DEP0015321DA - Verfahren zur Überführung von Tierhaut in einen haltbaren lederartigen Zustand - Google Patents

Verfahren zur Überführung von Tierhaut in einen haltbaren lederartigen Zustand

Info

Publication number
DEP0015321DA
DEP0015321DA DEP0015321DA DE P0015321D A DEP0015321D A DE P0015321DA DE P0015321D A DEP0015321D A DE P0015321DA
Authority
DE
Germany
Prior art keywords
skin
oxidizing agent
leather
dry
process according
Prior art date
Legal status (The legal status is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the status listed.)
Expired
Application number
Other languages
English (en)
Inventor
Johannes HELL
Current Assignee (The listed assignees may be inaccurate. Google has not performed a legal analysis and makes no representation or warranty as to the accuracy of the list.)
Individual
Original Assignee
Individual
Publication date

Links

Description

Bisher wurde allgemein angenommen, dass zur Überführung tierischer Häute in einen haltbaren, dauernd fäulniswidrigen Zustand und in Leder eine Gerbung erforderlich sei. Diese Lederherstellung ist mit grossen Nachteilen verbunden. Sie erfordert eine umständliche, schwierige, langwierige und kostspielige Behandlung, bedeutende Verluste an Hautsubstanz und einen grossen Verbrauch an Materialien und Gerbstoffen, die oft nur schwierig oder gar nicht in geeigneter Beschaffenheit und Wirkung zu bekommen sind. Trotzdem wird aber niemals das gesteckte Ziel erreicht, der Haut die natürlichen Eigenschaften und Vorzüge zu erhalten. Denn Gerbung mit ihrer Einverleibung von Gerbstoffen ruft eine chemische Veränderung der Haut durch Fremdstoffe hervor; mit Veränderungen kann aber Bestehendes nicht erhalten werden. Tatsache ist daher, dass durch Gerbung wertvollste natürliche Vorzüge der Haut teils völlig zerstört, teils stark beeinträchtigt werden.
Die Erfindung zeigt nun einen völlig neuen Weg zur Überführung tierischer Haut in einen dauernd fäulniswidrigen brauchbaren Zustand, also in eine Art Leder, wobei aber zwecks Vermeidung der Zerstörung und Beeinträchtigung wertvoller Natureigenschaften und Erhaltung der Hautsubstanz keine Gerbstoffe und keine der bisher üblichen Wasser- und Materialbehandlungen der Haut vor und während der Gerbung Anwendung finden. Das unter bedeutender Arbeits- und Kostenersparnis erhaltene neue Leder ist nicht nur dem besten bisherigen Leder in seinen Eigenschaften gleichwertig, sondern übertrifft es in mancher Hinsicht.
Die Erfindung geht von der Beobachtung aus, dass stets das Fehlen von freiem Sauerstoff in der Haut die Ursache dafür ist, wenn tierische Haut der Fäulnis oder der Zersetzung anheimfällt.
Fäulnis und Zersetzung wird durch Abwesenheit von freiem Sauerstoff in der Tierhaut begünstigt. Jede Behandlung, die dauernd dem Sauerstoff, d.i. der atmosphärischen Luftzugang zu allen Teilen der Haut gewährt, macht sie fäulniswidrig, damit haltbar und für die Technik brauchbar. Durch Gerbung wird dieses Ziel zwar auch erreicht, aber Gerbung mit der damit verbundenen Einverleibung von Gerbstoffen in die Haut ist aus den oben erwähnten Gründen keine ideale Behandlung der Haut zu dem Zwecke der Erhaltung ihrer natürlichen Eigenschaften und Vorzüge, sondern mit erheblichen Übelständen verbunden.
Nachdem die Ursache des Verderbens der toten Haut u.a. in der Abwesenheit von Sauerstoff und der Haltbarkeit einer nicht gegerbten Haut in der Anwesenheit von Sauerstoff klar erkannt war, konnte es sich nur noch darum handeln den bestehen Weg zu finden, um alle Teile der Haut dauernd für Sauerstoff zugänglich zu machen und zu erhalten.
Es ist nun bekannt, dass Wasserstoffperoxyd und auch Ozon viel stärkere Oxydationsmittel als freier Sauerstoff sind. Diese Stoffe aber können nur dann die gewünschte Wirkung entfalten, wenn sie fast augenblicklich von der Haut aufgenommen werden, da sie sich zu leicht zersetzen. So bleibt Wasserstoffperoxyd auf frische Häute oder beim Salzen frischer Häute oder auf nasse Häute angewendet ohne erkennbare Wirkung in dem hier gewünschten Sinne, so daß man schliessen muss, dass es dabei schon in Wasser und Sauerstoff zerfallen ist, bevor es in die Haut eingedrungen ist.
Die Erfindung zeigt nun den Weg, wie die Tierhaut ohne Anwendung von Gerbstoffen nur durch eine Art Sauerstoffbehandlung in einen fäulniswidrigen lederartigen Zustand übergeführt werden kann. Wesentlich ist hierfür gemäß der Erfindung, die Haut in einen Zustand zu versetzen, bei dem die Fasern voneinander isoliert sind. Dadurch soll gewissermassen jede einzelne Faser für die Einwirkung des Sauerstoffs freigelegt werden. Hierfür werden insbesondere zwei brauchbare Wege ausfindig gemacht.
Das erste Verfahren besteht darin, dass frische oder gesalzene oder mit Salze gefüllte, geölte oder nicht gefettete Häute zum Gefrieren gebracht werden und dann das in der Haut gebildete Eis bei Temperaturen unter 0° durch Verdunsten entfernt wird. Hierdurch wird die Haut luftdurchlässig und bedeutend dicker als bei gewöhnlicher Temperatur getrockneter Haut. Anschliessend wird sie in warmen Räumen ausgedorrt, gegebenenfalls vorher gefettet, und kann in völlig trockenem Zustand imprägniert werden. Sie kann auch noch der Behandlung mit einem Oxydationsmittel unterworfen werden. Das Gefrierenlassen und Verdunsten des Eises hat zur Wirkung, dass die Poren erweitert und die Hautfasern insoliert werden.
Das zweite Verfahren besteht im wesentlichen darin, dass trockengesalzene oder bereits ausgedörrte, gefettete oder ungefettete Haut mit einem Oxydationsmittel behandelt und etwaiger Salzüberschuss entfernt wird. Unter trockengesalzener Haut ist eine solche zu versehen, welche ganz von Salz durchdrungen ist und einen erheblichen Teil ihres natürlichen Wassergehalts abgegeben hat, sodass sie sich nicht mehr nass anfühlt. Auf eine in diesem Zustand befindliche Haut wirkt das Oxydationsmittel am besten ein. Um nämlich die angestrebte Wirkung zu erzielen, muss das Oxydationsmittel rasch in die Haut eindringen und erst in den Poren zerfallen. Hierfür ist aber notwendig, dass die Haut ganz oder teilweise von ihrem natürlichen Wassergehalt befreit ist.
Vorzugsweise wird trockengesalzene Haut mit einem Oxydationsmittel behandelt, dann getrocknet bzw. ausgedörrt und schliesslich durch Wässern entsalzen. Am besten bewährt als Oxydationsmittel hat sich Wasserstoffperoxyd in 2-5%iger Lösung oder auch Ozonwasser. Das Oxydationsmittel kann auch zusammen mit inerten festem, in die Poren einziehenden und die Poren freihaltenden Stoffen, wozu am besten Natriumchlorid geeignet ist, angewendet werden. Der Stoff ist unter Umständen nachher wieder zu entfernen, was bei Natriumchlorid durch einfaches Wässern erfolgt. Die Lösung des Oxydationsmittels kann auf die Haut aufgetragen oder in diese eingewalkt werden. Zusammen mit dem Oxydationsmittel können auch alle bei der Lederherstellung üblichen Zusätze angewendet werden, z.B. Öle, Fette, Lösungen von Kautschuk, Harzen u.dgl. mehr. Eine Enthaarung wird an die Oxydationsbehandlung angeschlossen und dazu die üblichen haarlösenden Mittel verwendet, wenn nicht bereits enthaarte Häute verarbeitet wurden.
Die nach dem neuen Verfahren behandelte Haut kann in beliebiger Weise weiterverarbeitet werden. Die in faserisoliertem Zustand trocken gewordene oder ausgedörrte, gefettete oder ungefettete, behaarte oder enthaarte Haut kann z.B. zwecks Fixierung, Heisswasserbeständigmachung, Tarnung o.dgl. in bekannter Weise mit Lösungen von Chinon, Formaldehyd, Metallsalzen, Gerbstoffen, Farben, Harzen, Stärken, Kasein, Leim, Kautschuk, Zellulosepräparaten u.dgl. einmalig, wiederholt oder abwechselnd überstrichen werden.
Das neue Produkt ist in jeder Beziehung dem mit Gerbstoffen hergestellten Leder nicht nur gleichwertig, sondern übertrifft dies noch in mancherlei Hinsicht. Es besitzt vor allem die natürlichen Eigenschaften und Vorzüge der lebenden Haut, ist also auch wie diese haltbar und fäulniswidrig. Es ist witterungsbeständig und behält sein Aussehen unbegrenzt lange. Seine Reissfestigkeit, Dauerbiegefähigkeit, Bruchfestigkeit und Schmiegsamkeit sind bedeutend besser als bei mit Gerbstoffen hergestelltem Leder. Kurz gesagt, es übertrifft also das bisherige Leder in vielen Eigenschaften.
Ausführungsbeispiele.
1.) Rohhäute werden in gut durchgesalzenem von etwaigem Dung befreiten gleichmässig feucht-trockenem Zustande entfleischt, nötigenfalls gespalten und egalisiert, nachgesalzen und dann mit einer 3-4%igen Lösung von Wasserstoffperoxyd überstrichen, welche sofort in die Haut einzieht. Zum gleichmässigen Durchziehen des Peroxyds werden die Häute auf Haufen gelagert oder gewalken, aufgetrocknet und möglichst in der Wärme ausgedörrt. Nach beliebig langem Lagern oder auch sofort nach dem Ausdörren werden die Häute, soweit nötig ist, durch Wässern entsalzt, gestossen ausgereckt und getrocknet. Dehnfreie Leder werden am besten vor dem ersten Auftrocknen gestossen und gereckt.
Das so erhaltene Leder ist fest, aber luftdurchlässig, leicht zu imprägnieren, dicht zu machen und zu füllen, nimmt in trockenem Zustand vor dem Wässern schon leicht wasserunempfindliche Stoffe wie Fette, Harze, Kautschuklösungen, auf, bleibt trotz Wasserdichtigkeit luftdurchlässig, ist daher gut auf dem Körper zu tragen und besitzt grosse Verschleissfestigkeit.
Auch das gefettete Leder zeigt guten Stand und ist fest.
2.) Mit oder ohne Salzung sind gute, brauchbare Leder für Sohlen und andere Zwecke dadurch zu erhalten, dass die wasserhaltigen Häute zum Gefrieren gebracht werden, das Eis bei Temperaturen unter 0° verdunstet wird und die Häute dann geschmiert, imprägniert oder gefüllt werden. Dieses Leder trocknet 50% dicker als mit Gerbstoffen erhaltenes und warm getrocknetes Leder auf. Es ist luftdurchlässig und fäulniswidrig.
3.) Wird statt der im Beispiel 1.) genannten Wasserstoffperoxyd-Lösung ein Gemisch aus 30%igem Wasserstoffperoxyd und der siebenfachen Menge an Natriumchlorid verwendet, so werden voller und dicker aufgetrocknete Häute erhalten.
4.) Die Häute werden vor der Behandlung mit dem Oxydationsmittel getrant oder geölt. Sie können aber auch mit einer Mischung aus Tran, Öl oder Fett zusammen mit Natriumchlorid und soviel Wasserstoffperoxyd behandelt werden, dass die Mischung 2 - 5% an Peroxyd enthält.
5.) Bei der zweiten Ausführungsform nach Beispiel 4.) können der Mischung auch noch Farben oder sonstige Stoffe oder Lösungen zugesetzt werden, welche Aussehen oder Eigenschaften des Leders verbessern.
6.) Anstelle von Wasserstoffperoxyd kann auch Ozonwasser, berechnet auf die gleiche Sauerstoffmenge angewendet werden. Es kann auch im Gemisch mit Fetten oder Ölen ozonisiertes Terpentinöl genommen werden.

Claims (10)

1.) Verfahren zur Überführung von Tierhaut in einen haltbaren lederartigen Zustand, dadurch gekennzeichnet, dass die Haut durch Isolierung der Fasern voneinander in einen durchlässigen Zusatz versetzt wird, und die Fasern der Einwirkung von Sauerstoff ausgesetzt werden.
2.) Verfahren nach Anspruch 1.), dadurch gekennzeichnet, dass die Tierhaut zum Gefrieren gebracht, das Eis bei Temperaturen unter 0° verdunstet und die Haut dann, gegebenenfalls nach einer Fettung, unter <Nicht lesbar> ausgedorrt wird.
3.) Verfahren nach Anspruch 1.), dadurch gekennzeichnet, dass trockengesalzene, bereits gedörrte, gefettete oder ungefettete, be- oder enthaarte Häute mit einem Oxydationsmittel behandelt werden und etwaiger Salzüberschuss entfernt wird.
4.) Abänderung der Verfahren den Anspruch 3.), dadurch gekennzeichnet, dass trocken gesalzene Haut mit einem Oxydationsmittel behandelt, dann getrocknet bzw. ausgedörrt und schliesslich durch Wässern entsalzen wird.
5.) Verfahren nach den vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass als Oxydationsmittel Wasserstoffperoxyd, vorzugsweise als 2-5%ige wässrige Lösung oder Ozonwasser verwendet wird.
6.) Verfahren nach den vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass das Oxydationsmittel in Mischung mit einem inerten festen, in die Poren einziehenden und die Poren freihaltenden Stoff, vorzugsweise mit Natriumchlorid, angewendet wird und gegebenenfalls dieser Stoff nachher wieder entfernt wird.
7.) Verfahren nach den vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass das Oxydationsmittel zusammen mit Ölen, Fetten, Lösungen von Kautschuk, Harzen oder anderen bei der Lederherstellung üblichen Zusätzen angewendet wird.
8.) Verfahren nach den vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass die Lösung des Oxydationsmittels auf die Haut aufgetragen oder in diese eingewalkt wird.
9.) Verfahren nach den vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass <Nicht lesbar> trocken gewordene oder ausgedörrte, gefettete oder ungefettete be- oder enthaarte Haut zwecks Fixierung, Heisswasserbeständigmachung, Tarnung oder zu sonstigen Veredelungszwecken in bekannter Weise mit Lösungen von Chinon, Formaldehyd, Metallsalzen, Gerbstoffen, Farben, Harzen, Stärken, Kasein, Leim, Kautschuk, Zellulosepräparaten o.dgl. einmalig oder wiederholt gegebenenfalls abwechselnd überstrichen und behandelt wird.
10.) Verfahren nach den vorhergehenden Ansprüchen, gekennzeichnet durch eine an die Oxydationsbehandlung sich anschliessende Enthaarung.

Family

ID=

Similar Documents

Publication Publication Date Title
DEP0015321DA (de) Verfahren zur Überführung von Tierhaut in einen haltbaren lederartigen Zustand
DE1233530B (de) Verfahren zum enzymatischen Enthaaren und bzw. oder Beizen von Haeuten und Fellen
DE767074C (de) Verfahren zum Konservieren von Rohhaeuten, Fellen und Hautbloessen
DE649047C (de) Verfahren zur Herstellung von Leder
DE261323C (de)
AT239428B (de) Verfahren zum Gerben tierischer Häute und Felle bzw. Blößen
DE377536C (de) Verfahren zum Gerben von Haeuten und Fellen
DE202074C (de)
DE106041C (de)
DE906006C (de) Verfahren zur Schnellgerbung von Fellen und Haeuten
DE602748C (de) Verfahren zum Konservieren von tierischen Hautbloessen
AT56743B (de) Schneligerbverfahren.
DE741009C (de) Verfahren zum Enthaaren von Haeuten und Faellen
DE1494829C2 (de) Verfahren zum Schnellgerben
DE540090C (de) Verfahren zum Gerben von Mastdarm und Magenwand von Fischen
DE437214C (de) Verfahren zum Einfetten von Pelzwerk
DE3612126A1 (de) Verfahren zum haltbarmachen von rohhaeuten und fellen und konservierungsmittel zu dessen durchfuehrung
DE619112C (de) Verfahren zur Konservierung von Fischnetzen
DE612172C (de) Verfahren zur Impraegnierung von Pelzfellen gegen Motten und aehnliche Schaedlinge
DE744309C (de) Verfahren zum Fetten und Impraegnieren von Leder
DE767030C (de) Verfahren zur Behandlung tierischer Haeute und Felle
DE655595C (de) Verfahren zum Konservieren von geaescherten und gebeizten Hautbloessen
DE2626069A1 (de) Verfahren zur herstellung von ueberzugsmaterial aus leder fuer polster und kissen von moebeln
DE341161C (de) Verfahren zur Herstellung eines Saemischleder-Ersatzes
DD296706A5 (de) Biologisch stabile, in feuchter form vorliegende ungegerbte haeute