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Verfahren zur Herstellung von bakterizidem 3,6-Dimethoxy-4-sulfanilamidopyridazin
Das neue Sulfanilamidopyridazin der Erfindung wird durch die Formel
wiedergegeben. Diese Verbindung wird in an sich bekannter Weise durch Kondensation
von 3,6-Dimethoxy-4-aminopyridazin der Formel
mit einem p-Acylaminobenzolsulfonylhalogenid in Gegenwart eines Lösungsmittels und
gegebenenfalls eines Halogenwasserstofl'akzeptors und Hydrolyse des so erhaltenen
3,6-Dimethoxy-4-(p-acylaminobenzolsulfonamido)-pyridazins der allgemeinen Formel
hergestellt. Der zum Schutz der p-Aminogruppe des erwähnten Acylaminobenzolsulfonylhalogenids
vorhandene Acylrest kann z. B. Formyl, Acetyl, Propionyl, Butyryl, Äthoxycarbonyl
oder Benzoyl sein. Das Halogen des Sulfonylhalogenids kann Chlor oder Brom sein.
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Die bei der Kondensation der Ausgangskomponenten einzuhaltenden Reaktionsbedingungen
sind im wesentlichen den bei der Herstellung bekannter Sulfonamidverbindungen angewendeten
gleich, d. h. beide Reaktionspartner werden in etwa äquimolaren Mengen zwischen
15 und 100° C, vorzugsweise zwischen 25 und 60°C, in Gegenwart eines Lösungsmittels
wie Wasser, Methanol, Äthanol, Propanol usw, und gegebenenfalls eines Halogenwasserstoff
akzeptors wie Pyridin, Alkalicarbonat, Alkalibicarbonat usw. umgesetzt. Pyridin
ist sowohl als Lösungsmittel als auch als Halogenwasserstoffakzeptor brauchbar.
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Das so gebildete 3,6-Dimethoxy-4-(p-acylaminobenzolsulfamido)-pyridazin
der allgemeinen Formel (III) wird zusammen mit einer wäBrigen oder alkoholischen
Lösung einer verdünnten Säure- oder Alkalilösung einige Zeit (z. B. 10 Minuten bis
5 Stunden) erhitzt. Dabei entsteht das 3,6-Dimethoxy-4-(p-aminobenzolsulfonamido)-pyridazin
der Formel (1) als Hydrolyseprodukt. Die Hydrolyse wird vorteilhaft bei Temperaturen
zwischen 90 und 100°C in 0,5 bis 1,5 Stunden durchgeführt.
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Die Verbindung der Erfindung ist weniger giftig und wegen ihrer Wirksamkeit
gegen eine Reihe von pathogenen Mikroorganismen als Chemotherapeutikum brauchbar.
Die Verbindung zeigt unter anderem eine länger anhaltende bakterizide Aktivität
als die bisher bekannten Sulfadrogen. Wird die Verbindung oral verabreicht, so wird
die maximale Konzentration im Blut in kürzerer Zeit erreicht; die Inaktivierung
ist vergleichsweise geringer (d. h. die Acetylierung im
Blut ist
geringer). Tabelle I zeigt die Vergleichsdaten der bacteriostatischen Aktivität
des Verfahrensprodukts und einiger bisher bekannter Sulfadrogen in vitro.
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In den folgenden Tabellen bedeuten die Abkürzungen folgendes: SI =
3,4-Dimethyl-5-sulfanilamidoisoxa-zol, SDM = 2,6-Dimethoxy-4-sulfanilamidopyrimidin.
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SMP = 3-Methoxy-6-sulfanilamidopyridazin. SP = 1-Phenyl-5-sulfanilamidopyrazol.
SIM = 5-Methyl-3-sulfanilamidoisoxazol:
| Tabelle I |
| Minimum der wachstumshindernden Konzentration |
| Untersuchte Arten ([tglccm) |
| Verfahrens- |
| Produkt Si SDM SMP |
| Staphylococcus aureus 209 P . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . 6,25 6,25 6,25 12,5 |
| Esherichia coli 0-111 . .. . . ........ ... ........... 12,5
>200 j 50 200 |
| Salmonella typhi Nr. 58 . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . 50 50 50 25 |
| Shigella flexneri 22 A . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . 3,125 3,125 3,125 6,2,5 |
| Klebsiella pneumoniae PCI 602 . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . 200 >200 100 100 |
| Streptococcus Gruppe A Typ I ................... 25 25 25 25 |
| Diplo.pneumoniae Typ I . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . 6,25 6,25 6,25 6,25 |
| B. C. G. ....................................... 25 I 100 100
100 |
Tabelle II zeigt die Ergebnisse für die Behandlung streptococcusbefallener Mäuse
bei oraler Verabreichung des Verfahrensproduktes sowie einiger bisher bekannter
Sulfadrogen. Die verwendete Art ist Streptococcus Gruppe A Typ I. Die Verabreichung
erfolgt täglich über 5 Tage. In Tabelle 11 bedeuten
CD", CD" und
CD" 50 bzw. 75 bzw. 95°/o Heilmitteldosis (mg/kg).
| Tabelle 1I |
| Untersuchte Probe ( CDbo 1 CD7$ 1 CDas |
| Verfahrensprodukt .... 10,6 23 67 |
| SMP .. ...... ...... . . 9,6 36 228 |
| SDM ............... 19,7 80 -610 |
| SP .................. 97,0 310 > 1000 |
| SIM ................ 113 275 680 |
| SI .................. 190 710 > 1000 |
Tabelle III zeigt die Verträglichkeit bei oraler Verabreichung der Verbindung des
Beispiels 1 sowie einiger bisher bekannter Sulfadrogen bei Mäusen. LDsa bedeutet
50°/o tödliche Dosis (mg/kg).
| Tabelle III |
| Untersuchte Probe LDso |
| Verfahrensprodukt ................. 2,05 |
| SIM ... « ......................... 2,65 |
| SMP ............................. 1,75 |
| SI ............................... 6,80 |
| SDM ............................ >l0 |
Herstellung von 3,6-Dimethoxy-4-aminopyridazin 20 g 3,6-Dimethoxy-4-nitropyridazin-l-oxyd
werden in 150 ml Methanol gelöst, 10 ml Raney-Nickel-Suspension und 20 ml Eisessig
zugegeben. Die katalytische Reduktion mit Wasserstoff erfolgt bei Raumtemperatur
und Atmosphärendruck. Kurz vor Beendigung der Reaktion sind rund 4 Mol Wasserstoff
aufgenommen.
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Die Reaktionsmischung wird zur Entfernung des Raney-Nickel-Katalysators
filtriert und anschließend unter vermindertem Druck zur Entfernung des Lösungsmittels
destilliert. Der Rückstand wird mit einer wäßrigen Natriumcarbonatlösung alkalisch
gemacht. Die Lösung wird wieder unter vermindertem Druck zur Trockne eingeengt.
Der entstehende Rückstand wird mit heißem Äthylacetat extrahiert. Der Auszug wird
zur Trockne eingeengt. Der Rückstand wird aus Wasser umkristallisiert, wobei sich
farblose Prismen absetzen. Die kristalline Masse wird durch Filtration gesammelt.
Schmelzpunkt 177 bis 178°C. Ausbeute 15,0 g (97 % der Theorie). Für dieses
Herstellungsverfahren des 3,6-Dimethoxy-4-aminopyridazins wird hier kein Schutz
beansprucht (vgl. auch Journal der pharmazeutischen Gesellschaft von Japan, Bd.75,
S. 966 [1955]).
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Beispiel 3,6-Dimethoxy-4-sulfanilamidopyridazin 5 g 3,6-Dimethoxy-4-aminopyridazin
werden in 80 ml trocknem Pyridin gelöst und 8,7 g (das l,lfache der stöchiometrischen
Menge) p-Acetylaminobenzolsulfonylchlorid anteilweise zu der entstehenden Lösung
unter Rühren zugegeben. Nach Beendigung der Zugabe bleibt die Mischung 24 Stunden
bei Raumtemperatur stehen. Sie wird dann mit 17 ml 2n-Ätznatronlösung versetzt und
anschließend das Pyridin unter vermindertem Druck abdestilliert. Zu dem Rückstand
werden 40 ml 2n-Ätznatronlösung gegeben und die entstehende Mischung 1 Stunde unter
Rückfluß gekocht. Nach dem Abkühlen der Mischung wird Holzkohle zugegeben und dann
filtriert. Das Filtrat wird mit verdünnter Salzsäure neutralisiert, wobei sich ein
Niederschlag bildet, der durch Filtrieren gesammelt und mit Wasser gewaschen wird.
Er hat einen Schmelzpunkt von 189 bis 190°C. Ausbeute 5,5 g. Durch Umkristallisieren
des Produktes aus Äthanol erhält man farblose kurze Zweige, Schmelzpunkt 189 bis
190°C. Die Elementaranalyse für C"HI404N4s ergab folgendes: Berechnet
... C 46,45 °/a, H 4,55 °/o, N 18,06 °/o; gefunden ... C 46,36 °/o,
H 4,310/0, N 17,75 %. 3,6-Dimethoxy-4-sulfanilamidopyridazin ist eine farblose,
kristalline Substanz vom Schmelzpunkt 189 bis 190°C, leicht löslich in verdünnten
Mineral-
Säuren und Alkalibicarbonatlösungen, schwer löslich in
Benzol, Chloroform und Äthyläther. Es ist leicht löslich in heißem Alkohol und umkristallisierbar
aus Alkohol oder Wasser.