DE72161C - Verfahren zur Erzeugung von Gerbmaterialien, Klebstoff und anderen Stoffen durch Osmose der Sulfitzellstofflaugen - Google Patents

Verfahren zur Erzeugung von Gerbmaterialien, Klebstoff und anderen Stoffen durch Osmose der Sulfitzellstofflaugen

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DE72161C
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    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C14SKINS; HIDES; PELTS; LEATHER
    • C14CCHEMICAL TREATMENT OF HIDES, SKINS OR LEATHER, e.g. TANNING, IMPREGNATING, FINISHING; APPARATUS THEREFOR; COMPOSITIONS FOR TANNING
    • C14C3/00Tanning; Compositions for tanning
    • C14C3/02Chemical tanning
    • C14C3/08Chemical tanning by organic agents
    • C14C3/24Chemical tanning by organic agents using lignin derivatives, e.g. sulfate liquor

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Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
Die Verwerthung der Ablauge der Sulfitzellstofffabrikation hat, wie bekannt, jetzt nur geringen Erfolg gehabt und haben die Verunreinigungen der Wasserläufe durch diese Ablaugen wiederholt die Einstellung des Betriebes von Fabriken veranlafst.
Der Grund der geringen Verwerthung dieser Ablaugen lag darin, dafs es bis jetzt nicht gelungen war, die wichtigsten Bestandtheile dieser Ablaugen von einander zu trennen. Es enthalten dieselben in der Hauptsache schweflige Säure, schweflig- und schwefelsauren Kalk mit Magnesia, ferner meist an diese Basen gebundene organische Körper, welche nach dem Trocknen stark Feuchtigkeit anziehen, ferner einen gährungsfähigen Körper u. s. w.
Die organischen Körper bestehen im wesentlichen aus zwei Stoffen, von denen der eine stark Wasser anzieht, während der andere nicht mehr hygroskopisch ist, als arabischer Gummi.
Durch Osmose ist nun eine Trennung, beruhend auf dem verschiedenen Verhalten der beiden organischen Stoffe zu Wasser, möglich geworden und hierdurch eine erfolgreiche Verwerthung der einzelnen Körper bewirkt.
Die Ablauge kann zur Osmose direct ohne jeden Zusatz oder auch nach Zusatz von Basen oder Säuren verwendet werden.
Die nachfolgenden Stoffe werden in der Hauptsache hierdurch gewonnen:
a) ein Klebstoff, welcher in mancher Richtung das arabische Gummi ersetzt,
b) ein Gerbmaterial,
c) ein gährungsfähiger Körper,
d) schweflige Säure,
e) Gyps und andere Körper mehr.
Das besondere Verfahren zu diesen Trennungen ist folgendes:
Die Sulfitablauge, wie sie aus dem Kocher kommt, oder diese Ablauge, nachdem sie zu anderen Zwecken, z. B. zur Darstellung von Gerbstoffleim (s. die Patentschrift Nr. 54206), gedient hat, wird entweder für sich oder mit Kalkmilch bis zur schwach alkalischen Reaction oder mit fein zertheiltem kohlensauren Kalk im Ueberschufs bis zur fast neutralen Reaction versetzt.
Schwefligsaurer Kalk setzt sich hierbei auf dem Boden ab, welcher weiter bei der Sulfitzellstofffabrikation seine Verwendung findet.
Die ursprünglichen oder auch die erst mit Kalk behandelten Flüssigkeiten gehen nun durch einen Osmoseapparat von solcher Gröfse in starkem Strome hindurch, dafs die abfiiefsende gereinigte Ablauge etwa die Hälfte des Ueberschusses des specifischen Gewichtes, über 1,00 von der aufgegebenen, besitzt. Es enthält dann die von dem Wasser herrührende, aus dem Apparat abfiiefsende Flüssigkeit den im trockenen Zustande an der Luft stark Wasser anziehenden Körper der Ablauge, den gröfsten Theil des gälirungsfähigen Körpers und der anorganischen Stoffe u. s. w., aber so gut wie nichts von dem Gerbmaterial, während die nicht diffundirte Flüssigkeit den wenig Wasser anziehenden
Klebstoff, welcher zugleich die thierische Haut zu gerben vermag, in gut gereinigtem Zustande, mit Kalk verbunden, besitzt.
Der Strom des Wassers wird regulirt, je nachdem ob die diffundirte Flüssigkeit verwerthet werden soll oder nicht. In letzterem Falle geht der Strom des Wassers so schnell wie möglich. Verzichtet man nicht darauf, so läfst man das Wasser in den Apparat in der Regel doppelt so schnell fliefsen wie die Ablauge. ;
Um die nicht diffundirte Flüssigkeit für Gerbzwecke nutzbar zu machen, wird dieselbe ganz oder theilweise durch Säuren vom Kalk befreit und meist angesäuert, am besten vermittelst Schwefelsäure, welche in der Regel auf ι 1 in der Menge hinzugesetzt wird, dafs auf je ο,οΐ Zunahme des specifischen Gewichtes über ΐ,οο 2 ecm concentrirter Schwefelsäure kommen.
Erst nach etwa 24 Stunden hat bei den concentrirten Lösungen die gröfste Menge Kalk als Gyps sich abgeschieden. Statt Schwefelsäure können auch äquivalente Mengen von Oxalsäure u. s. w. verwendet werden. Bei nicht directer Verwendung der Flüssigkeit wird dieselbe erst abgedampft und dann beim Gebrauch wieder verdünnt.
Mit diesem so gewonnenen Extract wird nun unter Anwendung sehr verdünnter Lösungen in der bei der Extractgerbung üblichen Weise die Gerbung allein oder mit anderen Extracten gemischt vorgenommen.
Zur Herstellung eines gut brauchbaren Klebstoffes bezw. eines Verdickungs- und Appreturmittels mufs die durch Diffusion gereinigte Ablauge erst weiter verarbeitet werden.
Die Flüssigkeit als solche besitzt nach dem Eindampfen verhältnifsmäfsig wenig Klebkraft und wird an der Luft dunkelbraun. Je nach den Eigenschaften der Basen, Säuren oder Salze, welche zugesetzt werden, ist das Product verschieden. Ein Zusatz von Säure, z. B. Schwefel- oder Oxalsäure, giebt diesem Körper für den genannten Z\veck wenig vortheilhafte Eigenschaften; ein stärkerer Zusatz bewirkt sogar beim Erwärmen eine Abscheidung humusartiger Stoffe.
Ein stärkerer Zusatz von gebranntem Kalk oder dickem Kalkbrei so lange, bis sich der Kalk nicht mehr löst, giebt eine Masse, die aufserordentlich schleimig und dickflüssig ist und wenig Klebkraft besitzt, aber wegen ihrer Dickflüssigkeit als Eindickungsmittel verwendet werden kann, wenn die alkalische Reaction bezw. der Kalk' ohne Nachtheil ist.
Ein vorzügliches Klebmittel wird hergestellt aus der Ablauge, wie sie aus dem Apparat kommt, durch Zusatz von kohlensauren Alkalien, besonders kohlensaurem Natron, bis keine Füllung mehr entsteht, welch letztere wesentlich durch kohlensauren Kalk gebildet wird. Nach einiger Zeit setzt sich der Kalkniederschlag körnig ab. (Nach dem Auswaschen kann dieser fein zertheilte kohlensaure Kalk als Präparat verwendet werden.)
Die Flüssigkeit wird nach dem Abgiefsen und nach dem Eindampfen, bis sich eine Haut bildet, zweckmäfsig mit etwas Säure, am besten Oxalsäure, versetzt oder auch mit schwefliger Säure, wodurch die dunklere Färbung des Klebstoffes in eine hellere verwandelt wird.
Die so entstandene Natronverbindung des organischen Körpers, von welcher noch etwas abgeschiedener oxalsaurer Kalk u. s. w. durch Abgiefsen entfernt wird, wird am besten in diesem Zustande verwendet. Ein weiteres Eindampfen empfiehlt sich meist nicht, weil (abgesehen von den Schwierigkeiten bei demselben) . die Flüssigkeit, sobald hierbei die Temperatur gesteigert wird, dunklere Färbungen annimmt.
Selbstverständlich kann bei einer etwas anderen Bearbeitung die gereinigte Ablauge auch andere Verwendung finden.
Das, wie oben beschrieben, erzielte Gerbmaterial hat vor allen anderen, gebräuchlichen die grofse Billigkeit voraus und zeigt nicht die Unsicherheit der Gerbung und das brüchige Erzeugnifs, welches entsteht bei dem in der Patentschrift Nr. 4179 von demselben Erfinder angegebenen Verfahren.
Auch der, wie angegeben, gewonnene Klebstoff wird zu einem so niedrigen Preise wie kein anderes derartiges Erzeugnifs gewonnen und zeigt im wesentlichen für Klebzwecke dieselben Eigenschaften wie das arabische Gummi, abgerechnet einen besonderen Geschmack und eine etwas dunklere Färbung.
Aufser den leicht diffundirbaren gelösten anorganischen Stoffen enthält die diffundirte Flüssigkeit gleichfalls andere nutzbare Erzeugnisse, vornehmlich einen gährbaren Körper. Zum Zweck der Vergährung desselben wird die darin befindliche fällbare schweflige Säure durch vorsichtigen Zusatz von Kalk gefällt und nur durch Eindampfen (sehr zweckmäfsig bis zum specifischen Gewicht von 1,1) und Zusatz von Hefe in lebhafte Gährung versetzt, und ist hierdurch Alkohol zu gewinnen.

Claims (1)

  1. Patent-Anspruch:
    Verfahren, durch Osmose, unter Anwendung des Gegenstromes in Ablaugen der Sulfitzellstofffabrikation oder in den bei deren vorheriger anderen Benutzung entstehenden Flüssigkeiten, die folgenden Körper von einander zu trennen, nämlich einerseits einen nicht oder sehr wenig durch die Membran gehenden organischen Körper, welcher
    a) zur Verwendung kommt als Gerbmaterial nach voller oder theilweiser Bindung des
    damit verbundenen Kalkes vermittelst Säure (z. B. Schwefelsäure, Oxalsäure), entweder direct in der Flüssigkeit oder nach dem Eindampfen und Wiederauflösen in sehr verdünntem Zustande,
    oder welcher
    als Eindickungsmittel benutzt wird nach starkem Eindampfen und Zusetzen von gebranntem Kalk oder dickem Kalkbrei, bis sich kein Kalk mehr löst,
    oder welcher auch
    c) als Klebmittel nach Entfernung des Kalkes vermittelst kohlensaurer Alkalien seine Verwendung findet,
    von leicht diffundirbaren, in der Flüssigkeit gelösten anorganischen Stoffen und einem organischen Körper andererseits, welche Flüssigkeit nach Entfernung der durch Kalk fällbaren schwefligen Säure nach dem Eindampfen zum Gährungsprocefs verwendet wird.
DENDAT72161D Verfahren zur Erzeugung von Gerbmaterialien, Klebstoff und anderen Stoffen durch Osmose der Sulfitzellstofflaugen Expired - Lifetime DE72161C (de)

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DE (1) DE72161C (de)

Cited By (1)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE1005728B (de) * 1953-12-09 1957-04-04 Aschaffenburger Zellstoffwerke Verfahren zur Herstellung von Formkoerpern mit neutralisierter oder schwach saurer Sulfitablauge bzw. ligninsulfosauren Salzen als Bindemittel

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* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE1005728B (de) * 1953-12-09 1957-04-04 Aschaffenburger Zellstoffwerke Verfahren zur Herstellung von Formkoerpern mit neutralisierter oder schwach saurer Sulfitablauge bzw. ligninsulfosauren Salzen als Bindemittel

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