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Verfahren zum Färben von Fasergemischen aus Cellulosefasern und Faserstoffen
tierischen Ursprungs mit neutral ziehenden Farbstoffen Es ist schon lange bekannt,
daß bereits zum Färben von Wolle gebrauchte, durch erneuten Zusatz von Farbstoff
und gegebenenfalls auch Säure aufgefrischte Färbebäder gleichmäßigere Färbungen
geben als die entsprechenden frisch angesetzten Bäder. Diese altbekannte Eigenschaft
der bereits einmal oder mehrmals zum Färben gebrauchten Bäder ist als eine Wirkung
der in ihnen enthaltenen Wollgelatine erklärt worden. Derartige, Wollgelatine oder
lösliche Hydrolysate der Wolle enthaltende Färbebäder haben zwar eine gute egalisierende
Wirkung, vermögen jedoch das Verkochen kochempfindlicher Farbstoffe nicht zu verhindern
(vgl. N. Ni kolajew, Chemisches Zentralblatt, 1932, I1.1298).
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Es ist ferner bekannt, als Hilfsmittel beim Färben von Textilgut Eiweißabbaustoffe
von der Art der Protalbin- und Lysalbinsäure zu verwenden, welche nach C. Päal (Berichte
der deutschen Chemischen Gesellschaft 35, 1902, $. 2195 ff.) durch
alkalische Hydrolyse von Albumin erhalten werden. Färbebänder, welche Protalbinsäure,
Lysalbinsäure oder deren Salze enthalten, wirken egalisierendund faserschonend,
sind jedoch nicht imstande, das Verkochen kochempfindlicher Farbstoffe zu verhüten.
Verwendet man an Stelle der nach Paal hergestellten reinen Protalbin- oder Lysalbinsäure
die durch alkalischen Aufschluß von Eiweiß erhaltenen technischen Hydrolysate, so
enthalten diese neben einem Gemisch von Polypeptiden und anderen Eiweißabbauverbindungen
auch geringe Anteile von Harnstoff. Auch solche technischen, durch alkalischen Aufschluß
erhaltenen Eiweißhydrolysate vermögen in den Färbebädern die Erscheinung des Verkochens
nicht zu verhindern, weil ihr Harnstoffgehalt sehr niedrig ist.
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Zur Verhütung fehlerhafter Färbungen durch Verkochen substantivier
Farbstoffe ist aus der Patentschrift 7o2 277 ein Verfahren bekannt, bei welchem
ein erheblicher Zusatz von Harnstoff zum Färbebade erfolgt.
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Es wurde nun gefunden, daß Zusätze von löslichen Peptiden, die synthetisch
aus schwefelfreien
Aminosäuren hergestellt sind, oder von löslichen
Peptidgemischen, welche aus Proteinen, die weniger Schwefel als Wolle oder Haare
enthalten, durch Abbau in saurem Mittel erhältlich sind, das vorerwähnte Verkochen
saurer und substantiver Farbstoffe beim Färben vdri Fasergemischen ins Cellulosefasern
und Fasern tierischen Ursprungs verhindern. Die Wirkung dieser Hilfsmittel beruht
möglicherweise darauf, daß sie zum Unterschiede von den in den alten, gebrauchten
Färbebädern enthaltenen Hydrolysaten der Wolle keine oder eine geringere reduzierende
Wirkung besitzen. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich auch von den durch alkalische
Hydrolyse erhältlichen Proteinabbau= stoffen. Die besten Ergebnisse erhält man mit
den durch Einwirkung anorganischer oder geeigneter organischer Säuren erhaltenen
Hydrolysaten aus solchen Proteinen, welche an sich schon einen sehr geringen Schwefelgehalt
aufweisen, wie z. B. Kollagen, Gelatine oder Leim. Zweckmäßig wird man als Ausgangsstoffe
solche Proteine oder Umwandlungserzeugnisse von Proteinen verwenden, die im Gegensatz
zu pflanzlichen Proteinen nicht für Ernährungszwecke geeignet sind.
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- - Mari kann auch in der Weise verfahren, daß man an Stelle von Hydrolysaten,
die durch an sich bekannte saure oder enzymatische Spaltung in saurem Mittel aus
schwefelärmeren Proteinen als Haare oder Wolle erhalten wurden, solche verwendet,
die während oder nach ihrem sauren Abbau mit geeigneten Oxydationsmitteln zur Beseitigung
ihrer reduzierenden Eigenschaften behandelt worden sind.
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Die erfindungsgemäß anzuwendenden Eiweißabbaustoffe brauchen nicht
in gereinigter Form angewendet zu werden. Da die unter Einwirkung nicht zu hoher
Temperatur aufgespaltenen Erzeugnisse von hellerer Farbe sind, ist es zweckmäßig,
die durch Spaltung erhaltenen Peptidgemische nach ihrer Einstellung auf einen Bereich
zwischen dem isoelektrischen Zustande und neutraler Reaktion ohne vorhergehende
Reinigung durch Dialyse zu verwenden, weil bei der Reinigung durch Dialyse ein beträchtlicher
Substanzverlust einzutreten pflegt. Man kann auch die gespaltenen Proteine oder
Proteingemische nach dem Einstellen auf etwa den isoelektrischen Zustand oder neutrale
Reaktion vor ihrer Verwendung durch Eindampfen, welches zweckmäßigerweise unter
vermindertem Druck erfolgt, in konzentriertere, besser haltbare Zubereitungen überführen.
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Die erwähnten Abbaustoffe besitzen eine bessere Schutzwirkung als
Harnstoff oder dessen Abkömmlinge und wirken faserschonend. Sie verhindern außerdem
in den üblichen, aus nicht erhärtetem Wasser hergestellten Färbebädern die Ausscheidung
unlöslicher Farbstofflacke von Substantiven Farbstoffen und beseitigen so die 1
bekannten Nachteile und Mängel, die u. a. in mangelhafter Durchfärbung bestehen.
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Da bei sehr dicht eingestelltem Färbegut auch lang andauerndes Färben
häufig nicht ausreicht um eine völlig gleichmäßig durchgefärbte Ware zu erzielen,
hat sich die Mitverwendung von polaren, stark oberflächenaktiven Verbindungen zur
Verbesserung der Durchfärbung im allgemeinen als vorteilhaft erwiesen. Solche als
Netzmittel bekannte Verbindungen, welche z. B. durch Einwirkung sulfonierender Mittel
auf Öle, ungesättigte Kohlenwasserstoffe oder Fettalkohole erhalten werden können,
vermögen wohl die Durchdringung des Färbegutes und damit auch das Durchfärben zu
verbessern, nicht aber das Verkochen zu verhüten. Wenn es sich aber darum handelt,
dicht Bepacktes, aus starken Garnen hergestelltes, dicht gewebtes oder dickes, gewalktes
oder gefilztes Gut zu färben, ist es zur Erzielung guter Durchfärbung bei gleichzeitiger
Verhinderung des Verkochens auch möglich, die erfindungsgemäß anzuwendenden Hilfsmittel
zusammen mit den stark oberflächenaktiv wirksamen Hilfsmitteln zu verwenden. Als
solche kommen neben den vorerwähnten auch andere als Netzmittel verwendbare Verbindungen
in Frage, i. B. alkylierte Naphthalinsulfonsäuren oder deren Neutralsalze, ferner
oberflächenaktive Acylderivate, welche nach Schotten-Baumann aus Aminosäuren, Eiweißspaltstoffen
oder .deen Derivaten und höhermolekularen organischen Säuren erhältlicsh sind.
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Das vorliegende Verfahren kann auch in der Weise abgewandelt werden,
daß beim Färben von Gemischen aus Faserstoffen tierischen Ursprungs, wie Wolle mit
Baumwolle, eine neutrale Reaktion im Färbebade angewendet wird, um damit zu bewirken,
daß der Farbstoff ge- i nügend stark auf die Baumwolle aufzieht, während beim Färben
von Fasergemischen, die Wolle und Kunstspinnfasern aus Kupferkunstseide enthalten,
das Färbebad besser ganz schwach sauer eingestellt wird, um eine gleich- i ,mäßige
Färbung der beiden Faserarten zu erzielen. Die vorliegenden Hilfsmittel haben die
Eigenschaft, die gewünschte Reaktion der Färbebäder sehr stabil zu halten, und üben
auch bei alkalischer Reaktion eine sehr gute Schutzwirkung aus. Beispiel r Man färbt
ein Mischgarn, das aus 5o °/o Wolle und 50°/o Viskosekunstspinnfaser besteht, mit
2°/a des durch Kuppeln von tetrazotiertem Benzidin mit dem sauer gekuppelten Farbstoff
aus diazotiertem z-Amino-4-nitrobenzol und z-Amino- 8- oxynaphtholin-3, 6-disulfonsäure
einerseits und Phenol andererseits in alkalischer Lösung hergestellten Trisazofarbstoffes
unter Zusatz von 30°/o kristallisiertem Natriumsulfat
und 60/, eines
aus Knochenleim nach Zd. H. Skraup und F. Hummelberger (Monatshefte für Chemie 29,
igo8, S. 455 bis 456) durch 7,5stündige Erwärmung auf 5o' in schwefelsaurer Lösung
erhaltenen und durch Einleiten von Ammoniakgas gegen. Lackmus neutralisierten Hydrolysats,
das rund 15% Eiweißspaltstoffe enthält, in einem Flottenverhältnis i : 3o. Man erhält
auch nach längerem Kochen eine klare grüne Färbung. Beispiel 2 Eine Ware, die 7o0/,
Wolle und 3o0/, Kunstspinnfaser aus Kupferkunstseide enthält, wird mit z,50/, des
durch Kuppeln von diazotierter i - Aminonaphthalin- 4,i'-azo - 4- oxybenzol-3'-carbonsäure
in alkalischer Lösung mit 2-Amino-8-oxynaphthalin-6-sulfonsäure erhaltenen Disazofarbstoffes
unter Zusatz vori 3o0/, Glaubersalz und 6% eines wie unter Beispiel i durch Einwirkung
von Schwefelsäure auf Fischleim gewonnenen und nach Zd. H. Skraup und F. Hummelberger
(Monatshefte für Chemie 29, igo8, S. 456, Zeilen 7 bis 8) neutralisierten, etwai5%Eiweißspaltstoffe
enthaltendenHydrolysats kochend gefärbt. Man erhält eine gleichmäßige, unverkochte
Färbung unter guter Schonung der Ware.