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Verfahren zur Herstellung von Kunstmassen.
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Es wurde nun die überraschende Beobachtung gemacht, dass man zu sehr wertvollen Kunststoffen gelangen kann, wenn man in dieser oder analoger Art aus aromatischen Aminen und Aldehyden, vorzugsweise Anilin und Formaldehyd, in Gegenwart einer Säure gewonnene Kondensationsprodukte in einer beliebigen Phase ihrer Herstellung mit solchen Mitteln behandelt, die befähigt sind. die Wirkung der Säure zu eliminieren, und die so erhaltenen Produkte, vorteilhaft nach erfolgterTrocknung, in zerkleinertem Zustande einer Pressung unterwirft.
Geht man von Kondensationsprodukten aus, die bereits die feste Phase erreicht haben, so kann die Zerkleinerung des zu pressenden Produktes auch vor der Eliminierung der Säure vorgenommen werden.
Durch das vorliegende Pressverfahren gelingt es. aus den scheinbar völlig inerten, unschmelzbaren Substanzen völlig homogene Presskörper zu erhalten, die sich durch grosse mechanische Festigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen physikalische und chemische Einflüsse sowie durch vorzügliche Isolationsfähigkeit auszeichnen und dank ihrer sehr guten Bearbeitbarkeit sich zur Herstellung von Kunstgegen-
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und Darstellungsbedingungen mehr oder weniger durchsichtig bis undurchsichtig und mehr oder weniger gefärbt bis farblos bzw. weiss.
Bei niedrigem Drucken und Temperaturen erhält man vorzugsweise undurchsichtige bis durchscheinend Produkte, deren spezifisches Gewicht sich ungefähr zwischen 0'5 bis 1'0 bewegt, bei höhern Drucken und hörern Temperaturen kann man durchsichtige Produkte erzielen, deren spezifisches Gewicht bis zu 1'2 und höher ansteigen kann.
Gewünschtenfalls kann man den Produkten vor der Pressung Füllstoffe, Farbstoffe, Elastifi- zierungsmittel, Katalysatoren, natürliche oder kiinstliche, härtbare und nicht härtbare Harze usw. zu- fügen, wodurch das Aussehen und die Eigenschaften der erhaltenen Kunstmassen weitgehend beeinflusst werden können.
Es ist schon vorgeschlagen worden, Kunstmassen in der Weise herzustellen, dass man aromatische Amine und Formaldehyd oder formaldehydabspaltende Verbindungen in Gegenwart von starken Mineralsäuren bis zur Bildung fester Gallerten aufeinander einwirken lässt. die erhaltenen Formstücke einer Nachbehandlung, vorzugsweise mit Alkalien oder alkalisch wirkenden Salzen unterwirft und die erhaltenen Produkte wäscht und trocknet. Es handelt sich hier um ein typisches Giessverfahren, u. zw. wird die Kondensation selbst in der Gussform vorgenommen bzw. zu Ende geführt, d. h. das Kondensationsprodukt wird samt dem Lösungsmittel erstarren gelassen.
Demgegenüber ist das vorliegende Verfahren ein Pressverfahren, bei welchem das Kondensationsprodukt in einem beliebigen Stadium der Kondensation ausgefällt und in zerkleinertem Zustande heiss verpresst wird. Die beiden Verfahren sind also grundlegend verschieden. Die Produkte des vorliegenden Verfahrens unterscheiden sich von denjenigen des altern Verfahrens durch grössere Dichtigkeit und Festigkeit und durch absolute Formbeständigkeit.
Beispiel 1 : 93 Gewiehtsteile Anilin (1 Mol) werden mit 93 Volumteilen zirka 36% iger Salzsäure und 930 Volumteilen Wasser gemischt. Dazu werden 150 Volumteile 4G%iger Formaldehyd gegeben und die Mischung, sobald sie orange bis rot geworden ist, in 2000 Volumteilen 5% iger Natronlauge verrührt. Es fällt ein weisses bis schwach rötlich gefärbtes, voluminöses Pulver aus, das gut nachgewaschen
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wird, wodurch der überschüssige Formaldehyd und die Elektrolyten entfernt werden. Zur Entfernung der letzten Reste der Elektrolyten kann man sich auch der Elektroosmose bedienen. Das erhaltene Pulver wird getrocknet und heiss verpresst. Verwendet man z.
B. einen Pressdruck von 160 Atm. pro Quadratzentimeter und eine Temperatur von zirka 150 , so kann man völlig klare, gelblicfe bis schwach brauneelb gefärbte Pressstücke erhalten, deren spezifisches Gewicht ungefähr bei 1'2 liegt.
Wird das Presspulver bei tieferer Temperatur, z. B. bei 100 , gepresst, so entstehen besonders bei
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feste, undurchsichtige Produkte, welche aus der Form herausgenommen und dann durch Nachhärtung bei höherer Temperatur auf die maximale Festigkeit gebracht werden können.
Beispiel 2 : 100 Volumteile Anilin, 175 Volumteile Wasser. 105 Volumteile 42% igue Salzsäure werden gemischt und auf zirka 80 abgekühlt. Dazu werden 150 Volumteile 40%iger Formldel ydlösung. die ebenfalls abgekühlt sind, gegeben. Die Mischung bleibt nun bis zur Bildung einer festen, roten Gallerte stehen. Diese wird nach zirka stündigem Stehen zerkleinert und mit Alkali gewaschen, bis das Pulver weiss geworden ist. Dann wird gut mit Wasser nachgewaschen und getrocknet. Das so erhaltene Pulver
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Pressplatten von gelblicher Farbe und einer Dichte von zirka 0'95. Natürlich kann die Arbeitsweise auch hier innert weiter Grenzen variiert werden ; z.
B. kann man auch gut die gallertigen Stücke mit Alkali behandeln und dann erst zerkleinern.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Kunstmassen aus durch Einwirkung von aromatischen Aminen auf Aldehyde, insbesondere von Anilin auf Formaldehyd, in Gegenwart einer Säure und naehheriger Entfernung der Säure erhaltenen Kondensationsprodukten, dadurch gekennzeichnet. dass diese Konden- sationsprodukte, vorteilhaft nach vorangehender Trocknung, in zerkleinertem Zustande für sich allein oder im Gemisch mit Füllstoffen, Farbstoffen, Elastifizierungsmitteln u. dgl. verpresst werden.