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Röntgenuntersuchungsgerät mit motorisch verstellbarer Drehbühne bzw.
Patientenlagerstatt
Mit Hilfe der vollmotorischenRöntgendrehbühne nach der Erfindung
soll die jetzt wohl an allen Instituten erstrebte »fließende Rotation« gewährleistet
werden. Die »fließende Rotation« ist zur gegenauen Diagnosestellung, die sich durch
die laufenden Verhesserungen der Apparate ergibt, unbedingt erforderlich. Bisher
werden die diesbezüglichen Untersuchungen im allgemeinen wie folgt durchgeführt:
I. Ein Patient, der in den verschiedenen Strahlengängen durchleuchtet werden soll,
muß von den untersuchenden Röntgenologen mit den Händen in die gewünschte Lage gebracht
werden. Auf diese Weise ist in den seltensten Fällen eine achsengleiche Drehung
erzielbar. Die einzelnen Abschnitte der Brust- und Bauchhöhle, insbesondere krankhafte
Veränderungen, können durch die bei der Drehung unvermeidlichen Verwackelungen kaum
genau verfolgt und beobachtet werden. Der untersuchende Arzt muß den Leuchtschirm
zeitweilig loslassen, um die Drehung durch Anfassen des Patienten zuwege zu bringen.
Dabei muß er seine Hände oftmals der Röntgenstrahlung aussetzen, abgesehen von schwerfälligen
oder schwerhörigen Patienten, die der manuellen Führung erst nach mehrmaligen Versuchen
folgen. Das gleiche gilt für die Untersuchungen bei waagerecht gestelltem Gerät,
also am liegenden Patienten, wo die angeführten Mängel und Schwierigkeiten erst
recht auftreten.
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2. Bei der Drehung des Patienten in die verschiedenen Strahlengänge
muß auch die Strahlenhärte entsprechend verändert werden. In den meisten Instituten
wird sie durch eine Assistentin am Schalttisch willkürlich, entsprechend den Zurufen
des
Untersuchers, eingestellt. Durch diese Willkür in der Strahlenhärteeinstellung,
vor allem bei gezielten Aufnahmen in verschiedenen Durchmessern beim gleichen Patienten,
entstehen oft nicht vergleichbare Bilder dadurch, daß durch zu weiche oder zu harte
Strahlen nicht die gleichen Voraussetzungen gegeben sind.
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3. Soll ein während der Durchleuchtung festgestellter besonderer
Befund - etwa eine Geschwulst, die hinter dem Herzschatten liegt - durch eine Spezialaufnahme
in einem bestimmten Schrägdurchmesser festgehalten werden, so muß die Hilfsperson
auf Grund einer Angabe, wie beispielsweise »leichter erster schräger« oder »stark
im zweiten schrägen Durchmesser«, versuchen, die vom Untersucher gemeinte Einstellung
zu treffen. Das unterliegt natürlich in jedem Falle der individuellen Auffassungsgabe
der betreffenden Hilfsperson, da ja der schräge Durchmesser für röntgenologische
Begriffe eine erhebliche Strecke darstellt. Wiederholungen solcher Aufnahmen, verbunden
mit vermeidbarem Filmverbrauch, abgesehen von den unnötigen An- und Abtransporten
der Kranken, sind die Folge.
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Alle diese Mängel soll die vollmotorische Röntgendrehbühne nach der
Erfindung beseitigen.
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Es ist zwar bereits ein Lagerungsgerät für Untersuchungen mittels
Röntgenstrahlen bekannt, bei dem zwecks Drehung des Patienten um seine Längsachse
die Lagerstatt aus einem stark durchhängenden Band besteht, das zwischen zwei seitlich
des Patienten und parallel zu ihm verlaufenden Tragwalzen verläuft. Die Tragwalzen
und eine für den Patienten als Fußstütze vorgesehene Drehscheibe können dabei durch
einen mit einem Fußschalter gesteuerten Motor angetrieben werden.
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Weiter ist ein Röntgenuntersuchungsgerät vorbekannt, bei dem die Stützwand
für den Patienten um ihre Längsmittelachse drehbar in einem Rahmen gelagert ist,
der um eine dazu senkrechte Achse drehbar an einem zweiten Rahmen befestigt ist,
wobei der zweite Rahmen in einem Fußgestell kippbar gelagert ist.
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Schließlich gehört zum Stande der Technik noch eine Apparatur für
Röntgendiagnostik, bei der eine automatische optimale Einstellung der Röhrenbetriebsbedingungen
in Abhängigkeit von der Dicke des Objekts dadurch erreicht wird, daß zwangläufig
mit der Verstellung des Leuchtschirm-Kassetten-Trägers bei verschieden dicken Patienten
eine Änderung der Heizstromstärke der Röhre, der Röhrenspannung, der Belichtungszeit
vorgenommen wird, wobei bei Unterbringung der Regelorgane für die Betriebsbedingungen
in einem gesonderten Schalttisch die Verbindung zwischen Gerät und Schalttisch durch
eine die freie gegenseitige Beweglichkeit des Schalttisches und des Gerätes wahrende
Übertragungsvorrichtung, z. B. einen Bowdenzug, eine biegsame Welle oder Gliederwelle,
hergestellt sein kann.
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Diese vorbekalmten Geräte können aber nicht die oben geschilderten
Mängel beseitigen. Dies wird bei einem Röntgenuntersuchungsgerät mit motorisch verstellbarer
Drehbühne bzw. Patientenlagerstatt, wobei die Drehbühne bzw. Patientenlagerstatt
zur Durchführung von Untersuchungen in gegenüber dem Zentralstrahl des Röntgenstrahlenbündels
voneinander unterschiedlichen Drehlagen um die Längsachse des Patienten mittels
einer fußbedienbaren Schaltvorrichtung drehbar ist, erfindungsgemäß dadurch erreicht,
daß zur Erleichterung der Vorbereitungen für die Röntgenuntersuchungen die Drehbühne
mit Lichtmarken versehen und die während der Röntgendurchleuchtung eingestellte
Drehstellung der Drehbühne bzw. Lagerstatt mit Hilfe von Vorrichtungen zur Stellungsfernübertragung
und -fernanzeige am Leuchtschirm und auf dem Apparateschalttisch laufend mittels
auch im dunklen Raum ablesbarer Anzeigeglieder fernanzeigbar ist.
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Dabei werden die Lichtmarken, die zunächst einmal das Auftreten des
Patienten auf die Drehbühne erleichtern, so gewählt, daß sie nur dann, wenn die
Drehbühne in ihrer Ausgangsstellung steht und der Patient eine vorbestimmte Grundstellung
eingenommen hat, abgedeckt sind, so daß dadurch automatisch eine Kontrolle hinsichtlich
einer richtigen Ausgangsstellung für die Untersuchung gegeben ist.
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Durch die Erfindung ist erreicht, daß bei motorischer Einstellung
der Drehbühne für den Patienten jede Schrägstellung an Hand einer Gradeinteilung
sowohl für den Untersucher als auch für die Hilfskraft am Schalttisch des Röntgenapparates
genan erkennbar und bei festgelegter Grundstellung des Patienten jederzeit reproduzierbar
ist.
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Ein Ausführungsb ei spiel einer Röntgendrehbühne bzw. Patientenlagerstatt
gemäß der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt.
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In dem wie bisher horizontal verschiebbaren Gehäuse (von der Größe
eines normalen Trittbrettes) der Röntgendrehbühne ist die mit einem Getriebe versehene
Achse 3 der Drehscheibe I gelagert. Durch einen mit dem Getriebe unmittelbar gekuppelten,
in der Drehrichtung wahlweise veränderlichen Elektromotor 2 erfolgt der Antrieb
der Drehscheibe I.
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Die Inbetriebnahme des Gerätes sowie die Steuerung des Antriebsmotors
geschieht durch die Betätigung des Druckschalters 6a oder der entsprechenden Pedale
6 c, 6 d des Fußschalters. Direkt verbunden mit der Achse 3 der Drehscheibe ist
ferner ein bekannter »Geber« 5, 7, der die Stellung der Drehscheibe auf ein Anzeigegerät
überträgt.
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Bei der Röntgendrehbühne sind zwei Empfänger (Drehmelder) 8 a und
8 b vorgesehen. Der Empfänger ob ist an das Regelorgan für die Röhrenspannung im
Schalttisch angeschlossen (s. Abb. 2).
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Er betätigt einen Zeiger auf einer Winkelskala. Der Empfänger 8 a
ist am unteren Rahmen des Leuchtschirmes angebracht (s. Abb. 2). Auch er bewegt
einen Zeiger entsprechend der Winkelstellung der Drehscheibe. Die Skaleneinteilung,
über die der Zeiger läuft, sowie der Zeiger selbst sind mit Leuchtfarbe ausgelegt,
so daß ohne störende Blendung ein genaues Ablesen der Zeigerstellung während der
Untersuchung gewährleistet ist. Die Drehscheibe I sowie die Skalen Sa und Sb haben
eine
normale 360°-Einteilung, wobei jedoch nur jeder fünfte Grad
angegeben ist. Die Umdrehungsgeschwindigkeit der Röntgendrehbühne ist so berechnet,
daß eine ganze Umdrehung in einem Zeitraum von 30 Sekunden ausgeführt ist.
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Die gleiche Drehscheibe mit derselben Gradeinteilung, selbstverständlich
ohne Antrieb, erhält das Standbrett des Kassettenstativs, mit dessen Hilfe gewöhnlich
die ftbersichtsaufnahmen hergestellt werden. Von einer normalen Nullstellung ausgehend,
kann der Patient in jede beliebige, von der Durchleuchtung her gewünschte Stellung
gel)racht werden.
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Diese technisch ohne weiteres durchführbaren Verbesserungen lassen
gegenüber dem bisherigen diesbezüglichen Stand der Technik viele Vorteile erkennen,
die in den folgenden Punkten zusammengefaßt werden sollen: I. Der zu untersuchende
Patient tritt auf die Drehbühne, deren Scheibe durch zwei parallel verlaufende,
durch eine Beleuchtungsanlage 4 rot aufleuchtende Pfeile (Abb. I) unterbrochen ist.
Er kann bei dieser Beleuchtung auch in nicht adaptiertem Zustand die Höhe der Trittebene
abschätzen.
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Ein Stolpern oder Hinfallen wird verhütet. Da er mit seinen Füßen
die Pfeile verdeckt, ist der Untersucher stets in der Lage, sich von der achsengleichen
Stellung zu überzeugen; bei einem Seitwärtstreten würden die Pfeile sofort aufleuchten.
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2. Soll der Patient in einen der schrägen Durchmesser gebracht werden,
so kann dies der Untersucher mit dem Pedal steuern. Nimmt er den Fuß vom Pedal fort,
so bleibt die Scheibe in der gerade erreichten Stellung stehen. Es wird dadurch
eine achsengleiche, nicht verwackelte, völlig ruhige und gleichmäßige Drehung erreicht,
ohne daß der Röntgenologe seine Hände in die ungeschützte Strahlenzone zu bringen
braucht. Er kann vielmehr seine Hände immerwährend am Leuchtschirm bzw. an der Zieleinrichtung
haben, so daß ihm auch nur flüchtig auftauchende Veränderungen nicht entgehen und
festgehalten werden können.
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3. Die Stellung des Patienten und jede Veränderuhig durch Drehung
ist durch die Gradeinteilung der Drehscheibe bestimmt, so daß der Untersucher dem
Hilfspersonal genaue Angaben für die gewünschte Aufnahme übermitteln kann - die
Gradzahl braucht nur auf die Drehscheibe des Aufnabmestativs übertragen zu werden
-, wie es ihm hierdurch auch möglich ist, seine Beobachtungen im Befund für einen
späteren Untersucher, z. B. bei Kontrollen bei Magengeschwüren, Ergüssen Fremdkörpern
usw genauestens festzulegen.
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Durch die Kupplung des Empfängers 8 b (Abb. 2) mit der Schaltvorrichtung
für die Röntgenröhrenspannung wird eine gleichmäßige Zu- oder Abnahme der Strahlenhärte
gewährleistet. Es bestehen also für alle Untersuchungen die gleichen Voraussetzungen;
Sprünge in der Strahlenhärte, die vieles verdecken können, sind vermieden. Da die
Assistentin am Schalttisch auch eine Gradskala vor Augen hat, ist sie in der Lage,
den Gang der Untersuchung mitzuverfolgen, und weiß dadurch über notwendig werdende
Schaltungen sofort ohne Rufen und Fragen Besdieid.
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In vorteilhafter Weiterbildung wird die Röntgendrehbühne durch eine
»Röntgenmulde« vervollständigt. In den Abb. 3 a und 3 b sind im wesentlichen schematisch
eine Draufsicht und ein Schaubild dargestellt. Die gewöhnlich aus Holz bestehende
Wand des Röntgengerätes ist fortgelassen, lediglich die beiden Seitenholme I4 sind
geblieben. An Stelle der Holzwand ist in den durch die beiden Seitenholme 14 begrenzten
freien Raum eine aus dem gleichen Material bestehende muldenartige Wand eingelassen,
die auf den beiden inneren Rändern der beiden Seitenholme 14 durch je zwei bis drei
Rollenlager drehbar gelagert ist. Diese Röntgenmulde ist mit ihrem unteren Rand
mit einem Schienensystem in der hinteren Hälfte der die Drehscheibe aufnehmenden
Fläche verschieblich so gelagert, daß sich bei Arretierung der Mulde die Drehscheibe
allein dreht (Durchleuchtung bei senkrecht stehendem Gerät). Nach Einschalten einer
Kupplungsvorrichtung nimmt jedoch die langsam rotierende Drehbühne die Mulde in
dem gleichen Bewegungsablauf mit (Durchleuchtung bei umgelegtem Gerät). Durch je
eine an den beiden Vorderkanten der Mulde angebrachte Stoppraste wird ein zu weites
Drehen verhindert.
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Durch die Röntgenmulde kommen die obenerwähnten Vorteile der Röntgendrehbühne
nach der Erfindung auch bei Untersuchungen am liegenden Patienten, z. B. Darmkontrastuntersuchungen
usw., zur Wirkung.