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Selbsttätige Steuerung für die Winden von Heuaufzügen Die Winde eines
Heuaufzuges wird üblicherweise betätigt durch einen Schalthebel, welcher meistens
drei Stenerstellungen hat: Die oberste Stellung bewirkt Hochzug oder Vorwärtslauf,
die mittlere bewirkt Niedergang oder Rückwärtslauf, und die unterste bremst die
Winde zum Stillstand. Ein Belastungsgewicht drückt den Schalthebel in die -unterste
Stellung, aus der heraus er von Hand in die mittlere oder oberste gezogen werden
muß. Damit der Hebel oder das ihn betätigende Zugseil nicht während des ganzen Vor-
und Rücklaufes der Winde in der Hand gehalten zu werden braucht, versieht man ihn
häufig mit einer Sperrvorrichtung, die ihn in der obersten Lage festhält. Wenn die
Winde vom Vorwärtslauf auf Rückwättslauf umgesteuert werden soll, wird die Sperrvorrichtung
geöffnet; der Hebel fällt dann unter der Wirkung seines Belastungsgewichtes in die
mittlere Stellung, wo er erneut durch eine Sperrvorrichtung festgehalten wird; soll
die Winde zum Stillstand kommen, so wird auch diese Sperrvorrichtung geöffnet, und
der Hebel fällt in die unterste Stellung.
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Da diese Umstenervorgänge bei Heuaufzügen stets dann erfolgen müssen,
wenn die von der Winde gezogene Laufkatze sich an ganz bestimmten Stellen ihrer
Laufbahn befindet, sind Zusatzgeräte entwickelt worden, die das Öffnen der erwähnten
Sperrvorrichtungen selbsttätig vornehmen, indem die Laufkatze auf ihrer Fahrt an
nacbgebende Anschläge anstößt, die an den für das Umsteuern vorgesehenen Punkten
der Laufbahn angebracht sind. Von den nachgebenden Anschlägen führen Seilzüge zu
den, Sperrvorrichtungen am Schalthebel der Winde; trifft die Laufkatze auf einen
solchen Anschlag, so öffnet dieser "die zugehörige Sperrvorrichtung.
Diese
sogenannten vollautomatischen Windensteuerungen bewirken häufig eine bedeutende
Arbeitsersparnis für das Bedienungspersonal.
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Die Seilzüge zwischen den nachgebenden Anschlägen und den Sperrvorrichtungen
erreichen bei großen Anlagen beträchtliche Längen, so daß das Bestreben besteht,
sie ganz zu vermeiden. Das wird in bekannter Weise erreicht, indem die Anschläge
unmittelbar an die Winde heranverlegt und mit den Sperrvorrichtungen des Schalthebels
baulich vereinigt werden. Dann ist es allerdings nicht mehr möglich, die Anschläge
durch die Laufkatze selber anstoßen zu lassen; vielmehr muß die Betätigung dieser
Anschläge und damit das Öffnen der Sperrvorrichtungen durch besondere Steuerkörper
besorgt werden, die von der Windentrommel über ein Getriebe derart angetrieben werden,
daß sie die ganze Fahrbewegung der Laufkatze in stark verkleinertem Maßstabe nachahmen.
Solche Steuerkörper sind in verschiedenen Ausführungen bekannt, z. B. als Wandermuttern
auf einer von der Windentrommel aus angetriebenen Schraubenspindel oder als Zahnstange
auf einem von der Windentrommel aus angetriebenen Ritzel oder als Schneckenrad auf
einer von der Windentrommel aus angetriebenen Schnecke.
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Bei allen bisher bekannten derartigen Konstruktionen wird die Bewegung
des Steuerkörpers unmittelbar zum Öffnen der Sperrvorrichtung benutzt; von dein
Augenblick an, in welchem der Steuerkörper den Anschlag berührt, entsteht ein Kraftschluß;
dieselbe Kraft, die den Steuerkörper treibt, öffnet auch die Sperrvorrichtung, ganz
gleichgültig, wie diese beschaffen ist. Ist diese als Verriegelung ausgebildet,
so muß der Steuerkörper über den Anschlag einen Riegel zurückschieben; ist sie als
Klinkengesperre ausgebildet, so muß der Steuerkörper über den Anschlag eine Klinke
ausheben usw. Die Öffnungsbewegung der Sperrvorrichtung steht also in unmittelbarer
Abhängigkeit zur Bewegung des Steuerkörpers.
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Nun verhält sich die Geschwindigkeit des Steuerkörpers zur Laufkatzengeschwindigkeit
wie der Gesamtweg des Steuerkörpers zur Laufkatzenbahn. Da Laufkatzenbahn und -geschwindigkeit
gegeben sind und der Gesamtweg des Steuerkörpers aus -baulichen Gründen möglichst
kurz gehalten werden muß, so kann die Geschwindigkeit des Steuerkörpers nur gering
sein, andererseits soll das Öffnen der Sperrvorrichtung schnell und genau erfolgen.
Beide Bedingungen miteinander zu vereinen, bereitet infolge der kraftschlüssigen
Abhängigkeit bauliche Schwierigkeiten; entweder wird der Weg des Steuerkörpers lang
und damit die ganze Steuereinrichtung umfangreich und schwerfällig, oder das Öffnen
der Sperrvorrichtung und damit das Umsteuern der Winde geschieht schleichend und
ungenau. Geschwindigkeitsübersetzungen zwischen Steuerkörper und Sperrvorrichtung
sind zwar möglich, aber sie verursachen starke verschleißbewirkende Rückdrücke in
das Steuergetriebe und vervielfachen jede durch solchen Verschleiß entstehende Ungenauigkeit
in der Steuerbewegung.
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Die Erfindung bezweckt die Vermeidung der unmittelbaren kraftschlüssigen
Abhängigkeit zwischen Steuerkörper und Sperrvorrichtung.
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Erfindungsgemäß ist. die Anordnung so getroffen, daß die Entsperrung
des z. B. durch ein Fallgewicht erzeugten Antriebes des Windenstellorganes (z. B-
Schalthebels) von dem Steuerwerk, z. B. durch Einrücken eines Kupplungsgliedes,
nur vorbereitet und anschließend unabhängig von dem Steuerwerk, also z, B. durch
eine von der Windentrommel abgeleitete Kraft, vollzogen wird. Es erhält also die
Sperrvorrichtung ihren Offnungsantrieb nicht von dem Steuerwerk aus, sondern von
einer anderen Stelle, etwa der Windentrommel, unter alleiniger Zwischenschaltung
eines leichtgängigen Kupplungsgliedes, welches gewöhnlich ausgerückt ist und erst
durch Einwirkung des Steuerwerkes eingerückt wird. Dieses Kupplungsglied besteht
beispielsweise aus einem an das Sperrglied des Windenstellorganes angelenkten Schwenkhaken,
der unter dem Einfluß des Steuerwerkes entgegen der Wirkung einer Rückholkraft in
den Weg eines von der Windentrommel aus in schwingende Bewegung versetzten Mitnehmers
gerückt wird und, von diesem mitgenommen, die Sperrung löst. Es wird demnach die
zum Lösen der Sperrung erforderliche Kraft aus dem Steuerwerk -und seinem Antrieb
ferngehalten. Das Steu-erwerk kann daher klein und leicht gebaut werden
, da es nur die geringen Kräfte zum Ein rücken des Kupplungsorganes aufzubringen
hat. Infolge der Kleinheit dieser Kräfte bereitet es auch keine Schwierigkeit, für
den Einrückvorgang die langsame Bewegung des Steuerwerkes ins Schnelle zu übersetzen,
ohne daß starke Rückdrücke mit ihren Verschleißgefahren auftreten.
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Die Erfindung ermöglicht eine beliebige Gestaltung des Steuerwerkes;
sie ist für jede Art von Sperrvorrichtung anwendbar und gestattet Freiheit in der
Wahl und Ausbildung des Kupplungsgliedes, sofern dieses nur genügend leichtgängig
ist. Besonders vorteilhaft läßt sich die Erfindung verwirklichen, wenn das Steuerwerk
als endlose Gliederkette ausgebildet ist, welche ein oder mehrere Nockenglieder
trägt. Hierbei ist es gleichgültig, ob ein Nockenglied an mehrere ortsfest angebrachte
nachgebende Anschläge stößt oder mehrere Nockenglieder an einen Anschlag oder an
mehrere Anschläge.
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Die beiliegende Fig. i zeigt schematisch ein Ausführungsbeispiel der
Erfindung. Das Steuerwerk ist hier als endlose Gliederkette K ausgeführt, welche
von der Windentrommel aus
über ein Kettenrad ZA angetrieben und
durch ein Spannrad Zs in Spannung gehalten wird. Die Bewegung jedes Gliedes dieser
Kette kann als verkleinertes Abbild der Bewegung der Laufkatze (nicht gezeichnet)
angesehen werden. Ein Glied der Kette (erforderlichenfalls auch mehrere) ist als
Nockenglied G" ausgebildet. Hat der Nocken die Höhe h" über dem Antriebsradteilkreis
und hat letzterer den Halbmesser rt und läuft die Kette mit einer Geschwindigkeit
vic, so erhält die wirksame Nockenaußenkante beim Passieren des Antriebsrades eine
Umfangsgeschwindigkeit das ist die Übersetzung ins Schnelle,
welche beim Wirkso,mwerden des Nockens erwünscht ist. Der Nocken G" trifft
zweckmäßigerweise auf eine den nachgebenden Anschlag darstellende Rolle R", welche
dem nach einer geeigneten Kurve geformten Nocken ausweicht und dabei ihre Bewegung
über einen Hebel HR und eine Stange S auf einen ScAenkhaken P überträgt.
Dieser Schwenkhaken ist mit seinem unteren Ende an einer Sperrklinke U angelenkt,
welche in Wechselwirkung mit einem Sperrzahn B den durch ein Fallgewicht belasteten
Schalthebel Sch in der gezeichneten Stellung sperrt. Gegenüber dem Schwenkhaken
P, der leichtgängig sein muß, ist ein Messerhebel M drehbar angeordnet, der von
der Windentrommel aus über eine Kurbel E
eine schwingende Bewegung erhält.
Der Schwenkhaken.P wird in Ruhelage durch eine FederF in der gezeichneten Stellung
gehalten, in welcher er sich außerhalb der Bewegungsbahn des Messerhebels M befindet.
Stößt der Nokken G" auf die Rolle R", so drückt die Stange S
den Schwenkhaken
P entgegen der Wirkung der Feder F in die Schwingungsbahn des Messerhebels M, so
daß der Haken P von dem Messer erfaßt und hochgehoben wird. Dabei zieht der Halzen
P die Klinke U aus dem Sperrzahn B und gibt dadurch den Schalthebel Sch der
Winde frei.
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Hat der Schalthebeln Steuerstellungen, so werden n - 1 Gliedernocken
G" Rollen R" Hebel I-Ilz, Stangen S und Schwenkhaken.P benötigt.
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Die Nocken können abnehmbar auf den Gliederketten sitzen und an beliebigen
Gliederketten angebracht werden, was bei Anlagen mit mehr als einer Umsteuerstelle
in Betracht kommt. Derselbe Zweck wird erreicht, wenn man das Antriebskettenrad
Z" lösbar und feststellbar auf seiner Antriebswelle anordnet; es kann dann das Antriebsrad
samt der Gliederkette auf der Antriebswelle verdreht und in der gewünschten Lage
festgestellt werden. Die Verdrehbarkeit und Feststellbarkeit läßt sich auf beliebige
Weise erreichen, etwa dadurch, daß man das Rad, wie Fig. 2, zeigt, mit mehreren
Antriebsnuten oder Löchern L" versieht, in deren eine ein auf der Triebwelle axial
verschiebbar befestigter Mitnehmer Mi eingreift, so daß das Rad Z" in verschiedenen
Verdrehungsstellungen auf der Triebwelle befestigt werden kann.