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Verfahren zur Herstellung von Kalksalpeter und Phosphorsäure oder
Stickstoff- und Phosphorsäuredüngemitteln Die bekannten Verfahren zum Aufschluß
'voll Rohphosphaten erfordern zum Teil Verwelidung voll Schwefelsäure, wobei aber
der Kalk des Rohphosphates als Gips erhalten wird, der einen wertlosen Ballaststoff
bzw. ein lästiges Abfallprodukt bildet.
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`Veiln anstatt Schwefelsäure Salpetersäure benutzt wird, bleibt der
Stickstoffgehalt der Salpetersäure erhalten, da die Salpetersäure an den Kalk des
Rohphosphates gebunden wird.
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Für den Aufschluß von Rohphosphaten mittels Salpetersäure sind verschiedene
Verfahren bekannt. Die weitaus zahlreichsten Vorschläge haben die Herstellung sogenannter
Nitrophosphate zum Gegenstand und beruhen auf der Umwandlung der Rohphosphate in
ein trocknes Gemisch von Calciumnitrat, mit mehr oder weniger Kristallwasser, und
Calciumphosphaten, das unmittelbar als Düngemittel Verwendung finden kann. Für diese
Verfahren, die immer nur einen Teil des Rohphosphatkalkes in Calciumnitrat überführen,
wird Salpetersäure von mittlerer Konzentration, et-,va 6o- bis 7O°/oige, benutzt.
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@Veiter ist es vorgeschlagen worden, die Rohphosphate in Lösung zu
bringen und aus dieser Lösung den gesamten Kalkgehalt des Rohphosphates durch Fällung
mit Ammoniumsulfatlösung o. dgl-. als Calcinrnsulfat@°-"abztrscheiden.
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In der Patentschrift 33% 154 ist ein Verfahren angegeben, aus Rohphosphat
Calciumnitrat und freie Phosphorsäure herzustellen. Gemäß diesem Verfahren, das
auf der Unlöslichkeit des Calciumnitrates in konzentrierter Salpetersäure beruht,
wird das fein gemahlene Rohphosphat finit Salpetersäure vom spezifischen Gewicht
r,52 behandelt, wodurch ein breiiges, aus Calciumnitrat und Phosphorsäure bestehendes
Reaktionsprodukt erhalten wird. Die Masse wird dann nachträglich mit der mehrfachen
Menge konzentrierter Salpetersäure vermischt, worauf das ungelöste Calciumnitrat
von der Lösung von Phosphorsäure in konzentrierter Salpetersäure getrennt wird.
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Als eine Modifikation dieses Verfahrens wird in der genannten Patentschrift
vorgeschlagen, das Rohphosphat zunächst mit einer weniger starken Salpetersäure
aufzuschließen und alsdann die Aufschlußmasse mit so viel hochkonzentrierter Salpetersäure
zu versetzen, daß das Calciumnitrat praktisch vollständig ausgefällt wird. Gemäß
der Patentschrift muß hierfür die Flüssigkeit ,wenigstens 8o°,1oige Salpetersäure
enthalten.
Diese Arbeitsweise bedingt aber einen ganz gewaltigen
Überschuß all Salpetersäure. Wenn beispielsweise zur Lösung des Rohphosphates
ZUM ichst eine OoO/oige Salpetersäure benutzt wird und die Ausf*ällun des
Calciumnitrates durch Zusatz von loo0/0iger Salpetersäure bewirkt wird, wird ein-
Salpetersäureüberschuß i-on 2oo11jo nötig sein. Wenn dieAusfällung des Calciuinnitrates
durch Zusatz von goo, 1oiger Salpetersäure bewirkt werden soll, ist der erforderliche
Säureüberschuß natürlich noch viel größer und beträgt annähernd 300 0@0. damit die
angegebene Endkonzentration der Säure erreicht wird. Es liegt auf der Hand, (laß
ein Verfahren, (las derartige Mengen Hochkonzentrierter Salpetersäure erfordert,
praktisch sowohl. aus technischen wie aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage
kommen kann.
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Außerdem kommt noch hinzu, daß das durch Fällung ausgeschiedene Calciuinnitrat
in sehr fein verteilter schlammiger Gestalt auftritt und sehr schwierig zu filtrieren
und zii waschen ist.
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In Gegensatz zu dem genannten auf der Unlöslichkeit des Calciumnitrates
in konzentrierter Salpetersäure -beruhenden Verfahren fußt die v(»-liegende Erfindung
auf (leg von den Erfindern gemachten überraschenden Beobachtung, daß aus der mittels
Salpetersäure voll mittlerer Konzentration erhaltenen Lösung voll Calciumnitrat
und freier Phosphorsäure das erstere durch Abfühlen weitgehend auskristallisiert
werden kann.
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Gemäß der vorliegenden Erfindung wird durch Anwendung von Salpetersäure
von mäßiger Stärke, vorzugsweise-.von 45 bis 650 ;'0, das Rollphosphat in
eine Lösung von Calciumnitrdt und freier Phosphorsäure übergeführt. Aus dieser Lösung,
die keinen großen Überschuß all Salpetersäure zu entgalten braucht, wird unter Einhaltung
von geeigneten Konzentrationen und Temperaturen durch Abkühlung ein sehr großer
Teil des im Rohphosphat enthaltenen Kalkes als wohl ausgebildete Kristalle der Zusammensetzung
Ca (N03)_ # .4 H=O mit theoretischem Wassergehalt erhalten.
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In diesem Verfahren wird die Abscheidung des Kalkes als Calciumnitrat
durch Kristallisation aus einer im wesentlichen wässerigen Phosphorsäurelösung bewirkt.
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Ein Zusatz hochprozentiger, Salpetersäure in großen Mengen als Fällungsmittel
ist hierbei nicht nur nicht notwendig, sondern entbehrt jeder technischen Begründung
und ist in Wirklichkeit durchaus unzweckmäßig. Das neue Verfahren erreicht einen
bei weitem leichteren und einfacheren Aufschluß als das obenerwähnte, bei dem starke
Salpetersäure von So % und mehr zur Verwendung kommt, und die Trennung des Kalkes
und der Phosphorsäure im Rohphosphat kann in ganz anderer und viel einfacherer Weise
verwirklicht werden als nach irgendeinem sonstigen bisher beschriebenen Verfahren.
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Die in der Patentschrift 337 154 erwähnte Anwendung von Kugelmühlen
u. dgl., um die Umsetzung des Phosphates mit der Salpetersäure zu erleichtern, ist
nach dem neuen Verfahren ganz überflüssig. Die ausschließliche Anwendung von niederprozentiger
Salpetersäure bietet außerdem große Vorteile sowohl in technischer und fabrikhygienischer
als vor allen Dingen- auch in wirtschaftlicher Beziehung.
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Nach dem neuen Verfahren ist es sogar möglich, die Auflösung des Phosphates
mit nur der theoretischen Menge niedrigprozentiger Salpetersäure durchzuführen.
Man erhält also' das überraschende Ergebnis, (laß inan nach dem Verfahren mit Salpetersäure,
die den an sich leicht löslichen Kalksalpeter bildet, durch Einhaltung der angegebenen
Bedingungen letzteren praktisch fast quantitativ in unlösliche Form bringen kann,
und (laß also der Aufschluß mittels Salpetersäure sich ganz analog dein üblicher.
Aufschlußverfahren von Phosphaten mittels Schwefelsäure gestaltet, wodurch unlöslicher
Gips gebildet wird. Gemäß den Gleichungen Ca3(P04)=+ G HNOg + z2H@0 =3-Ca(@TO3)z'4Hz0+2H3P0,,
(I) Ca3(P04)=+3H2-S04-f-CH=O-- 3 Ca S 04 - 2 H2 O + 2 H3 P 04 (2) die auch die Rolle
des Kristallwassers darlegen,- wird nach beiden Verfahren der Kalk des Phosphates
ausgeschieden und von der I'liosphorsäure getrennt, mit dem Unterschied jedoch,
daß nach dem Verfahren der Erfindung das Aufschlußmittel, die Salpetersäure, zusammen
mit dem Kalk des Phosphates als wertvoller Kalksalpeter gewonnen wird, während nach
dein Schwefelsäureverfahren das Aufschlußmittel mit dem Kalk des Phosphates als
wertloser Gips erscheint, der nur ein lästiges Abfallprodukt darstellt.
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Es ist aus dem oben Dargelegten leicht ersichtlich, daß durch das
neue Verfahren sich neue Wege und Möglichkeiten eröffnen für eine technisch und
wirtschaftlich weit vorteilhaftere Verarbeitung von Rohphosphaten, als durch die
bisherigen Verfahren zu erreichen war.
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Das neue Verfahren dürfte sich besonders für die Anwendung der durch
Verbrennung von synthetischem Ammoniak und Absorption der gebildeten Stickoxyde
in Wasser dargestellten Salpetersäure eignen. Die so gewonnene Säure kann leicht
in der Stärke von
50 % erhalten werden und wird zweckmäßig unmittelbar
für das Verfahren benutzt.
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Es hat sich herausgestellt, daß durch Behandlung von Rohphosphaten
mit Salpetersäure von dieser Stärke und in der zur Umsetzung des Calciumphosphates
und des Calciumcarbonates theoretisch notwendigen Menge bzw. in einem geeigneten
vorzugsweise geringeren Überschuß es möglich ist, eine Lösung solcher Konzentration
zu erhalten, daß praktisch reines Calciumnitrat Ca(NO3)2#4H20 auskristallisiertunddurch
geeignete Abkühlung in _Mengen, :welche 900 /" und mehr des vorhandenen Kalkgehaltes
entsprechen, abgeschieden wird. Der ausgeschiedene kristallisierte Kalksalpeter
wird sehr leicht ganz trocken abfiltriert oder abgeschleudert und kann in an sich
bekannter Weise weiterverarbeitet «-erden: Die Mutterlauge, die aus einer verhältnismäßig
konzentrierten Phosphorsäurelösung finit - wenig Kalksalpeter besteht und gegebenenfalls
einen Überschuß an freier Salpetersäure enthält, eignet sich vorzüglich zur Verarbeitung
auf gemischte Düngemittel, Phosphorsäure, Ammoniumphosphate, .4lkaliphosphate oder
andere Salze usw. nach verschiedenen Verfahren.
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Auf die angegebene Weise gelingt es sehr leicht . und mit sehr niedrigen
Kosten, das Rohphosphat zu zerlegen, einerseits in ein wertvolles Stickstoffdüngemittel,
wie Kalksalpeter, und andererseits in eine starke phosphorsäurehaltige Lösung. Im
Vergleich finit den neueren Verfahren zur Herstellung von Phosphorsäure durch reduzierendes
Schmelzen von Rohphosphaten und Oxydation der entweichenden Phosphordämpfe hat das
vorliegende Verfahren den Vorzug, daß es bei gewöhnlicher Temperatur, in einer einfachen
Apparatur und mit einem äußerst geringen Kraftverbrauch ausgeführt wird. Die Eindampfkosten
werden ebenfalls gering, weil man in Gegensatz zu den Schwefelsäureverfahren mit
verhältnismäßig konzentrierten Lösungen arbeitet.
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Einige Beispiele erläutern verschiedene Ausführungsformen des Verfahrens.
Beispiel i Zur Anwendung kam ein Algierphosphat mit einem Gehalt von 35,o M, P-05-76,4%
Ca, (P 04) 2 und io % Ca C 03. Der gesamte Kallcgehalt des Phosphates war also 479.
Ca0. Auf ioo Teile Rohphosphat sind zur Bindung dieser Kalkmenge i05,8 Teile HN03
erforderlich. Als 5o0[oige Salpetersäure gerechnet, ist der theoretische Verbrauch
211,6 Gewichtsteile oder 16o Raumteile vom spezifischen Gewicht 1,317.
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Es wurden für den Versuch 8o Teile Rohphosphat angewendet, die theoretisch
169,3 Gewichtsteile oder 128 Raumteile 5o0;oiger Salpetersäure erfordern.
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Das Rohphosphat wurde vor der Behandlung tnit Salpetersäure geglüht,
um organische Stoffe und andere Verunreinigungen unschädlich zu machen, die Schaumbildung
undlangsames Filtrieren bewirken können. Durch die Beseitigung der organischen Bestandteile
wird außerdem jede Bildung von Stickoxyden während der Auflösung vermieden: 8o Teile
Phosphat, die 75 Teile geglühte Masse ergaben und 28 Teile P20, und 37,6 Teile Ca0
enthielten, gingen durch Behandlung mit Zoo Teilen 5o0/0iger Salpetersäure unter
Rühren schnell in Lösung, und zwar ohne nennenswerte Schaumbildung und ohne Entwickelung
von- Stickoxyden. Die Temperatur stieg bei der Auflösung von selbst auf
65' C und wurde bei dieser Temperatur durch Isolieren des Lösungsgefäßes
gehalten. Die Auflösung dauerte etwa 2 Stunden.
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Die benutzte Salpetersäuremenge entspricht einem Überschuß von etwa
18 0/0 über die zur Überführung des Rohphosphates in Calciumnitrat und freie Phosphorsäure
erforderliche Menge hinaus.
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Die erhaltene Lösung, die 263 Gewichtsteile wog, wurde warm filtriert,
um die unlöslichen Verunreinigungen zu entfernen. Das Filtrieren verlief verhältnismäßig
glatt. Auf dein Filter verblieb ein Niederschlag, der ohne Auswaschen getrocknet
8,5 Gewichtsteile ausmachte. Nach Auswaschen mit wenig Wasser und nochmaligem Trocknen
verblieben 5 Teile eines salpetersäurefreien unlöslichen Rückstandes. Das Waschwasser,
eine verdünnte, Kalksalpeter und Phosphorsäure enthaltende Lösung, kann beispielsweise
einem Salpetersäureturmsystem zugeführt werden, wodurch das Eindampfen wegfällt.
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Das klare Filtrat, das hauptsächlich freie Phosphorsäure, einen Überschuß
an Salpetersäure sowie Calciumnitrat enthält, wurde auf minus io° C abgekühlt. Die
Lösung wurde mit einem Calciumnitratkristall geimpft, worauf Calciumnitrat unmittelbar
als Ca(NOs)2 # 4H20 auskristallisierte und auf einem Vakuumfilter - abfiltriert
wurde. Es wurden 13o Teile Calciumnitrat erhalten, das unmittelbar nach dem Abnutschen
einen Gehalt von 11,404 Stickstoff aufwies und nur geringe Mengen an der Kristallmasse
lediglich oberflächlich anhängender Phosphorsäure enthielt. Durch langsame Abkühlung
wurden sehr leicht ganz reine, große Kristalle von einem Gehalt von 11,8 % Stickstoff
gegen theoretisch 11,86 % erhalten.
Die Ausbeute an- Nitratkristallen,
I3oTeile, entspricht etwas mehr als 8o °1" des anwesenden Calciums, (las theoretisch
r58,() Teile kristallisiertes Nitrat ergeben würfle. Bei stärkerer Kühlung und durch
ein wirksaineres und rascheres Filtrieren, z. B. durch Schleudern der* Kristallmasse,
darf man finit einer nicht unwesentlich größeren Ausbeute an ausgeschiedenem Calciumnitrat'
rechnen sowie auch mit einer praktisch vollständigen Beseitigung der anhängenden
Mutterlauge.
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Das abfiltrierte Calciumnitrat, das wegen der anhängenden Mutterlauge
sauer ist, kann nach Hnimifllgting von etwas- gepulvertem Kalkstein oder von freiem
Kalk, z. B. in Form von gelöschtem Kalk, oder von J#innioniak bz-w. Amnioniumcarbonat
unmittelbar calciniert ünd-auf die übliche Handelsware mit 13,o bis 15,5"/, 1T verarbeitet
werden. Das Erzeugnis ist weiß und sehr rein. Das Filtrat enthält den Rest des im
Rohphosphat enthaltenen Kalkes, die überschüssige freie Salpetersäure sowie die
l?hosphorsäure. , Es wurden f)5 Raumteile Filtrat vom spezifischen Gewicht 1,4.-
r33 Gewichtsteile erhalten.
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Die Zusammensetzung der Lösung war:
| 20,0°,`,i P.,0, als freie Phosphorsäure...... 27,6°j0 H3P04
. |
| 2,6°i'° Stickstoff als freie Salpetersäure... 1=,7°11u HNO. ) |
| 2,6011(i Stickstoff als gelöstes Ca(\03).,... 16,o°%"
Ca (N03)., |
| Im ganzen 55,3 'h, wertvolle Verbindungen |
| _ und : 44,70/" Wasser |
| 1oo,o°lti |
Die Zusammensetzung der Lösung kann übrigens in ziemlich weiten Grenzen wech-' sehr.
Bei einem geringeren Überschuß an Salpetersäure, als der . oben benutzte, und höherer
Konzentration der Säure sowie durch möglichst weit geführte Kristallisation des
Kalksalpeters kann die Lösung mehr freie Phosphorsäure und weniger freie Salpetersäure
und Kalksalpeter enthalten.
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Wie aus dem Beispiel ersichtlich, sind nur etwa 44 °i° Wasser zu entfernen,
um wasserfreie Produkte zu erzielen. Durch die genannten Maßregeln kann die Menge
des <tssers weiter erniedrigt werden.
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Die Lösung kann sehr leicht unimittelbar auf verschiedene Stickstoff
und Phosphorsäure enthaltende Erzeugnisse verarbeitet werden. In diesem Zusammenhang
ist zu erwähnen, daß eine zweckmäßige unmittelbare Verarbeitung der - Lösung auf
brauchbare hochkonzentrierte Erzeugnisse nach den bisher vorgeschlagenen Salpetersäureverfahren
kaum möglich ist.
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Beispiel'2 .
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Dieses Beispiel erläutert die Anwendung eines etwas größeren Überschusses
an Salpetersäure: 8o Teile Rohphosphat bzw. 75 Teile geglühtes Phosphat der in Beispiel
i genannten Zusammensetzung wurden unter Umrühren in 2I0 Gewichtsteilen Salpetersäure
vom spezifischen Gewicht 1,4 (- 65 011Q HN 03) gelöst. Der Überschuß an Salpetersäure
beträgt in diesem Falle gegen 6o °i°. Bei der Auslösung stieg die Temperatur auf
etwa 6o0 C. Unlösliche Verunreinigungen wurden abfiltriert. Das Filtrat wurde auf
minus 15' gekühlt und der ausgeschiedene Kalksalpeter. 135 Teile, auf einem
Vakuumfilter von *der Mutterlauge abgesaugt. Der Überschuß an Salpetersäure ,nacht
die Lösung weniger viskos und erleichtert (las Absaugen. An sich ist aber ein solcher
Überschuß keine \Totwendigkeit.
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Schließlich soll noch beispielsweise an1egeben werden, wie man mit
fast der theoretischen Salpetersä uremenge arbeitet. Beispiel 3 Zoo kg Rohphosphat
der obenerwähnten Zusammensetzung, die also 35 Teile P=05 und 47 Teile Ca0 enthielten,
wurden. in 20q.,6 Teilen Salpetersäure von
5501, gelöst, was einem Ü berschuß
von
6 1,11, über die theoretische Menge hinaus entspricht. Bei der Auflösung
stieg die Temperatur auf 70'C. Sonstige Zufuhr von Wärme fand nicht statt. Die filtrierte
Lösung wog
300 kg und hatte die folgende Zusammensetzung
| 11,67°,/° P.,05 .'................. 35,0 kg P.,05 -
48,3 kg H3P04 |
| 7,830;0 Salpeterstickstoff ....... 23,5 - N 137,5 - Ca(N03)., |
| 0,50°i° Salpetersäurestickstoff... 1,5 - N = 6,75 -
HN03 |
| 192,55 kg |
| Rest (im wesentlichen Wasser) ... I07,45_
- |
| - 300,00 kg |
Durch Abkühlen auf minus 15° krista11isierten 92 °/° des in 'der Lösung vorhandenen
Cal-Z> aus. -Es wurden-182,2 kg kristallisierter Kalksalpeter Ca(N03)2-4H.-0 erhalten,
entsprechend
126,5 kg Ca(N03)= und 5571#g Wasser als Kristallwasser.
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Nach Abfiltriereii oder Abschleuderli des Kalksalpeters, der fast
trocken erhalten wurde, blieben 117.8 kg 1Iiitterlauge, die folgende Bestandteile
enthielt:
| 48,3 kg H3 P04 |
| 11,o - Ca (X 03)= = 56, 11/0 wertvolle Stoffe |
| 6,7 - HNO3 |
| 51,8 - Rest(imwesentlichenWasser)-43,9 |
| z17,8 kg |
Die gemäß den angeführten Beispielen gewonnene Mutterlauge stellt ein neues, in
seiner Zusammensetzung eigenartiges technisches Zwischenprodukt dar, das bei der
Weiterbearbeitung je nach dem dabei gewählten Verfahren wertvolle Erzeugnisse in
großer Auswahl liefert. Die Mutterlauge kann sogar ohne Schwierigkeit in einer solchen
Konzentration erhalten werden, daß beispielsweise durch Einwirkung von gasförmigem
Ammoniak auf die zerstäubte oder fein verteilte Flüssigkeit unmittelbar trockne,
streufähige Düngesalze hergestellt werden.
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Wenn die Änderungen ins Auge gefaßt werden, die die durch Auflösen
des Robpliosphates in Salpetersäure erhaltene Lösung durch die Abscheidung des kristallisierten
Kalksalpeters erleidet, begegnet man einer für das Verfahren selig kennzeichnenden
und in ihren Folgewirkungen sehr bedeutsamen Erscheinung. Die in der Mutterlauge
verbleibende Phosphorsäure nimmt an Konzentration stark zu, und zwar nicht nur dadurch,
daß das Nitrat aus -der Lösung entfernt wird, sondern eine bedeutsame weitere Konzentrierung
der Lösung tritt dadurch ein, daß gleichzeitig ein Teil des Wassers als Kristallwasser
des Kalksalpetertetrah5 drates die Lösung verläßt. Ein weiterer, für das neue Verfahren
bedeutungsvoller Vorteil liegt darin; daß die phosphorsäurehaltige Lösung sich als
ein ganz vorzügliches Kristallisationsuiedium für den Kalksalpeter herausstellt,
das die Ausbildung von gut entwickelten Kalksalpeterkristallen in hohem Maße fördert.
Besonders die letztere Tatsache war durchaus überraschend, da ja keine sonstigen
Calciumsalze, die aussalzend wirken könnten, bzw. Calcimnionen, die das Lösungsgleichgewicht
durch Verdrängung beeinflussen könnten, vorhanden sind. Die Löslichkeit des kristallisierten
Kalksalpeters in Wasser bedingt noch bei o° eine Konzentration der Lösung von 69
°1a Ca (N 03)= - 4 H= O. Auch bei noch tieferer Temperatur ist die Löslichkeit des
Salzes in Wasser sehr hoch, selbst bei- minus 12,9° verbleibt eine Lösung, die etwa
300/, Ca(N03)= bzw. 43
Ca(N03)2 -.4 H30 ellth:ilt. Es ist auch bekannt,
daß bei der Abkühlung von Calciumniträtlösungen, darunter auch die zuletzt an-.,geführte,
sich zuerst Eis ausscheidet (vgl. G in e 1 i n - K r a u t (19o9) Bd. 22, Seite2i6,
und G u t h r i e Phil. Mag. (5) i, Seite 354, i.16 usw.).
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Die Erkenntnis der Erfinder, daß die Anwesenheit von freier Phosphorsäure
dieses Verhältnis umkehrt und eine beinahe quantitative Ausscheidung des Kalksalpeters
durch Abkühlen ermöglicht wird, bildet die Grundlage des vorliegenden Verfahrens.
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Das neue Verfahren ist nicht auf die oben angegebenen Beispiele beschränkt,
sondern kann auf mehrfache Art abgeändert werden.
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In Fällen, wo ein Rohphosphat von verhältnismäßig großem Gehalt an
Verunreinigungen, wie Tonerde- Lind Eisenverbindungen, Fluorcalcium usw., zur Anwendung
kommt, kann es vorteilhaft sein, nur gerade soviel Salpetersäure anzuwenden, als
von dem Calciumphosphat und dem Calciumcarbonat gebunden wird, gegebenenfalls sogar
etwas weniger, so daß in einer ersten Stufe etwas Monocalciumphosphat unzersetzt
bleibt, um zu erreichen, daß die Hauptmenge der Verunreinigungen nicht in Lösung
geht, sondern durch Filtrieren abgeschieden werden kann. ,Nach Beseitigung der Verunreinigungen
kann gegebenenfalls in einer zweiten Stufe weitere Salpetersäure zugegeben werden,
bevor das Auskristallisieren des Kalksalpeters bewirkt wird.
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Wenn andererseits das Rohphosphat nur verhältnismäßig geringe Mengen
an unlöslichen Verunreinigungen enthält, kann deren Abfiltrieren ganz unterbleiben
und das erhaltene Reaktionsprodukt bzw. die Lösung unmittelbar zwecks Auskristallisierens
des Kalksalpeters gekühlt werden. Der erhaltene Kalksalpeter wird dann die etwaigen
unlöslichen Verunreiniguligen enthalten, aber wenn diese ihrer Natur nach unschädlich
sind, bekommt man auch auf dies, vereinfachte Weise -ein brauchbares Erzeugnis,
wenn auch das Filtrieren oder Abschleudern des ausgeschiedenen Kalksalpeters nicht
ganz so glatt verläuft.
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Der Grad der Abkühlung kann innerhalb weiter Grenzen bis gegen den
Gefrierpunkt der Lösung hinunter variiert werden. Wenn finit konzentrierteren Lösungen
gearbeitet wird, tritt bereits durch Abkühlen auf + 5 bis -f- io° C eine beträchtliche
Ausscheidung von Calcitimnitrat ein, da kaum oder nur wenig mehr Wasser anwesend
zu sein braucht, als der auskristallisierte Kalksalpeter in Foren vön Kristallwasser
bindet.
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Wenn verhältnismäßig verdünnte Säure, wie z. B. eine 3o°/oige aus
dem Luftstickstoff gewonnene Salpetersäure, für den-Aufschluß
benutzt
wird, ist es, um eine größere Ausscheidung von Kalksalpeter zu erhalten, zweckmäßig,
das Aufschlußprodukt auf eine geeignete Konzentration einzudampfen, bevor man zur
Kristallisation schreitet.
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Die saure Mutterlauge, die dem abfiltrierten Kalksalpeter noch anhängen
kann, wird zweckmäßig durch Decken mit abgekühlter Ainnioniumnitratlösung entfernt.
Daß auf diese Weise Ainmoniumnitrat in geigneten Mengen sowohl der Mutterlauge als
der ausgeschiedenen Kristallmasse einverleibt wird, kann vorteilhaft sein. .
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An Stelle der Ammoniumnitratlösung kann zum Waschen auch kalte Kalksalpeterlösuizg
oder kalte Salpetersäure dienen bzw. andere ähnliche Lösungen, die möglichst wenig
von dein ausgeschiedenen Kalksalpeter lösen.
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Die zum Waschen benutzten Flüssigkeiten können nachher der für den
Aufschluß des Rohphosphates dienenden Salpetersäure zugefügt werden.
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Um das Gemisch aus Mutterlauge und auskristallisiertem Kalksalpeter
dünnflüssiger zu machen, kann aus einer früheren Operation stammende kalte Mutterlauge
zurückgeleitet und dem Aufschlußgut vor oder während des Auskristallisierens des
Kalksalpeters zugefügt werden.
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Die sehr kalte Mutterlauge, die nach dem Abfiltrieren des Kalksalpeters
erhalten wird, wird zweckmäßig zur Kühlung der zur Kristallisation koininenden frischen
Aufschlußlösung benutzt.
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Es ist noch hervorzuheben, daß das Verfahren auch auf die Behandlung
von Rohphosphaten finit Wasser und Stickolydgasen Verwendung finden kann.
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Das beschriebene Verfahren ist vorzugsweise für die Behandlung von
Rohphosphaten gedacht, jedoch kann das Verfahren auch auf anderes Phosphatmaterial
Verwendung finden. Auch Di- und Monocalciumphosphate können gegebenenfalls in analoger
Weise behandelt werden.