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Vakuumgerbverfahren für Leder aller Art Zur Erzielung einer raschen
Durchgerbung der Blößen im Gerbbehälter ist die Anwendung eines hohen Vakuums bekannt.
Durch neue Versuche hat sich .gezeigt, daß dabei der Gerbvorgang wesentlich beschleunigt
und verbessert werden kann und daß insbesondere kein zu hartes Leder erzeugt wird,
das nachträglich durch Walken weicher .gemacht werden müßte, wenn gemäß der Erfindung
der Gerbflüssigkeit eine Beize, insbesondere eine Fermentbeize, zugesetzt wird.
Außerdem empfiehlt es sich, vorübergehend die Gerbflüssigkeit mit -einem wesentlich
gesteigerten Druck in die Blößen hineinzupressen, um sie dadurch schneller im Innern
der Blößen zur Wirkung kommen zu lassen, wohingegen bisher nur bekannt war, die
Luft als solche bzw. den in ihr enthaltenen Sauerstoff unter Druck auf die Blößen
chemisch einwirken zu lassen.
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Ferner hat sich unter den vorgenannten Umständen die Durchleitung
eines .elektrischen Stromes durch die Gerbflüssigkeit als vorteilhaft erwiesen.
Es ist zwar bekannt, die Gerbung durch Anwendung von Luftleere einerseits oder von
Elektrizität andererseits zu beschleunigen. Die Erfolge .der elektrischen Gerbung
sind jedoch bestritten. Erfindungsgemäß wird ein günstiger Einfluß der Elektrizität
auf den Gerbvorgangdadurch erzielt, daß Luftleere und Elektrizität gleichzeitig
bei der Gerbung angewandt wenden, wobei außerdem noch der Einfluß einer Bewegung
der Blößen ausgenutzt werden kann, ohne daß dies aber notwendig ist.
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In der Zeichnung sind in schematischer Weise zwei Behälter für die
Durchführung des neuen Gerbverfahrens im Schnitt dargestellt. Abh. i zeigt einen
feststehenden Bottich, in den die Blößen ruhend hineingehängt werden. Abb. z veranschaulicht
ein drehbares Faß :zur Herstellung weicher Leder.
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Der feststehende Behälter i kann durch den an der Welle :2 aufklappbar
gelagerten Deckel 3 luftdicht abgeschlossen werden. Falls der Deckel sehr schwer
ist, so muß ein Auge d. vorgesehen werden, bei dem ein Kranhaken angreifen kann.
Im Innern des Bottichs sind an den beiden Längsseiten die Stützleisten 5 angebracht,
auf denen die Stangen 6 aufgelegt werden können, die die Blößen tragen. Letztere
sind entweder unmittelbar über die Stange 6 herübergelegt, wenn diese während. des
Gerbprozesses in die Gerbflüssigkeit eintauchen sollen, oder die Blößen werden mittels
Schnuren, Ketten o. dl-i. an den Stangen 6 aufgehängt, wenn letztere oberhalb der
Gerbflüssigkeit verbleiben. In geringem Abstand über dem Boden des Bottichs i ist
ein Siebblech 7 mit abwärts gerichteten Punzen angeordnet. Durch das Zuleitrohr
8 kann in .das Innere des Bottichs, und zwar unterhalb des Siebbleches 7, Dampf
eingeleitet werden, der dann durch die Sieböffnungen hindurchtritt und in gleichmäßiger
Verteilung .durch die Gerbflüssigkeit hindurch nach oben steigt. Letztere wird in
den Bottich durch das Züleitrohr 9 eingelassen, während die Luft aus dem Bottich
durch das Rohr io mittels einer Luftpumpe abgesaugt wird. Die Rohrleitungen8, 9
und io sind durch Ventile ii absperrbar. Um den elektrischen Strom durch,die Gerbflüssigkeit
hindurchleiten zu können, sind an denjenigen Stangen 6', die den Seitenwänden des
Bottichs
i am nächsten liegen, große Metallplatten, z. B. solche
aus Blei, befestigt, so daß diese parallel zu den Blößen in der Gerbflüssigkeit
hängen. Die Metallplatten sind an die beiden Pole einer Gleich,- oder Wechselstromquelle
angeschlossen, so daß sie als Elektroden dienen und den Strom von der einen Platte
durch die Gerbflüssigkeit und die Blößen hindurch nach .der anderen Platte übertreten
lassen. Durch Schaugläser 13 und Verbindungsöffnungen 1q. zum Anschluß je
eines Thermometers und eines Manometers sowie durch die Ablaßöffnung 15 zur Entnahme
von Proben der Gerbflüssigkeit wird die Einrichtung des Bottichs vervollständigt.
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Die Benutzung des Bottichs ergibt sich aus dem Folgenden: Nach dem
Öffnen des Deckels werden die Blößen mit Hilfe der Stangen 6 in den völlig leeren
Bottich eingebracht. Wenn dieser große Abmessungen besitzt und ein schnelles Arbeiten
erwünscht ist, so können Fördervorrichtungen vorgesehen werden, mit deren Hilfe
.die vorbereiteten Blößen an den Stangen 6 sich rasch in das Innere des Bottichs
einheben lassen. Wenn hiernach der Deckel 3 luftdicht geschlossen ist, so wird.
die in dem Bottich i befindliche Luft durch die Leitung io mittels einer Luftpumpe
abgesaugt. Hierauf läßt man durch das Rohr g die in Frage stehende Gerbflüssigkeit,
nachdem ihr eine Beize, insbesondere eine Fermentbeize, zugesetzt worden ist, in
das Innere des Bottichs eintreten, bis die Blößen vollständig in die Gerbflüssigkeit
eintauchen. Wenn dies geschehen ist, so wird durch das Rohr 8 Dampf zugeleitet,
der durch den Siebboden 7 hindurch in gleichmäßiger Verteilung nach oben steigt,
damit die Gerbflüssigkeit erwärmt und im luftverdünnten Raum eingedickt wird. Die
Dämpfe entweichen gleichfalls durch das Rohr io. Sie gehen dann durch einen Kondensator
hindurch, in dem sie niedergeschlagen werden, während die Luft .durch die Luftpumpe
abgesaugt wird. Nach der Einleitung der Gerbflüssigkeit werden die Metallelektroden
12 an eine Gleich- oder Wechselstromquelle angeschlossen und ein elektrischer Strom
durch die Blößen hindurchgeleitet. Dies kann gleichzeitig mit dem Eindicken der
Gerbflüssigkeit oder während einer mehr oder weniger langen Zeitdauer vor diesem
Vorgang erfolgen.
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Die Benutzung eines drehbaren Fasses 2o für Gerbereizwecke gemäß Abb.2
ist an und für sich bekannt. Das Faß ist bei den Lagerböcken-21 und 22 drehbar abgestützt
und durch einen Deckel3o luftdicht absperrbar. Mittels eines Zahnkranzes 23 kann
das Faß gedreht werden. Um es luftleer auspumpen zu können, ist sein Zapfen 2q.
.durchbohrt und durch die Bohrung ein Rohr 25 luftdicht hindurchgeleitet, das innerhalb
des Fasses aufwärts gebogen ist. Hierdurch wird erreicht, daß die Ausmündung des
Rohres 25 stets oberhalb der Gerbflüssigkeit liegt, da das Rohr 25 an der Drehung
des Fasses 2o nicht teilnimmt, sondern von außen festgehalten wird. Um außerdem
zu verhindern, daß die in das Faß 2o eingebrachten Blößen mit dem feststehenden
Rohr 25 in Berührung kommen, wird. dieses zweckmäßigerweise durch eine durchlochte
Zwischenwand 26 von dem .eigentlichen Füllraum des Fasses 20 getrennt. Das Rohr
25 .dient zum Absaugender Luft und ist .demgemäß an eine Luftpumpe und einen Kondensator
angeschlossen. Wollte man in die rotierende Trommel Dämpfe einleiten, so kann zu
diesem Zweck ein Dampfzuleitungsrohr durch den Lagerzapfen 27 hindurchgeführt und
innerhalb des Fasses 2o nach unten umgebogen werden, um dann an der Unterseite desselben
entlang zu laufen, wo es für den Durchtritt des Dampfes entsprechend durchlocht
ist. Man könnte auch elektrische Heizkörper an der Innenwand des Fasses 2o zum Erwärmen
der Gerbflüssigkeit anbringen.
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Durch Verwendung der vorbeschriebenen Vorrichtung läßt sich die Gerbdauer
auf 9o Stunden und in besonderen Fällen durch Ausnutzung aller Vorteile sogar bis
auf 14 Stunden abkürzen.