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Doppel-Kettenflorgewebe mit durchgewebtem Rückenmuster Die Erfindung
bezieht sich auf ein als Dreichußware einschützig hergestelltes Doppel-Kettenflorgewebe
mit durchgewebtem Rückenmuster sowie auf die hierzu not-«-endigen Jacquardeinrichtungen.
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Die bisher gewebten Waren dieser Gattung wurden fast ausschließlich
in Dreischußbindung gemäß Abb. i mit Spezial-Jacquardtnaschinen nach Abb.2 hergestellt,
die eine vordere Abteilung für den Oberpol und eine hintere Abteilung für den Unterpol
besitzen. Der Platinenboden UPB der hinteren Abteilung UW wurde in Tiefstellung
festgelegt, während der Messerkasten U161K dieser Abteilung bewegt wurde. Umgekehrt
stand in der vorderen Abteilung U W der Messerkasten Oillh in Hochstellung
fest, während der Platinenboden OPB dieser Abteilung bewegt wurde. Die Platinen
beider Abteilungen Oll,'
und Uli% besitzen Doppelnasen, und die Messer einer
jeden Abteilung sind wendbar eingerichtet, so daß man nach Bedarf mit derselben
Karte sowohl das positive als auch das negative Fach erzielen kann. Die Bewegung
des hinteren Messerkastens UUK und des vorderen Platinenbodens OPB erfolgte in der
aus Abb. 3 ersichtlichen Weise durch ein geteiltes Doppelhebezeug H0, HU
mit Hilfe von zwei offenen oder geschlossenen Treibkurz enscheiben E0 und
EU, an deren Stelle bisweilen auch gemäß Abb.3a ein einziges Nutexzenter
E trat. Mit Hilfe der geschilderten Einrichtung ist bei richtiger Einstellung eine
schöne Ware erzielbar; jedoch arbeitet die jacquardmaschine innerhalb der sechs
zur Bildung je einer Noppenreihe in jeder Ware erforderlichen Arbeitsgänge sehr
ungleichmäßig bezüglich des Kraftbedarfs (vgl. das Zeit-Weg-Schaubild Abb. ia),
und es besteht immerhin noch die Möglichkeit, daß die jeweils zur Florbildung nicht
benutzten, im folgenden kurz »toter Pol;< genannten Florkettenfäden nach der
Rückseite des Gewebes durchschlagen und so die Klarheit des Rückseitenmusters beeinträchtigen,
weil der tote Pol nur durch einen Schuß nach der Rückseite zu abgedeckt ist.
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Zweck der Erfindung ist, die aufgeführten Übelstände zu beseitigen.
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Die Erfindung besteht darin, daß die zur Florbildung herangezogenen
Florkettenfäden OP oder UP in der Ware, aus der sie stammen, um drei Schußfäden,
in der entgegengesetzten Ware hingegen nur um zwei Schußfäden herumgeführt sind,
und daß zum Einbinden der jeweils nicht benötigten Florkettenfäden in Ober- und
Unterware immer nur der auf der Florseite liegende Schußfaden dient. Das neue Doppel-Kettenflorgewebe
ermöglicht dadurch, daß für sechs Schüsse (3 Ober- und 3 Unterschüsse) gemäß der
Erfindung dreitourig umlaufende Treibkurv enscheiben verwendet werden, wesentlich
ruhigere und sicherere Bewegungen der vorbeschriebenen jacquardmaschine, gestattet
infolgedessen eine Erhöhung der Arbeitsgeschwindigkeit des Webstuhls und bringt
dadurch eine Steigerung der Leistungsfähigkeit
desselben zustande.
Dabei wird gleichzeitig der denkbar größte Kraftbedarfsausgleich und die größtmögliche
Schonung der Jacquardkarte angestrebt und erreicht. Gleichzeitig werden günstigere
Konstruktionsverhältnisse bezüglich der jacquardexzenter E01 EU geschaffen,
und das Durchschlagen des toten Pols nach der Geweberückseite wird wirkungsvoll
verhindert. Das Erzeugnis dieser Bemühungen ist der jetzt gangbaren Dreischußware
zum mindesten ebenbürtig.
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Durchgemusterte Doppel-Kettenflorgewebe, bei denen die florbildenden
Florkettenfäden in der Ware, aus der sie stammen, um drei, in der entgegengesetzten
Ware aber nur um zwei Schüsse herumbinden, sind zwar bereits bekannt, jedoch lagen
bei diesen Geweben bisher toter Pol und Füllkette ungetrennt in einer Ebene. Infolgedessen
war die Möglichkeit des Durchschlagens der toten Füllkettenfäden nach der Rückseite
immer noch gegeben, und vor allen Dingen mußten seclistourig umlaufende jacquardexzenter
verwendet werden. In bezug auf die jacquardexzenter gilt das gleiche für die ebenfalls
bekannten durchgemusterten Doppel-Kettenflorgewebe, deren musterbildende Florkettenfäden
in der Ware, aus der sie stammen, uni drei, in der entgegengesetzten Ware hingegen
nur um einen einzigen Schuß herumbinden und bei denen toter Pol und Füllkette, durch
einen Schuß getrennt, in zwei verschiedenen Ebenen liegen. Keine der genannten Gewebearten
vereinigt alle im vorstehenden aufgeführten Vorteile des neuen Gewebes.
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Abb. 2 zeigt die neue Dreischußware. Abb.2a ist ein Zeit-Weg-Schaubild,
aus dem die Bewegungen der jacquardmaschine für das neue Doppel-Kettenflorgewebe
nach Abb. 2 zu ersehen sind.
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Abb. q. stellt schematisch die Jacquardmaschine und ihren Antrieb
für die neue Dreischußware nach Abb. 2, Abb.5 einen zwangsläufigen Jacquardantrieb
für die gleiche Ware dar.
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Das neue einschützig zu webende Dreischuß-Doppel-Kettenflorgewebe
nach Abb. z unterscheidet sich in bezug auf die Schußfolge I bis VI und die Bindung
der Füllketten F0 und FU in keiner Weise von dem bekannten Gewebe gemäß Abb.
i. Die Bindekettenfäden wurden in allen Beispielen weggelassen, weil ihre Verkreuzung
mit den Schüssen für die Erfindung unwesentlich ist. Hinsichtich der Bindung der
Florkettenfäden hingegen treten wesentliche Änderungen ein.
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Während bei dem bisherigen Dreichußgewebe nach Abb. i der tote Pol
in derselben Weise mit den Schüssen kreuzt wie die Füllketten F0 und FIT,
liegt derselbe in dem neuen Gewebe nach Abb.2 getrennt von diesen mehr nach der
Florseite zu. Das wird dadurch erreicht, daß man ihn sowohl in der Oberware als
auch in der Unterware nur durch einen einzigen Schuß (11I bzw. `'I) einbinden läßt.
Da der tote Pol nunmehr nach der Rückseite zu durch zwei Schüsse (I, II bzw. IV,
V) abgedeckt ist, so wird sein Durchschlagen nach dieser Seite wirkungsvoll verhindert,
wodurch sich ein sau'oeres klares Rückenmuster erzielen läßt. Während weiterhin
nach Abb. i die jeweils musterbildenden Florkettenfäden (im nachstehenden immer
nur kurz Musterpol genannt) sowohl in der Oberware als auch in der Unterware stets
um alle drei zu einer 1Noppenreihe in jeder Ware gehörigen Schüsse (I, II und III
bzw. IV, V und VI) herumbinden, bindet nach Abb. 2 der Musterpol OP der Oberware
zwar um die Schüsse I, 1I und III, in der Unterware hingegen nur um die Schüsse
IV und V. Im Gegensatz hierzu bindet der Musterpol UP der Unterware in der Unterware
um die Schüsse IV, V und VI, in der Oberware hingegen nur um die Schüssel
und 1I.
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Aus dieser Eigenart des Gewebes ergibt sich eine außerordentlich günstige
Arbeitsweise der jacquardmaschine, wie aus Abb. 2a ersichtlich ist.
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Der Oberware-Messerkasten steht wie bisher in Hochstellung, der Unterware-Platiiienboden
UPB in Tiefstellung fest. Für Schuß I und II befindet sich der Unterware-MeSSorkasten
UMK in Hochstellung und der Oberware-Platinenboden OPB in Tiefstellung. Beide wechseln
für Schuß III gleichzeitig ihre Stellung, worauf die Karte zum Zwecke des Musterwechselns
für den Oberpol andrückt. Alsdann erfolgt für Schuß IV ein erneuter gleichzeitiger
Stellungswechsel des Unterware-Messerkastens und des Oberware-Platinenbodens OPB.
Die so erreichte Stellung behalten UMK und OPB für den Schuß V bei, um für Schuß
VI erneut gleichzeitig ihre Stellung zu wechseln, worauf die Karte zum Zwecke des
Musterwechsels für den Unterpol andrückt. Durch den gleichzeitigen Stellungswechsel
von UIITIL und OMK in entgegengesetzter Richtung findet ein teilweiser Kraftausgleich
statt, der den ruhigen Gang der jacquardmaschine sehr günstig beeinflußt. Die Jacquardkarte,
die für die alte Dreischußware nach Abb. i viermal mit demselben Kartenblatt andrücken
mußte, wird jetzt nur noch zweimal mit demselben Blatt gegen die Nadeln gepreßt.
Hieraus ergibt sich einesteils eine Schonung der Karte selbst und, da die zum Anpressen
der Karte angewendete Kraft ziemlich bedeutend ist, auch eine erhebliche Kraftersparnis
sowie ein ruhigeres Arbeiten der Platinen. Dadurch, daß sich das Arbeitsspiel von
UNK und
OPB bereits nach drei Schüssen wiederholt, kann man an Stelle
der sechstourig innlaufenden Treibkurvenscheiben oder Exzenter E0 und EU bzw. E
(Abb. 3 und 3a) dreitourig umlaufende Exzenter E0 und EL' (Abb..l) verwenden. Diese
erhalten bei gleich großem Grund- und Außendurchmesser wesentlich flachere Hubkurven,
arbeiten also viel günstiger als die E#>zenter E0 und EU nach Abb. 3 bzw. E nach
Abb. 3a. Man kann diese dreitourig umlaufenden Exzenter E0 und EU selbstverständlich
auch als Nutexzenter ausbilden und so den Antrieb gemäß Abb.4 z«-angsläuiig gestalten.
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Auf einfachere Weise wird dies jedoch erreicht, indem man die Exzenter
E0 und EL" nach Abb. 5 als Exzenter und Gegenexzenter auf ein gegenläufig verbundenes
Doppelhebezeug HO, HU bekannter Art wirken läßt.