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Verfahren zur Herstellung und Vorführung von synchronen kinematographischen Bild-und Ton- aufnahmen.
Die am meisten verbreitete Methode der Herstellung von synchronisierten kinematographischen Bild-und Tonaufnahmen bestand darin, dass die getrennten Tonaufnahmen auf einen durchsichtig belassenen (d. h. in einer Breite von etwa 5 mm ausgelassenen) Randstreifen der gewöhnlichen kinematographischen Filme ("stumme"Filme) kopiert wurden. Dieser Vereinigungsgrundsatz, d. h. die Kombination der beiden verschiedenen Filmaufnahmen nebeneinander auf gemeinsamer Oberfläche, war vom Gesichtspunkte des synchronen Laufes der beiden Filme richtig, jedoch nur im Falle einer Originalherstellung des Tonfilms zweckmässig, während in Sonderfällen, wie sie in der Praxis auftauchen, diese Art der Vereinigung mit schweren Nachteilen verbunden war.
Ein derartiger Sonderfall ist die Nachsynchronisierung der stummen Filme, d. h. ihre nachträgliche Umgestaltung zu Tonfilmen, ferner die sogenannte" Umsynchronisierung" bereits fertiger Tonfilme, die hauptsächlich dann notwendig wurde, wenn man den sprechenden oder Musikteil gewisser Tonfilme abändern, z. B. ein fremdsprachiges Gespräch durch ein heimisches oder anderes fremdsprachiges Gespräch oder eine Musikaufnahme durch ein Gespräch ersetzen wollte.
Im ersteren Falle, d. h. bei der Nachsynchronisierung der stummen Filme wurde bisher derart vorgegangen, dass unter Benutzung des Originalnegativs des stummen Films oder, wenn dieses nicht zur Verfügung stand, eines vom Positiv hergestellten zweiten Negativs ("Double"negativs) beim Kopieren des Negativs für das Tonband ein Randstreifen abgedeckt wurde, so dass am erhaltenen Positiv ein durchsichtiger Streifen verblieb, auf den sodann von dem Negativ des jeweils besonders aufgenommenen Gespräches, Gesanges oder der Musik die Tonbilder aufkopiert wurden. Es wurden also der stumme Film und die Tonaufnahme auf einen gemeinsamen positiven Film zusammenkopiert und in dieser Weise die nachsynchronisierten Tonfilme erhalten.
Diese Verfahren erforderten infolge des mit den Umkopierungsarbeiten verbundenen Mehrbedarfes an Arbeit und photographisehem Material beträchtliche Mehrkosten, die bei Doublenegativen noch durch den Mehrbedarf an Filmmaterial vermehrt wurden ; schliesslich wurde auch die Qualität des Produktes verschlechtert, da durch die Doublekopie die Szenenbilder in ihrer Schönheit verdorben wurden.
Im zweiterwähnten Falle, d. h. beim Umsynchronisieren von bereits fertigen Tonfilmen, z. B. auf ein Gespräch in einer andern Sprache, wurde bisher gleichfalls derart vorgegangen, dass von der positiven Kopie des umzugestaltenden Tonfilms eine Doublenegativkopie hergestellt, hiebei das Tonband abgedeckt und diese negative Kopie mit den neu gewünschten, besonders aufgenommenen Tonbildern zusammenkopiert wurde. Dieses Verfahren hat die erste positive Kopie unbrauchbar gemacht und auch die übrigen, obenerwähnten Nachteile nach sich gezogen.
Das Verfahren gemäss der Erfindung geht von der Erkenntnis aus, dass die in Rede stehenden Nachteile jenem Vereinigungsgrundsatz zuzuschreiben sind, wonach die kinematographische Aufnahme und das Tonband nebeneinander in eine gemeinsame Ebene und auf einen gemeinsamen Film zu liegen kommen. Aus diesem Grunde wird gemäss der Erfindung in einer von der bisherigen grundsätzlich ab-
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und für die Vorführung positive Kopien der beiden verschiedenen Filme derart aufeinandergelegt werden, dass der freie Streifen des stummen Films und die getrennte Tonaufnahme einander decken.
Bei der Vorführung werden die beiden übereinandergelegten Filme, die miteinander laufen, gleichzeitig durchleuchtet, was in jedem normalen bzw. vorhandenen Projektionsapparat (Tonfilmapparat) ohne die Notwendigkeit einer besonderen Umgestaltung ungehindert vorgenommen werden kann.
Die positive Kopie des getrennten und in diesem Zustande belassenen kinematographisehen Films gemäss der Erfindung kann mit der positiven Kopie einer beliebigen Tonaufnahme wann immer ohne jede Notwendigkeit von Umkopierungen kombiniert werden, d. h. es können in Verbindung mit dem kinematographischen Film die Tonaufnahmen nach Belieben gewechselt werden ; mithin kann der kinematographische Film selbst entweder als stummer Film oder als Tonfilm mit Musik oder Gespräch in beliebiger Sprache benutzt, also immer verwendet werden.
Es kann also der kinematographische Originalfilm, (stummer Film) durch einfaches Auflegen zu einem Tonfilm nachsynchronisiert werden ; es wird in dieser Weise, zumal ein und derselbe Originalfilm zu einer Vorführung in beliebiger Sprache geeignet ist, sozusagen ein internationaler Film erhalten, der übrigens gewünschtenfalls auch mit einer blossen Musikaufnahme kombiniert, d. h. in verschiedenen Variationen nutzbar gemacht werden kann.
Auf Grund eines ähnlichen Grundsatzes wird auch in dem Falle vorgegangen, wenn die Umsyn- chronisierung bereits vorhandener Tonfilme erforderlich wird. In diesem Falle wird von dem umzusyn- chronisierenden positiven Originaltonfilm die photographische Schicht der Tonaufnahme in unten näher beschriebener Weise entfernt, so dass an der Stelle des Tonbandes ein durchsichtiger Streifen verbleibt.
Hierauf wird von der neu gewünschten, getrennt hergestellten Tonaufnahme nur eine Tonbildkopie erzeugt.
Die in dieser Weise erhaltenen beiden Filme werden in der bereits beschriebenen Weise aufeinandergelegt und gleichzeitig durchleuchtet. Der in dieser Weise umgestaltete kinematographische Film ist zu weiteren Umsynchronisierungen auf weitere Gespräche in anderer Sprache oder auf Musik in gleicher Weise geeignet ; zu diesem Zwecke genügt es, die vorerwähnte Tonbildkopie gegen die Kopie einer andern gewünschten Tonaufnahme auszuwechseln.
Von dem umzusynchronisierenden kinematographisehen Originalfilm kann das Tonband in verschiedener Weise entfernt werden. Namentlich kann man z. B. die an der Stelle des Originaltonbandes befeuchtete Emulsionsschicht durch Abschaben oder Abreiben, d. h. auf mechanischem Wege, entfernen.
Nach einer andern Ausführungsart der Erfindung wird derart vorgegangen, dass der die kinematographischen Bilder enthaltende Teil des Films mit einer durch Lösungsmittel der photographischen Schicht (Emulsion) nicht angreifbaren Schutzschicht, z. B. aus Wachs, Paraffin oder wasserfestem Lack, überzogen wird, so dass also das Tonband selbst freibleibt, worauf der so vorbereitete Film durch ein Lösungmittel, wie z. B. Bariumazetatlösung, mineralische Säuren oder Laugen, hindurchgeführt wird, durch welches die Emulsionsschicht aufgelöst wird.
Zur Erzielung eines etwas dauerhafteren Produktes kann der auf die soeben beschriebene Weise vorbereitete Film durch ein Bad hindurchgeführt werden, das nur auf das in der photographischen Schicht des Tonbandes verteilte Silber einwirkt, namentlich dieses in eine lösbare Silberverbindung überführt, worauf die letztere in einem folgenden Bade herausgelöst und dadurch die Stelle des Tonbandes durchsichtig gemacht wird. Zur Umwandlung des Silbers kann eine an sich bekannte, z. B. aus Magnesiumchlorid, Kupferchlorid und Wasser bestehende Reaktionslösung oder Masse, desgleichen können zum Herauslösen der Silberverbindung bekannte Lösungsmittel (z. B. Thyosulfat, unterschwefligsaure Salze od. dgl. ) verwendet werden.
Schliesslich kann auch derart vorgegangen werden, dass das Tonband mit einem undurchsichtigen Material, z. B. Lack, bedeckt und die getrennte Tonbildkopie der neuen Tonaufnahme gleichzeitig mit dem kinematographischen Film, jedoch nicht an derselben Stelle der Einrichtung projiziert wird. Demgemäss laufen die beiden Filme vor Erreichung des eigentlichen Projektionsapparates noch in übereinandergelegtem Zustande miteinander, sodann scheiden sich aber die Wege der beiden Filme, wobei der kinematographische Film nur durch das"Filmfenster", die Tonaufnahme aber nur durch den sogenannten "Photozellenadapter" der Projektionseinrichtung hindurchgeführt wird.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung und Vorführung von synchronen kinematographischen Bild-und Tonaufnahmen, dadurch gekennzeichnet, dass einesteils in an sich bekannter Weise ein Film, der nur eine kinematographische Aufnahme und einen freien Randstreifen besitzt, und andernteils ein Film, der nur eine dem ersteren entsprechende Tonaufnahme enthält, je getrennt hergestellt und auch je für sich belassen und für die Vorführung die zweierlei Filme derart aufeinandergelegt werden, dass der freie Streifen des kinematographischen Films und die getrennte Tonaufnahme einander decken, worauf die beiden übereinandergelegten Filme gemeinschaftlich fortbewegt und gleichzeitig durchleuchtet werden.