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Verfahren zur Entwieklung photographischer Sehiehten.
Die allgemein übliche Methode zur Entwicklung von photographischen Platten, Films und Papieren besteht darin, dass dieselben nach der Belichtung zum Zwecke der Hervorrufung des Bildes in den Entwickler gelegt werden, welcher heute fast ausnahmslos aus einer Lösung stark reduzierender Benzolderivate bzw. deren Substitutionsprodukte und Natriumsulfit mit oder ohne Zusatz eines Alkalis besteht.
Das latente Bild wird durch Reduktion des Silbersubbromides zu Silber sichtbar gemacht, indem an den stärker belichteten Stellen mehr Silber gebildet wird als an den unbelichteten. An ersteren häufen sich die Silberkoner, und man spricht von einer grösseren oder geringeren Dichte des Negativs, je nachdem die Silberkörner grösseren oder kleineren Durchmesser besitzen.
Während es früher bei der Verwendung grösserer Formate (9 x 12,13 x 18) keineswegs ausschlaggebend war, ob das ausgeschiedene Silberkorn oder dessen Anhäufung grösser oder kleiner war, spielt dies bei der heute allgemein so sehr verbreiteten. Kleinbildphotographie eine äusserst wichtigeRolle.
Die meist nur einige Quadratzentimeter grossen Originalnegative (22 x 24 mm, 18 x 24 mm, 30 x 40 mm) müssen beträchtlich vergrössert werden, wobei ein zu grosses Silberkorn auf der Vergrösserung mitabgebildet wird und selbe unbrauchbar macht. Auch die zu starke Anhäufung der Silberkörner lässt infolge zu grosser Dichte einzelner Stellen des Negativs kein einwandfreies Resultat zu. An diesen am meisten geschwärzten Stellen des Negativs, die den Lichtern des Bildes entsprechen, tritt das Korn besonders stark und störend in Erscheinung.
Es ergibt sich daher heute die Notwendigkeit, einen feinkörnigen Silberniederschlag, insbesondere auch in den Lichter, zu erhalten. Hiezu stehen zwei Wege offen, nämlich einerseits die Anwendung von feinkörnig arbeitenden Spezialemulsionen und anderseits eine auf Feinkörnigkeit hinzielende Führung des Entwickdungsvorganges. Feinkornschichten weisen jedoch den Nachteil geringerer Empfindlichkeit auf, und bei den bisher bekannten Methoden der Feinkornentwicklung, bei denen stets mehr oder weniger stark verdünnte Entwicklerlösungen verwendet wurden, ergaben sich die Nachteile der grossen Zeitdauer der Entwicklung (bis zu mehreren Stunden), des grossen Flüssigkeits-und Entwicklerverbrauches und die Notwendigkeit, die Belichtungsdauer zu erhöhen.
Ausserdem brachten die bisher üblichen Methoden der Feinkornentwicklung stets eine Verminderung der Kontraste mit sich, denn entwickelt man mit diesen Feinkornentwicklern"bis zur guten Durchzeichnung der Schatten (optimale Dichte), so wächst das Silberkorn in den Lichtern wieder bis zur normalen Grösse.
Das erfindungsgemässe Entwicklungsverfahren gibt bei einfachster Handhabung zwangsläufig gut ausgeglichene Negative mit äusserst feinem Silberkorn, u. zw. auch in den Lichtern, ohne dass die Belichtungs-oder Entwicklungszeit verlängert werden muss und ohne Beeinträchtigung der Durchzeichnung in den Schattenpartien.
Es ist bekannt, dass die Vorgänge bei der Entwicklung etwa so vorstellbar sind, dass durch die Belichtung der Bromsilberschichte sogenanntes"Halbbromsilber"entsteht, das leicht reduzierbar ist und in Berührung mit dem Reduktionsmittel (Entwickler) metallisches Silber in kleinster Menge liefert, welches als Keim oder Katalysator wirkt und die Gesamtreduktion des belichteten Bromsilbers verursacht. Bei dieser Reduktion wird also einerseits aus dem Bromsilber metallisches Silber gebildet, während das Brom in Ionenform als Bromsalz im Entwickler in Lösung geht. Da die bei einem Vorgange entstehenden Stoffe stets eine entgegenwirkende Kraft auf diesen Vorgang ausüben, werden die Brom-
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ionen einen mehr oder weniger hemmenden Einfluss auf den Entwicklungsvorgang ausüben.
Besonders erwünscht wäre der hemmende Einfluss in den Liehtpartien, wo die Lichtwirkung am stärksten war, also an denjenigen Stellen der lichtempfindlichen Schichte, welche einer zu starken und damit grobkörnigen Anhäufung von Silberkorn ausgesetzt sind.
Dadurch, dass in Lösung die gebildeten Bromsalzmengen stets bei den üblichen Entwicklungverfahren von den belichteten Stellen weggespült werden, können sie ihre hemmende Kraft in den Lichtern nicht äussern, sondern das Bromsalz teilt sich dem ganzen Entwickler mit und äussert seine hemmende Wirkung unerwünschterweise auch auf die (wenig belichteten) Schattenpartien. Es ist zwar versucht worden, die Platte genau waagrecht und völlig ruhig im Entwickler liegenzulassen, so dass die Bromsalze in den Lichtern, wo sie gebildet werden, verbleiben und dort die Entwicklung hemmen, jedoch konnten auf diese Weise keine befriedigenden Ergebnisse erzielt werden.
Gemäss der Erfindung werden nun die photographischen Schichten zwecks Ausgleichs-und Feinkornentwicklung mit einer den Entwickler enthaltenden kolloidalen oder saugfähigen Masse od. dgl. in flächenhaften Kontakt gebracht. Dadurch wird an den stark belichteten Stellen entstandenes Bromsalz dort zurückgehalten und kann seine hemmende und die Feinkörnigkeit fördernde Wirkung an diesen
Stellen ausüben, während an den wenig belichteten Stellen (Sehattenpartien) nur wenig Bromsalz gebildet wird und dort die"Entwicklungskraft"nicht gehemmt wird.
Es ist zwar schon vorgeschlagen worden, photographische Substanzen für verschiedene Zwecke in Gelatine od. dgl. einzubetten und diese auf Träger aufgebrachten Massen auf die zu behandelnde photographische Schichte aufzuquetschen. Eine Ausgleichs-und Feinkornentwicklung durch die Wirkung des an den Schattenpartien entstehenden Bromsalzes wurde jedoch bei den bisher bekannten Verfahren nicht beabsichtigt, wobei noch ausdrücklich festzustellen ist, dass die bisher bekannten Verfahren in der Praxis nicht durchführbar sind, da sich die dort angegebenen Schichten an der Luft rasch zersetzen und unwirksam werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren kann auf verschiedene Weise ausgeübt werden. Die den Entwickler enthaltende Masse kann in fertigpräpariertem Zustand in flache Behälter gegossen werden, muss aber dann oft erneuert werden, oder es können geeignete Schichtträger, wie Papier, Zelluloid usw., damit überzogen werden, bei welchen die zur Entwicklung nötigen Substanzen (Reduktionsmittel, Sulfit, Alkali) in drei Schichten übereinander aufgegossen sind, von welchen jede eine der angegebenen Substanzen enthält, wodurch unbegrenzte Haltbarkeit erreicht ist. Die dritte Ausführungsform besteht darin, dass saugfähige Schichten mit Entwickler unmittelbar vor der Verwendung getränkt werden.
Die den Entwickler enthaltende Masse kann folgendermassen hergestellt werden :
Es werden z. B. 20 g Gelatine in Wasser eingeweicht, je nach Saugfähigkeit der Gelatinsorte nach 10-15 Minuten abgepresst und geschmolzen. Dazu werden 2---4 em3 Glyzerin zugesetzt und hierauf 50-60 em3 eines konzentrierten Entwicklers (z. B. Metolhydrochinon) hinzugefügt, gut durchgerührt, filtriert (durch Gaze) und in die betreffenden Formen zum Erstarren ausgegossen. Bei Verwendung von Schichtträger, wie Papier usw., werden zu obiger Gelatine-Entwickler-Mischung noch die üblichen Zusätze wie bei einer Bromsilbergelatineemulsion gemacht (z. B. Alkohol, Hühnereiweiss usw. ). Sobald die Masse vollständig erstarrt, ist selbe gebrauchsfertig.
Der exponierte Film (Bromsilber-, Gaslichtpapier) wird kurze Zeit in Wasser getaucht und mit der Schichtseite auf die feuchte Entwicklungsmasse gelegt. Sind Film (Platte) und Masse gut angefeuchtet, so werden Luftblasen sicher vermieden. Nach einer Minute (zirka) beginnt das Sichtbarwerden des Bildes, und die Entwicklung ist in 10-12 Minuten beendet.
Der Zweck des Verfahrens ist die vollkommene Ausgleich-und Feinkomentwicklung, welche dadurch erreicht wird, dass die an den stärker belichteten Stellen entstandenen Bromkalimengen durch das Anliegen des Films (Platte oder Papier) an die Masse an Ort und Stelle verbleiben und ihre die Schwärzung verzögernde Wirkung sozusagen in konzentrierter Form ausüben, während bei einer Entwicklung in Lösung diese auch bei waagrechter ruhiger Lage verdünnt bzw. weggespült werden. Durch den Kontakt des Films mit der Entwicklungsmasse und das Anhaften derselben wird eine Ausgleichund gleichzeitig auch eine Feinkornentwicklung zuverlässig erreicht, wie selbe bei den bekannten Verfahren in keiner Weise auch nicht annähernd erzielt werden kann. Dies ist durch zahlreiche vergleichende Versuche durch den Anmelder überprüft worden.
Zur Erzielung einer möglichst vollkommenen Ausgleichentwicklung kann das Verfahren auch so ausgeführt werden, dass saugfähige Schichten, z. B. gelatinierte Unterlagen, Viskoseschwamm, saugfähige Papiere usw., mit dem Entwickler unmittelbar vor Gebrauch getränkt werden.
Die zu entwickelnde Platte (Film usw.) wird mit der den Entwickler enthaltenden Schichte in Kontakt gebracht. Die saugfähigen Körper können nach Gebrauch ausgewaschen und wiederholt verwendet werden.
Der Erfolg ist hier gleichfalls, dass die photographische Schichte während der Entwicklung in völliger Ruhe verbleibt und die. an den stark belichteten Stellen gebildeten Bromkalimengen die deckunghemmende Wirkung ausüben können.
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Die Vorteile des Verfahrens sind demnach zusammengefasst :
1. Vollkommene Feinkorn-und Ausgleichentwicklung bei kurzer Entwicklungsdauer.
2. Einfache Anwendung, keine zerbrechlichen Flaschen (besonderer Vorteil für die Reise).
3. Kein Beschmutzen der Finger und Wäsche.
4. Äusserst lange Haltbarkeit der Entwicklungsmasse. Während der flüssige Entwickler durch den Luftsauerstoff rasch oxydiert und unbrauchbar wird, kommt die Masse nur an der Oberfläche mit der Luft in Berührung.
5. Äusserst sparsame Verwendung des Entwicklers bei Tränkung der Schichten unmittelbar vor Gebrauch.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Ausgleich-und Feinkornentwicklung, dadurch gekennzeichnet, dass photographische Schichten (Filme, Platten) mit einer den Entwickler enthaltenden kolloidalen oder saugfähigen Masse od. dgl. in flächenhaften Kontakt gebracht werden.