Verfahren zur Herstellung reaktiver, schwermetallhaltiger Formazanfarbstoffe Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von neuen, reaktiven, schwermetallhaltigen Formazanfarbstoffen, die sich durch sehr reine blaue Farbtöne auszeichnen.
Blaue Anthrachinonfarbstoffe sind wegen der Rein heit der mit ihnen erzeugbaren Färbungen von besonde rem Interesse. Ebenso reine und lichtechte Farbtöne mit Azofarbstoffen zu erzeugen, ist bisher nicht gelungen.
Es wurde nun gefunden, dass reaktive, schwermetall haltige Formazanfarbstoffe, in welchen ein Metall der Atomnummern 24 bis 30 entweder di- oder tricyclisch an eine Formazanverbindung koordiniert gebunden ist, und die der allgemeinen Formel I entsprechen,
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sich nicht nur durch grosse Farbstärke und durch gute Licht- und Nassechtheit der damit erzeugten Färbungen auf Cellulose- und Polyamidfasern auszeichnen, sondern auch Farbtöne aufweisen, deren Reinheit den üblichen Anthrachinon-Standard erreicht;
diese Farbstoffe sind überdies unter Verwendung wohlfeiler Ausgangsstoffe herstellbar.
In dieser Formel I bedeuten: A und B je den Rest eines aromatischen Homo- oder Heterocyclus, der X bzw. X' in o-Stellung zur Stickstoffbindung enthält; R Wasserstoff oder einen einwertigen organischen Rest; R' Wasserstoff oder eine niedere unsubstituierte oder substituierte Alkylgruppe; X und X' einen metallisierten Substituenten; Me ein di- oder tricyclisch gebundenes Schwermetall der Atomnummern 24 bis 30; Z eine in Wasser sauer dissoziierende, salzbildende, wasserlöslich machende Gruppe;
m, n und q je eine positive ganze Zahl von höchstens 2 und p eine positive ganze Zahl von höchstens 5.
Für die Metallkomplexbildung ist es wesentlich, dass mindestens einer der Reste A und B in o-Stellung zur Stickstoffbindung einen metallbindenden Substituenten aufweist; vorzugsweise trifft dieses Merkmal für beide Reste zu. Den metallbindenden Bestandteilen X und X' des Farbstoffs entsprechen bis auf das durch Metall er setzte Wasserstoffatom die zur Metallkomplexbildung befähigten Substituenten der Ausgangsstoffe. Sie wer den darum im folgenden ebenfalls mit X bzw. X' be zeichnet. Metallbindende Substituenten X bzw.
X' des Farbstoffs leiten sich somit von den bekannten, die Me- tallisierung ermöglichenden Substituenten der Azofarb- stoffe ab, d.h. von phenolischen oder enolischen Hy- droxylgruppen, von Carboxylgruppen,
von aziden Imid- gruppen wobei diese letzteren einem substituierenden oder ankondensierten Heterocyclus angehören oder durch den Rest einer organischen Sulfonsäure substituiert sein können. Als eine azide Iminogruppe aufweisende Reste A und B seien beispielsweise 2-Aryl-benzimidazolyl-(7)- -reste, 4-Benzimidazolyl-, 4-Benztriazolyl- und 7-Indazo- lyl-reste erwähnt.
Wenn die Reste A und B einen metallbindenden Sub- stituenten X bzw. X' aufweisen, so sind sie vorzugs weise aromatische Homocyclen, die ein- oder mehrkernig, unkondensiert oder mit weiteren Homo- oder mit Hetero- cyclen kondensiert sein können.
In erster Linie bedeuten A und B den Rest einer o-Hydroxy- oder o-Carboxy- phenyl- bzw. o-Hydroxynaphthyl- oder o-Carboxynaph- thylverbindung, der in Azofarbstoffen übliche weitere Ringsubstituenten aufweisen kann.
Wenn der Rest B keine metallbindende Gruppe aufweist, kann er sowohl ein homocyclischer als auch ein heterocyclischer Aromat sein; er kann dann ebenfalls ein- oder mehrkernig, un- kondensiert oder kondensiert und ringsubstituiert sein.
In erster Linie handelt es sich um den Rest einer in der Herstellung von Azofarbstoffen gebräuchlichen Diazo- komponente, wie einer Aminobenzol-, Aminonaphthalin-, Aminodiphenylverbindung;
eines aromatische, stickstoff haltige, vorzugsweise 5- bis 6gliedrige Ringe aufweisen den Heterocyclus, wie beispielsweise um den Rest einer unkondensierten oder mit Homo- oder anderen Hetero- ringen kondensierten bzw. substituierten Amino-pyrazol-, -imidazol-, -triazol-, -tetrazol-, -oxazol-, -thiazol-, -ox- diazol- oder -thiadiazol-verbindung.
Dei einwertige organische Rest R kann beispielsweise bedeuten: die Nitro-, Cyan- oder Carboxylgruppe; einen aerad- oder verzweigtkettigen Alkyl- oder Alkenylrest (im letzteren Fall besonders einen '.-Alkenylrest) mit vorzugsweise bis zu 8 Kohlenstoffatomen, wie die Me- thyl-, Äthyl-, iso-Propyl-, Allyl-, n., sec.
oder tert. Bu- tyl-, n.Heptyl- oder n.Octylgruppe, die als Substituenten- Halogenatome, wie Chlor oder Brom, die Hydroxyl-, Cyan-, eine niedere Alkoxy-, Carbalkoxy-, Carbacyl- oder eine N,N-DWkylaminogruppe aufweisen können;
einen vorzugsweise 5- oder 6gliedrigen Cycloalkylrest, besonders die Cyclohexylgruppe; einen Aralkylrest, wie die Benzyl- oder Phenäthylgruppe; einen Acylrest, z.B. einen Carbacylrest, wie die Acetyl-, Cyanacetyl-, Croton- oyl-, Methylchrotonoyl-, Benzoyl- oder p-Chlor-benzoyl- gruppe;
oder einen Organosulfonylrest, wie die Methyl- sulfonyl- oder eine Phenylsulfonylgruppe; oder die 2,4- -Dihydroxypyrimidoylgruppe;
ferner einen Arylcarbonyl- aminorest. Vorteilhaft ist R aber ein homo- oder hetero- cyclisch-aromatischer Rest, besonders ein Rest der Ben- zolreihe, wie ein gegebenenfalls ringsubstituierter Phe- nylrest oder auch ein Rest der Naphthalinreihe. Arylbe- standteile von R können in Azofarbstoffen übliche weiter unten angeführte Ringsubstituenten enthalten.
In bevorzugten reaktiven Formazanfarbstoffen der Formel I bedeutet R einen höchstens zweikernigen ho- mocyclisch-aromatischen Rest, der gegebenenfalls ins- besondere durch Chlor, Hydroxyl, niederes Alkyl, den Schwefelsäureester von P-Hydroxyalkylsulfonylgruppen und/oder durch Sulfonsäuregruppen substituiert sein kann.
Als niedere unsubstituierte oder substituierte Alkyl- gruppe bedeutet R' beispielsweise die Methyl-, Äthyl-, iso-Propyl-, tert. Butyl-, ss-Chloräthyl-, p-Cyanäthyl-, ss-Carboxyäthyl- oder die P-Carbäthoxyäthylgruppe. Vor zugsweise stellt R' jedoch Wasserstoff dar.
Bevorzugte reaktive Formazanfarbstoffe der Formel I enthalten zwei Gruppen -SO., CH2-CH2-O-S03H. Diese können sich in A, B und R befinden. Bevorzugt sind Farbstoffe, in denen diese Substituenten direkt an ein Ringkohlenstoffatom gebunden sind, d.h. in welchen n die Zahl 1 bedeutet.
Als in Wasser sauer dissoziierende, salzbildende, was serlöslich machende Gruppen Z enthalten die erfin- dungsgemäss herstellbaren Formazanfarbstoffe vorzugs weise Sulfonsäuregruppen, daneben auch Phosphonsäure- gruppen oder Carboxyl- oder Disulfimidgruppen, sowie Monoestergruppen von mehrbasigen Säuren, wie bei spielsweise Sulfatgruppen. Z kann im Farbstoffmolekül aber auch verschiedene dieser Bedeutungen haben.
Neben diesen wesentlichen Substituenten können die Reste A, B und R weitere in Azofarbstoffen übliche Sub- stituenten aufweisen:
Als Ringsubstituenten beispiels weise Halogen, wie Fluor, Chlor oder Brom; Alkylgrup- pen, wie Methyl, Äthyl, iso-Propyl, tert. Butyl, tert. Amyl oder Diisöbutyl; substituierte Alkylgruppen, z.B. Per fluoralkylgruppen, wie Trifluormethyl;
ferner Alkoxy- alkyl-, Acyloxyalkyl-, Cyanalkyl-, Carboxyalkylgruppen, diese letzteren vorzugsweise als N-Substituenten; Äther gruppen, vorzugsweise niedere Alkoxy- oder Aryloxy- gruppen, wie Methoxy, Äthoxy, Propoxy, Butoxy, Phen- oxy; Thioäthergruppen, wie Phenylthio;
Arylsulfonyl- oxygruppen; Alkyl- und Arylsulfonylgruppen; Acylgrup- pen; Sulfonsäureamid- und Carbonsäureamidgruppen, mit primärer, sekundärer oder tertiärer Amidgruppe und aliphatischen, araliphatischen, alicyclischen, aromatisch- homocyclischen oder -heterocyclischen N-Substituenten; Nitrogruppen;
Cyan; primäre, sekundäre oder tertiäre Aminogruppen; Acylamidgruppen, wie Acetyl-, Chlor- acetyl-, Brompropionyl-, Chlor- oder Bromacroyl-, Ben- zoyl-, Methylsulfonyl-, Äthylsulfonyl-, Chlormethylsulfo- nyl-,
Benzolsulfonyl- und Methyl- benzolsulfonylamid- gruppen. Alle homocyclischen Arylbestandteile dieser Substituenten können ebenfalls derartig substituiert sein. Das Gleiche gilt sinngemäss für die Ausgangsstoffe.
Die neuen schwermetallhaltigen Formazanfarbstoffe der Formel I werden hergestellt, indem man einen schwermetallhaltigen Formazanfarbstoff der allgemeinen Formel Il
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in welcher A, B, R, R', X, X', Me, n, m, p und q die unter For mel I angegebene Bedeutung haben, mit Schwefelsäure zu einem reaktiven, schwermetallhal tigen di- oder tricyclischen Formazanfarbstoff der For mel I umsetzt.
Man erhält die Formazanfarbstoffe der allgemeinen Formel 1I beispielsweise, indem man eine Hydrazonver- bindung der allgemeinen Formel III
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in beliebiger Reohenfolge mit der Diazoniumverbindung eines Amins der allgemeinen Formel IV
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welche Verbindungen III und IV zusammen mindestens eine und höchstens 2 Gruppen der Formel -(NR')"_1-SO--CHz.--CH2-OH und höchstens 4 saure, wasserlöslich machende Grup pen Z aufweisen, und mit einem Schwermetall Me ein führenden Mittel umsetzt,
in welchen Formeln Wasserstoff oder einen durch Azokupplung er setztbaren Substituenten bedeutet, für A, B, R, R', Z, n und q die unter Formel I angege benen Bedeutungen und für X und X' die hier in Form der zur Metallkomplexbil- dung befähigten Substituenten auftreten, die unter Formel I angegebenen Bestimmungen gelten.
Als zur Metallkomplexbildung befähigte Gruppen X bzw. X' kommen die Hydroxyl- und die Carboxylgruppe in erster Linie in Betracht; im Endstoff bedeuten X bzw. X' sinngemäss zweibindigen Sauerstoff oder Carboxylat -C00-. Weitere zur Metallkomplexbildung befähigte Gruppen entsprechen der Formel -X-V;
darin bedeutet V nieder Alkyl, z.B. in den niederen Alkoxy- und Carb- alkozygruppen, welche unter den Metallisierungsbedin- gungen gespalten bzw. verseift werden; in anderen der artigen Gruppen bedeutet V Acyl, z.B. in den Acyloxy- und Diacylamidgruppen, welche unter den Metallisie- rungsbedingungen ebenfalls verseift werden.
Wenn Q in Formel III einen durch Azokupplung ersetzbaren Substituenten bedeutet, so handelt es sich beispielsweise um die Formyl- oder um die gegebenen falls abgewandelte Carboxylgruppe, wie die Cyan-, eine Carbalkoxy- oder Carbonsäureamidgruppe.
Die Hydrazonverbindung der Formel III erhält man wiederum, wenn man eine zweifach ankuppelbare R-Me- thin- oder R-Methylenverbindung mit der Diazoniumver- bindung einer A entsprechenden Diazokomponente kup pelt, oder wenn man einen R entsprechenden Aldehyd mit einem A entsprechenden Hydrazin kondensiert.
Die Kupplung einer Diazoniumverbindung mit einer zweifach ankuppelbaren R-Methylen- oder R-Methin- verbindung zur Hydrazonverbindung der Formel III er folgt nach üblichen Methoden, zweckmässig in schwach alkalischem Medium bei einer Temperatur von 0 bis un gefähr 40 C.
Die Kupplung der Diazoniumverbindung von Aminen der Formel IV mit den metallfreien oder metallhaltigen Hydrazonen der Formel III zu Formazanfarbstoffen der Formel 1I wird nach üblichen Methoden, zweckmässig in Gegenwart eines metalleinführenden Mittels, z.B. Cal cium, Magnesium, Nickel oder Kupfer einführenden Mit tels, durchgeführt, vorzugsweise in schwach saurem bis schwach alkalischem Medium bei einer Temperatur von 0 bis ungefähr 40 C.
Werden dabei Erdalkalimetalle wie z.B. Calcium oder Magnesium verwendet, so können die se anschliessend durch ein Schwermetall Me aus dem gebildeten Formazankomplex sehr leicht ersetzt werden, z.B. durch einfaches Erhitzen in einer das gewünschte Schwermetallion enthaltenden wässrigen oder organischen Lösung.
Als Schwermetall Me einführende Mittel verwendet man die üblichen, zweckmässig wasserlöslichen,' einfa chen oder komplexen Salze der Schwermetalle der Atom nummern 24 bis 30 von organischen oder anorganischen Säuren. Dabei kommen die wasserlöslichen Chrom-, Ko balt-, Nickel-, Zink-, Mangan- und vor allem die Kupfer- oder Nickelsalze von Mineralsäuren oder niederen Fett säuren, wie Kupfersulfat, Kupferacetat oder Nickelacetat in Betracht.
Bei Verwendung von Schwermetallsalzen von Mineralsäuren arbeitet man zweckmässig in Gegenwart eines mineralsäureabstumpfenden Mittels, wie beispiels weise Alkalihydroxyde oder -carbonate oder Alkalisalze niederer Fettsäuren, wie Alkaliacetate, oder Alkalisalze mehrbasiger Sauerstoffsäuren des Phosphors, oder Am moniak oder tert. Stickstoffbasen, wie z.B. Pyridinbasen. Man kann aber auch komplexe Salze dieser Metalle ver wenden,
wobei komplexgebundene Gruppen gegebenen falls im Endprodukt enthalten sein können.
Das schwermetalleinführende Mittel wird in minde stens äquimolekularen Mengen verwendet, so dass auf ein Farbstoffmolekül mindestens ein Schwermetallatom entfällt. Die Metallisierung geht üblicherweise schon bei Raumtemperatur zu Ende; vielfach ist aber ein schwaches Erwärmen, z.B. bis auf etwa 80 C, erforderlich.
Ohne Komplexbildner wird die Metallisierung zweckmässig bei pH-Werten von 4 bis 8 durchgeführt, während in Gegenwart von Komplexbildnern, wie Wein- oder Zi tronensäure, vorzugsweise bei pH-Werten zwischen unge fähr 8 und 14 gearbeitet wird.
Besonders wertvolle, leicht zugängliche, erfindungs- -emäss erhältliche, reaktive, schwermetallhaltige Form- azanfarbstoffe, die sich durch hohe Farbausbeute und durch gute färberische Eigenschaften auszeichnen, leiten sich von 2 bis 4 Sulfonsäuregruppen enthaltenden Form- azanfarbstoffen der Formel I ab, in der Me Kupfer, A, B und R Reste der Benzolreihe, X und X' metallbinden de Substituenten und q die Zahl 2 bedeuten,
wobei ent weder der Rest B oder der Rest B und einer der Reste A und R die reaktive -SO_-CHz-CI2-O-S03H Gruppe di rekt an ein Ringkohlenstoffatom gebunden enthalten.
Die Aufarbeitung und Isolierung der erfindungsge- mäss erhältlichen reaktiven schwermetallhaltigen Form- azanfarbstoffe der Formel I erfolgt nach den üblichen schonenden Methoden. Gewünschtenfalls werden die Rohprodukte durch Umlösen gereinigt.
Die erfindungsgemäss erhältlichen reaktiven schwer metallhaltigen Formazanfarbstoffe der Formel I finden zum Färben und Bedrucken von Textil- und Kunststoffen aller Art Verwendung. Von wasserlöslich machenden Gruppen freie schwermetallhaltige Formazanfarbstoffe können als Pigmente z.B. zum Färben von Kunststoffen aller Art, wie Lacken, Firnissen oder Spinnmassen aus Acetylcellulose oder synthetischen Polyamiden gebraucht werden.
Erfindungsgemäss erhältliche, reaktive, schwermetall haltige Formazanfarbstoffe, welche wasserlöslich machen de Gruppen, wie z.B. Carbonsäure- oder Phosphonsäure- und vor allem Sulfonsäuregruppen enthalten, stellen dunkle Pulver dar, die in der Form ihrer Alkalisalze in Wasser sehr gut löslich sind.
Sie eignen sich zum Farben und Bedrucken von Leder, Papier und Fasermaterial aus natürlichen oder synthetischen Polypeptiden, wie z.B. von Wolle, Seide, synthetischen Polyamid- und Poly- urethanfasern. Farbstoffe, die eine Sulfonsäuregruppe, vorzugsweise eine niedere Alkylsulfonyl- oder eine Sulf- amoylgruppe, aufweisen,
besitzen gegenüber Wolle und sich färberisch ähnlich verhaltendem Polyamidmaterial eine sehr gute Affinität und ziehen darauf vielfach schon aus neutralem bis schwach saurem Bade vollständig auf. Gegebenenfalls wird die Wasserlöslichkeit solcher Farb stoffe noch durch Beimischung von anionaktiven oder nicht-ionogenen Netz- oder Dispergiermitteln oder von Coupagemitteln erhöht.
Zum Färben von proteinischem Fasermaterial mit den neuen Formazanfarbstoffen bringt man die zu fär bende Ware bei etwa 40 C in das alkalische Bad und stellt dieses anschliessend schwach sauer, vorzugsweise schwach essigsauer.
Die neuen erfindungsgemäss erhältlichen reaktiven Formazanfarbstoffe der Formel I sind in Form ihrer Alkalisalze sehr gut wasserlöslich, sofern die Ausgangs stoffe so gewählt sind, dass pro Farbstoffmolekül minde stens 2 Sulfonsäuregruppen vorhanden sind. Derartige Farbstoffe eignen sich insbesondere zum Färben und Bedrucken von natürlichem und regeneriertem Cellulose- material, wie Zellwolle, Jute, Ramie, Hanf und vor allem Baumwolle.
Man färbt oder bedruckt diese Materialien mit den erfindungsgemäss darstellbaren reaktiven Formazanfarb- stoffen nach bekannten Methoden. Das Cellulosematerial imprägniert oder bedruckt man bei niederer Temperatur, beispielsweise bei 20 bis 50 C, mit der gegebenenfalls verdickten Farbstofflösung und fixiert dann den Farb stoff durch Behandlung mit säurebindenden Mitteln. Als solche kommen beispielsweise Natriumcarbonat, Kalium- carbonat,
Di- und Trinatriumphosphat, Natronlauge, bei Temperaturen über 50 C auch Kalium- oder Natrium- hicarbonat, in Betracht. Anstatt die imprägnierten Stoffe einer alkalischen Nachbehandlung zu unterwerfen, kann man das säurebindende Mittel vorzugsweise in Form von Alkalicarbonaten in vielen Fällen auch schon den Imprä- ,nierflotten oder Druckpasten beigeben und dann die Entwicklung der Färbung durch kurzes Erhitzen oder Dämpfen auf Temperaturen über 100 C bis 160 C oder durch längeres Lagern bei Raumtemperatur bewirken.
Die Zugabe von hydrotropen Mitteln zu den Druck pasten und Imprägnierflotten ist bei diesem Verfahren vorteilhaft, beispielsweise die Zugabe von Harnstoff in Mengen von 10 bis 200 g pro Liter Färbemittel.
Vorteilhaft färbt man das Cellulosematerial mit den erfindungsgemäss erhältlichen Farbstoffen jedoch nach dem Ausziehverfahren, indem man die zu färbende Cellu- lose in das ein säurebindendes Mittel und gegebenen falls auch Neutralsalze, wie beispielsweise Natriumchlo#rid oder Natriumsulfat, enthaltende Färbebad bei langer Flotte und leicht erhöhter Temperatur einbringt, das Färbebad allmählich auf Temperaturen von 40 bis 100 C erwärmt und den Färbeprozess bei dieser Temperatur zu Ende führt.
Die das Ausziehen des Farbstoffs beschleuni genden Neutralsalze können dem Bade gewünschtenfalls auch erst nach Erreichen der eigentlichen Färbetempe ratur zugesetzt werden.
Durch die Behandlung mit säurebindenden Mitteln werden die neuen Reaktivfarbstoffe chemisch an die Fa ser gebunden, und insbesondere die Cellulosefärbungen sind nach dem Seifen zwecks Entfernung von nichtfixier tem Farbstoff ausgezeichnet nassecht.
Die mit den neuen Formazanfarbstoffen erzeugten farbstarken blauen Ausfärbungen zeichnen sich beson ders durch die sehr gute Licht- und Reibechtheit und vorzügliche Nassechtheiten, wie z.B. die guten Wasch-, Alkali-, Walk- und Schweissechtheiten aus.
Die neuen Reaktivfarbstoffe weisen ausserdem eine hohe Fixieraus beute auf, nicht fixierter Farbstoff ist leicht und voll ständig auswaschbar, was eine der wesentlichen Vor aussetzungen für gute Nassechtheiten der mit Reaktiv farbstoffen erzeugten Cellulosefärbungen ist, und die Färbungen sind gegen die üblichen Kunstharzappreturen stabil.
In den nachfolgenden Beispielen sind die Tempera turen in Celsiusgraden angegeben.
<I>Beispiel I</I>
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32,0 g des durch Kondensation von 2-Carboxyphenyl- hydrazin mit Benzaldehyd-3-sulfonsäure erhaltenen Hy- drazons werden in 400 ml Wasser von 20-25 ange- schlämmt und durch Zugabe einer wässrigen Natrium hydroxydlösung bei einem pH-Wert von 6,5-7 gelöst.
Diese Lösung versetzt man dann nacheinander mit der wässrigen Diazosuspension, erhalten durch Diazotierung von 21,7 g 1-Amino-2-hydroxybenzol-5-((p-hydroxyäthyl- sulfon) und 20 g Natriumbicarbonat und tropft anschlies- send bei 10-15 100 ml 1-m Kupfersulfatlösung inner halb 15 Minuten zu.
Nach zweistündigem Rühren des Reaktionsgemisches bei Zimmertemperatur wird der ge bildete Formazanfarbstoff durch Zugabe von Natrium chlorid ausgefällt, abfiltriert, mit verdünnter Natrium chloridlösung gewaschen und im Vakuum bei 70-80 getrocknet.
Zur Überführung in den entsprechenden Schwefel säureesterfarbstoff wird das gut getrocknete Farbstoff pulver unter Rühren bei 10-15 in 250 ml 99 /oige Schwe felsäure eingestreut, wobei vollständige Lösung eintritt. Nach 20minütigem Rühren der Lösung bei Zimmertem peratur wird sie unter starkem Rühren auf 1 kg Eis ge gossen, die erhaltene Lösung anschliessend mit kohlen saurem Kalk neutralisiert und vom ausgeschiedenen Cal ciumsulfat geklärt.
Aus dem Filtrat wird hierauf der Kupferkomplexfarbstoff vorstehender Formel durch Zu gabe von Natriumchlorid ausgefällt, abfiltriert, mit ver dünnter Natriumchloridlösung gewaschen und im Va kuum getrocknet. Er stellt ein dunkles Pulver dar, wel ches sich in Wasser mit blauer Farbe löst.
Farbstoffe mit ähnlichen Eigenschaften werden erhal ten, wenn man anstelle der im Beispiel verwendeten Kom ponenten äquivalente Mengen der in den Kolonnen 1I, 11I, IV bzw. V der folgenden Tabelle I aufgeführten Komponenten verwendet und im übrigen in der im Bei spiel beschriebenen Weise verfährt. In der letzten Ko lonne der Tabelle sind die Farbtöne von mit den ent sprechenden Formazanfarbstoffen auf Cellulose erhalte nen Ausfärbungen wiedergegeben.
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<I>Färbevorschrift</I> Wird Baumwolle mit einer Lösung, die pro 1000 ml Wasser 20 g des Farbstoffes gemäss Beispiel 1, 10 g Natriumbicarbonat und 200 g Harnstoff enthält, foular- diert, während 15 Sekunden einer Trockenhitze von 140 ausgesetzt und anschliessend während 10 Minuten ko chend geseift, so erhält man eine farbstarke, brillante blaue Färbung, die sehr licht- und nassecht ist.