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Häkelgalonmaschine Gegenstand des Hauptpatents 800316 ist ein Verfahren
zur Herstellung von Gardinenstoffen und ähnlichen Textilwaren mit netzartiger Grundmusterung
auf einer Häkelgalonmaschine. Von allen zur Anfertigung solcher Waren dienenden
maschenbildenden Maschinen haben sich Häkelgalonmaschinen als besonders geeignet
erwiesen, weil man auf ihnen eine Ware mit ganz klarer und regelmäßiger netzartiger
Grundmusterung erhält. jede auf einer Häkelgalonmaschine hergestellte derartige
Ware besteht aus Kett- und Schußfäden, wobei die Kettfäden in Längsrichtung der
Fertigware verlaufende Maschenstäbchen bilden. Zur Herstellung des netzartigen Grundmusters
müssen die Schußfäden derart in die Maschenstäbchen der Kettfäden eingebunden werden,
daß sie durchgehende und in gewünschtem Abstand voneinander liegende Querfäden bilden.
Zur Erzeugung der Maschenstäbchen aus den Kettfäden dienen Häkelnadeln, die in Zusammenarbeit
mit den Fadenführern der Kettfäden, den sogenannten Lochnadeln, in einer im wesentlichen
waagerechten Ebene vor- und zurückgehen, wobei die Lochnadeln die Kettfäden während
jedes Arbeitstaktes der Häkelnadeln um diese schlingen. Die Schußfäden müssen zwecks
Einbindens in die Kettfäden durch ihre Fadenführer quer zur Bewegungsrichtung der
Häkelnadeln hin und her bewegt und außerdem für jede Schußlegung zwischen den einzelnen
Maschenstäbchen unter die Ebene der Häkelnadeln gebracht werden. Die Schußfadenführer
sitzen auf rapportgesteuerten Stangen oder Barren, die sich oberhalb der Häkelnadeln
quer zu deren Bewegungsrichtung im Takt der Rapportsteuerung hin und her bewegen.
Für jede Schußfadengruppe, die nicht zur Herstellung des netzartigen
Grundmusters
benötigt wird, ist eine weitere Schußstange erforderlich. Die Reichhaltigkeit der
Ziermusterung hängt also von der Anzahl der vorhandenen Schußstangen ab. Die Feinheit
der netzartigen Grundmusterung andererseits wird durch den seitlichen Abstand der
Häkelnadeln voneinander bestimmt.
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Bei den früher üblichen Häkelgalonmaschinen mußten zum Durchführen
einer Schußlegung die Schußfadenführer zwischen die Häkelnadeln gesenkt werden.
Die dadurch bedingten verhältnismäßig großen seitlichen Abstände der Häkelnadeln
voneinander gestatteten nur die Anfertigung von recht groben Netzmustern. Zur Vermeidung
dieses grundsätzlichen Nachteiles sollen nach der Vorschrift des Hauptpatents die
Schußfäden durch besondere hakenförmige Platinen zwecks Einbindens in die Kettfäden
unter die Ebene der Häkelnadeln heruntergezogen werden, die Schußfadenführer selbst
sich aber lediglich oberhalb dieser Ebene bewegen. Wegen der vergleichsweise sehr
kleinen Dicke der Hakenplatinen kann man die Häkelnadeln dicht nebeneinander anordnen
und dadurch Waren mit sehr feiner Netzmusterung herstellen.
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Bei der in der Patentschrift des Hauptpatents beschriebenen Häkelgalonmaschine
liegt die Schwenkwelle der Hakenplatinen unterhalb der Ebene der Häkelnadeln vor
der Abstreiferschiene der Fertigware. Diese Anordnung der Platinenwelle und die
Verwendung von Hakenplatinen wird jedoch noch nicht allen Anforderungen gerecht,
die bei der Benutzung sehr feiner Garne und der Anfertigung feiner, reichhaltig
gemusterter Häkelwaren auftreten. Der an jeder Platine vorgesehene, nach innen vorspringende
Haken kann im entscheidenden Augenblick, wo er den zugehörigen Schußfaden unter
die Ebene der Häkelnadeln herunterziehen soll, leicht mit der Abstreicherschiene
in Berührung kommen. Unter Umständen stößt der Haken schon gegen diese Schiene,
bevor der im Haken hängende Schußfaden tief genug heruntergezogen ist und das Einbinden
des Schußfadens in das zugehörige Maschenstäbchen störungsfrei vonstatten gehen
könnte. Ferner hat sich gezeigt, daß die Platinenhaken bei Verwendung empfindlicher
Garne die Oberfläche der Schußfäden angreifen können; denn bei der Abzugsbewegung
der Platine muß der Schußfaden eine gewisse Strecke im Platinenhaken gleiten, wodurch
eine Scheuerwirkung auftritt. Auch besteht bei Führung mehrerer Schußfäden in einem
Platinenhaken die Gefahr, daß die Fäden im Haken klemmen.
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Die Erfindung bezweckt, eine Häkelgalonmaschine zu schaffen, die von
den erwähnten Mängeln frei ist und sich daher zum Durchführen des Verfahrens nach
dem Hauptpatent eignet. Erfindungsgemäß sind die zwischen die Häkelnadeln greifenden
Platinen als geradlinige, also hakenfreie Finger ausgebildet und an einer hinter
den Schußfäden und oberhalb der Ebene der Häkelnadeln liegenden Schwenkwelle angeordnet.
Die durch die Welle nach vorn geschwenkten Platinen greifen dementsprechend schräg
von oben und hinten her an den jeweils in ihren Bereich kommenden Schußfäden an,
was von der Rapportsteuerung der betreffenden Schußstangen abhängt, und drücken
bei weiterer Schwenkung nach unten die ergriffenen Schußfäden unter die Ebene der
Häkelnadeln, worauf die Schußfäden dann in der geschilderten Weise in die zugehörigen
Maschenstäbchen der Kettfäden eingebunden werden.
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Bei Raschelmaschinen, die mit lotrecht stehenden und lotrecht bewegten
Zungennadeln arbeiten, sind Schußfadeneinlegeplatinen bekannt, die den vor den Nadeln,
also auf der Hakenseite der Nadeln, gelegten Schußfaden hinter die Nadeln bringen.
Diese Platinen sind jedoch mit einem fingerartigen Teil versehen, auf den der Schußfaden
zunächst abgelegt w=ird, und mit einer Hakennase zum Verlegen des Schußfadens hinter
die Nadeln. Gerade, nadelartige Platinen, die mit einem Schußfaden zusammenwirken,
sind bei Raschelmaschinen zwar ebenfalls bekannt, doch befindet sich die Tragschiene
für diese Platinen auf der dem Haken abgewandten Seite der Zungennadeln, und diese
Platinen haben nur die Aufgabe, den auf sie und hinter den Nadeln verlegten Schußfaden
zu halten. In beiden Fällen handelt es sich um das Verarbeiten eines durchgehenden
Schußfadens und nicht um Schußfäden zur beliebigen Musterung.
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Bei der erfindungsgemäßen Häkelgalonmaschine bleibt der Raum vor der
Fertigware und den Schußfäden, wenn man von den notwendigerweise vorhandenen Lochnadeln
für die Maschenlegung der Kettfäden absieht, völlig frei. Dadurch ergibt sich ein
freies Blickfeld auf die Arbeitsstelle der Maschine und eine bessere Überwachungsmöglichkeit
der einzelnen Arbeitsvorgänge. Außerdem haben die Lochnadeln für ihre erforderlichen
Bewegungen mehr Spielraum als bei der bekannten Häkelgalonmaschine nach dem Hauptpatent.
Infolge Verwendung hakenfreier Platinen fällt weiterhin ein Scheuern der Schußfäden
an den Platinenhaken fort.
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Die Schwenkwelle der hakenfreien Fingerplatinen kann gegebenenfalls
quer zu ihrer Schwenkachse verschiebbar angeordnet sein, um eine sogenannte Translationsbewegung
dieser Welle zu ermöglichen. Beim Verschieben der Welle nach hinten zieht sie die
heruntergeschwenkten, zwischen die Häkelnadeln greifenden Platinen schräg nach hinten
aus der Ebene der Häkelnadeln heraus, während die von den Platinen unter die Nadelebene
gebrachten Schußfäden durch die Häkelnadeln in die zugehörigen Maschenstäbchen der
Kettfäden eingebunden werden. Wenn die Platinenwelle dann wieder nach vorn eht,
sticht sie die Platinen von neuem schräg von' oben und hinten her zwischen die Schußfäden
ein. Die Translations- und die Schwenkbewegung der Platinenwelle können sinngemäß
miteinander gekoppelt sein, indem die beiden Bewegungen in bestimmtem Rhythmus nacheinander
oder gleichzeitig erfolgen.
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Wenn man die Platinenwelle nahe genug an die Arbeitsstelle der Häkelgalonmaschine
heranrückt und entsprechend kurze Platinen verwendet, so
kann man
sich unter Verzicht auf eine Translationsbewegung der Welle mit einer einfachen
Drehbewegung der Welle begnügen. Auch in diesem Fall ist wesentlich, daß die geradlinigen
hakenfreien Fingerplatinen an den jeweils in ihren Bereich kommenden Schußfäden
schräg von hinten und von oben her angreifen und die ergriffenen Schußfäden unter
die Ebene der Häkelnadeln hinabdrücken können.
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Zwar ist es bereits an Häkelstühlen, die sich zur Befestigung von
Zierfäden, Stickereien od. dgl. mit und ohne Perlen auf fertigen Geweben aller Art
im wesentlichen gleicher Maschenbildungswerkzeuge wie der Erfindungsgegenstand bedienen,
bekannt, die mit den Schußfäden des Erfindungsgegenstandes vergleichbaren Perlfäden
ebenfalls durch ein um ein hinter den Perlfäden und oberhalb der Häkelnadeln liegende
Welle schwenkendes, kammartiges Werkzeug unter die Ebene der Häkelnadeln bringen
zu lassen, das gleichzeitig die Aufgabe eines Schußfadenführers übernimmt.
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Dieses Werkzeug besteht jedoch durch die Verschiedenartigkeit der
Maschine bedingt aus einer einer großen Anzahl von Schußfäden zugeordneten, mit
kammartigen Ausfräsungen versehenen Schiene, deren Zähne infolge ihrer Belastung
nicht die angestrebte Feinheit der erfindungsgemäßen Einzelplatinen erreichen können.