KAISERLICHES
PATENTAMT.
Vorliegende Erfindung betrifft eine Ausfuhrungsform von solchen elektrischen Schaltwerken,
wie sie zum selbsttätigen Antrieb von Zellenschaltern, Anlafswiderständen, Nebenschlufsregulatoren
und dergl. verwendet werden und bei welchen ein Nebenschlufs zu dem
die Bewegung des. Schaltwerkes einleitenden Contact benutzt wird. Die Bewegungsdauer
derartiger Schaltwerke ist dann unabhängig von der Zeit, während welcher der die Bewegung
einleitende Contact erhalten bleibt, und sie wird begrenzt durch eine besondere, den Nebenschlufsstromkreis
unterbrechende Vorrichtung.
Im vorliegenden Fall handelt es sich nun um eine eigenartige Schaltungsweise des Nebenschlufsstromkreises.
Derselbe wird nämlich über einen sich jeweils im Sinne der Bewegung des Schaltwerkes mitbewegenden, dauernd an einem
Leitungspol liegenden Contact und aufserdem über zwei mit den Ankern der Schaltmagnete
sich bewegende und dauernd an beide Spulen der letzteren- angeschlossene Contacte geführt.
Die Folge dieser Anordnung ist, dafs der erforderliche Nebenschlufs durch Berührung
zwischen je zweien der Contacte erzeugt wird, je nachdem nur der eine oder der andere der
beiden Schaltmagnete Strom erhält. Dieser Nebenschlufs wird dann durch eine Isolirstelle
in dem mit dem Schaltwerk verbundenen Contact unterbrochen, bevor das Schaltwerk den
gewünschten Weg ganz vollendet hat. Das ganze entsprechend regulirte System läuft nun
noch ein gewisses Stück nach, so dafs die Schaltbewegung vollendet und dadurch die
Anfangsstellung wieder herbeigeführt wird.
Fig. ι der beiliegenden Zeichnung stellt das neue Schaltwerk in seiner Gesammtanlage mit
den verschiedenen Anschlüssen, Verbindungen u. s. w. dar.
Die Fig. 2 bis 7 zeigen als Einzelheit verschiedene Stellungen der beweglichen Contacte
in einer für den Antrieb von Zellenschaltern geeigneten Ausführungsform.
In Fig. ι ist α die Spule eines Relais mit
dem den beweglichen Contact b tragenden Eisenkern, c und d sind die festen Contacte
des Relais, welche je nach der Spannung im Netze abwechselnd mit b in Berührung kommen.
b ist mit der positiven Netzleitung verbunden. Von c bezw. d führen Leitungen zu den Spulen e
und f eines Doppelelektromagneten g, dessen
beide Anker h und i mit einander gekuppelt sind. Sie tragen die Bürstenbrücke k mit den
Bürsten /, m, n. I ist mit c, m mit d, η dagegen
mit der positiven Leitung und dadurch mit b verbunden. Die Bürsten schleifen auf einer
Scheibe 0 aus Isolirmaterial, welche sich mit der zum Antriebe des Zellenschalters dienenden
Schraubenspindel dreht. Die Scheibe ο trägt zwei Schleifringe ρ und q. welche unter einander
leitend verbunden sind, ρ ist aufserdem an einer Stelle durch ein Isolirstück s unterbrochen.
Fig. 2 zeigt die Scheibe 0 mit den Ringen ρ
und q im Grundrifs, wobei die Stellung der Bürsten /, m, η durch schraffirte Kreise ange-
deutet ist. Mit dem Ankerpaar h und i ist ferner ein Schalter r gekuppelt, welcher, je
nachdem h oder i angezogen wird, den Motor für den Antrieb des Zellenschalters in dem
einen oder anderen Sinne in Bewegung setzt.
Zur Erläuterung der Wirkungsweise der Vorrichtung sind in Fig. ι und 2 sämmtliche Theile
in der Ruhelage gezeichnet. Der bewegliche Relaiscontact α schwebt zwischen den festen
Contacten c und d, ohne sie zu berühren. Das Ankerpaar h und i wird durch die in der Zeichnung
ersichtlichen Federn in der Mittellage gehalten. Die Bürste η schleift auf dem Ringe q,
die Bürsten I und m stehen aufser Berührung mit dem Ringe ρ zu beiden Seiten des Isolirstückes
s. Der Motorschalter ist unterbrochen. Der Schlitten des Zellenschalters steht auf Mitte
eines Contactes.
Steigt jetzt die Spannung in den mit -j-
und — bezeichneten Leitungen, so kommt b im Relais mit c in Berührung. Die Spule f
erhält Strom, der Anker i wird angezogen und bewegt sich mit der Bürstenbrücke nach links.
Dadurch wird mittels des Schalters r der Antriebsmotor des Zellenschalters im Sinne der
Abschaltung von Zellen in Drehung versetzt. Gleichzeitig treten die Bürsten /, m und η in
die Stellung Fig. 3. Der Strom kann jetzt unter Umgehung des Relais über n, q,p, I zur
Spule f gelangen. Gleichzeitig hat sich die Scheibe ο in der Pfeilrichtung in Bewegung
gesetzt.
Sobald dieselbe eine Umdrehung vermindert um die Breite des Isolirstückes s zurückgelegt
hat, tritt die Stellung Fig. 4 ein. Dadurch wird der Stromkreis n, q,p, I unterbrochen, und
wenn inzwischen auch zwischen b und c Unterbrechung eingetreten war, wird die Spule f
stromlos, und das Ankerpaar h und i geht in seine Ruhelage zurück. Es tritt Stellung Fig. 5
ein. Gleichzeitig ist der Antriebsmotor durch den Schalter r unterbrochen worden und wird
durch Ankerkurzschlufs so abgebremst, dafs das ganze System so weit nachläuft, dafs gerade
die Stellung Fig. 2 wieder eintritt. Der Zellenschalter steht nunmehr abermals auf der
Mitte eines Contactes, und das Spiel kann von Neuem beginnen.
Tritt z. B. jetzt zwischen b und d infolge sinkender Netzspannung Contact ein, so bekommt
die Spule e Strom, zieht den Anker h an, und es tritt die Bürstenstellung Fig. 6 ein.
Dadurch entsteht ein Nebenschlufs zum Relais über n,q,m,p; der Motor wird durch den
Schalter r in entgegengesetztem Sinne wie vorher eingeschaltet, die Scheibe 0 dreht sich also
auch entgegengesetzt, bis die Stellung Fig. 7 erreicht ist. Nun wird wieder der Stromkreis
n, q, m, ρ unterbrochen und dadurch auch der Antriebsmotor stromlos. Durch Nachlaufen
des ganzen Systems wird abermals die Stellung Fig. 2 erzeugt.
Statt der rotirenden Scheibe mit den Schleifringen ρ und q können auch geradlinig sich
bewegende Contactschienen mit entsprechenden Isolirstücken zur Verwendung gelangen, oder
es können die Bürsten mit dem Schaltwerk in Verbindung gebracht werden und die Schienen
mit den Schaltmagneten, wie sich überhaupt noch eine ganze Anzahl ähnlicher Ausführungsformen leicht ergiebt.
Patent-An speuch:
Antriebsvorrichtung für selbstthätige Schaltwerke, bei denen ein elektromagnetisch bewegter
Schalter auch nach Aufhören des die Bewegung einleitenden Contacts durch einen
Nebenschlufsstrom bis zur Unterbrechung dieses Stromkreises durch eine von dem Schaltwerk
beeinflufste Vorrichtung geschlossen gehalten wird, dadurch gekennzeichnet, dafs der Nebenschlufsstromkreis
über einen" sich jeweils im Sinne der Bewegung des Schaltwerkes initbewegenden,
dauernd an einem Pole liegenden Contact und aufserdem über zwei mit den Ankern der Schaltmagnete sich bewegende und
dauernd an beide Spulen derselben angeschlossene Contacte geführt wird, derart, dafs,
je nachdem der eine oder der andere der beiden Schaltmagnete Strom erhält, der Nebenschlufs
durch Berührung zwischen je zweien der Contacte erzeugt wird und durch eine Isolirstelle in dem mit dem Schaltwerk verbundenen
Contact unterbrochen wird, bevor das Schaltwerk den gewünschten Weg ganz vollendet hat, worauf durch entsprechend regulirtes
Nachlaufen des ganzen Systems die Schaltbewegung vollendet und dadurch die Anfangsstellung wieder hergestellt wird.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.