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Verfahren zum Gerben von Häuten und Pelzen.
Vollständig abhängig vom Patente Nr. 46883.
Die Erfindung bezieht sich auf das Gerben von Häuten und Pelzen durch die Einwirkung der bekannten Agentien, nämlich Alaun und pyrophosphorsaures Natrium, und bezweckt die Gerbung von Häuten oder Pelzen beliebiger Beschaffenheit und Dicke mit Gründlichkeit und Zuverlässigkeit auf einfache und nachprüfbare Weise durchzuführen.
Dem Patentwerber ist bekannt, dass in der Patentschrift Nr. 46. 383 ein Verfahren beschrieben worden ist, in welchem die oben erwähnten Agentien als Bestandteile einer oder mehrerer Gerblösungen von bestimmter Stärke enthalten sind ; die Stärke kann nach den dortigen Angaben geändert werden, um sie den verschiedenen zu behandelnden Klassen und Gewichten von Häuten anzupassen ; es sind auch besondere Verhältnisse der verschiedenen zu verwendenden Gerbmittel angegeben, welche für Kuh- häute von einem mittleren Gewichte wirksam sind.
Patentwerber hat jedoch gefunden, dass das vorerwähnte Verfahren nur auf Kuhhäute und andere ähnliche Häute von losem Gefüge geringer Dicke anwendbar ist, und dass, wenn dicke Häute oder festerem Gefüge, wie beispielsweise Ochsenhäute behandelt werden, es möglich ist, selbst bei Erhöhung der Stärke der Gerblösung um 50% eine zufriedenstellende Gerbung zu erhalten.
Als Ergebnis zahlreicher Versuche wurde festgestellt, dass die andauernde Gerbwirkung einer Lösung, die Alaun und pyrophosphorsaures Natrium enthält, auf die innerhalb der Poren der Haut vorsichgehende gegenseitige Einwirkung des Alauns und des pyrophosphorsauren Natriums aufeinander zurückzuführen ist. Durch die Umsetzung entsteht pyrophosphorsaures Aluminium, welches in Wasser unlöslich ist und sich in den Poren der Haut festsetzt.
Die Erfindung besteht darin, dass eine oder mehrere Gerblösungen von innerhalb gewisser Grenzen bestimmter Zusammensetzung und Konzentration zur Anwendung gelangen. Bei Beachtung dieser Grenzen kann die Gerbung bei Häuten jeder Gattung und Dicke mit einer Schnelligkeit, einer Zuverlässigkeit und einer Wirksamkeit durchgeführt werden, welche bisher mit bekannten Mitteln nicht erreichbar ist.
Bei den nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich die angegebenen Verhältniszahlen auf Hundertteile des Gewichtes der zu behandelnden Haut. Das im Handel vorkommende pyrophosphorsaure Natrium enthält eine wechselnde Menge von reinem, kristallwasserfreiem Salz, beispielsweise 45-65% der Gesamtmenge. Daher sind die weiter unten angegebenen Verhältnismengen dahin zu verstehen, dass sie sich auf das reine kristallwasserfreie Salz Na P O ? beziehen.
Gemäss der Erfindung muss der das Alaun (gemeint ist das kristallisierte Salz mit 24 Molekülen Kristallwasser) fünfmal bis höchstens siebenmal das Gewicht des pyrophosphorsauren Natriums über schreiten ; z. B. ist 10% des ersteren und 1'66% des letzteren zu nehmen. Das Wasser muss 20-40% des Gewichtes der behandelten Haut betragen, z. B. 27%. Während die letztere Konzentration grosse Durchdringungswirkung liefert, ist irgend eine wesentlich höhere Konzentration nicht wünschenswert wegen der Gefahr der Körnerbildung, die davon herrührt, dass die Lösung zu kleines Volumen besitzt, um die Aufrechterhaltung durchweg gleicher Konzentrationsstärke innerhalb des gesamten Flüssigkeitsvolumens zu ermöglichen, innerhalb des Teiles der Flüssigkeit, der sich zwischen den Schichten der Haut befindet.
Die Zusammensetzung des Flüssigkeitsbades ist die folgende :
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Na., P, 0
27% Wasser und beispielsweise 5% gewöhnliches Salz oder die entsprechende Menge eines ebenso wirkenden Stoffes.
Die vorgängige Behandlung der Häute durch Einweichen und Einkalken wird auf eine der ge- gebräuchlichen Weisen durchgeführt. Hierauf werden die eingekalkten Häute an der Oberfläche mittels
Borsäure auf die wohlbekannte Weise entkalkt. Dann werden sie innerhalb einer Trommel mit einer
Lösung von Borax in Wasser oder von Borsäure in Wasser bei einer Anfangstemperatur von 32-38 ce behandelt (90-100 F). Dann wird die Lösung abgezogen und eine frische Menge in die Trommel gebracht.
Nach -einer weiteren Behandlung von zehn Minuten Dauer wird die Lösung wiederum abgelassen und schliesslich werden die Häute in der Trommel mit warmem Wasser bei einer Temperatur von 27-32 C 80-90 F) gewaschen.
Die Häute werden dann der Einwirkung eines Gerbbades, enthaltend Alaun, gewöhnliches Salz. oder irgend einen sonstigen Stoff, der der Auslaugwirkung des Alauns entgegenwirkt, und pyrophosphorsaures Natrium in Wasser bei einer Temperatur von 27-32 (80-90 F) solange unterworfen, bis die Häute von der Lösung vollständig durchdrungen sind. Dieses Bad wird vorzugsweise in der Weise zubereitet, dass Alaun oder gewöhnliches Salz oder ein Salzersatzmittel in der gewünschten Menge von heissem Wasser gelöst, das pyrophosphorsaure Natrium in einer anderen Menge von heissem Wasser gelöst und dann die eine Lösung mit der anderen gemischt wird.
Ein anderes Verfahren, welches das nämliche Ergebnis hervorbringt, besteht darin, dass die erwähnten Stoffe in trockenem Zustande innig gemischt und diese Mischung in der geforderten Menge von heissem Wasser gelöst wird.
Das auf die eine oder die andere Weise zubereitete Gerbad wird zusammen mit den Häuten in die Trommel gebracht und 45 Minuten lang in der Trommel bewegt oder das Gerbbad wird gewünschtenfalls nach und nach in die Trommel gegeben. Nach der Behandlung in der Trommel wird das Gemisch herausgenommen und in einen anderen Behälter gebracht. In diesen werden auch die Häute geschafft und in das Gemisch getaucht. Gewöhnlich ist es bequemer, die Häute und die Mischung in der ersten Trommel zu belassen und nur dafür Sorge zu tragen, dass kein Kniffen oder Anritzen vorkommt. Die Gerbung wird dann drei oder vier Stunden länger fortschreiten gelassen, bis die Häute durch und durch gegerbt sind. Trommelbewegung abwechselnd mit Ruhe kann dazu benutzt werden, um den Vorgang ; zu beschleunigen, wenn sehr schwere Häute zu behandeln sind.
Die gegerbten Häute werden dann zwölf Stunden lang (gewöhnlich über Nacht) ausgespannt.
Die Flüssigkeit in der Trommel wird hierauf mit einer Farbflotte gemischt, welche unmittelbar in die Trommel gegeben wird. Die Farbflotte wird dadurch erhalten, dass jeder der gewünschten Stoffe, gewöhnlich Gambier und Quebracho, in besonderen Mengen von Wasser aufgelöst wird und schliesslich die erhaltenen Lösungen in der gebräuchlichen Weise gemischt werden. 3% Gambier Imd 2% Quebracho, gelöst in einer möglichst kleinen Wassermenge, erweisen sich als geeignet ; indessen können diese Mengen verändert werden. Die Häute werden dann rasch zurückgebracht und drei Stunden mit der Trommel behandelt.
Ein noch sicherere Verfahren ist das, die Häute in der ausgezogenen Gerbbadflüssigkeit der Behandlung in der Trommel zu unterziehen und dann nach und nach die vorbereitete Farbflotte während. dieses Vorganges durch die Trommelachse auf bekannte Weise zuzugeben.
Für bestimmte Ledersorten, z. B. für Sohlleder und für sehr schwere Häute, wurde es in manchen Fällen als ratsam befunden,'das Gerbverfahren durch die folgende Behandlungsweise zu ergänzen :
Die Häute werden aus dem Gerbbad genommen und in ein Ergänzungsbad gebracht, welches vor der Farbflotte in zwei Stufen zugegeben wird. Die erste Stufe besteht in der Zugabe eines Ergänzungsbades zu der in der Trommel enthaltenen ausgezogenen Gerbbadflüssigkeit. Die Häute werden dann eingebracht und 45 Minuten lang mit der Trommel behandelt. Das Ergänzungsbad wird in entsprechender Weise wie das oben beschriebene Gerbbad zubereitet.
Seine Zusammensetzung ist die folgende :
5% Alaun, 1'66% pryophosphorsaures Natrium, 27% Wasser und beispielsweise 5% gewöhnliches Salz oder etwas Gleichwertige.
Die zweite Stufe besteht darin, dass zur Mischung in der. Trommel noch eine Lösung von Alaun hinzugegeben wird, welcher in so wenig Wasser als möglich gelöst ist. Die verwendete Menge Alaun ist die nämliche, wie die im Ergänzungsbad benutzte. Die Behandlung in der Trommel wird nunmehr für weitere zwei Stunden fortgesetzt und das Ganze dann 12-14 Stunden stehen gelassen, nachdem die Häute innerhalb der Trommel so gelagert sind, dass dem Kniffen vorgebeugt ist.
Die Häute werden dann durch Zugeben der Farbflotte zur Mischung in der Trommel gefärbte wobei das bereits beschriebene Verfahren Verwendung findet.
Die sich ergebenden gefärbten Häute werden, gleichviel ob sie durch das einfache oder das doppelteBadverfahren aufbereitet sind, schliesslich für 12-14 Stunden lang ausgespannt und dann durch ein
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fertig gemacht.
An die Stelle des oben erwähnten Ammoniak-Alauns kann ein beliebiges lösliches Aluminiumsalz treten, z. B. Natrium-Alaun Na2 SO4 Als (SO 24 H2O, Kali-Alaun K2 S04 A12 (S04) 3 24 H2O, oder Schwefel-Aluminium Al2 (S 04) 3 18 H2O.
Bei Benutzung dieser Salze müssen die Verhältnismengen in den gegebenen Formeln so ver- ändert werden, dass der Aluminiumanteil seinen richtigen Wert beibehält.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Gerben von Häuten und Pelzen mittels Alaun und pyrophosphorsauren Natriums, dadurch gekennzeichnet, dass in der Gelösung, in der die Häute behandelt werden, die Verhältnismengen des Alauns (gemeint ist das kristallisierte Salz mit 24 Molekülen Kristallwasser) zum pyrophosphorsauren Natrium (gemeint ist das reine Anhydrit) innerhalb der Grenzen von wenigstens fünf bis höchsten sieben Teilen Alaun auf einen Teil pyrophosphoisaures Natrium betragen.