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Es hat sich gezeigt, dass es für verschiedene Zwecke vorteilhaft ist, nicht den Rohkautschuk bzw.
Guttapercha und Balata zu verarbeiten, sondern den natürlichen Milchsaft der die obigen Produkte liefernden Bäume selbst, der in folgendem kurz als "Latex" bezeichnet wird.
In den meisten Fällen ist diese direkte Verarbeitung des Latex nicht durchführbar, da die Heranschaffung desselben in flüssigem Zustand vom Ort der Gewinnung zum Ort der Verarbeitung schwierig und kostspielig ist. Der Grund liegt nicht nur im hohen Wassergehalt des Rohlatex (zirka 65-75%), sondern auch in der hohen Empfindlichkeit gegenüber den zersetzenden Einflüssen von Bakterien, Temperaturen und jeglicher Erschütterung, die beispielsweise noch heute bei der Verfrachtung aus dem Osten nach Europa und Amerika einen Ausfall bis zu 20% und mehr bedingen. Dies sind auch die Gründe dafür, dass der Versand von Rohlatex bis heute nur in verhältnismässig geringem Umfange und da nur in fest verschlossenen Metallbehältern unter Zusatz konservierender Mittel geschieht.
Erfindungsgemäss gelingt es nun, Latex jeglicher Herkunft in eine wasserfreie oder. wasserarme pastenartige Form zu bringen. Dieses Konzentrationsprodukt zeigt eine fast völlige Unempfindlichkeit gegenüber den vorgenannten zerstörenden Einflüssen. Der wesentlich geringere Wassergehalt bedingt eine erhebliche Ersparnis an Transportkosten und Transportraum.
Für den Fachmann lag es nahe, das Wasser aus dem Rohlatex durch Verdampfung zu entfernen.
Die Versuche, auf diesem Wege zum Ziel zu gelangen, schlugen indessen fehl, da der natürliche Latex äusserst temperaturempfindlich ist und nur unter schonendster Behandlung unter Wahrung seines Zerteilungsgrades zu konzentrieren ist. Ohne diese Massnahme erhält man einen Brei oder ein Trockenprodukt, aus dem nach Zufügen von Wasser zwar die Salze und einige Bestandteile in Lösung gehen, das Kautschukplasma jedoch als koagulierte Masse zurückbleibt und sich nicht mehr im Dispersionsmittel verteilt. Um nun die Koagulation zu verhindern und Latex herzustellen, bei dem nach der Verdampfung des Wassers durch abermaligen Zusatz von letzterem die in ihm enthaltenen Kolloide wieder in den ursprünglichen Dispersitätsgrad übergehen, werden gemäss der Erfindung geeignete Arten und Mengen von Schutzkolloiden dem Latex vor der Wasserentziehung zugesetzt.
Als geeignete Schutzkolloide seien beispielsweise Gelatine, Leim, Gummiarabikum, Saponin, Kasein, Hühnereiweiss, Alkalialbuminate oder deren Abbauprodukte (protalbinsaures und lysalbinsaures Natrium) u. dgl. oder Kombinationen aus diesen Substanzen genannt. Weiterhin ist es mitunter vorteilhaft, noch solche Stoffe zuzusetzen, welche, wie z. B. Alkalisulfite,-jodide,-rhodanide u. dgl. oder Kombinationen derselben, die Koagulation und Ausflockung der Eiweissbestandteile des Latex hemmen. Ferner scheint es nach der Art des angewandten Schutzkolloides oder des die Koagulation hemmenden Salzes zweckmässig, die Entziehung des Wassers unter Zusatz von Alkali, wie z. B. Ammoniak oder einer Base, wie z. B. Pyridin, vorzunehmen, um die natürliche Säuerung des Milchsaftes zu neutralisieren und die hiedurch bedingte Säurekoagulation zu verhindern.
Die Anwendung von Pyridin ist besonders bei der Verwendung von Guttapercha-und Balatalatex angezeigt, da diese Stoffe mehr oder minder stark gerbstoffhaltig sind, woraus sich ergibt, dass die Verwendung von Ammoniak zwecks Konservierung des Latex nur b edingt möglich ist.
Das der Erfindung zugrunde liegende Verfahren lässt sich natürlich ohne Abänderung ausser auf frischem oder konserviertem Latex auch auf solchem Latex anwenden, welcher bereits ohne Einbusse
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in diesem Falle ein bereits vulkanisiertes, jedoch wieder wasserlösliches Eindampfprodukt.
Die als Schutzkolloide oder als Mittel zur Hemmung der Koagulation der Eiweissbestandteile zur Verwendung gelangenden Stoffe können auch gleichzeitig die Aufgabe haben, bei der späteren Verarbeitung des Trockenlatex als Streckung-, Fall-, Färbe-oder Vulkanisationsregelungsmittel zu dienen oder bestimmte sonstige Aufgaben zur Beeinflussung der Fabrikation oder der Eigenschaften des Endproduktes zu haben.
Es ist zweckmässig, den so mit Schutzkolloiden versetzten Latex nicht die gesamte Wassermenge zu entziehen, sondern das Eintrocknen nur bis zu einer pastenartigen Konsistenz zu bewirken. Man erhält in diesem Falle ein Produkt, welches die Eigenschaft der Wiederlöslichkeit wesentlich länger beibehalt, wie ein vollständig zur Trockene eingedampfter Latex.
Die Wasserverdampfung kann nach einem beliebigen Verdampfungs-bzw. Trocknungsverfahren vorgenommen werden, jedoch empfiehlt es sich, solche Verfahren anzuwenden, die mit unterhalb der natürlichen Koagulationstemperatur der Eiweissstoffe liegenden Temperaturen arbeiten. Als solche kommen beispielsweise Vakuum-, Luft- oder Zerstäubungstrockner in Betracht.
Beispiele :
1. 11/2% lysalbinsaures Natrium (berechnet auf den Trockensubstanzgehalt des Latex), 0"2% Natriumsulfit und einige Tropfen einer Normallösung von Natriumhydroxyd werden Kautschuklatex, der 30% Festbestandteile enthält, zugefügt. Diese Mischung wird im Vakuum verdampft bis eine pasten- ähnliche Konsistenz erreicht ist. Auf Zufügung von Wasser geht die Paste wieder in Lösung, wobei dieser Vorgang zweckmässigerweise durch Zufügen einiger Tropfen Ammoniaklösung unterstützt wird. Der Wassergehalt der Paste beträgt 15%.
2. % technisches Saponin werden dem Latex zugefügt und derselbe in einem sogenannten Krause-Trocknungsapparat versprüht und getrocknet. Das erhaltene Produkt ist vollständig trocken und verwandelt sich bei Zufügen yon Wasser und einiger Tropfen Ammoniak in eine kolloidale Lösung von der gewünschten Konzentration.
3. 1% technisches Saponin wird einem vulkanisierten Latex, dessen Kautschukgehalt 30% beträgt, zugefügt und in einem sogenannten Krause-Trocknungsapparat getrocknet. Das resultierende Produkt ist vollständig trocken und lässt sich leicht im Wasser, dem zweckmässigerweise etwas Ammoniak zugefügt wurde, zu einer Dispersion zerteilen. Durch Zugabe von Wasser zu dem getrockneten Produkt kann man auch eine wässerige Paste von vulkanisiertem Kautschuk mit einer beliebigen Konzentration oder bei weiterer Verdünnung eine wässerige Lösybg erhalten.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung eines wasserlöslichen Konzentrationsproduktes aus Latex (in frischem, konserviertem oder ohne Einbusse seiner kolloidalen Eigenschaften vulkanisiertem Zustande), dadurch gekennzeichnet, dass der zwecks Vermeidung der Koagulation mit Schutzkolloiden in geeigneten Mengen versetzte Latex eingedampft wird.
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