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Verfahren zumWeichen von trockenen Häuten und Fellen aller Art Bekanntlich
macht das Weichen von an der Luft getrockneten Häuten und Fellen, besonders solchen
tropischer oder subtropischer Herkunft, erhebliche Schwierigkeiten, die besonders
groß sind, wenn es sich um Großv iehhäute .handelt, die mit Formaldehyd oder Sublimat
enthaltenden Konservierungs- oder Desinfektionsmitteln imprägniert sind. Solche
Häute lassen sich in reinetn Wasser selbst nach Wochen nur unvollkommen weichen,
wobei gleichzeitig bedeutende Hautsubstanzverluste eintreten.
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Die beschleunigende Weichwirkung von Alkalihydroxyden oder -sulfiden,
wie Ätznatron oder Schwefelnatrium, tritt bei diesen Häuten erst nach mehrtägiger
Einwirkung und auch dann nur unvollkommen ein, da die Häute, ohne vorher weich zu
werden, sofort in einen Schwellungszustand übergehen, den sie normalerweise erst
im Äscher erhalten sollen. Die Folge davon ist, daß ein grober und loser Narben
an den fertigen Ledern zu beobachten ist.
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Es wunde nun gefunden, daß eine überraschend schnelle und gründliche
Weichwirkung erzielt wird, wenn man die trockenen Häute und Felle mit wäßrigen Lösungen
von aliphatischen Aminen behandelt, welche einen oder mehrere organische Reste mit
einer oder mehreren Oxygruppen enthalten. Es zeigte sich, daß bis`veilen bereits
nach 6 Stunden ein Weicheffekt eintritt, der mit keinem der bisher bekannten Mittel
zu erreichen war. Gleichzeitig erhalten die Häute die der normalen Weiche eigentümliche
Quellung, wodurch sie dem in der Weiche erstrebten Zustande dei# Haut nach der Schlachtung
sehr nahe kommen. Als weiterer Vorteil sei erwähnt, daß die Weichmittel .die Haarlässigkeit
im Äscher in keiner Weise beeinflussen und ein feiner, glatter und festsitzender
Narben erzielt wird.
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Man hat zwar schon vorgeschlagen, netzend wirkende aliphatische, isocyclische,
aromatische bzw. partiell hydrierte Verbindungen zum Weichen von Leder und Häuten
zu benutzen. Bei dem beschriebenen Verfahren handelt es sich dagegen speziell um
die Verwendung von Lösungen aliphatischer Amine ganz bestimmter Zusammensetzung
für die genannten Zwecke, die bisher noch nicht bekannt war. Die Anwendung der im
vorliegenden Fall beanspruchten speziellen Mittel zum Weichen von Leder und Häuten
ist mit einer ganz besonders vorteilhaften Wirkung verbunden, indem der Weichvorgang
bereits bei Anwendung außerordentlich geringer Mengen der Mittel sehr rasch und
vollständig vor sich geht.
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Beispiel r Trockene javakipse, die mit einer Formaldehyd enthaltenden
Flüssigkeit desinfiziert waren, werden in einer Weichflüssigkeit,
welche
pro Liter Wasser i g Monoäthanolamin enthält; eingelegt. -Nach 6 Stunden beginnt
das Weichen; der optimale Quellungseffekt .ist nach-etwa: -i:2-Stunden eingetreten,
und die Gewichtszunahme (.Weicheffekt) beträgt 2io o/0. An Stelle von Monoäthanolamin
kann man mit .dem gleichen Erfolge L:ycloliexyläth,anolamin verwenden.
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Beispie12 Trockenhäute werden mit einer Lösung, die pro Liter Wasser
i g Diäthanolamin enthält, behandelt. Das Weichen beginnt nach 2d. Stunden, das
Ouellnngsoptimum beträgt --#n0 °/o Beispiel 3 Trockenhäute werden mit einer Lösung,
die pro Liter Wasser i g Triäthanolamin enthält, behandelt. Das Weichen beginnt
nach 24 Stunden, das Quellungsoptimum beträgt 200 0/0, der Weicheffekt 18910/".
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An Stelle des genannten Mono-, Di- und Triäthanolamins kann man auch
in gleicher Weise und mit etwa der gleichen Wirkung O,1o/oi.ge Lösungen folgender
Amine verwenden: Dimethyläthanolamin, Methyläthylbutanolamin, Methy läthanolpropanolätliyl.erndiamin,
Äthanolpropanoläthylentetramin und Polyäthanolamin. Die Einwirkungsdauer beträgt
zweckmäßig 24 Stunden.
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Beispiel q.
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Schwere Rio-Grande-Häute werden mit einer Flüssigkeit, die i g Monobutanolamin
pro Liter Wasser enthält, behandelt. Nach 72 Stunden sind die Häute vollkommen geweicht
und zeigen nunmehr ein Gewicht von 230'1, ihres Trockengewichtes.
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- Beispiel Trockene jav akipse werden 72 Stunden lang in einem Bad,
das i g Methylbutanolamin pro Liter Flüssigkeit enthält, behandelt. ioo kg der trockenen
Häute besitzen nach dieser Behandlung ein Gewicht von 233 kg. Beispie16 Eine Weichflüssigkeit
mit einem Gehalt von i g Polyäthanol.amin pro Liter Wasser erhöht das Gewicht von
trockenen javakipsen nach 2tägiger Behandlung auf 213 0/0.
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In einer Veröffentlichung theoretischer Natur über den Chemismus des
Enthaarungsprozesses, welche sich mit den chemischen Einwirkungen des Enthaarungsbades
(Calcitimhydroxyds) auf die Epidermis und mit der chemischen Zusammensetzung bereits
einige Zeit lang gebrauchter Enthaarungsbäder befaßt, wurde auch im Anschluß an
die Beobachtung, daß in letzteren Bädern stets gewisse Mengen Amine auftraten, durch
künstlichen Zusatz von Methylamin zu aminfreien, aber schwefelhaltigen Enthaarungsbädern
eine beschleunigende Wirkung auf den Enthaarungsvorgang festgestellt. Diese Wirkung
zeigte sich auch dann, wenn das Amin der der Enthaarung vorangehenden Weiche zugesetzt
wurde; sie zeigte sich weniger oder gar nicht bei sekundären und tertiären Aminen.
Eine Verbesserung des Weichvorganges selbst wurde dabei nicht beobachtet. Die Autoren,
deren Ziel lediglich in der theoretischen Aufklärung der Vorgänge bei der Enthaarung
bestand, kamen zu dem Schluß, daß die Beschleunigung der Enthaarung durch-die Amine
auf eine unmittelbare cheinischeUmsetzung der letzteren mit dem epidermalen Keratin
zurückzuführen sei. Die Veröffentlichung bot insbesondere auch deshalb keine Anhaltspunkte
für die Lösung der vorliegenden Aufgabe, weil bei den erwähnten Versuchen ausdrücklich
gesalzene Häute zur Anwendung gelangten, also ein Material, bei dem die eingangs
geschilderten, beim Weichen getrockneter Häute auftretenden Schwierigkeiten nicht
besteheü. In der Tat hat denn auch Methylamin keinerlei praktische Anwendung für
den vorliegenden Zweck gefunden. Dieser Stoff wäre in der Praxis den gemäß der Erfindung
anzuwendenden Oxyalkylaminen in mehrfacher Hinsicht erheblich unterlegen. Während
Methylamin ein unter normalen Bedingungen gasförmiger Körper von bekanntlich sehr
üblem Geruch ist, stellen die Oxyalkylamine unter normalen Bedingungen nichtflüchtige
Flüssigkeiten dar, .die keinen störenden Geruch aufweisen. Sie sind einfacher und
bequemer zu transportieren und zu handhaben als Methylamin oder dessen wäßrige Lösungen.
Bezüglich des Weichvorganges selbst sind sie vor allem zufolge ihrer schwächeren
Basizität den entsprechenden nichthydroxylierten Aminen überlegen. Sie führen zu
einer besonders gleichmäßigen Erweichung der gesamten Haut, im Gegensatz zu stärker
basischen Körpern, die leicht örtliche Schwellungen verursachen können; der PH-Wert
(Wasserstoffionenkonzentration) des Methylamins wurde in einer Lösung von 1/loo
Mol in 1 1 Wasser mit 11,05 bestimmt, während beispielsweise .eine Lösung von 1/10o
Mol Triäthanolamin in 1 1 Wasser einen-.Wert von 9,95 und eine entsprechende Lösung
von %o Mol einen solchen von _10,75 ergab. Als ein besonderer Vorteil der neuen
Weichmittel hat sich auch die Möglichkeit erwiesen, die Bäder
in
praktisch unveränderter Wirksamkeit wiederholt verwenden zu können.