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Verfahren zur Gewinnung eines hellen, leicht bleichbaren und nicht
wieder verfärbenden Palmkernöls. Die Palmkerne, die Samen aus den Früchten von Elais
guineensis, gehören zu den Ölfrüchten, die seit einiger Zeit eine steigende Bedeutung
gewinnen. Das aus ihnen erhältliche Öl kommt chemisch dem Kokosnußöl sehr nahe.
Bezüglich seines technischen Verhaltens indes weist es einige Eigenschaften auf,
die nicht nur die Bleichung mit den üblichen Mitteln sehr erschweren, sondern die
auch seine sonstige Verwendung schwierig machen, insbesondere weil es bei der Erhitzung,
z. B. bei der Raffination, sich wieder verfärbt.
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Es wurde nun festgestellt, daß diese Übelstände von mehr oder weniger
großen Spuren von Palmöl herrühren, die teils in Form einer Durchtränkung der äußeren
Teile der Palmkerne vorliegen, teils auch aus den Trümmern von Schalen oder Kernen
selbst herrühren, die im Handelsprodukt immer vorhanden sind.
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Es ist bekannt, daß Palmöl nicht mit den üblichen Mitteln gebleicht
werden kann. Man muß besondere Bleichverfahren anwenden, insbesondere solche, die
auf energischer Oxydation beruhen. Diese Oxydationsverfahren können aber nicht auf
Pahnkernöl angewendet werden, und es genügen daher die Spuren Palmöl, die in der
Handelsware vorhanden sind, um die Bleichung des Pahnkernöls schwierig und die Gefahr
der Wiederverfärbung nahehegend zu machen. -Gegenstand der vorliegenden Erfindung
ist nun ein Verfahren, um das Palmkernöl in einer bleichbaren und sich bei späterer
Erhitzung nicht wieder färbenden Form zu gewinnen. Das Verfahren besteht im wesentlichen
darin, den Palmkernen vor ihrer Pressung oder Extraktion zwecks Ölgewinnung die
beigemischten schädlichen Spuren von Palmöl zu entziehen. Dieses kann auf verschiedenem
Wege geschehen. So beispielsweise durch «Taschen mit Wasser, und zwar vorwiegend
heißem oder kochendem Wasser. Zu diesem Zweck werden die Palmkerne zunächst durch
Sieben in den bei der Ölgewinnung üblichen Vorrichtungen vom Staub-und dem beigemischten
Bruch befreit und sodann der Einwirkung eines Stromes von heißem oder kochendem
Wasser unterworfen.
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Eine derartige Behandlung ist genügend, um, praktisch genommen, sämtliches
Palmöl aus den Kernen zu entfernen, und wenn die Kerne dann in üblicher Meise gepreßt
oder extrahiert werden, so erhält man ein Öl, das nicht nur heller ist als das übliche
Palmkernöl, sondern das auch mit den üblichen Bleichmitteln, wie sie für Kokosnußöi
benutzt werden, gebleicht werden- kann.
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Diese Behandlung mit heißem Wasser hat den Vorteil, daß sie in jedem
Apparat durchgeführt werden kann, der die notwendige Bewegung des Materials gestattet,
um das Palmöl aus der Samenhaut der Kerne zu entfernen, und mit denen man- eine
methodische Gegeneinanderbewegung
der Kerne und des Wasserstromes
herbeiführen kann, am besten derart, daß das frische Wasstr an der Seite eintritt,
an der die gewaschenen Kerne austreten, und an der Stelle als Schmutzwasser austritt,
wo die rohen Kerne in die Wäsche eintreten. Diese Bedingungen «erden z. B. erfüllt
durch einen Trog, der mit einer Transportschnecke ausgerüstet ist, die gleichzeitig
als Rührwerk wirkt. In einem derartigen Trog werden die Kerne und das Wasser in
der eben beschriebenen Weise gegeneinanderbewegt. Zweckmäßig ist der Trog gegenüber
der Austrittsöffnung der Kerne auf eine bestimmte Strecke hin perforiert, so daß
die Kerne, wenn sie an diese Stelle gelangen, abtropfen können. Der Wasserrest,
der den Kernen noch anhaftet, schadet, wenn die Ölgewinnung aus den Kernen durch
Pressen geschieht, nichts. Wenn die Kerne dagegen mit Extraktionsmitteln behandelt
werden sollen, ist s zweckmäßig, sie erst zu trocknen. Ein solcher Gegenstromtrogapparat
von beispielsweise halbkreisförmigem Querschnitt hat bei einer Länge von 12m und
einer Breite von 6o cm einen stündlichen Durchsatz von 2500 kg Kernen. Der
Durchmesser des zylindrischen Teiles und der annäherndes Durchmesser der C chnecke
beträgt etwa 6o cm. Die Dauer des Durchsatzes des Materials, also die Dauer des
Aufenthaltes der Kerne im heißen M'asser, betrugt bei Apparaten dieses Ausmaßes
etwa JIinuten. Selbstverständlich geben diese "Zahlen nur -2in Beispiel, und es
können die gleichen Ergebnisse auch mit Vorrichtungen anderer Abmessung erreicht
werden. Das N\ aschwasser kann dem Apparat bereits in heißem Zustande zugeführt
werden. Es kann aber auch in den Apparat während der Behandlung der Kerne durch
Einleiten von direktere Dampf auf die nötige Temperatur gebracht «erden. Ebenso
können auch Waschzentrifugen, ähnlich wie sie in der Textilindustrie verwendet werden,
und ferner auch die gleichen Apparate Verwendung finden, wie sie bei der ßleicherei
von Ölen mittels Fullererde oder "1 ierkolile benutzt werden.
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Voraussetzung ist irnmsr nur, daß der Apparat eine innige Berührung
zwischen dem heißen Wasser und den Palmkernen gestattet.
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An Stelle der Wüsche mit heißem Wasser kann der "/.weck auch erreicht
werden dadurch, daß man dem Wasser Alkali zusetzt. Die Einrichtungen sind dieselben,
doch kann für glieche Kapazität, da die Aufnahmefähigkeit des alkalisierten Wassers
für das Palmöl eine bessere ist als die des reinen Wassers, das Ausmaß der Apparate
kleiner gewählt werden.
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Am schnellsten gelingt die Entfernung des Palmöls durch Behandeln
der Kerne mit Fettlösungsmitteln. Der Palmkern hat eine sehr kompakte Struktur,
und die äußere Samenbaut ist fast undurchlässig gegenüber Fettlösungsmitteln. Infolgedessen
kann man ohne erhebliche Verluste an Palmkernöl befürchten zu müssen, die Kerne
mit geeigneten Fettlösungsmitteln wie Benzol, Benzin o. dgl. behandeln. Da nur unverletzte
ganze Kerne behand31t werden, so greift das Lösungsmittel lediglich die äußere Samenhaut
an und extrahiert aus dieser die Spuren dort vorhandenen Palmöls, wozu 2eine verhältnismäßig
kurze Behandlungszeit notwendig ist. Die Apparate für diesen Zweck können die üblichen
Extraktoren oder auch zu diesem Zweck eigens konstruierte Apparate mit kontinuierlichem
Betrieb sein. Eine Behandlung von einer halben Stunde ist zur Erreichung des Zweckes
vollkommen genügend. 1`as durch die Extraktion gewonnene Palmöl zuzüglich der Spuren
mitgelösten Palmkernöls bewegt sich um i Prozent bei Anwendung de: doppelten Gewichtes
Lösungsmittel von dem Gewichte der behandelten Kerne.
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Selbstverständlich führt auch die Anwendung jedes anderen Reinigungsmittels
zum Ziel, vorausgesetzt nur, daß es geeignet ist, die Spuren Palmöl aus den Kernen
zu entfernen.