-
Verfahren und Vorrichtung zum Aufschließen von Bastfaserstengeln Die
Erfindung betrifft ein Verfahren und' eine Vorrichtung zum Aufschließen von Bastfaserstengeln,
bei dem das Gut hintereinander in Laugen, Säuren und Seifenbädern behandelt wird.
Die Nachteile der bekannten Verfahren bestehen darin, daß neben einer zu geringen
Ausbeute die Dauer des Aufschließens verhältnismäßig groß ist.
-
Nach der Erfindung werden diese Mängel dadurch vermieden, daß das
in dünnen Lagen übereinander geschichtete Gut während der gemeinsamen Umsetzpausen
in den hintereinander angeordneten Behandlungsbädern ständig geschüttelt wird, wodurch
die Aufschließzeit beträchtlich verkürzt wird. Zweckmäßig arbeitet man daher so,
daß die Behandlungsflüssigkeit über Vorratsbehälter während der Behandlungszeit
umgepumpt und dabei geheizt wird.
-
Eine zur Durchführung des Verfahrens dienende Vorrichtung besteht
darin, daß die in hintereinander angeordneten Behandlungsbehältern vorgesehenen
Einsatzgestelle und die in diesen übereinander angeordneten flachen Kästen mit Schüttelvorrichtungen
zusammenwirken, die aus auf einer Antriebswelle sitzenden Exzentern mit Schwinghebeln
und Schwingwellen bestehen. Die beiderseits der Behälterreihen verlaufenden Schwingwellen
wirken dabei mittels Schwinghebeln und Schwingstangen auf Doppelhebel ein, welche
unter Anschläge an den Einsatzgestellen greifen und, um Achsen schwingend, diese
seitlich heben und senken, wobei die Schwinghebel, die zu den einzelnen Behältern
gehören, in der Reihenfolge der Behälter wechselweise um i8o° gegeneinander versetzt
sind.
-
Es ist zwar schon bekanntgeworden, an Greifern hängendes Bastfasergut
im fortlaufenden Arbeitsgang unter Verwendung selbsttätiger Fördermittel auf dem
Förderweg des Gutes liegenden Behandlungsbädern zuzuführen. Die Ausbeute an spinnfähiger
Faser ist jedoch bei Durchführung eines solchen Verfahrens gering.
-
Weiterhin ist es nicht neu, Bastfaserstengel zum Aufschließen in dünner
Lage in Siebkörbe zu packen.
-
Außerdem ist es bekannt, beim Nachbehandeln fertiger Faserstoffe,
insbesondere Kunstseidenfäden, das Gut auf Horden in die Gestelle einzusetzen und
hintereinanderliegenden Behandlungsbädern zuzuführen. Dabei kann das Umsetzen des
Gutes aus den einzelnen Behandlungsbädern in die folgenden gleichzeitig mittels
Hebezeugen erfolgen.
-
Schließlich ist es nicht mehr neu, beim Färben von Textilfasern die
benutzte Flotte wieder in den Ausgangsbehälter zurückzupumpen und aufzufrischen.
Auch ist es bekannt, beim Färben von Textilgut das Gewebe in der Farbflotte zu schütteln.
Während beim Färben auf die reine Faser aber der Farbstoff im Wege einer Anlagerung
aufziehen soll, sollen beim Aufschließen von
Bastfaserstengeln die
die Oberfläche verunreinigenden Stoffe (Schleimstoffe, Lignin u. dgl.), welche teilweise
im kolizustande de i5 Stengel die Faser mit dem Holz verbinden; entfernt
werden.
-
Gegenüber den bekannten Verfahren und, Vorrichtungen werden die Vorteile
der Erfindung darin erblickt, daß sie beim Aufschließen von Bastfaserstengeln neben
einer hohen Ausbeute an Fasern eine schnelleres Aufschließen des Gutes und die Erzielung
einer hellen Faser ohne besondere Bleiche bei einfacher Behandlung ermöglicht.
-
Auf der Zeichnung ist eine Ausführungsform der Vorrichtung nach der
Erfindung dargestellt.
-
Fig. i zeigt die Vorrichtung nach der Erfindung in Ansicht von der
Seite.
-
Fig. 2 zeigt eine Ansicht der Vorrichtung nach der Erfindung von vorn,
teilweise im Schnitt.
-
Fig. 3 zeigt eine Draufsicht auf die Vorrichtung nach der Erfindung,
teilweise weggebrochen.
-
Fig. d. zeigt einen bei der Vorrichtung nach der Erfindung verwendeten
Einsatzkasten in Ansicht von der Bodenseite her, teilweise weggebrochen.
-
Die Anlage besteht aus einer Fördervorrichtung nach Art einer Laufkatze
und einer Reihe von hintereinander angeordneten Behältern und Gestellen, welche
die Kästen aufnehmen, in denen die Behandlung der Faser durchgeführt wird.
-
Die zu behandelnden Pflanzen werden in dünner Lage von flachen Kästen
i aufgenommen. Die Kästen sind herausnehmbar in zwei Reihen nebeneinander und übereinander
in einem Gestell :2 untergebracht. Sie haben solche Abmessungen, daß die Pflanzen
sich in dünner Lage ausgestreckt in ihnen lagern lassen. Ein einzelner Kasten nimmt
bei der Anlage nach der Erfindung etwa d. bis 5 kg Rohstoff auf.' Die Kästen bestehen
aus gelochten Blechen oder auch aus Streckmetall und sind am oberen Rande durch
Winkeleisen verstärkt. Das Winkeleisen soll zugleich, da die Kästen übereinander
angeordnet sind, als Tragfläche dienen. Das Gestell-:2 hat solche Abmessungen, daß
etwa zwanzig der beschriebenen Kästen bei der Ausführungsform der Anlage nach der
Erfindung übereinander und in zwei Reihen nebeneinander, also zusammen in einer
Stückzahl von vierzig, in ihm Platz haben. An der Seite des Gestelles a sind zwei
diagonal übereinanderlegbare Flacheisen 3 vorgesehen, welche verhindern, daß die
Kästen sich beim Fördern der Gestelle oder beim Schütteln verschieben. Ein einziges
Gestell nimmt bei der angegebenen Größe 16o bis Zoo kg des aufzuschließenden Fasergutes
auf. Die Gestelle sind zusammen mit den Kästen in Behälter :4, 4', 4", ." . .
-
-versenkbar, in denen die Behandlungsflüssig für für das Pflanzengut
enthalten ist. In ..-"den Behältern ist unten am Boden eine Heizrrichtung 5 für
die Behandlungsflüssigkeit vorgesehen, außerdem haben die Behälter 4., -f
... Zufluß- und Abflußöffnungen 6 für die Behandlungsflüssigkeit.
-
Die Gestelle 2, welche die Kästen tragen, sind oben mit Aufhängestangen
7 versehen, welche von Haken 8, 8' gefaßt werden. Diese Haken befinden sich an einer
Laufkatze: sie sind mittels einer Rolle 9 an Seilen oder Ketten io aufgehängt. Für
jedes Gestell sind zwei Haken vorgesehen, die so ausgebildet sind, daß sie stets
greifen, auch wenn die Gestelle nicht genau, auf ihrem Platze sich befinden. Je
zwei Haken greifen in Ausbiegungen der Trag- oder Aufhängestangen 7 der Gestelle
2 ein.
-
Das Aufhängungsseil oder die Aufhängungskette io für" die Haken 8,
8' ist mit dein einen Ende an einem Laufkatzenbalken i i befestigt, während das
andere Ende an dein Rand einer drehbaren Trommel i2 festgemacht ist. Auf diese Weise
kann die Kette io auf die Trommel 12 aufgewunden und das Hakenpaar 8, 8' gehoben
werden. Die Tromineln 12, von denen für jedes Kastengestell 2 zwei vorgesehen sind,
entsprechend (lern Hakenpaar, das zum Hochziehen des Gestelles 2 verwendet wird,
sitzen auf zwei Wellen 13 fest aufgekeilt. Die Wellen 13 werden von einem Motor
1.4 mit Zwischengetriebe 15 aus gleichmäßig angetrieben. Da die Trommeln gleichen
Umfang haben und die beiden Wellen sich mit gleicher Geschwindigkeit drehen, so
werden auch die beiden Haken 8, 8' mit gleicher Geschwindigkeit gehoben und gesenkt,
je nachdem, nach welcher Richtung die Wellen 13 sich drehen.
-
Die mit mehreren Einzeltragvorrichtungen Jersehene Laufkatze erhält
ihren Antrieb mittels eines Zahnrades 16 und einer Zahnstange 17 von einem nicht
dargestellten Motor aus. Die Zahnstange 17 ist mit dein Rahmen der ganzen Anlage
fest verbunden. Da die in die Zahnstange 17 eingreifenden Zahnräder an der Laufkatze
sitzen, so wird diese beim Einschalten des Antriebsmotors für das Zahnrad 16 bewegt.
Auf diese Weise ist es möglich, die Gestelle gemeinsam von einem Behälter in den
anderen zu fördern. Wenn die Gestelle über den nächsten Behälter angekommen sind,
so sorgt ein nicht dargestellter Ausschalter dafür, daß die Katze nicht zu weit
läuft. Beim Herablassen der Gestelle :2 in die Behandlungsflüssigkeit stoßen sie
mit Querstangen 27 auf Hebel 18. Diese Hebel tragen die Gestelle :2 während
ihrer Aufenthaltszeit
in den Behandlungsbehältern 4., .@' . . ..
Die Hebel 18 sind um Achsen i9, die längs der Behälterreihe zu beiden Seiten verlaufen,
drehbar. An dem freien Hebelarm - es handelt sich hier um Doppelhebel - sind Zugstangen
2o angelenkt, die ihrerseits mit Hebeln 21 gelenkig verbunden sind. Die Hebel 21
sitzen auf Wellen 22, die ebenfalls längs der Behälterreihe zu beiden Seiten sich
erstrecken und in der Ausdehnung ihr gleichkommen. Die Hebelei sind paarweise um
iso° gegeneinander versetzt angeordnet. Bei einem Behälter sind sie zum Behälter
zu-, bei dem folgenden von ihm fortgewendet. Zu-;;runde gelegt ist dabei in beiden
Fällen eine gleiche- Lage der Behälter. Die Wellen z2 sind ferner mit Hebeln 23
verbunden. Diese Nebelarme sind an Stangen 24. angelenkt, «-elche durch ein Exzenterpaar
25 gesteuert werden, deren beide Exzenter so zueinander angeordnet sind, daß der
Hochlage des einen die Tieflage des anderen entspricht. Die Bewegung des Exzenterpaares
25 erfolgt von einem nicht dargestellten Motor aus. Auf diese Weise können die unter
die Gestelle :2 greifenden Hebelarme i8 abwechselnd gehoben und gesenkt werden,
wodurch dem Gestell im Behälter eine Schüttelbewegung erteilt und die Behandlungsflüssigkeit
in Berührung finit dein zu behandelnden Fasergut gebracht wird. Hierdurch werden
Schmutzteile und aufgelöste Stoffe rasch und gründlich entfernt. Die Einwirkung
ist weitgehend, da das Fasergut in dünnen Lagen in clie Kästen eingelegt wird.
-
Dadurch, daß bei aufeinanderfolgenden Gestellen die Hebel 21 um iSo°
gegeneinander versetzt angeordnet sind, wird das eine Gestell auf der einen Seite
gehoben, während das andere auf der gleichen Seite nach unten zieht. Auf diese Weise
wird ein Gewichtsausgleich geschaffen, so daß lediglich die Energie zur Überwindung
der Reibung erforderlich ist.
-
Ferner muß man beachten, daß die Drahtseile oder Ketten, an denen
die Haken angebracht sind, niemals ganz gleich gemacht werden können. Die Haken
werden also nieiiials gleichzeitig die Gestelle fassen und ebensowenig - welcher
Fall hier interessiert -die Gestelle gleichzeitig auf die Hebel 18 absetzen. Dadurch
könnten Stöße hervorgerufen werden, die durch die Anordnung nach der Erfindung vermieden
werden, so daß man den Motor unter Vollast anlaufen lassen kann.
-
Die Anzahl der jederzeit auswechselbaren Behälter 4, 4'
... sowie die Zusammensetzung der zu benutzenden Lösungsflüssigkeiten hängt
von der Art der aufzuschließenden Fasern ab. Beispielsweise kann man fünf Behälter
hintereinanderschalten und diese in fortlaufender Reihe mit verdünnter 1\atronlauge,
verdünnter Schwefelsäure, verdünnten fettsauren Alkalien, verdünnter Schwefelsäure,
fettsauren Alkalien füllen. Man kann zwischen die einzelnen Behälter mit den Behandlungsflüssigkeiten
je einen Behälter mit Spülwasser schalten. Es hat sich als zweckmäßig herausgestellt,
dies zu tun, um weniger Flüssigkeitsverluste zu haben.
-
Beim Arbeiten mit der Anlage nach der Erfindung ist es natürlich erforderlich,
daß man einen fortlaufenden Betrieb einhält und alle Kastengestelle gleichzeitig
anhebt, d. h. die Behandlungszeit in den einzelnen Behältern überall auf eine gleiche
Zeitspanne begrenzt. Wenn man eine längere Behandlung mit einer bestimmten Behandlungsflüssigkeit
durchführen will, so muß man entsprechend viel Behälter mit dieser Behandlungsflüssigkeit
hintereinanderschalten.
-
Die Lösungsflüssigkeiten befinden sich in beständigem Umlauf durch
die Behälter .4, :f' . . .. Sie laufen zurück in Keller, aus denen sie durch nicht
dargestellte Pumpen oder Strahlapparate in die Behälter 4., .l.' . . . wieder eingeleitet
und durch am Boden der Behälter angeordnete Heizschlangen erwärmt werden. Auf diese
Weise kann man die Lösungsflüssigkeiten stets auf gleicher Stärke erhalten, da die
Flüssigkeiten in den Kellern sehr leicht in ihrer Zusammensetzung überwacht werden
können und da man ferner in den Kellern eine größere Menge Flüssigkeit unterbringen
kann, als jeweils für die Behandlung gebraucht wird.
-
Die besten Erfolge sind zu erzielen, wenn man die oben beschriebene
Behandlungsreihe durchführt. Hierbei muß man allerdings auf die Stärke der Flüssigkeiten
achten, die für die verschiedenen Behandlungsmittel verschieden ist. Auch die Temperaturen
müssen auf den Ausgangsstoff eingestellt werden, jedoch kommen keine höheren Temperaturen
als 9o° C in Frage.
-
Am Ende der Behälterreihe werden die mit den Kästen i gefüllten Rahmengestelle
2 auf Wagen 26 gehoben, die z. B. auf Schienen laufen können. Ebenso können auch
vor der Reihe die Gestelle 2 auf Schienenfahrzeugen herangefahren werden.