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Schnellgerbverfahren.
Vorliegende Erfindung hat ein Schnellgerbverfahren zum Gegenstande, bei welchem die Blössen in den Gruben oder sonstigen Behältern aufgehängt oder gespannt sind und eine Gerbbrühe von verhältnismässig hoher Konzentration (100 Bé) in rascher Bewegung erhalten wird. Das Wesen der Erfindung besteht darin, dass die Temperatur der Gerbbrühe allmählich bis auf 37 C gesteigert und in dieser Höhe erhalten wird. Es hat sich gezeigt, dass bei dieser Temperatur, die der des lebenden Tieres entspricht, die Gerbung in besonders rascher und günstiger Weise verläuft, weil die Fasern der Blösse und der darin enthaltene Leim die volle Elastizität und sonstige Beschaffenheit besitzen, die sie in der
Haut des lebenden Tieres aufweisen.
Das vorliegende Gerbverfahren wird in der Weise ausgeführt, dass man die Blössen mit Brühen von hohem Gerbstoffgehalt bei der Temperatur des lebenden Tieres behandelt und dabei die Gerbbrühe in beständiger Bewegung hält, sei es durch Rührwerke, Pumpen od. dgl. oder durch Hin- und Herbewegung von Rahmen. Die Bewegung der Gerbbrühe soll derart sein, dass die Strömung 150 m3 per Stunde erreicht, obgleich man auch bei minder rascher Strömung zu verhältnismässig günstigen Resultaten gelangt. Die Leimgerbstoffverbindung entsteht unter Bedingungen, die denen der Haut im lebenden Zustand am nächsten kommen und liefert ein dichtes und gleichmässiges Leder.
Hievon ausgehend werden die Häute oder Blössen nach den sehr sorgfältig auszuführenden Vorarbeiten des Reinigens usw. in einen Bottich gebracht, der Gerbbrühe von hoher Konzentration und von einer Temperatur von möglichst nahe 37 C enthält, doch dürfen die Gerbbrühen nicht unmittelbar auf diese Temperatur gebracht werden, sondern allmählich, um einen zu raschen Temperaturwechsel zwischen dem Reinigen und dem Gerbbad zu vermeiden, welcher schädlich sein könnte.
Wie bei den bisherigen Gerbverfahren können die Blössen auf Stäben oder auch auf festen oder beweglichen Rahmen in die Gerbbrühe eingehängt werden. Die Bottich können dabei einheitlich sein oder auch aus mehreren miteinander in Verbindung stehenden Teilen bestehen, in denen die Gerbbrühe fortschreitende Konzentrationen aufweist. Der einzige wichtige Punkt ist, dass die in die Gerbbrühe eingetauchten Blössen gut gespannt und völlig faltenfrei sind. Es ist daher für die Ausführung der Erfindung erforderlich die Blössen in Gerbbrühen von starker Konzentration und von bestimmter Temperatur zu tauchen, im Gegensatz zu den bisher angewendeten Verfahren.
Die Konzentration der Gerbbrühen kann zwischen 6 und 250 Bé entsprechend 7 -35% Gerbstoff betragen, ohne Zusatz von schweren Substanzen und ohne irgendwelcheÄnderung, je nach der Beschaffenheit der Blössen. Diese werden auf hinund herbewegte Rahmen gespannt und in die vorstehend beschriebene Gerbbrühe, die auf möglichst nahe 370 C erwärmt wird, gebracht. Bei der mittels einer geeigneten Vorrichtung vorgenommenen Hinzufügung von Gerbstoffextrakt kann fester Extrakt von 60-70% Gerbstoffgehalt oder flüssiger Extrakt von hoher Konzentration benutzt werden.
Man kann auch bei der Bereitung der Gerbbrühen mineralische Substanzen benutzen, welche Chrom enthalten, wie Chromalaun, Kaliumchromat oder dessen Derivate und im allgemeinen irgendwelche in der Gerberei bekannte oder sonstige geeignete mineralische Stoffe. Diese Operation dauert 1-15 Tage je nach der Dicke und der Beschaffenheit der Haut. Nach dieser Zeit ist das Erhaltene für jede beliebige Ausfertigung bereit.
Die Vorteile des vorliegenden Verfahrens sind folgende :
Da die zum Gerben erforderliche Zeit selbst für das schwerste Leder höchstens 13 Tage beträgt, so ist die Zeitersparnis gegenüber den alten Verfahren, welche viel mehr Zeit, selbst ein Jahr erforderten,
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eine sehr grosse. Da während des eigentlichen Gerbens keine Handarbeit erforderlich ist, so ist der Arbeitsbedarf gleich Null. Da weiters kein Walken stattfindet, so liegt auch kein Kraftbedarf vor und es braucht bloss das Bad erwärmt zu werden, wozu man nur eine geringe Menge Abdampf benötigt. Die günstigen, durch das Zusammenwirken der Wärme und der Reaktion zwischen der Leimsubstanz und den konzentrierten Gerbbrühen erhaltenen Bedingungen geben eine Ausbeute von 60-62% des Blossengewichtes gegenüber 40% bei den alten Verfahren.
In dem nach dem vorliegenden Verfahren erhaltenen Leder haben die Fasern keinerlei Schaden genommen (im Gegensatz zu gewalktem Leder), ihre Elastizität bleibt vollkommen und ihre Festigkeit ist viel grösser als bei Leder, das nach dem alten Verfahren erhalten wurde.
Das nach dem vorliegenden Verfahren erhaltene Leder kann, wenn gewünscht, noch für 8-15 Tage in die Grube gebracht oder durch 4-5 Stunden gewalkt werden.