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Schwerkraftbetätigte Einrichtung zum Anbringen und Niederlassen, insbesondere
von Schiffsrettungsbooten Die Erfindung bezieht sich auf eine Bootsaussetzvorrichtung
für das Aussetzen und Herablassen insbesondere von Schiffsrettungsbooten, und zwar
der schwerkraftbetätigten Art mit einem Auslegerarm (Davit-Arm) o. dgl. und einem
Ständer mit einer mehrfachen Drehzapfenanordnung für den Auslegerarm, d. h. von
jener Type, die mindestens zwei Drehpunkte besitzt, um die der Auslegerarm nacheinander
nach außenbords ausgeschwenkt wird.
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Schwerkraftbetätigte Auslegerarme dieser Art bieten den Vorteil, daß
sie eine relativ geringe Decksfläche und Höhe beanspruchen und dennoch eine verhältnismäßig
große Ausschwingweite ergeben. ]:in weiterer Vorteil besteht darin, daß der Auslegerarm
das Boot während des ganzen Bereiches der Bewegung gleichmäßig niedersenkt, was
wesentlich zur Erleichterung des Aussetzvorganges beiträgt.
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Auslegerarme, die das Boot noch gegen eine Schlagseite von 1g bis
20° einwandfrei zu Wasser bringen müssen, waren bisher so angeordnet, daß sie nacheinander
mit den Schwenkzapfenlagern in Eingriff kamen, wobei es jedoch keineswegs sicher
war, insbesondere unter erschwerten Bedingungen, beispielsweise Vereisung, daß der
Auslegerarm auch wirklich
mit den erwähnten Drehzapfen bzw. Lagern
richtig in Eingriff kam. Aufgabe der Erfindung ist es, diesen ?Nachteil der schwerkraftbetätigten
Ausleger mit mehreren Schwenkpunkten zu vermeiden, indem der Auslegerarm dauernd
mit dem zweiten Schwenkzapfen in Verbindung steht, wobei dieser mitsamt dem Schwenkarm
sich bewegt, bis er in der zweiten Ausschwenkstellung des Armes durch einen Anschlag
aufgehalten wird. Diese Bauart gestattet weiterhin die Anwendung geschlossener und
gut geschmierter Lagerung für die Drehzapfen.
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Eine weitere Eigenheit der Erfindung ist es, daß das Gewicht des Verbindungsteiles
des Auslegerarmes mit dem Ständer so angeordnet ist, daß der Auslegerarm die Tendenz
hat, nach außen auszuschwingen. Dies ist wichtig, da im gegenteiligen Falle, wenn
diese Tendenz nach innen gerichtet wäre, der Auslegerarm nach innen schlagen würde,
sobald er vom Gewicht des Bootes frei ist, was einerseits Beschädigungen zur Folge
haben könnte, andererseits die größten Schwierigkeiten beim Wiedereinholen des Bootes
ergäbe.
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Die Erfindung wird im folgenden beispielhaft in ihrer Anwendung auf
eine Einrichtung zum Aussetzen und Herablassen von Schiffsrettungsbooten an Hand
der Zeichnung weiter beschrieben.
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In der Zeichnung ist Fig. i eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform
einer derartigen Einrichtung für ein Rettungsboot, sie umfaßt ein Paar schwerkraftbetätigter
Auslegerarme; die Einrichtung ist mit dem Boot in der Innenbords- oder Staulage
dargestellt; Fig. 2 ist eine weitere perspektivische Ansicht der Einrichtung, die
in Fig. i dargestellt ist, wobei jedoch die ganz ausgeschwungene Stellung dargestellt
ist; Fig.3 ist ein Seitenriß der Einrichtung gemäß Fig. i in der ganz eingeschwungenen
Stellung; Fig. 4 ist ein Seitenriß der Einrichtung nach Fig. i, wobei der Auslegerarm
bis zum zweiten Drehpunkt ausgeschwungen ist; Fig. 5 ist ein Seitenriß der Einrichtung
nach Fig. i, jedoch in ganz ausgeschwungener Lage; Fig. 6 ist ein Kräftediagramm,
das die Anordnung gewisser Teile des Mechanismus zeigt, woraus die Tendenz des Auslegerarmes,
nach außen zu fallen, ersichtlich ist; Fig. 7 ist ein Seitenriß einer etwas abgeänderten
Form der Einrichtung nach Fig. i, wobei die Auslegerarme in der innersten Lage dargestellt
sind; Fig. 8 ist ein Seitenriß der Einrichtung nach Fig. 7, aber mit bis zur zweiten
Schwenkstellung ausgeschwungenem Auslegerarm; Fig. 9 ist ein Seitenriß der Einrichtung
nach Fig. 7, wobei jedoch der Auslegerarm ganz ausgeschwungen ist; Fig. io ist ein
Seitenriß einer weiteren Ausführungsform der erfindungsgemäßen Einrichtung, wobei
die Auslegerarme in der innersten Lage dargestellt sind; Fig. ii ist ein Seitenriß
der Einrichtung nach Fig. i o, wobei aber die Auslegerarme in ganz ausgeschwungener
Stellung sich befinden, und Fig. 12 ist ein Detail in verkleinerter Seitenansicht
der Einrichtung nach den Fig. io und ii. Die in den Fig. i bis 5 dargestellte Einrichtung
umfaßt ein Paar schwerkraftbetätigter Auslegerarme io und ii gleicher Ausbildung,
so daß nur einer davon im Einzelnen beschrieben zu werden braucht. Jeder der Arme
besitzt ein Gestell mit einem Fußteil 12, der an die Schiffsseite-i3 heranreicht,
einen geneigten Teil 14 und einen hinteren, tragenden Aufbau 1s, der auf dem Deckaufbau
D befestigt ist. Der geneigte Teil 14 des Gestelles umfaßt zwei mit etwas Abstand
voneinander angeordnete Teile i4a ugd i4b, die durch Abstandsplatten IV miteinander
verbunden sind. Der Auslegerarm 17 ist zwischen den Teilen i4 a und i4 b
angeordnet, so daß er durch diese seitlich geführt ist. Der Auslegerarm selbst ist
von C-förmiger Gestalt und trägt an seinem oberen Ende das übliche Horn 18 sowie
den Block i9 der zum Herablassen dienenden Takelage. Eine Drehpunktrast 2o, der
zuerst wirksame Drehpunkt für den Auslegerarm, ist im Teil 1s des Ständers angeordnet
und in der Staulage ruht die Ferse i7 a des Fußteils i7 b des Auslegerarmes 17 auf
diesem Drehpunkt, wie Fig.3 veranschaulicht. Ein Lenker 21 ist durch den Drehzapfen
22, dem zweiten wirksamen Drehzapfen für den Auslegerarm, mit der Zehe i7c des Auslegerarmes
verbunden, während das andere Ende des Lenkers 21 um den Drehpunkt 20 schwenkbar
angeordnet ist. Es ist zu beachten, daß der Lenker 21 in der Staulage ungefähr parallel
zum gekröpften Fußteil 171 des Auslegerarmes liegt. Ein den Bootskiel unterstützender
Teil 24, der zwecks seitlicher Führung ebenfalls zwischen den beiden Teilen i4 a
und i4b, welche den Teil 14 des Gestelles bilden, angeordnet ist, ist an den Drehzapfen
22 angelenkt, wie es bei 25 (Fig. 4) zu sehen ist, während das andere Ende des Teiles
24 bei 26 mit einem Lenker 27 verbunden ist, der bei 28 an dem Gestell verankert
ist und aus zwei Teilen besteht, die das Gestell zwischen sich einschließen.
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Der Lenker 24 trägt eine Kielrast oder Anschlag 28. Die Drahtseile
29, die sich von der Winde 3o abwickeln, sind über Leitrollen 31 am Gestell des
Auslegerarmes nach der Flasche i9 des zum Herablassen dienenden Flaschenzuges geführt.
Ein von Hand zu bedienender Bolzen 33 ist vorgesehen, der den Auslegerarm in der
Staulage verriegelt.
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Um das Boot B aus seiner in Fig. i und 3 dargestellten, Staulage herabzulassen,
wird zuerst der Bolzen 33 gelöst, worauf die Seile sich in der üblichen Weise von
der Winde abwickeln. Anfänglich schwenkt der Auslegerarm um seinen ersten Drehpunkt
2o nach außenbords, wobei er die Lenkereinrichtung 21, 24 und 27 abwärts mitnimmt,
bis eine weitere Bewegung derselben durch das Aufliegen des Lenkers 27 am Teil 14
des Gestells verhindert wird. Dieser Zustand ist in Fig. 4 dargestellt. Während
dieser anfänglichen Bewegung des Auslegerarmes ist das Boot aus seiner Ruhelage
auf der Kielrast 28 infolge Bewegung des den Kiel tragenden Teiles 24 gebracht worden.
Der Auslegefarm vollendet seine Bewegung nach außenbords aus der in Fig. 4 dargestellten
Lage in die Lage der Fig.5 durch Schwenkung um seinen zweiten Drehpunkt 22, wobei
der Auslegerarm in der äußersten Lage durch den Anschlag seines Fußteiles i7b mit
dem Drehzapfen 26 gehalten wird. An Stelle des oder zusätzlich
zum
Lenker 27 kann die Abwärtsbewegung der Lenkereinrichtung 21 und 24, um den zweiten
Drehpunkt zur Wirksamkeit zu bringen, auch an einem Anschlageblock 34 am stillstehenden
Rahmen der Einrichtung aufgehalten werden (Fig. 4).
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Der Schwerpunkt G des Auslegerarmes und seiner zugehörigen Lenkereinrichtung
liegt in der zweiten Drehpunktstellung weit außenbords vom Drehzapfen aus, um den
der Arm sich bewegen soll (Fig. 6). In der Praxis hat es sich gezeigt, daß die Auslegerarme
sich auch bei 20' Schlagseite nach der entgegengesetzten Seite noch nach außenbords
schwenken lassen. Weiterhin ist diese nach außenbords strebende Tendenz des Auslegerarmes
von besonderer Wichtigkeit, sobald das Boot im Wasser und der Auslegerarm von seinem
Gewicht entlastet ist. Dabei würde der Auslegerarm in die Anfangslage zurückkippen,
wäre nicht die Schwerpunktslage, wie eben beschrieben, vorgesehen. Bei schwerem
Seegang würde das außerdem ein andauerndes Hin- und Herschlagen des Auslegerarmes
sowie Beschädigung des ganzen Aufbaues zur Folge haben. Außerdem ist es, auch nachdem
das Boot frei geworden ist, von Wichtigkeit, daß die Auslegerarme in der ausgeschwungenen
Stellung verbleiben, um das Boot wieder aufnehmen und in die Staulage zurückbringen
zu können. Das Gewicht der Lenkeranordnung 21, 24 und 27 unterstützt die Bewegung
des Auslegerarmes nach außen in der ersten Phase der Bewegung und verhindert das
Zurückschlagen des Armes, sobald er vom Gewicht des Bootes befreit ist. Sobald der
Block i9 vom Horn 18 frei schwingt, ist die aus den auf den Auslegerkopf wirkenden
Kräften, aus den Aufhängeseilen 29 resultierende Kraft R im Abstand Y (Fig. 6) vom
zweiten Drehzapfen 22 vorbei nach außenbords gerichtet, wodurch die erforderliche
Bewegung des Auslegerarmes nach außenbords gesichert ist.
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Eine andere, in den Fig. 7, 8 und 9 erläuterte Ausführungsform der
Erfindung ist jener gemäß den Fig. i bis 5 ähnlich; in beiden Fällen sind gleiche
Bezugszeichen für Teile gleicher Wirkungsweise verwendet worden. Bei dieser Ausführungsform
besteht das Gestell der Bootsaussetzvorrichtung nur aus dem Teil 15, der auf einem
Deckaufbau D befestigt ist; die Abwärtsbewegung der Lenkereinrichtung 21, 24 ist
bei der zweiten Drehpunktlage des Auslegerarmes durch das Aufschlagen des Lenkers
21 an einer Anschlagvorrichtung 35 in einem nischenförmig ausgenommenen Teil
36 des Deckaufbaues begrenzt.
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Bei der Ausführungsform der Erfindung gemäß den Fig. io, ii und 12
ist die Bootsaussetzvorrichtung mit kleinen Ständern auf einem Deckaufbau D o. dgl.
gezeichnet. Der Ständer, welcher in Fig. 12 ohne den Auslegerarm dargestellt ist,
besteht aus einem winkelartigen Sockel 37 sowie aus einem Rahmen 38, der auf dem
Sockel 37 durch einen Scharnierbolzen 39 einstellbar gelagert ist. Dieser Bolzen
39 ist auch der erste Drehpunkt für den Auslegerarm. Die Neigung des Rahmens 38
ist mittels einer Spannschraube 40 einstellbar, um die Ausladung des Auslegerarmes
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über die Bordwand 13 hinaus sicherzustellen. Eine gegabelte Verbindungsstange
41 zwischen dem oberen Ende des Rahmens 38 und einem Butzen 42 am Sokke137 dient
zur Verfestigung des Rahmens. Die Zehe i7c des Auslegerarmes ist vermittels des
Drehzapfens 22 am Ende eines Kurbellenkers 21 im Drehpunkt 39 artgelenkt. Die weitere
Abwärtsbewegung dieses Lenkers in der zweiten Drehzapfenstellung des Auslegerarmes
wird durch den Artschlag des Lenkers an der Seite des Deckaufbaues beendet, wie
Fig. ii veranschaulicht. Die Auswärtsbewegung des Auslegerarmes wird außerdem durch
den Anschlag des Fußteiles i7 b an einem Anschlag 43 am vorderen Teil des Rahmens
38 begrenzt. Der Rahmen 38 besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Teilen, zwischen
denen der Auslegerarm 17 geführt wird.
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Die strichpunktierten Linien der Fig.ii deuten die ungefähre Bewegungsbahn
des Auslegerarmkopfes und des Bootkieles an. Durch diese flache Kurvenbahn ist eine
gleichförmige Bewegung des Auslegerarmes aus der Staulage bis in die völlig ausgeschwungene
Lage möglich.
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Ein Bremsmittel 44 (Fig. io) am Auslegerarm (i7) kann zum Zwecke der
Einwirkung auf das Seil vorgesehen sein.
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Die Lenker 21 und 24 können Spannschrauben erhalten, so daß sie stets
nachgestellt werden können.