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Verfahren zur Gewinnung von Öl aus Milch. Die Erfindung betrifft ein
Verfahren zur Gerinnung von Öl aus Milch, bei dem der abgeschiedene Rahm mit Wasser
von einer Temperatur zwischen 38 bis ioo° C in einer :Menge gemischt wird, welche
das Aufsteigen der Fetteilchen in öliger Schicht bewirkt.
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Gemäß vorliegender Erfindung wird dieses Verfahren dadurch weiter
ausgebildet und verbessert, daß der Rahm vor der Behandlung finit dem warmen Wasser
zweckmäßig bei einer Temperatur zwischen io bi, iü- C mit so hoher Geschwindigkeit
gerührt oder geschlagen wird, daß ein Zusammenballen der Fetteilchen eintritt. Auf
diese Weise wird ein bis zu 98 bis ioo° C reines 0I gewonnen, aus dein ini wesentlichen
alles Kasein und Wasser entfernt ist. Das ü1 ist demzufolge außerordentlich haltbar,
viel haltbarer als die Butter selbst, so daß es zur Erzeugung von Kunstmilch, Kunstrahm,
Speiseeis und Kunstbutter in vorteilhafter Weise Verwendung finden kann.
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Bei allen bisher bekannten Verfahren zur Gewinnung von Öl aus Milch
war es, um ein von Kasein, Milchzucker und anderen, bakteriellen Angriffen unterworfenen
Stoffen freies (31 zu gewinnen, notwendig, Chemikalien, seien es Säuren oder
Alkalien, zu verwenden. Ohne derartige Zusätze war bisher ein vollkommen reines
U)1 nicht zu erzeugen. Diese chemischen Zusätze erteilen aber dem Öl einen fremden
Geschmack, der sofort bemerkbar wird, wenn das Öl zur Herstellung von htitistbtitter,
Kunstmilch oder Kun,;trahni verwendet «-erden -soll. Dieser Übelstand wird durch
das auf rein mechanischem Wege arbeitende vorliegende Verfahren vollkommen beseitigt.
Das neue Verfahren verläuft in folgender Weise: Zunächst wird die Milch mit Hilfe
eines gewöhnlichen Entrahrners in Magermilch und Rahm getrennt, so daß .der Rahm
einen Prozentgehalt an Butterfett von etwa 4o bis 3o Prozent hat (unter Umständen
kann dieser Prozentgehalt durch Hinzufügung von Wasser auf 30 Prozent verringert
werden).
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Dieser praktisch alles Fett der Milch enthaltende Rahm wird nun gerührt
oder geschlagen, bis er in eine schaumige Masse, ungefähr nach Art der Schlagsahne,
übergeht. Das Rühren oder Schlagen kann auf verschiedene Weise, z. B. durch einen
gewöhnlichen Eiweißschläger, eine umlaufende Scheibe, einen Butterstößer oder einen
Speiseeisgefrierer geschehen. Alle diese 'Mittel müssen mit sehr hoher Geschwindigkeit
angetrieben werden. Die schaumige Masse kann aber auch durch Einführung von Druckluft
in den Rahni erzeugt werden. In allen Fällen bilden sich als Begleiterscheinung
Luftblasen innerhalb des Rahmes, vor allen Dingen wird aber erreicht, daß die in
dem natürlichen Rahin fein verteilten Fetttröpfchen in Form von kleinen Klümpchen
zusammenballen. Diese Fettklümpchen sind nicht groß genug, um mit unbewaffnetem
Auge sichtbar zu sein, wie sie es bei dem gewöhnlichen Verfahren zur Erzeugung von
Butter sind. Sie können mir unter dem Mikroskop als scharf abgegrenzte Teilchen
innerhalb des' NIilchseruins erkannt
«-erden. Die Wirkung dieses
Schlagens oder Rührens ähnelt also in gewisserWeisederHerstellung von Butter. bei
der die Kleinheit der Fetteilchen nur mikroskopisch feststellbar ist.
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Durch das L-inrühren oder Schlagen finit hoher Geschwindigkeit, las
sich durch diese Geschwindigkeit von dem gewöhnlichen Butterungsverfahren unterscheidet,
wird die Dauer des Verfahrens abgekürzt. Bei den Schlagen kann die Drehgeschwindigkeit
des hierzu benutzten Werkzeuges 500 bis 3000 Umdrehungen pro
Minute betragen, >O (Maß dieser Teil des Verfahrens in einer bis drei Minuten erledigt
ist (beim gewöhnlichen Buttern wird im Gegensatz hierzu fier Rahen nur leicht oder
langsam mit einer Geschwindigkeit von .to bis 5o Umdrehungen pro Minute bearbeitet,
so @laß der \,0rgatig 4o bis ho Minuten in Anspruch niirnnt ).
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Die so gewonnene 'fasse wir;1 min mit beißein Wasser von einer Temperatur
zwisChen 38 bis i00= t' gemischt. Es beginnt :tann las Butterfett sich sofort zu
trennen, in lern es als gelhes ()1 auf r1er Oberfläche des Bades oder der Wassermenge
schwinnnt, während ilie übrigen Be:taarlteile des Rahmes einschließlich der etwa
vorhandenen Magermilch entw-erier innerhalb 'e r unter dein Fett o0er (51 liegenden
Wasserschicht in 1J;sung verbleiben (xler sich auf dein Boden absetzen. Auf diese
Weise wird eine vollkommene und zufriedenstellende Trennung- Tees O1es von 'en anderen
Bestandteilen erreicht.
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Das (iI «-irl dann von dein Wasser befreit, indem inan die'fi,rhung-
t-(in c`51 und heißem Wasser durch einen gew@linlichen 7entriftigalseparator laufen
ließt. Diese i )lseparatoren sind allgemein bekannt und von den gewöhnlichen Entrahintingszentrifttgen
zu unterscheiden, (la letztere für dieses Arbeitsstadium nicht verwendbar «-ären.
jeder Versuch, Milchfett nder Butteröl unmittelbar von der Milch finit Hilfe von
f )lseparatoren zti trennen, würde cheitern. Mit Hilfe des vorliegenden Verfahrens
wird jedoch das 01 schnell und vollkommen in reinem und unverändertem Zustande gewonnen.
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Wenn das Ausgang>material Rahen ist, so kann naturgemäß das erste
Verfahrensstadium (Zerlegung der Milch in Rahen und Magermilch) wegbleiben.
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Wenn '#7,iißralim bearbeitet wird. so erfor,dert (las gewünschte Zusaniinienballen
der Fetteilchen eine etwa; längere Zeit als bei saalrein Ralini.
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Bei saurem, der Dickmilch ähnlichem Rahm wird .die Bearbeitung durch
Rühren oder Schlagen unterstützt, wenn während dieser Bearbeitung (lern Rahen Wasser
zugefügt wird. Dieses verdünnt die Dickmilch und gestattet eine vollständigere und
bessere Abscheklung der Fettbestandteile. Der gewöiniliche flüssige saure Rahen
wird, wenn er geschlagen wird, ebenso wie der Süßrahm, zti einer schatlinfi)rtnigen
Masse umgewandelt. Die Trennung des U)les findet heim Zusatz von Wasser schneller
statt als bei geschlagenem '#,üßrziliin. Die verdickten Bestandteile fles sauren
Ralrnes setzen sich ain Boden des Behälters ab.
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Als Ausführungsbeispiel möge folgendes dienen: Rahen finit
30 Prozent Butterfettgehalt wird bei einer Temperatur zwischen io und i6°
C, vorzugsweise al.er hei i3=, durch ein schnellaufendes Rührwerk mit 5oo bis
3000 Umdrehungen in etwa -h-ei 'Minuten zu Schatten geschlagen. Zu fier geschlagenen
Masse wird mindestens das Zwanzigfache des Rahmvolumens an Wasser, und zwar bei
einer Temperatur zwischen 65 und ioo° C, zugesetzt. Vorzugsweise beträgt die Wassertemperatur
7o° C. Wird dann die Masse der Ruhe überlassen, so setzt sich das Fett in einer
öligen Schicht auf dein Wasser ab. Bei Verw-endung von Süßrahm finit einem Sätiregehalt
voll X z oder weniger befindet sich das Kasein in Lösung und wir! durch die Hinzufiigung
von Wasser verdünnt, so fraß da, Fett leicht und schnell aus der Masse aufsteigt.
Bei Veriven @iung von saurein Rahen inuß dieser zweckmäßig einen Säuregehalt von
X 9 oder mehr haben, damit eine genügende Koagulierung und Ausfällung des koagulierten
Kaseins durch die Hinzufügung heißen Wassers eintritt, so daß das Kasein hier lurch
t-(in dein i-nI oder Fett, welches die M#'Orin einer Olschicht annimmt, getrennt
wir-'.
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Da, gewonnene i:)1 ist rein, in seiner 7usaminensetzung unverändert
und weder im Geschmack noch ini Geruch nachteilig beeinflußt. Das I;ndprodula ist
also für eine Vertvendung zur Rahmherstellung. für Speiseeiszwecke oder von 'Milch
allen bisherigen Proflukten überlegen. Bei der ZWiederlierstelltilig von Rahm orler'Milch
finit Hilfe -leiils wird dieses finit Magermilch oder auch mit 'Milchpulver und
heißere Wasser vermischt. wodurch von neuem eine lanuls,ion erzielt und eine Milch
oder ein Rahen gewonnen wird, vier z. B. insbesondere zur Herstellung von Speiseeis
geeignet ist. Das aal kann auch in Butter rückverwandelt werden, indem es mit Magermilch
oder heißen Wasser tt=id Milchpulver geschüttelt wird.
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Naturgemäß sind bei lern neuen Verfahren gewisse Einzelheiten besonders
zu beachten, lie sich aber nach den praktischen Uniständen durch Versuche feststellen
lassen, so die Temperatur des Rahmes, sein Säuregehalt, die 'Menge fies Wasserzusatzes,
#lie Temperatur des Wassers u. dgl.
Unter >>.Rahin,#, ist jedes
durch Trennung von der Milch gewonnene Erzeugnis zu verstehen, das geeignet ist,
bei mechanischer Schlag- oder Rührbearbeitung zusammengeballte Fetteilchen zu ergeben.