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Rohrrücklaufgeschütz. Die Erfindung betrifft eine weitere Ausbildung
des durch Patent 4¢5 552 gekennzeichneten Rohrrücklaufgeschützes, bei dem das Rohr
unabhängig vom Bodenstück (dem Verschluß ) aus der Feuerstellung in die Ladestellung
geschwenkt werden kann.
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Nach einer Ausführungsform dieser Einrichtung ist das Rohr gegenüber
dem Bodenstück um eine die Seelenachse in einem Abstand von mindestens der Größe
des Radius des Kartuschhülsenrandes kreuzende Achse schwingbar gelagert, so daß
sofort zu Beginn des Aussch«-ingens des Rohrs aus der Feuerstellung der ganze Kartuschhülsenboden
nach vorn vom Stoßboden des stehenbleibenden Bodenstücks abrückt und Stoßboden und
Kartuschhülsenboden als ebene Flächen ausgebildet sein können.
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Mit diesem Abstand zwischen Schwenkachse des Rohrs und der Seelenachse
tritt jedoch beim Schuß am Rohr ein Drehmoment auf, das dieses gegenüber dem Bodenstück
aus der Feuerstellung in die Ladestellung auszuschwenken versucht. Hierbei werden
die V erriegelungsorgane zwischen Rohr und Bodenstück, die am hinteren Rohrende
gelagert sind und dieses mit dem Bodenstück zur Verhinderung des Ausschwingens kuppeln,
um so mehr beansprucht, je näher die Drehachse des Rohrs an die Verriegelungsorgane
herangerückt ist. Bei den bekannten Ausführungen sitzen die Schwenkzapfen am Rohr
in seinem Schwerpunkt, also etwa in der Mitte der Rohrlänge oder dahinter, ihr Abstand
von den V erriegelungsorganen ist gering, und das beim Schuß auftretende Drehmoment
des Rohrs äußert sich an diesem mit starker Kraftwirkung.
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Zweck und Ziel der Erfindung ist es, eine Einwirkung dieses Drehmoments
des Rohrs beim Schuß auf die Verriegelungsorgane möglichst auszuschalten. Dies wird
erfindungsgemäß einmal dadurch erreicht, daß die Schwenkachse zwischen Rohr und
Bodenstück am Rohr im vorderen Drittel der Rohrlänge angeordnet oder über die Rohrmündung
hinaus nach vorn verlegt ist. Durch den so gewonnenen langen Hebelarm zwischen Schwenkachse
des Rohrs und den Verriegelungsorganen wird das beim Schuß auftretende Drehmoment
des Rohrs wirksam abgefangen; die Belastung und somit auch die Abnutzung der Verriegelungsorgane
ist gering.
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Meist werden noch bei derartigen . Geschützen die Schwenkzapfen des
Rohrs von
dem auf das Rohr beim Schuß nach vorn wirkenden Gasdruck
teilweise durch um die Drehachse konzentrisch verlaufende Führungsleisten am hinteren
Rohrende entlastet, die in entsprechende Nuten des Rohrbodenstücks eingreifen. Für
diesen Fall ist nach der Erfindung die vordere, die Drehachse zum Ausschwenken des
Rohrs in die Ladestellung bildende kohrlagerstelle derart ausgebildet, daß sie eine
Längsverschiebung zwischen Rohr und Bodenstück in Richtung der Seelenachse zuläßt.
Dies kann entweder dadurch geschehen, daß am Rohr sitzende Schwenkzapfen in Richtung
der Seelenachse nach vorn mit Spiel in den Lagern des Bodenstücks ruhen, oder das
Rohr ist in einer Büchse verschieblich gelagert, die mittels Schwenkzapfen im Bodenstück
drehbar ruht. Dadurch wird der ganze, das Rohr beim Schuß nach vorn reißende Gasdruck:
durch dessen hintere Führungsleisten abgefangen, und es äußert sich auf die Verriegelungsorgane
zur Verhinderung des Auskippens des Rohrs in die Ladestellung nur ein ganz geringer
Teil des Drehmoments des Rohrs beim Schuß, indem dessen größter Teil durch die zwischen
den Führungsleisten des Rohrs und den entsprechend geformten Nuten des Bodenstücks
bestehende Reibung aufgezehrt wird.
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Die gleichzeitige Anordnung der so ausgebildeten Drehachse des Rohrs
im vorderen Drittel der Rohrlänge gibt den Führungsleisten am hinteren Rohrende
eine solche Form, daß das Drehmoment des Rohrs beim Schuß durch die zwischen den
Führungsleisten des Rohrs und den entsprechend geformten :,,uten des Rohrbodenstücks
auftretende Reibung ganz aufgehoben wird und die Verriegelungsorgane gegen Auskippen
des Rohrs in die Ladestellung vollkommen entlastet bleiben.
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Die Zeichnung veranschaulicht ein Ausführungsbeispiel der Erfindung;
es zeigt Abb. r eine Seitenansicht des Rohrrücklaufgeschützes im Schnitt mit dem
Rohr in der Feuerstellung, Abb. 2 eine Seitenansicht des Geschützes im Längsschnitt
mit in die Ladestellung ausgeschwungenem Rohr und Abb.3 eine Ansicht in Parallelperspektive
des aus Bodenstück und darin schwenkbarem Laufteil bestehenden Rohrs mit in die
Ladestellung ausgeschwungenem Laufteil.
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Das Geschützrohr besteht aus dem eigentlichen, zugleich das Patronenlager
aufnehmenden Laufteil a und einem davon getrennten, die hier nicht gezeichnete Abfeuerungsvorrichtung
enthaltenden Bodenstück b. Das Bodenstück b (der Verschluß) ist nach vorn zu einem
U-förmigen Rahmen mit einer Bodenplatte bl und zwei dazu senkrechten geraden Seitenwangen
b2 verlängert. Es ist mittels der Führungsleisten bg als Schlitten längsverschiebbar
auf einer Wiege c bekannter Art gelagert, die die Brems- und Vorholeeinrichtung
enthält und mittels Schildzapfen cl in der Unterlafette c2 in senkrechter Ebene
schwenkbar ruht. Ein Hornansatz b4 am Bodenstück b stellt die Verbindung des Rohrs
mit der Brems- und Vorholeeinrichtung her. Im vorderen Teil des Bodenstückrahmens
ist der Laufteil a um die wagerechten Schildzapfen d schwenkbar gelagert. Die Schwenkzapfen
d sitzen am Rohr erfindungsgemäß kurz hinter der Rohrmündung und unterhalb der Seelenachse
im Abstand des Radius des Kartuschhülsenrandes einer zugehörigen Patrone. Die Lagerstellen
br, für die Rohrschwenkzapfen d in den Seitenwangen b1 des Bodenstücks b sind als
in Richtung der Seelenachse nach vorn offene Gleitlager ausgebildet.
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Außerdem ist der Laufteil a am hinteren Ende auf jeder Seite mit einer
segmentförmigen, zur Laufteilschwenkachse d konzentrisch verlaufenden Führungsleiste
a1 versehen, die in entsprechend geformten Nuten b8 der Seitenwangen b1 geführt
sind und den Laufteil a gegen Längsverschiebung im Bodenstück festhalten.
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Das Ausschwenken des Laufteils a aus der Feuerstellung (Abb. r) in
die Ladestellung (Abb.2) erfolgt durch Schwenken des im Bodenstück b gelagerten
Griffhebels e, der vermittels des mit ihm fest verbundenen Kurbelarms e1 den Laufteil
a hinten anhebt. Zur Begrenzung der Ausschwingbewegung des Laufteils a nach oben
können die lösbar in das Bodenstück b eingesetzten Anschlagstücke f dienen, die
in bekannter Weise den Auswerfer g zum Ausziehen einer Kartuschhülse nach hinten
schwenken. Die Verriegelung des Laufteils a in der Feuerstellung mit dem Bodenstück
b gegen Ausschwingen in die Ladestellung erfolgt in bekannter Weise durch einen
im Laufende verschiebbar gelagerten, hier nicht gezeichneten Gleitstein, der, vom
Öffnerhebel zwangläufig gesteuert, sich in eine entsprechend geformte Rast des Bodenstücks
b einlegt.
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Der beim Abfeuern eines Schusses auf den Rohrlaufteil a im Sinne seiner
Verschiebung nach vorn gegenüber dem Bodenstück b wirksam werdende Gasdruck wird
vollkommen von den hinteren Laufhalteleisten a1 aufgefangen, während die vordere
Laufdrehachse d hiervon entlastet bleibt. Die durch die Erwärmung und den Innendruck
bedingte Längsausdehnung des Laufteils a nach vorn kann ungehindert vonstatten gehen;
hierbei verschieben sich die Laufschwenkzapfen d nach vorn in den Lagerstellen bfi
des Bodenstückrahmens. Das Drehmoment, unter dem
der Laufteil a
beim Schuß um seine Schwenkzapfen d gegenüber dem Bodenstück b nach
oben auszuschwingen sucht, wird ebenfalls ganz oder zum größten Teil durch die zwischen
den hinteren Halteleisten a1 des Laufteils a und den entsprechenden Führungsnuten
bl; im Bodenstück b bestehende Reibung aufgezehrt, so daß die Verriegelungsorgane
zur Verhinderung des Auskippens des Laufs a ganz entlastet sind oder nur einer geringeren
Belastung unterliegen.
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Die Drehachse zwischen Laufteil a und Bodenstück b kann auch, anstatt
durch die Schildzapfen d, von einer unten am Laufteil a
befindlichen
Kurvenfläche gebildet sein, die unmittelbar auf der Bodenplatte b1 des Bodenstückrahmens
aufliegt. Dieser selbst kann gegebenenfalls bis über die Laufmündung hinaus nach
vorn verlängert und die Laufschwenkachse d in diesem vor der Mündung liegenden Teil
angeordnet sein. Die Lagerstellen b' im Bodenstück für die Lauf schwenkzapfen d
sind zum bequemün Herausnehmen des Laufs aus <lern Bodenstück nach vorn offen.
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Die kastenförmige Ausbildung des Bodenstücks b mit kräftigen, bis
über die Laufoberkante hochragenden und sich annähernd über die ganze Lauflänge
nach vorn erstreckenden Seitenwangen b= bezweckt, den Gesamtschwerpunkt der beim
Schuß zurücklaufenden Massen möglichst nach oben bis in die Seelenachse zu rücken.
Die S:itenwangen b= verlaufen geradlinig und weisen keine die Herstellung und Bearbeitung
erschwerenden Vorsprünge auf. Der fast durchweg walzenförmige Lauf a ist vorn an
der die Schildzapfen d tragenden Stelle als Vierkanta= ausgebildet, das den Bodenstückrahmen
bl-b2 nach vorn abschließt. Eine Deckplatte a' am Laufteil a bildet den oberen Abschluß
für den U-förmigen Bodenstückrahmen, so daß sich (las Rohr, voll der Laufmündung
abgesehen, als vollkommen geschlossener Vierkantkörper ohne vorstehende Teile darstellt.
Die Führungs- und Verriegelungsorgane zwischen Laufteil und Bodenstück liegen verdeckt,
si: sind gegen Verschmutzung gesichert, und das Rohr als Ganzes ist, angewendet
bei einem zerlegbaren Geschütz, in der Form handlich für den Transport und, beispielsweise
auf Tragtieren, leicht zu verpacken.