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Verfahren zur Darstellung komplexer Silberverbindungen der Arylthioliarnstoffe.
Komplexverbindungen von Thiohariistoff und dessen aliphatischenSubstitutionsprodukten
mit Silbersalzen, in welchen das Silber als komplexes Anion vorhanden ist und sich
mit den gebräuchlichen Reagenzien nicht- mehr .nachweisen läßt, sind bereits bekannt
(Patentschrift 193661 1l. i2 o, Rosenheim, Zeitschrift für anorganische Chemie 34.,
S. 62).
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Es wurde nun gefunden, daß die komplexbildende Fähigkeit des Thioharnstoffs
auch erhalten bleibt, wenn derselbe in aromatische Verbindungen eingeführt wird.
Arylthioharnstoffe der Konstitution Ar - N H - CS - N H2, wo Ar einen substituierten
oder nichtsubstituierten aromatischen Kern bedeutet, vereinigen sich unter Komplexsalzbildung
mit Silbersalzen. Je nach der Art des aromatischen Restes ist die Fähigkeit zur
komplexen Bindung des Silbers verschieden groß. .' Zur Herstellung komplexer Silberverbindungen
der Arylthioharnstoffe werden Arylthioharnstoffe auf Silbersalze einwirken gelassen.
Die wässerigen Lösungen. der entstehenden komplexen Silberarylthioharnstuffe scheiden
auf Zusatz von Kochsalzlösung kein Silberchlorid ab, bei Zusatz von Alkalien zersetzen
sie -sich unter Abscheidung von Silbersulfid.
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Der Umstand, daß es möglich ist, komplexe Silberverbindungen herzustellen,
in welchen die komplexbildende Komponente .einen substituierten oder nichtsubstituierten
aroniatischen Kern enthält, ist von großer Bedeutung. Durch die Einführung der verschiedenen
aromatischen Kerne kann man., nämlich die chemischen und biochemischen=--Eigenschaften
in mannigfacher Weise verändern und auf diese Art die parasitotropen und organotropen
Fähigkeiten. der Silberverbindungen je nach Bedarf einstellen: -Die Abhängigkeit
der parasitotropen und. organotropen Eigenschaften der verschiedenen organischen
Silberverbindungen von der Art der eingeführten aromatischen Kerne ,ergibt sich
einerseits aus den toxicologischen Eigenschaften, andererseits aus dem Verhalten
der Substanzen gegenüber Bakterien in vitro und in vivo.
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Das bakterizide Vermögen der. komplexen Silberverbindungen der Arylthioharnstoffe
wurde. mit ionisierten Silberverbindungen '(Argentum nitricum) und mit Silbereiweißverbindungen
(Argentum proteinicum) vergliclicn. Es wurden jeweils. Lösungen hergestellt, die
in i ccm o,i mg Silber enthielten,. und- diese Lösungen zu gleichen Mengen einer
bestimmten Bakterienaufschwemmung zugesetzt @ :und 21/2 11linuten in .Berührung
gelassen: Nach kräftigem Durchschütteln des Gemisches wurde vermittels einer graduierten
Pipette j.e i Tropfen -a-uf Petrischalen ausgesät;- mit der Platinöse gleichmäßig
verteilt und in gewissen Zeitabständen., die aufgehenden Kolonien gezählt. .. ,.
:_ . .. 1 ..
i. Gonokokken.
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Wirkung von o,i mg Silber in Forin der verschiedenen Silberverbindungen
auf 300 Millionen Gonokokken.
| Zahl der Kolonien |
| Substanzen nach |
| 24 52d. u. .f8 Std. |
| Argentum nitricurn . . . . . . . . 65 78 |
| Argentum proteinicum ..... 105 110 |
| 0xyphenylthioliarnstoffsilber. 25o 300 |
| Salicylthioharnstoffsilber .... 560 000 |
| Trypaflavintliioliarnstoffsilber r20 120 |
| Kontrolle |
| viele viele |
| Tausend Tausend |
2. Staphylokokken.
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Wirkung von o,1 mg Silber in Form der verschiedenen Silberverbindungen
auf 5o hliilionen Staphylokokken.
| _ Zahl der Kolonien |
| Substanzen nach |
| 2; Std. u. .t8 Std. |
| Argentum nitricurn . . . . . . . . 194 300 |
| Argentum proteinicum...... 500 700 |
| 0xyphenylthioharnstoffsilber. 60o 60o |
| Salicylthioharnstoffsilber .... rooo 1000 |
| Trypaflavintliioharnstoffsilber 400 600 |
| Kontrolle |
Aus diesen Versuchen geht hervor, daß entsprechend . der verschiedenen organotropen
Wirkung der Arylthioliarnstoff-Silberverbindungen auch ihre Desinfektionskraft gegenüber
Gonokokken und Staphylokokken verändert ist. Während nämlich die ionisierten Silberverbindungen
und die Silbereiweißverbindungen entsprechend ihrer höheren Giftigkeit auch eine
stärkere Desinfektion ausüben, treten die desinfizierenden Wirkungen der Arylthioharnstoff-Silberverbindungen
wesentlich zurück. Es ist dies ein Beweis, daB die Art der komplexen Bindung ihre
biologische Wirksamkeit in entsprechender Weise verändert, ähnlich wie auch die
Toxicität der betreffenden Verbindungen deutlich vermindert erscheint. Prüft man
nämlich die Toxicität der verschiedenen Verbindungen an Warmblütern (Kaninchen,
Mäusen), so ist sie, bezogen auf den Silbergehalt bei den verschiedenen Verbindungen,
verschieden, indem je nach der Art des aromatischen Radikals die Verteilung, Verankerung
und Ausscheidung des Silbers in verschiedener Weise beeinfluBt wird.
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Während zum Beispiel von einem einfachen, leicht dissoziierbaren Silbersalz
- Silbernitrat oder komplexes glykolylsaures Silber - pro kg Versuchstier intravenös
höchstens 5 mg Silber vertragen werden, zeit eine \-lrins nach Injektion von 6,5
mg Silber als Oxyphenylthioharnstoffsilberclilorid (Beispiel i) noch keine merklichen
Vergiftungserscheinungen.
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Bei Berechnung des therapeutischen Index, d. h. bei Vergleich der
Giftigkeit und der therapeutischen Wirkung der Silberverbindungen, besteht für die
Aryltliioharnstoff-Silberverbindungen ein Vorteil, indem sie ein höheres Desinfektionsvermögen
zeigen als nach ihrer organotropen Wirkung (Toxicität) erwartet werden sollte, und
es ist zweifellos, daß sich daraus wichtige therapeutische Vorteile für die innere
Desinfektion ergeben können.
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Die neuen Silberverbindungen sollen daher für therapeutische Zwecke
verwendet werden. Beispiel i.
In die warme Lösung von 8.5 Teilen Oxyplienylthioharnstoff (dargestellt nach Kalckho
ff und Meyer, Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 16 (i88;), S. 374;
Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 32 (i899), S. 2115) in 75o ccm Wasser
wird unter Rühren gut ausgewaschenes Chlorsilber aus 8,5 Teilen Silbernitrat eingetragen.
Der entstandene Brei wird rasch abgesaugt, mit Wasser gewaschen und im Exsikkator
getrocknet. Verreibt man nun r Teil dieses Oxyphenylthioharnstoffsilberchlorids
mit 6 Teilen p-Oxyphenylthioharnstoff, so erhält man ein in Wasser lösliches Salz.
Auf Zusatz von Natriumchloridlösung zu der Lösung dieses Salzes scheidet sich kein
Silberchlorid ab. Beispiel 2.
4,3 Teile Thiokarbaminosalicylsäure (hergestellt durch Eindampfen einer Lösung von
5 Teilen Aminosalicylsäurechlorhydrat in 15 Teilen Wasser mit der Lösung von 5 Teilen
Rhodanammonium in 15 Teilen Wasser und Reinigen des Produktes durch Lösen in verdünnter
Natronlauge und Fällen mit Salzsäure Schmelzpunkt 22i°) -werden in 2o Teilen o,4prozentiger
Natronlauge gelöst, zur Lösung 4 Teile 1,69prozentige Silbernitratlösung gegeben
und mit 14o Teilen Alkohol gefällt. Der entstehende Niederschlag wird abgesaugt
und im Vakuum über Schwefeläurc
getrocknet. Silbergehalt 16,87
Prozent, das Salicyltliioliarnstofisilber ist in `\'asscr leicht löslich ; aus der
wässerigen Lösung fällt mit Kochsalzlösung kein Silberchlorid. ß'@isliic:l 3.
In die siedend heiße Lösung von 2 Teilen Trypaflavinthioharnstoff (hergestellt durch
Fällen einer Lösung von 2 Teilen Trypaflavin in 1o 'heilen Wasser mit einer Lösung
von 2 Teilen Rhodanammonium in 1o Teilen Wasser und Umkristallisieren atis siedendem
Wasser) in 3o Teilen Wasser werden unter Schütteln 4 Teile r,69prozentigc heiße
Silbernitratlösung tropfenweise eingetragen. Der sofort en ist ehendv gelbe, blättrig-kristallinisclie
Niederschlag wird abgesaugt und getrocknet. Silbergehalt 30.64 Prozent. Das Trypaflavititliioliarnstoffsilbernitrat
ist in. Wasser unlöslich, in Mischung mit 3 Teilen Trypa.flavinthioharnstoff löst
ea sich bei Siedehitze. Die Lösung scheidet auf Zusatz von Schwefelwasserstoff kein
Silbersulfid ab, auch Kochsalzlösung gibt keine Fällung.