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Verfahren zum Degummieren und Entfärben von entschälten Pflanzenfasern.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Degnmmieren und Entfärben von l'lanzenfasern, insbesondere von mechanisch entschälten Flachsfasern und auch zum Bleichen von solchen Flachsfasern, die vorher dem gewöhnlichen Röstprozess unterworfen worden sind.
Durch das mechanisch vorgenommene Entschälen wird die Schäbe (Rinde) aufgebrochen und die Fasern sowohl von ihr wie voneinander in der änsseren Bastschicht getrennt. Die Fasorn enthalten dann aber noch gummiartige Substanzen, welche bewirken, dass ein Teil d r Fasern aneinanderklebt, bezw. mit Teilchen der aufgebrochenen Schäbe verfilzt bleibt.
Das Vorhandensein dieser gummiartigen Substanzen erschwert das Verspinnen der Faser und die Herstellung der Leinongewebe.
Die Entfernung der gummiartigen Substanzen von den Fasern durch den natürlichen Röstprozess ist das Resultat einer Gährung, die beim Weichen der Stengel im Wasser sich in diesem vollzieht. Dieses Röstverfahren ist äusserst langwierig ; es nimmt 7-14 Tage
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der chemischen Röstung vermögen zwar die Dauer der Behandlung erheblich abzukürzen, wirken aber mehr oder minder schädlich auf die Fasern ein. Sofern sie die Fasern mit irgend welcher Flüssigkeit kochen, greifen sie die Fasern stark an, indem der Zusammenhang zwischen den einzelnen Zellen zum Toil zerstört wird. Werden starke chemische Agentien bezw. konzentrierte Lösungen verwendet, so ergibt sich die gleiche Schädigung der Faser schon bei niedrigerer Temperatur, die Faser verliert ihre Geschmeidigkeit und Festigkeit.
Gegenstand der Erfindung ist nun ein Verfahren zum Degummioren und Bleichen von Pflanzenfasern, insl) esondeio Flachs, welches Alkali, Seife u. s. w. nur als ganz sekundäre Hilfsmittel verwendet und die Ablösung der Gummisubstanz bezw. die Entfernung des Farbstoffs in der Hauptsache dadurch erzielt, dass die mechanisch entschälten Fasern löse und jede für sich frei beweglich der Druck-und Reibwirkung von zwischen ihnen durchströmendem Wasser unterworfen werden, indem die lose Fasermasse durch das Wasser hindurch bewegt wird. Die Dauer des Verfahrens kann durch schwaches Erwärmen und durch Zusatz geringer Mengen eines Alkaliborats abgekürzt werden.
Durch die mechanische Wirkung des gegen jede einzelne Faser reibenden Wassers wird der Gummi allmählich, aber keineswegs langsam, in kleinen Partikelchen abgelöst, und in wenigen Stunden ist die Degummierung bezw. Bleichung vollendet, ohne dass die Faser durch chemische Einflüsse oder durch hohe Erwärmung irgendwie in ihren wertvollen Eigenschaften verändert worden wäre.
Die Fasern werden dabei in den. alkalisch gemachten Wasser auf-und niederbewegt,
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der Degummierung zu verhindern, werden sie in wagrechter Lage lose nebeneinander in einen durchlöcherten oder aus Drahtgewebe bestehenden Behälter gebracht und dieser mittels mechanischer Vorrichtungen senkrecht in dem Bad auf- und abwärts geführt.
Versuche haben ergeben, dass zum schnellen und kräftigen Degummieren mittels dieses Verfahrens eine Lösung von 2-4 Gramm Kaliumborat auf den Liter genügt.
Das hierbei verwendete Wasser muss eisen-und kalkfrei sein oder vorher abgekocht werden ; wenn der Flachs eingelegt wird, muss das Wasser warm sein. Eine Temperatur von etwa 200 C wurde schon als genügend befunden.
Zur Behandlung grösserer Flachsmengen wird zweckmässig ein Behälter mit einer Anzahl von geschlossenen Fächern verwendet, deren Böden durchlöchert, deren Seitenwände dagegen voli waren und der in dem Bad senkrecht bewegt wird, um das Wasser zu zwingen, nur in senkrechter Richtung durch die in den Fächern liegenden Fasern zu streichen. Der Zweck der Bewegung der Fasern im Wasser oder, was ebenso wirksam ist, der Behandlung der Fasern mit bewegtem Wasser, ist die Einwirkung des Wasserdruckes auf die Fasern, wodurch die Lösung der gummiartigen Substanzen leicht erfolgt. Sind die Fasern gebündelt. bezw. können sie sich nicht frei bewegen, und werden sie in wagerechter Richtung bewegt, so kann das Wasser nicht hindurchtreten und seine Einwirkung ist dann nur sehr gering.
Auch die Bewegung der Fasern in ihrer Längsrichtung ist verwerflich, da hierbei die Gummisubstanz in das Innere der Fasermenge hineingedrückt werden würde.
Um die auf diese Weise degummierten Fasern von dem in ihnen enthaltenen Farb- stoff zu befreien, ohne zu dem bisher gebräuchlichen und langwierigen Bleichprozess zu greifen, bringt man den Behälter mit den degummierten Fasern in ein schwach mit Seifenwasser versetztes Bad von etwa 380 C und bewegt sie darin in wagrechter Richtung ; die Fasern sind dann in kurzer Zeit (oft schon in einer Stunde) entfärbt. Die anzuwendende Seifenmenge wechselt er. tsprechend der Qualität des Flachses.
Diese Bleichmethode ist nicht auf mechanisch entschälte Fasern beschränkt, kann vielmehr auch bei den auf die alte Weise gerösteten Fasern Verwendung finden. Unter Umständen kann man zur Beschleunigung des ganzen Verfahrens das Degummieren und Entfärben entschätter Fasern in einem einzigen Bad vornehmen. Zu diesem Zweck verwendet man eine schwache Lösung eines Alkaliborats, in welcher eine gewisse Menge Seife gelöst ist, bei etwa 380 C und die entschälten Fasern werden, wie oben beschrieben, in diesem Bade bewegt. Bei dieser Behandlung können die Fasern schon in einer halben Stunde gereinigt sein.
Nach dem Degnmmieren und Entfärben werden die Fasern aus dem Behälter genommen, durch Ausringen zwischen Quetschwalzen on dem gelösten Gummi und der Farbsubstanz befreit und dann, eventuell in dem gleichen Fäcberkasten, wie oben, in klarem Wasscr hin-und herbcwegt und gewaschen. Nach dieser Behandlung sind die Fasern null- sot, : dig voneinander getrennt, von Gummi und Farbstoff befreit und haben ein weites oder grauweisses Aussehen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1.) Verfahren zum Degummieren und Entfärben von entschätten Pflanzenfasern, ins- besondere Flachs, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern lose und frei beweglich in durch- brochene Behälter eingelegt und diese Behälter senkrecht dnrch Wasser hindurchbewegt werden.