bei der rechten Hälfte, die linke Hälfte zeichnete sich
aber außerdem vor der rechten wiederum durch die größere Glätte und Geschmeidigkeit
des Narbens aus.
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Der Versuch zeigt also, daß die grundlockernde Wirkung von Spindelölraffinat
besser ist als die der gleichen Gewichtsmenge eines Fettalkoholpolyglykoläthers,
was weiter dadurch bekräftigt wird, daß die grundlockernde Wirkung eines Fettalkoholpolyglykoläthers
verbessert werden kann, wenn man ihn zur Hälfte durch Spindelölraffinat ersetzt.
Die Wirkung des Zusatzes von Spindelölraffinat zu einer Beizbrühe ist 'aber darüber
hinaus der eines Zusatzes von Polyglykoläther noch überlegen, da
er
den Narben viel glatter und geschmeidiger macht, was das mechanische Glätten der
Blöße erleichtert und diese zugleich vor Narbenbeschädigung schützt.
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Beispiel 2 Ziegenblößen werden bei einem p$ zwischen 6,5 und 7,5 mit
300% Wasser von 34 bis 36° C, 2 bis 5% Spermöl mit einer Kältebeständigkeit von
1° C, 0,6% Ammoniumsulfat behandelt. Nach 30 Minuten werden o,80/0 eines Schimmelpilztryptase-Präparates
zugegeben. Nach insgesamt 6 Stunden Beizdauer wird geglättet, entfleischt und wie
üblich weiterbearbeitet.
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Das der Beizbrühe zugesetzte Spermöl verteilt sich bei der Bewegung
während des Beizprozesses in Form von Öltröpfchen in der Flüssigkeit, die bei der
Berührung mit der Narbenoberfläche von dieser abgefangen und in Form eines hauchdünnen
Ölfilms auf der Narbenoberfläche und in den Poren des Narbens abgelagert werden.
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Beispiel 3 a) Für die Beize vorbereitete Rindsblöße wurde wie folgt
weiterbehandelt: Der eine Teil links der Rückenlinie wurde mit 300% Wasser von 35°
C, 0,6% eines Bakterienprotease-Präparates mit einem Enzymwert von 250o, 0,6% Ammoniumsulfat
und 0,5% Rüböl bei PH 7,5 4 Stunden bewegt und dann geglättet.
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Der entsprechende Teil rechts der Rückenlinie wurde ebenso behandelt,
aber unter Zusatz von 0,5°/o Dimethylbenzylammoniumchlorid an Stelle von Rüböl.
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Beim Glätten der Blöße ergab sich, daß die Grundlockerung bei dem
linken Teilstück deutlich besser war als bei dem rechten Teilstück und außerdem,
daß der Narben des linken Teilstückes viel glatter war, was sich zudem günstig auf
das Glätten auswirkte.
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b) Für die Beize vorbereitete Rindsblöße wurde wie folgt weiterbearbeitet:
Das eine Teilstück links der Rückenlinie wurde 4 Stunden in gleicher Weise wie unter
3, a) gebeizt, jedoch unter weiterem Zusatz von 0,5% Dimethylbenzylammoniumchlorid.
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Der entsprechende Teil rechts der Rückenlinie wurde unter Zusatz von
i,o% Dimethylbenzylammoniumchlorid an Stelle von je 0,50/a Rüböl und Dimethylbenzylammoniumchlorid
in gleicher Weise gebeizt.
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Beim Glätten zeigte sich, daß die Grundlockerung bei dem linken Teilstück
nicht nur besser war als bei dem rechten Teilstück, sondern daß das linke Teilstück
infolge des Ölzusatzes im Narben glatter war als das rechte Teilstück. Beispiel
4 Ein Ziegenfell wurde wie üblich mit Kalk und Schwefelnatrium 2 Tage geäschert,
dann enthaart, entfleischt, ausgewaschen und wie folgt weiterbearbeitet Die Blöße
wurde der Rückenlinie entlang geteilt. Die beiden Hälften wurden gemeinsam mit 300%
Wasser von 35° C, 0,6% eines Schimmelpilztryptase-Präparates mit einem Enzymwert
von 250o, 0,2% eines Pankreastryptase-Präparates mit einem Enzymwert von 2500 und
0,6% Ammoniumsulfat bei PH 8,5 und 35° C 3 Stunden bewegt.
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a) Nach dem Liegen über Nacht wurde die linke Hälfte mit io,o% gebrauchter
Beizbrühe unter Zusatz von i,o% Spindelölraffinat im Faß i Stunde gewalkt und anschließend
geglättet.-b) Die rechte Hälfte mit io,o% gebrauchter Beizbrühe unter Zusatz von
i,o% Dimethylbenzylammoniumchlorid im Faß i Stunde gewalkt und anschließend geglättet.
Beim Glätten ergab sich, daß die Grundlockerung bei der linken Hälfte wesentlich
besser war als bei der rechten Hälfte. Außerdem war die linke Hälfte wesentlich
glatter, was sich günstig auf das Glätten der Blöße auswirkte. Dies ist von besonderer
Bedeutung für das Glätten solcher Blößen auf der Maschine, da bei besonders empfindlicher
Rohware mechanische Beschädigungen .verhindert werden können.