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Tonungsverfahren für. photographische Silberauskopierbilder. Gegenstand
der Erfindung ist ein Schwefeltonungsverfahren für photographische Silberauskopierpapiere,
bei dem zur Erzielung von Platintönen noch ein Selentonbad in Anwendung kommt. Es
findet dabei in dem zuerst anzuwendenden Schwefeltonbad nur insoweit die Ersetzung
des metallischen Silbers im Bilde durch Silbersulfid statt, daß die Halbtöne und
Lichter des Bildes noch nicht in die gelbbraune, später ein Ausbleichen und Gelbwerden
verursachende Modifikation des kolloiden Schwefelsilbers übergegangen sind, indem
die Einwirkung des Sulfidtonbades auf das Silber des Bildes unterbrochen wird, sobald:
die helleren Bildpartien in die braunschwarze Form des kolloiden Silbersulfides
übergeführt sind.
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In dem zweiten danach anzuwendenden Selentonbad findet eine j e nach
der Tonungsdauer niehr oder weniger weitgehende Umwandlung der Bildsubstanz aus
noch vorhandenem Silber in Silberselenid statt, wobei fast reinschwarzes Silberselenid
gebildet wird. Dabei wird ein Gelbwerden oder Ausfressen der Lichter oder Halbtöne,
das bei längerer Tonungsdauer nach bisher bekannten Selentonungsverfahren nicht
vermieden werden kann, insbesondere dadurch ausgeschaltet, daß nach der vorher angewandten
Sulfidtonung die Bildsubstanz der bezeichneten Bildpartien vorwiegend aus Silbersulfid
besteht, welches weniger der Einwirkung der Selentonungslösungen zugänglich ist-
als metallisches Silber. Durch das Zusammenwirken des .schwarzen Silberselenids
und des.braunschwarzen Silbersulfids als vorwiegende Bildsubstanz entsteht ein Platinton.
Die Haltbarkeit der nach vorliegendem Verfahren getonten Bilder ist der der edelmetallgetonten
gleichwertig, sofern, was Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist, vor Anwendung
des Sülfidtonbades durch Einschaltung eines zweiten Fixierbades mit nachfolgender
gründlichster Wässerung dafür Sorge getragen wurde, daB in den mittels Sulfid zu
tonenden Bildern weder unterschwefligsaure Silberverbindungen noch Reste der Natriumthiosulfatlösung
vorhanden sind. Zugleich wird dadurch die bei den bisher bekannten Schwefeltonungsverfahren
für Silberauskopierpapiere meist unvermeidliche Gelbfärbung in Halbtönen und Lichtern
vermieden.
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Als Beispiel der Arbeitsweise, deren es verschiedene gibt, diene folgende:
Die aus dem Kopierrahmen entnommenen, ziemlich kräftig kopierten Silberbilder auf
Auskopierpapieren werden fixiert in z ooo ccm Wasser, 5 gKaliummetabisulfit, 8o
g Natriumthiosulfat. Dauer der Einwirkung dieses Bades ist sechs bis acht Minuten;
aus diesem Fixierbade saurer Reaktion gelangen die Bilder sofort; ohne Zwischenwässerung,
in ein frisches Fixierbad aus z ooo ccm Wasser, 8o g Natriumthiosulfat, worin sie
ebenfalls für 6 bis 8 Minuten verbleiben. Nach dem zweiten Fixierbad wird in bekannter
Weise mit mindestens achtmaligem Wasserwechsel gewässert. Sorgfältiges Fixieren
in den beiden Fixierbädern und sorgfältiges Auswässern ist erforderlich.
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Zur Bereitung des nun anzuwendenden Sulfidtonbades
stellt
man sich als Vorratslösung eine Auflösung von 2o g Bariumsulfid in i ooo ccm Wasser
her. Man schüttelt diese Vorratslösung alsbald nach dem Ansetzen derselben mehrmals
auf und läßt dann absetzen, ; wobei sich über einem unlöslichen Bodensatz eine klare,
hellgelbe Flüssigkeit ergibt. Unter Benutzung dieser klaren überstehenden Flüssigkeit,
die vor Licht geschützt in verschlossener Flasche gut haltbar ist, stellt man sich
das Gebrauchssulfidtonbad nach folgender Vorschrift her: - i ooo ccm Wasser,
30 ccin i der klaren Schwefelbariumlösung, io ccm Ammoniak. In diesem Sulfidtonbade
verbleiben die Bilder, bis dieselben eine etwa dem normalen Photographiegoldton
entsprechende Farbe angenommen haben. Es sind dazu ungefähr zwei Minuten erforderlich.
Unmittelbar aus dem Sulfidtonbade werden die Bilder in eine Schale mit reichlich
Wasser übertragen, das man durch einige Tropfen starker Kaliumpermanganatlösung
auf hellrose Farbe gebracht hat. Diese stark verdünnte Kaliumpermanganatlösung wirkt
als Unterbrecherbad, indem sie die letzten Reste des in der Bildschicht und im Papierfilz
enthaltenen Sulfids zerstört. Man läßt noch ein zweites, evt. bei vielen Bildern
auch noch ein drittes, mit wenigen Tropfen starker Kaliutnpermanganatlösung versetztes
Wasserbad folgen und wässert zwei oder drei Mal in klarem Wasser.
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Darauf wird sofort die zweite Tonung mittels Selen vorgenommen. Als
Tonbad dient folgendes Bad: i ooo ccm Wasser, 20 bis 3o ccm der im Händel unter
dem Namen »Senol« erhältlichen Selentonungslösung (nach Patentschrift 28067g und
296oog bestehend aus 35 g Ammoniumthiosulfat, 0,32 g N atritunselenosulfat,
15 g Natritunsulfit, gelöst in i 1 Wasser), io ccm Ammoniak. Es können jedoch auch
andere geeignete Selentonungslösungen verwendet werden. In dein Selentonungsbad
nehmen die Bilder nach etwa 2 his 3 Minuten den gewünschten schwarzen bis schwarzbraunen,
bei längerem Verweilen auch schwärzlichgrünen, Platinton an. Sofort nach Erreichung
des gewünschten Bildtones werden die Bilder wiederum in mit wenigen Tropfen starker
Kaliumpermanganatlösung versetztes Waschwasser übertragen. Ebenso findet als zweites
Wasserbad eine solche sehr stark verdünnte Kaliumpermanganatlösung Verwendung. Zuletzt
wird bei zwei- bis dreimaligem Wasserwechsel in klarem Wasser gewässert.