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Verfahren zur Herstellung von o, o'-Dioxyazofarbstoffen Es wurde gefunden,
daß wertvolle o, o =Dioxyazofarbstoffe entstehen, wenn man diazötierte i-Oxy-a-aminobenzolsulfonsäuren
von der allgemeinen Formel
worin ein Y eine Sulfonsäuregruppe und das andere a Y Wasserstoff, Halogen oder
eine Nitrogruppe, X Halogen, eine Nitro-, Alkyl-, Alkoxy-, Acylamino-, Alkylsulfon-,
Arylsulfon- oder eine -Sulfonsäureamidgruppe und Z Wasserstoff und Halogen bedeuten,
in konzentriert ätzalkalischem Mittel mit i-Oxynaphthalin kuppelt. Die so erhaltenen
Farbstoffe können gegebenenfalls auf übliche Weise in ihre Metallkomplexverbindungen
übergeführt werden. Bei dieser Arbeitsweise tritt die o-Oxydiazoverbindung vorwiegend
in Orthostellung zur Hydroxylgruppe ein, während sonst der Eintritt vorwiegend in
Parastellung erfolgt.
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Dementsprechend färben die nach vorliegendem Verfahren erhältlichen
Farbstoffe Wolle nach dem Einbadchrom- und nach dem Nachchromierungsverfähren in
violetten, blauen und schwarzen Tönen, während die entsprechenden Parakupplungsverbindungen
nur wertlose Brauntöne liefern.
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Der Befund, daß es gelingt, die Kupplung so zu leiten, daß sie in
technisch brauchbarer Ausbeute in Orthostellung erfolgt, ist unerwartet. Auf Grund
der bisherigen Erfahrungen und Veröffentlichungen muß man annehmen, daß sämtliche
Diazoverbindungen mit Ausnahme der 1,:2- und a, i-Diazooxynaphthalinsulfonsäuren
und ihrer Nitrierungs-, Halogenierurigs- und Sulfonierungsverbindungen zur Hauptsache
in P,arastellung zur Hydroxylgruppe eintreten und jeweils nur
ein
geringer Hundertsatz an Orthoverbindung entstellen würde. (SielieFierZ-Davld, »Künstliche
organische Farbstoffe«, 1926, Seite ioi, sowie Helvetica Chimica Acta r921, Seite
380.)
Die neuen Farbstoffe unterscheiden sieh von den entsprechenden bekannten
Farbstoffen aus 2-Oxynaplitlialin durch ihren grünstickigeren und lebhafteren Farbton
durch ihre bessere Löslichkeit und geringere Kalkempfindlichkeit.
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Gegenüber bekannten Farbstoffen aus o-Oxydiazonaphtlialinsulfonsäuren
oder ihren Abkömmlingen und i-Oxynaphthalin zeichnen sieh die neuen Farbstoffe durch
bessere Lichtechtheit und vor allein durch ihre vorzügliche Eignung für das Einbadchromverfahren
aus.
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Ferner ist bekannt, o-Oxydiazov erbindungen der Benzolreilie zur Kupplung
in 2-Stellung eines i-Oxynaphthalins dadurch zu zwingen, daß man an Stelle des unsubstituierten
i-Oxynaphthalins dessen Abkömmlinge verwendet, in denen die 5-Stellung durch ein
Halogenatom besetzt und eine Kupplung in 4-Stellung demnach unmöglich ist. Demgegenüber
bedeutet die Verwendung des urisubstituierten gewöhnlichen i-Oxynaphthalins eine
bedeutende Vereinfachung und Verbilligung.
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Die neuen Farbstoffe lassen sich in der üblichen Weise dureli Behandlung
mit Schwermetallsalzen in lösliche, komplexe Metallverbindungen überführen. Beispiel
1 4.0,6 kg 4-Methyl-L-ainino- i-oxybenzol-5-sulfonsäure werden in üblicher Weise
derart dianotiert, daß zum Schluß nicht mehr als 150 1 Flüssigkeit vorhanden sind.
Die Diazotierungsmasse trägt man bei o° in eine Aufschlämmung von i-Oxynaphthalinnatrium
in konzentrierter Natronlauge ein, welche sich dadurch herstellen läßt, daß die
Lösung von 29 kg i-Otynaphthalin in 2o 1 Wasser und 30 kg 30 o!oiger Natronlauge
in eine auf o° gekühlte Lösung von 170 kg Ätznatron in 280 1 Wasser eingerührt
wird. Die Masse beginnt sich sofort dunkel zu färben, wobei der entstehende Farbstoff
in der Natronlauge gelöst bleibt. Nach beendigter Kupplung verdünnt man mit 5oo
1 Wasser, neutralisiert das überschüssige Alkali mit Salzsäure bis zur Abscheidung
des Farbstoffes, filtriert und reinigt, wenn nötig, durch Umlösung. Der getrocknete
und-gepulverte Farbstoff löst sich in Wasser mit violetter in konzentrierter Schwefelsäure
mit weinroter Farbe. Er färbt Wolle im sauren Bade blaustichig rot und gibt beim
Nachchrornieren ein rotstickiges Marineblau von guten Eigenschaften. Beispiel Die
abgetrennte Diazoverbindung entsprechend 4.1,71L- 4.-Chlor-2-amino-i-oxvbenzol-6-sulfonsäure
wird bei o'=' eingetragen in eine Emulsion von 29 kg fein gepulvertem i-Oxynaphthalin
in 5ookg 3oo/oiger Natronlauge. Die Masse färbt sich allmählich dunkelrot und wird
nach Maßgabe der Farbstoffbildung dick und schwerer rührbar. Man rührt über Nacht
und arbeitet den Farbstoff in der im Beispiel i angegebenen Weise auf. Er bildet
ein bronzierendes Pulver und löst sich in Wasser mit blauvioletter, in Schwefelsäure
mit weinroter Farbe. Er färbt Wolle nach dem 'Nachchromierungs- oder Einbadeliromverfahren
in vollem marineblauem Farbton von vorzüglichen Echtheiten.
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Auf ähnliche Art können beispielsweise die-Farbstoffe aus folgenden
a-Ainino-i-oxybenzolsulfonsäuren und i-Oxynaplitlialin hergestellt werden:
| Nachchromierte Färbung |
| auf Wolle |
| 4-Clilor-2-amino-i-oxybenzol-5-sulfonsäure marineblau |
| 4-i#lethyl-2-amino-i-oxybenzol-6-sulfonsäure rotstickig marineblau |
| 3, 4-Dichlor-2-amino-i-oxybenzol-6-sulfonsäure violett |
| 4-N itro-2-amino-i-ox ybenzol-6-sulfonsäure schwarz-olive |
| 4-Chlor-5-nitro-2-amino-i-oxybenzol-6-sulfonsäure grünstickig
blau |
| 4Acetylamino-2-amino-i-oxybenzol-6-sulfonsäure marineblau |
| 4-Benzoylamino-2-amino-i-oxybenzol-6-sulfonsäure grünlich marineblau |
| 4-Brom-2-amino-i-oxybenzol-6-sulfonsäure marineblau |
Beispiel 3 5s,5
kg- 3, 4, 6-Trichlor-2-amino-i-oxybenzol-5-sulfonsäure werden
so konzentriert wie möglich dianotiert. Die zum größten Teil in Form gelber Nadeln
abgeschiedene Diazoverbindung wird bei o° eingetragen in eine nach den Angaben von
Beispiel i hergestellte Aufschlämmung von i-Oxynaplithalinnatriuin in konzentrierter
Natronlauge. Es bildet sich
rasch eine rote Lösung. Nach Beendigung
der Kupplung wird der Farbstoff durch Neutralisieren mit konzentrierter Salzsäure
gefällt und nötigenfalls durch Umlösen aus Wasser gereinigt. Der getrocknete und
gemahlene Farbstoff bildet ein dunkles Pulver. Er löst sich in Wasser mit blauer,
in konzentrierter Schwefelsäure mit brauner Farbe und färbt Wolle nach dem Nachchromierungs-oder
Einbadchromverfahren schön marineblau mit vorzüglichen Eigenschaften. Beispiel q.
4o kg des nach Beispiele hergestellten Farbstoffes werden mit 5001 Wasser unter
Zusatz einer 12 kg Chromoxyd entsprechenden Chromformiatmenge 12 Stunden am Rüclaußkühler
gekocht. Aus der hierbei entstehenden blauen Lösung wird die Chromverbindung mittels
Kochsalzzugabe gefällt und in der üblichen Weise aufgearbeitet. Der fertige Farbstoff
bildet ein dunkles Pulver, das sich in Wasser mit blauer und in konzentrierter Schwefelsäure
mit violettbrauner Farbe löst. Wolle wird aus saurem Bade in gleichmäßigen, rotstichig
blauen Tönen gefärbt.