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Verfahren zur Gewinnung der Fasern aus der Fruchthülle der Kokosnuß
Die Gewinnung von Fasern aus der Fruchthülle der Kokosnuß ist bisher durch Rösten
erfolgt. Hierbei wird die zwischen den Fasern lagernde korksubstanzartige Schicht
durch Bakterientätigkeit oder ähnliche von Fäulnis begleitete Abbauvorgänge zerstört
und gelockert, so daß die Trennung der Faser nachher mechanisch erfolgen kann. Dieses
Verfahren, dessen Durchführung lange Zeit in Anspruch nimmt, führt vielfach zu Verlusten
und Schädigungen der Faser mit Bezug auf ihre mechanischen Eigenschaften, ihre Farbe
und ihr Aussehen.
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Neuerdings hat man vorgeschlagen, die Kokosnußhülle mit verdünnter
heißer Alkalilauge zu behandeln. Dieses Verfahren bietet den Nachteil, daß die in
den korksubstanzartigen Zwischenschichten enthaltenen Stoffe durch Einwirkung der
heißen Alkalilauge hochdispers peptisiert werden, wodurch Veranlassung zu unerwünschten
Farbwirkungen gegeben ist, durch welche die geschätzte helle bis hellgelbe Eigenfarbe
der Kokosfaser verlorengeht. Auch bedeutet die Verwendung der Alkalilauge eine beträchtliche
Verteuerung des Verfahrens. Ferner wurde auch bereits vorgeschlagen, Kokosnußschalen
in heißem Wasser zu erweichen.
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Nach vorliegender Erfindung gelingt die Fasergewinnung auf einfachem
und billigem Wege innerhalb weniger Stunden unter völligem Erhalten der mechanisch
und physikalisch wertvollen Eigenschaften der Kokosfaser sowie auch ihrer hellen
natürlichen Farbe durch abwechselndes Behandeln der Hüllen mit heißem Wasser und
mit Ouetsch-und Hechelvorrichtungen.
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Nach der Erfindung werden die Fruchthüllen zunächst einer verhältnismäßig
kurzen, z. B. z- bis 3stündigen Vorbehandlung durch Eintauchen derselben in heißes
Wasser unterworfen. Hierbei wird das Gut oder das Wasser oder es werden die Hüllen
und das Wasser in Bewegung gehalten. Das so vorbehandelte Gut wird alsdann einer
mechanischen Behandlung durch Quetschen unter Verwendung geriffelter Walzen unterworfen.
Hierauf werden die Faserpolster einer nochmaligen Behandlung durch Eintauchen in
heißes Wasser unterworfen, wobei ebenso wie bei der Vorbehandlung für die Bewegung
des Gutes und der Flüssigkeit gesorgt wird.
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Durch diese zweite Wasserbehandlung, welche im allgemeinen nicht mehr
als etwa r bis a Stunden in Anspruch nimmt, wird die korkartige Einbettungssubstanz
der Fasern in einen derartigen Duellzustand gebracht, daß die Fasern nunmehr durch
Behandlung mit Hecheln o. dgl., z. B. durch Auskämmen mit rotierenden Stahlbürstwalzen
leicht freigelegt und von der aufgelockerten Einbettungssubstanz befreit werden
können.
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Die beiden Wasserbehandlungen werden
bei Temperaturen
oberhalb 6o° C, vorzugsweise solchen von z. B. 85 bis go° C, durchgeführt. Bei der
zweiten Wasserbehandlung kann man dem Wasser Stoffe zusetzen, welche störende Farbwirkungen
auf die Fasern verhindern. Dies kann z. B. durch Zusatz geringer Mengen von gelöschtem
Kalk geschehen. Hierdurch werden aus den Faserpolstern ausgewaschene Gerbstoffe
u. dgl. flockig ausgefällt.
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Die Wasserbehandlung der Fruchthüllen wird derart vorgenommen, daß
dieselben mit Hilfe von Drahtkäfigen u. dgl. unter der Oberfläche des Wassers gehalten
werden. Man kann die Hüllen in Körbe aus Drahtnetz, Eisengitter o. dgl. verpacken
und die letzteren in das heiße Wasser versenken. Dabei sind Vorkehrungen getroffen,
welche eine Bewegung der Körbe unterhalb der Wasseroberfläche gestatten, derart,
daß die Körbe z. B. mit Hilfe von Rollen in Schienen oder ähnlichen Vorrichtungen
geführt werden. Die Wasserbehandlung kann ununterbrochen derart durchgeführt werden,
daß die Körbe von einer Seite in den Behälter eingefiihrt, allmählich unterhalb
der Wasseroberfläche durch diesen gefördert werden und den Behälter an der anderen
Seite wieder verlassen.
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Die erwärmte Flüssigkeit wird dabei durch eine Zirkulationspumpe,
durch Rührer o. dgl. in Bewegung gehalten. Hierdurch wird einerseits eine gleichmäßige
Erwärmung der Flüssigkeit und eine gleichmäßige Bespülung der Fruchthüllen bewirkt,
während andererseits aufgeflockte Gerbstoffe und sonstige Schwebestoffe leicht derart
entfernt werden können, daß die Flüssigkeit im Kreislauf durch Filtervorrichtungen
geführt wird. Beispiel In vier bis sechs Segmente eingeteilte Fruchthüllen der Kokosnuß
werden in Drahtkörbe verpackt und in letzteren durch einen mit Wasser gefüllten
Wasserbehälter gefördert, dessen Wasser Temperaturen von 85 bis go° C besitzt. Die
Hüllen werden dabei etwa 2 Stunden unter der Wasseroberfläche gehalten. Die Flüssigkeit
wird im Kreislauf durch den Wasserbehälter bewegt.
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Das so vorbehandelte Gut wird alsdann durch Behandlung mit geriffelten
Walzen gequetscht und alsdann wieder einer i- bis 2stündigen Behandlung in Wasser
bei O'5 bis go° unter Bewegung unterworfen, wobei dem Wasser geringe Mengen von
Kalk zugesetzt werden. Auch hierbei wird die Flüssigkeit ebenso wie bei der ersten
Wasserbehandlung im Kreislauf bewegt. Das so aufgeschlossene Gut wird alsdann in
Hecheln, z. B. durch Auskämmen mit rotierenden Stahlbürstwalzen unter Wasserberieselung
weiterbehandelt. Hierbei kann man die kurzen, spinnharen Fasern wie auch die mehr
verwirrten Stopffasern leicht von den langen, dicken, geraden Fasern trennen. Man
erhält diese langen, dicken Fasern fertig zum Trocknen. Die kurzen Fasern können
nach dem Trocknen von etwa noch anhaftenden Resten der Einbettungssubstanz durch
Klopfen u. dgl. leicht befreit werden.