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Vorrichtung zum gleichzeitigen Umsteuern von zwei oder mehr über den
gleichen Verteilungskörper strömenden Behandlungsmitteln Die Erfindung betrifft
eine Vorrichtung zum Umsteuern von zwei oder mehr Flüssigkeitsströmen, welche die
Vorrichtung sowohl in parallelen als auch gekreuzten Richtungen durchströmen. Diese
Vorrichtungen werden besonders beiTextilgutveradelungsapparaturen zur Steuerung
der Behandlungsflüssigkeiten oder Gase verwendet.
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Bei den bekannten Organen zum Umsteuern der Flüssigkeiten während
des Betriebes benutzt man bisher in der Hauptsache hahnartige Vorrichtungen. Diese
besitzen gewöhnlich einen kolbenförmigen Drehkörper mit axialen und radialen Öffnungen,
welche auch in Richtung der Drehachse versetzt sind, wobei das äußere Gehäuse entsprechende
Anschlußstutzen hat.
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Diese Art der Ausführungen von Steuervorrichtungen haben große Nachteile,
welche ihre Verwendung beschränken. Der Weg für die Flüssigkeit weist teilweise
scharfe Biegungen und Erweiterungen auf, welche starke Strömungsverluste durch Reibung
oder Stoßverluste verursachen. Ferner sind die Reibungsflächen sehr groß, welche
zusammen mit der Kolbenform das Festfressen des Drehkörpers begünstigen. Erhöht
wird diese Gefahr durch die Druck- und Saugwirkung der Pumpe öder anderer Flottenbewegungsmittel
sowie durch den Ablenkungsdruck der strömenden Flüssigkeit selbst dadurch, daß diese
Kräfte ein gegenseitiges Anpressen des Drehkörpers im Gehäuse bewirken, was bei
der Größe der anliegenden Fläche eine beträchtliche Erschwerung für die Verstellung,
wenn nicht gar ein Festklammern verursacht. Hinzu kommt die Rostbildung, welche
bei eisernen Apparaturen z. B. bei schwach saueren Bädern innerhalb verhältnismäßig
kurzer Zeit eintritt und infolge großer Reibungsflächen ein jedesmaliges Auseinandernehmen
und Reinigen des Schiebers erforderlich macht. Die Vielgestaltigkeit der Gußform
derartiger Steuervorrichtungen begünstigt weiterhin geradezu die innere Verspannung
des Drehkörpers bei schroffem Wechsel von kochheißer und kalter Behandlungsflüssigkeit,
wodurch Formänderungen und damit Festklemmungen verursacht werden.
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Ein weiterer Nachteil besteht bei diesen kolbenartigen Drehkörpern
mit den großen Reibungsflächen darin, daß bei schnellem Verstellen die Stromöffnungen
zum Teil durch die Flächen verdeckt werden, was zu plötzlichen Stauungen, sog. Wasserschlägen,
führt.
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Demgegenüber besteht das Wesen der Erfindung in der Vereinigung der
Steuerfähigkeiten an sich bekannter Platten und Rohrstücke,
von
denen jene zur Umsteuerung von zwei Flüssigkeitsströmen in parallelen, diese zur
Umsteuerung derselben Ströme in gekreuzten Richtungen benutzt werden. Die neuartige
Vereinigung beider Steuerbehelfe ergibt einen Leitkörper von der einfachsten Form,
der die Umsteuerung von zwei und mehr Flüssigkeitsströmen gestattet unter Beibehaltung
der Vorteile der Einzelelemente, insbesondere kleinstmögliche Reibungsflächen des
Leitkörpers, gute Flottenführung ohne scharfe Abbiegungen und schädliche Erweiterungen,
einfache Gußform auch des Gehäuses und dadurch Unempfindlichkeit gegen schroffen
Temperaturwechsel der Flüssigkeiten, Vermeidung von Wasserschlägen bzw. Stauungen
bei schneller Umsteuerung. Durch entsprechende Anpassung der Durchdringungsrichtung
des Rohrstückes durch die Platte sowie die Krümmungen beider Elemente entsteht ein
Leitkörper für eine Vorrichtung zum gleichzeitigen beliebigen Umsteuern von zwei
und mehr Flottenströmen auf vier und mehr Leitungen. In den Zeichnungen ist ein
Anwendungsbeispiel dargestellt.
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Abb. i zeigt den Schnitt eines Textilbehandlungsapparates, bei welchem
der Erfindungsgegenstand eingebaut ist.
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Abb. 2 bis 5 zeigen Schnitt wie Abb. i mit den verschiedenen Einstellungen
der Steuervorrichtung.
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Abb. 6 stellt das Steuerorgan allein dar. Abb.7 zeigt den senkrechten
Schnitt des Gehäuses gemäß Abb. 6 und die Seitenansicht des angeschnittenen Drehkörpers.
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An dem Bottich i des Behandlungsapparates ist das Gehäuse 2 angegossen
oder angebaut. Der Drehteil 3 (Abb. 6 und 7), bestehend aus einer gekrümmten Fläche
4 und dem eingegossenen Rohrkrümmer 5 sowie den beiden Drehzapfen 6 und 7 und dem
Bedienungshan:drad 8, dreht sich im Gehäuse 2 und-ist durch eine Stopfbüchse g wie
üblich abgedichtet. Die Stutzen und Öffnungen am Gehäuse 2 sind senkrecht zur Drehachse
in einer radialen Ebene angeordnet. Die Öffnung io führt in das Innere des@Bottichs
bzw. Materialträgers, die Öffnung i i in das Äußere. An dein Stutzen 12 ist die
Hochpumpleitung 13 mit dem Absperrmittel 14 und dem Flottenbehälter 15 angeschlossen.
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An den Stutzen 16 ist der Saugkrümmer 17, in welchen der Überlauf-
und Zusatztrichter bzw. das Gefäß 18 einmündet, und an welchen über ein Absperrmittel
i9 die Wasserleitung 2o angeschlossen ist. Die Pumpe 2i ist mit dem Druckstutzen
über den Stutzen 22 der Steuervorrichtung verbunden. Der Stutzen 23 dient zum Anschluß
an eine Dampf-, Druckluft- sowie Gas- und Saügluftleitung mit den Absperrungen 2q.,
25 und 26 sowie zur Anordnung des Auslaufabsperrmittels z7. Die Überlaufleitung
mit der Absperrung 28 auf dem verschließbaren Deckel 29 vollendet die Einrichtung.
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Die im Flottenbehälter 15 angesetzte Flotte wird, nachdem der Apparat
mit Textilgut beschickt und der Deckel a9 dicht geschlossen ist, durch Öffnen des
Absperrmittels 14 in den Apparat abgelassen. Ist dieser unter Flur angeordnet, dann
saugt die Pumpe 21 die Flotte in der Stellung gemäß Abb. i durch die Leitung 13,
bei geöffnetem Absperrmittel 14, Stutzen 12 und Saugrohr 17 an und drückt sie durch
den Stutzen 22 um den runden Rohrkrümmer 5 sich teilend herum, wobei die Ouerschnittfläche
beiderseits des Rohres annähernd gleich der runden Querschnittsfläche des Stutzens
2a ist und gelangt durch den Stutzen io in das Innere des Materialträgers, daraus
die Luft oder das Gas verdrängend, und durchdringt das Behandlungsgut von innen
nach außen. Dies dauert so lange, bis durch das geöffnete Ventil 28 der volle Überlauf
stattfindet, dann wird die Absperrung 14 geschlossen und die Steuervorrichtung gemäß
Abb.2 eingestellt, wodurch die Flotte nunmehr von außen nach innen .durch das Behandlungsgut
gedrückt wird, wie dies durch Pfeile angedeutet ist. Nach einer gewissen Behandlungsdauer
wird die Steuervorrichtung von Hand oder selbsttätig umgestellt (vgl. Abb. 3.).
Je nach der Art des Behandlungsgutes erfolgt diese Umschaltung mehr oder minder
langsam, aber stets allmählich. Dabei bleibt der Druck in den Rohren usw. beidseits
der Umsteuervorrichtung annähernd gleich, weil der Durchflußquerschnitt während
der Verstellung fast gleich bleibt. Nach Beendigung der Färbebehandlung wird die
Flotte in den Aufbewahrungsbehälter abgelassen oder bei hochstehendem Behälter,
wie Abb. 3 zeigt, hochgepumpt, wobei, wie an den Pfeilrichtungen ersichtlich, die
Flotte sowohl aus dem Außen- als auch Innenraum des Apparates gesaugt wird, so daß
ein gleichmäßiges Sinken des Gesamtspiegels erreicht wird.
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Nach dieser Behandlung wird das Textilgut in der Regel zwecks Gewinnung
der überschüssigen Färbeflotte abgesaugt. Die Steuervorrichtung steht dann in der
Stellung gemäß Abb. 5. Durch plötzliches Öffnen der Absperrung 26 drückt die Außenluft
bei geöffnetem Deckel 3o die überschüssige Flotte von außen nach innen aus dem Behandlungsgut.
Sie wird dann zwecks weiterer Verwendung aufgefangen.
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In gleicher Stellung befindet sich die Steuervorrichtung, wenn das
Behandlungsgut zwecks Netzens vor Beginn einer Naßbehandlung gedämpft
oder
mit Druckluft oder Gas zum Zwecke einer Oxydation behandelt wird. Die Strömungsrichtungen
selber verlaufen dabei genau entgegengesetzt zu den gezeichneten.
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Nach dem Entfernen der überschüssigen Flotte zwecks Rückgewinnung
wird die übrige Flotte abgespült. Dabei nimmt die Steuervorrichtung wieder die Stellung
gemäß Abb. z ein. Die Spülwasserabsperrung r9 und das Auslaufabsperrventi127 wird
geöffnet, und die Pumpe drückt alsdann das Wasser von innen über Stutzen to durch
das Gut. Durch den Stutzen 12 gelangt das Wasser zur Leitung 24 bzw. durch den Auslauf
27 in den Abflußkanal ab.
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Nach dem Spülen wird gewöhnlich wieder abgesaugt. Die Stellung gemäß
Abb. z erlaubt beispielsweise auch bei Entwicklungsfarben die Entwicklungsflotte
anzusaugen und mittels der Pumpe raschestens durch das Gut zu drücken, wobei die
entstehenden Verbindungen, soweit sie kolloidal gelöst sind, mit der überschüssigen
Grundierungsflotte zunächst durch .den Auslauf 27 abgelassen werden. Läßt die ablaufende
Flotte erkennen, daß die Ausflockungen fast alle abgelaufen sind, so wird die Steuervorrichtung
tunlich schnell auf den Färbegang von innen nach außen umgestellt. Alsdann wird
das Absperrventi127, durch welches infolge der nicht vollständig abdichtenden Steuervorrichtung
nur noch tropfenweise Flotte abläuft, geschlossen.