DE17768C - Neuerungen an Gerbapparaten - Google Patents
Neuerungen an GerbapparatenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT. \©
KLASSE
Gerberei.
Die vorliegende Erfindung bezweckt die Beschleunigung des Gerbverfahrens durch Anwendung
eines Systems von Apparaten, welche gestatten:
1. die Temperatur der Gerbbrühe in der rotirenden Gerbtrommel und dem Operationsbassin nach Belieben während des Gerbprocesses
zu regeln;
2. die Dichtigkeit der Brühe in genannter Trommel zu regeln, ohne deswegen die letztere
anhalten zu brauchen;
3. die gebrauchte Brühe zu klären, so dafs dieselbe für folgende Operationen brauchbar ist.
Diese drei wesentlichen Bedingungen erfüllen die Erfinder im wesentlichen durch eine beständige
Circulation der Brühe nach und von der rotirenden Trommel.
Diese Apparate gestatten eine schnelle und rationelle Gerbung, dergestalt, dafs man beispielsweise
Kalbfelle in einigen Stunden, Kuhhäute in 48 Stunden vollständig fertig gerben kann,
wobei dennoch jede Art Leder die unumgänglich nöthige Weichheit und Festigkeit erhält
und ein vollkommenes Fabrikat giebt.
Beiliegende Zeichnung veranschaulicht das neue Apparatsystem im Längsschnitt und Grundrifs.
Dasselbe setzt sich im wesentlichen zusammen aus:
1. der rotirenden Trommelt;
2. der Saug- und Druckpumpe B;
3. dem Operationsbassin E;
4. zwei Filtern //; ..
5. den Reservebassins KLJ.
Die Trommel A aus Holz ruht mittelst zweier güfseiserner Zapfen in passenden Lagern und
erhält durch ein Schneckenrädergetriebe mit loser und fester Riemscheibe eine Geschwindigkeit
von 14 bis 15 Touren pro Minute, je nach
der Beschaffenheit der Felle. Der auf der entgegengesetzten Seite befindliche Zapfen ist hohl,
und durch denselben gehen zwei Rohre in das Innere der Trommel. Diese beiden Rohre a
und b sind im Innern der Trommel nach abwärts gebogen, und es dient Rohr α dazu, die
in der Trommel befindliche Brühe mittelst der Pumpe B beliebigen Systems zu entfernen,
während das Rohr b mit dem Operätionsbassin E in Verbindung steht. Eine Eigentümlichkeit
der Trommel ist der doppelte Boden P, welcher die Rohre α und l· während der Rotation der
Trommel gegen Berührung mit den Fellen schützt, während die in dem Boden befindlichen
Löcher eine Verbindung zwischen den beiden durch den Boden P gebildeten Abtheilungen
schaffen. Das Mannloch D dient zum Einbringen der Häute in die Trommel und
wird wasserdicht durch einen Deckel geschlossen. Die Trommel ist innen mit hölzernen Leisten
von ungleichmäfsiger Länge, welche ein regelmäfsiges
Walken der Häute während der Arbeit bewirken, besetzt.
Das Bassin E aus Holz, Operätionsbassin genannt,
ruht auf vier Säulen mit Consolen, auf welchen eine Arbeitsbühne angebracht ist, die
sich ganz um das Bassin erstreckt. Dasselbe ist bis auf eine Oeffnung in dem oberen Boden
geschlossen; in genannte Oeffnung ist ein weit geflochtener Weidenkorb oder ein Metallsiebkorb
eingehängt. Die Pumpe B kann die in der Trommel enthaltene Brühe durch Rohre d d1
in das Operätionsbassin E befördern. Die Brühe
passirt hierbei einen Röhrenkühler F, der aus einem gufseisernen Mantel besteht, der durch
ein Rohr / und Hahn h mit der Kaltwasserleitung g verbunden ist; i ist ein Ueberlaufrohr,
das das überflüssige Kühlwasser durch Rohr j in die Ablaufrinne G befördert. Dieser Kühler F
ist mittelst Lappen an dem Operationsbassin befestigt, durch Rohr d mit dem Austrittsrohr der
Pumpe verbunden und durch Rohr d1 mit dem Korb über E. Das kalte Wasser umgiebt die
Röhren für die zu kühlende Brühe, so dafs eine .grofse Kühloberfläche geschaffen wird. Das
Operationsbassm E ist in der Nähe seines unteren Bodens mit einer Heizschlange k versehen,
in welche man Dampf einführen kann. Ein Thermometer H zeigt constant die Temperatur
der in dem Operationsbassin enthaltenen Brühe an. Mittelst Rohres b kann man die
Brühe in die Trommel laufen lassen.
Aufserdem kann die Brühe aus dem Operationsbassin E mittelst der Leitung / durch die
Hähne m in die beiden oberhalb der Bassins J angebrachten Filter / abgelassen werden. Durch
die Pumpe B und Rohrleitung η kann man dann die Brühe aus dem Bassin J wieder in das Operationsbassin
zurückbefördern. Die Filter / bestehen je aus einem runden oder viereckigen Bassin aus Holz, das an seinem oberen Theil
einen Korb aus perforirtem Kupferblech aufnimmt, während bei ο auf einem zweiten perforirten
Blech kleine Kieselsteine oder Kies und endlich bei p ein Gemisch von Kohle und
spanischem Weifs {plane d'Espagne, basisch salpetersaures Wismuthoxyd) oder ein beliebiges
anderes Klärungsmaterial für die Brühe behufs Erleichterung des Gerbens angebracht ist.
Sämmtliche Abtheilungen lassen sich leicht reinigen. Wenn trotz dieser dreifachen Filtrirung
es nothwendig werden sollte, die Brühe sich absetzen zu lassen, da dieselbe nicht hinreichend
klar ist, so kann man sich hierzu mehrerer in verschiedener Höhe angebrachter Ablafshähne bedienen.
Die Reservebassins KLJ communiciren einestheils mit dem Operationsbassm E durch Rohre q,
anderntheils durch Rohre r mit der Saugleitung η
für die Pumpe B.
Das mit diesem Apparat auszuführende Verfahren besteht in folgendem: Man bringt durch
die Oefmung D ungefähr 500 bis 650 kg abgehaarte Felle in die Trommel A, schliefst die
Oefmung D hermetisch und setzt die Trommel in Rotation, nachdem man vorher eine gewisse
Quantität Gerbebrühe, aus Gerbstoffextract und -Essenzen, wie solche in der Gerberei gebräuchlich
sind, durch Rohr b mit Regulirhahn aus dem Operationsbassin in die Trommel gelassen
hat. Die in dem Operationsbassin enthaltene Brühe mufs eine bestimmte Temperatur besitzen,
.. welche entweder von der Gährung in der Trommel A herrührt, oder durch Heizschlange k erzeugt
und mittelst dieser und des Kühlapparates F geregelt wird.
Die bisher angestellten Versuche mit Rotationsapparaten haben gerade aus dem Grunde nicht
zu einem befriedigenden Resultat geführt, da es nicht möglich war, mit Leichtigkeit die Temperatur
im Innern der Trommel zu reguliren.
Das durch eine zu starke Gährung gegerbte-Leder besitzt keine genügende Widerstandsfähigkeit;
es ist steif, brüchig, und selbst wenn es die verlangte Widerstandsfähigkeit besitzen sollte/
so würde doch das zu befürchtende Einlaufen es für den Gebrauch ungeeignet machen. Erreicht
im Gegensatz hierzu die Temperatur im richtigen Zeitpunkt nicht die nöthige Höhe, so
dringt die Gerbbrühe nicht in die Felle ein, und dies kann nachträglich nicht mehr eintreten,
wenn der richtige Gährungsgrad nicht im richtigen Augenblick erreicht war.
Um die Temperatur während der Gerbung genau übersehen zu können, ist ein Thermometer
5 angeordnet, das in ähnlicher Weise wie das Rohr α in die Trommel taucht und die
Temperatur der in der letzteren befindlichen Flüssigkeit zu beobachten gestattet. Damit in
der Trommel keine Spannung entsteht, ist in dem hohlen Zapfen, der zur Einführung der
Rohre α und b dient, eine Oefmung gelassen, mittelst welcher das Innere der Trommel mit
der Atmosphäre in Verbindung steht.
Zur Veranschaulichung des Verfahrens soll dasselbe in folgendem specieller an zwei Beispielen
erläutert werden.
i. Handelt es sich um das Gerben von Kalb*
fellen und im allgemeinen um die Herstellung von Weichleder, so bringt man in die Trommel
2500 1 Gerbbrühe, welche aus Gerbstoffextracten
zusammengesetzt ist, deren Dichtigkeit von der zu erzielenden Färbung des Leders abhängt,
und im Mittel 28 ° (mit dem bekannten Lohmesser bestimmt), deren Temperatur aber 8
bis 100C. beträgt.
Die Menge der mit diesem Quantum zu behandelnden Felle schwankt zwischen 650 und
700 kg, welche Felle im enthaarten Zustande nebst etwas Terpentinöl (2 1 auf je 100 kg Felle)
in die Trommel gebracht werden.
Die Trommel wird dann mit einer Umfangsgeschwindigkeit
von 125 bis 130 m pro Minute in Umdrehung gesetzt. .
Infolge der entstehenden Reaction steigt die Temperatur auf 12 °, und man hält dieselbe in
dieser Höhe während 4 bis 5 Stunden. Hierauf läfst man die Temperatur sich steigern,
bis sie nach und nach, je nach dem Grade der Gerbung, nach 12 bis 14 Stunden im Maximum
23 ° beträgt, d. h. man läfst die Temperatur um i° pro Stunde sich steigern; nach Ablauf
φ'
dieser Zeit hält man die Trommel an, und das Gerben ist beendet.
2. Beim Gerben von schweren Häuten verfährt man wie vorhin, jedoch ist die Dauer der
Operation im Verhältnifs zur Dicke der Felle langer. Für Kuhhäute beträgt die Dauer beispielsweise
48 Stunden. Aufserdem entfernt man gegen Beendigung der Gerbung die Brühe aus der Trommel und läfst dieselbe 15 bis
20 Minuten trocken laufen, worauf man nach und nach frische Brühe einläfst und auf diese
Weise die Haut fest macht.
In beiden Fällen, mag es sich um die Gerbung von weichem oder festem Leder handeln,
werden die Felle erst aus der Trommel entfernt, nachdem dieselben die Temperatur der
Umgebung angenommen haben. Die Brühe wird alsdann in die Klärungsapparate gebracht
und entfettet, so dafs sie für die folgende Operation nutzbar wird und besser auf die Felle
wirken kann.
Claims (1)
- Patent-Ansprüche:
Die Combination eines Kühlers, Reservoirs mit Heizvorrichtung und Filtern zur Regulirung der Dichtigkeitsschwankungen und zur Klärung der Brühe.
An der Trommel A die Anordnung des perforirten doppelten Bodens P, welcher während der Rotation der Trommel die Röhren α b gegen Berührung mit den Fellen schützt.Die Gesammtanordnung des dargestellten Apparats, bestehend in der Combination der Trommel A, Pumpe B, Operationsbassins E mit Heizschlange, Kühler F, Filter / und Reservebassins KLJ nebst Rohrverbindungen, sowie das Verfahren, die Regulirung der Temperatur, Dichtigkeit, sowie die Klärung der Säfte während der Operation des Gerbens in der rotirenden Trommel mit Hülfe der genannten Apparatcombmation zu bewirken.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE17768C true DE17768C (de) | 1900-01-01 |
Family
ID=294688
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT17768D Expired DE17768C (de) | Neuerungen an Gerbapparaten |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE17768C (de) |
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- DE DENDAT17768D patent/DE17768C/de not_active Expired
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