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ALLGEMEINER
STAND DER TECHNIK
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Gebiet der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft Gewebekulturen von Pflanzenzellen,
insbesondere von Monokotyledonen-Pflanzenzellen,
ganz besonders Mais-, Reis-, Weizen- und Gerstenzellen, und verbesserte
Techniken zur Gewinnung von genetisch transformierten Pflanzenzellen
und Pflanzen.
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Beschreibung
des Stands der Technik
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Im
Lauf der Zeit wurden viele Techniken für die genetische Transformation
von Pflanzen entwickelt. Das schlussendliche Ziel dieser Verfahren
besteht in der Gewinnung einer transgenen Pflanze, in der alle Zellen
eine Fremd-DNA mit einem interessierenden Gen (dem sogenannten Transgen)
stabil in ihr Genom, insbesondere ihr Zellkerngenom integriert,
enthalten.
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Bei
der Transformation handelt es sich um ein komplexes Verfahren, das
immer den Schritt des Inkontaktbringens von Ausgangszellen mit einer
DNA, üblicherweise
einer DNA mit einem interessierenden Fremdgen bzw. mit interessierenden
Fremdgenen, beinhaltet. Das Inkontaktbringen der Zellen mit der
DNA wird unter Bedingungen durchgeführt, die die Aufnahme der DNA
durch die Zellen und die Integration der DNA inklusive dem interessierenden
Gen bzw. den interessierenden Genen in das Genom der Zelle fördern.
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Bei
den Ausgangszellen für
die Transformation handelt es sich üblicherweise um Zellen, die
eine gewisse Zeit lang in vitro kultiviert worden sind. Nach dem
Inkontaktbringen der Zellen mit der DNA müssen die transformierten Zellen
im Allgemeinen eine gewisse Zeit lang in vitro kultiviert werden,
um die transformierten Zellen von den nicht-transformierten Zellen
abzutrennen und um transformierte Pflanzen aus den transformierten
Zellen zu regenerieren.
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Es
wurden unterschiedliche Pflanzentransformationsmethoden beschrieben;
diese können
in Methoden für
den direkten DNA-Transfer (z. B. Elektroporation, PEG-vermittelte
DNA-Aufnahme, Genkanone) oder in Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfer
eingeteilt werden. Vasil (1994) und Christou (1994) haben sich in einem Übersichtsartikel
mit den für
Getreide verfügbaren
Pflanzentransformationsmethoden befaßt. Beim Agrobacterium-vermittelten
DNA-Transfer handelt es sich um einen der wirksamsten Wege, DNA
in Pflanzenzellen einzubringen, der vermutlich von allen unterschiedlichen
Transformationsmethoden gerätemäßig den geringsten
technischen Aufwand erfordert. Auch quantitativ sind die durch Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfer
erhaltenen transformierten Pflanzen überlegen, und zwar dadurch,
dass sie weniger Transgene an unterschiedlichen Positionen im Chromosom
intertiert enthalten und dass fehlerhafte Transgene weniger häufig auftreten.
Die Agrobacterium-vermittelte DNA-Transformation von Pflanzen beruht
auf der Fähigkeit
von gewissen Agrobakteriumstämmen,
einen Teil ihres Ti-Plasmids, also die T-DNA, in Pflanzenzellen
einzubringen und diese T-DNA in das Zellkerngenom der Zellen zu
integrieren. Es wurde gefunden, dass der Teil des Ti-Plasmids, der übertragen
und integriert wird, von spezifischen DNA-Sequenzen, den sogenannten
linken und rechten T-DNA-Border-Sequenzen, begrenzt wird und dass
die natürlichen
T-DNA-Sequenzen zwischen diesen Border-Sequenzen durch Fremd-DNA
ersetzt werden können
(European Patent Publication „EP" 116718; Deblaere
et al., 1987).
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Über die
Agrobacterium-vermittelte Transformation von monokotylen Pflanzen
wurde mehrmals berichtet (siehe oben). Die Anwendbarkeit der Methoden, über die
berichtet wurde, war jedoch auf spezifische Arten oder Genotypen
beschränkt
oder erforderte die Verwendung von spezifischen Geweben oder spezialisierten
Agrobakterienstämmen.
Bei den meisten beschriebenen Methoden kann die Transformationseffizienz noch
beträchtlich
verbessert werden.
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Hooykaas-Van
Slogteren et al. (1984) beschreibt den Nachweis der Ti-Plasmid-Genexpression
in zwei Monokotyledonen-Arten (Chlorophytum capense und Narcissus
cv ,Paperwhite'),
die mit tumorerzeugenden Agrobakterienstämmen infiziert wurden.
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Hernalsteens
et al. (1984) und Bytebier et al (1987) beschreiben die Transformation
von Asparagus officinalis mit natürlichen Agrobacterium tumefaciens-Isolaten sowie Agrobacterium
tumefaciens-Stämmen, die
eine nichtonkogene T-DNA enthalten.
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US-Patent
Nr. 5,164,310 beschreibt ein Verfahren für die Transformation von Pflanzen
(darunter auch Mais und Weizen) durch Inokulieren von herauspräparierten,
in Kultur befindlichen Sprossspitzen der Pflanzen mit Agrobacterium
tumefaciens.
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US-Patente
Nr. 5,187,073 und 5,177,010 beschreiben ein Verfahren zur Herstellung
von transformierten Graminaea (Mais), bei dem einem Keimling an
einer Stelle des Keimlings, die Zellen, die sich rasch teilen, enthält, eine
Wunde zugefügt
wird und die Wunde mit vir+ Agrobacterium tumefaciens inokuliert
wird.
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Die
PCT-Patentveröffentlichung
WO 92/09696 beschreibt die Verwendung von festem embryogenem Kallus
(d. h. Typ I-Kallus bei Mais) und unreifen Embryonen (die entweder
mechanisch oder enzymatisch verwundet wurden) von monokotylen Pflanzen
(z. B. Mais und Reis) als Ausgangsmaterial für Transformationsvorgänge.
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EP 0604662 A1 beschreibt
ein Verfahren zur Transformation von in Kultur befindlichen Geweben
einer monokotylen Pflanze während
oder nach Entdifferenzierung mit einem Bakterium der Gattung Agrobacterium, das
erwünschte
Gene enthält.
EP 0672752 beschreibt ein
Verfahren zur Transformation eines Scutellums eines nicht-entdifferenzierten
unreifen Embryos einer monokotylen Pflanze mit einem Agrobacterium.
In beiden Anmeldungen wird die Verwendung von Agrobakterienstämmen, die
zusätzlich
zu dem Ti- oder Ri-Plasmid ein Plasmid enthalten, das ein DNA-Fragment
aus der Virulenzregion des Ti-Plasmids pTiBo542 enthält, beschrieben.
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Raineri
et al. (1990) beschreibt die Transformation von aus Embryonen entstandenen
Kulturen von zwei Reissorten, die in der Scutellum-Region verwundet
wurden, wobei ein Agrobacterium-vermitteltes Gentransfersystem verwendet
wurde.
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Chan
et al. (1993) beschreibt ein Verfahren für die Transformation von unreifen
Reisembryonen, die 2 Tage lang in Gegenwart von 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure („2,4-D") kultiviert worden
waren, durch Inokulation mit Agrobakterienstämmen auf einem Medium, das
Kartoffelsuspensionskulturzellen enthält.
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Mooney
et al., (1991) beschreibt ein Verfahren für die Agrobacterium-vermittelte
Einbringung eines Kanamycinresistenzgens in enzymbehandelte Weizenembryonen.
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Über die
Induktion der vir-Gene von Ti-Plasmiden oder Helferplasmiden von
Agrobakterienstämmen durch
Inkubation der Bakterien mit Acetosyringon vor der Co-Kultivierung
zur Förderung
der Transformation und Zugabe von Acetosyringon während der
Co-Kultivierung der Pflanzenzellen mit den Bakterien wurde berichtet (Van
Wordragen und Dons, 1992; Jacq et al., 1993; James et al., 1993).
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Guivarc'h et al. (1993) beschreibt
die Verbesserung der transienten Agrobacterium-vermittelten Transformation
von Karottenwurzelscheibchen durch eine zehnminütige Kurzvorbehandlung dieser
Scheibchen mit Acetosyringon.
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DARSTELLUNG
UND ZIELE DER ERFINDUNG
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Es
wird ein Verfahren zum Integrieren eines DNA-Fragments in das Genom
einer Zelle einer monokotylen Pflanze, insbesondere Mais, Reis,
Weizen oder Gerste, bereitgestellt, das die folgenden Schritte umfasst:
- 1) Inkubieren einer Zellkultur nicht-transformierter
Monokotyledonen-Pflanzenzellen auf einem Medium, das eine pflanzliche
phenolische Verbindung, insbesondere eine pflanzliche phenolische
Verbindung aus der Gruppe Acetosyringon, α-Hydroxyacetosyringon, Sinapinsäure, Syringasäure, Ferulasäure, Brenzkatechin,
Parahydroxybenzoesäure, β-Resorcylsäure, Protocatechusäure, Pyrogallol,
Gallussäure
und Vanillin für
eine Zeitdauer, die ausreicht, um die Zellteilung zu stimulieren
und die Kompetenz für
die Integration von Fremd-DNA zu erhöhen, vorzugsweise ungefähr 1 bis
10 Tage, insbesondere ungefähr
4 bis 5 Tage, bevor die Zellkultur mit dem DNA-Fragment in Kontakt
gebracht wird; und
- 2) Inkontaktbringen der nicht-transformierten Zellen mit dem
DNA-Fragment unter Bedingungen, bei denen das DNA-Fragment von den
nicht-transformierten Zellen aufgenommen und stabil in das Genom
der nicht-transformierten Zellen integriert wird, um transformierte
Zellen zu erzeugen, insbesondere mittels Elektroporation, direktem
Gentransfer unter Verwendung von Polyethylenglycol, Beschuss mit
DNA-beschichteten Mikroprojektilen oder durch Co-Kultivierung mit
einem Agrobakteriumstamm, der das DNA-Fragment enthält.
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Gegebenenfalls
können
die transformierten Zellen zu einer transgenen monokotylen Pflanze
regeneriert werden.
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Weiterhin
wird ein Verfahren zum Integrieren eines DNA-Fragments in das Genom
einer Zelle einer Maispflanze bereitgestellt, das die folgenden
Schritte umfasst:
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Inkubieren
eines Typ I-Kallus, vorzugsweise eines Typ I-Kallus, der in Fragmente
geschnitten wurde, insbesondere Fragmente mit einer maximalen Länge von
0,5 bis 5 mm, mit einer pflanzlichen phenolischen Verbindung, insbesondere
einer pflanzlichen phenolischen Verbindung aus der Gruppe Acetosyringon, α-Hydroxyacetosyringon,
Sinapinsäure,
Syringasäure,
Ferulasäure,
Brenzkatechin, Parahydroxybenzoesäure, β-Resorcylsäure, Protocatechusäure, Pyrogallol,
Gallussäure
und Vanillin für
eine Zeitdauer, die ausreicht, um die Zellteilung zu stimulieren
und die Kompetenz für
die Integration von Fremd-DNA zu erhöhen, vorzugsweise ungefähr 1 bis
10 Tage, insbesondere ungefähr
4 bis 5 Tage, bevor der Kallus mit dem DNA-Fragment in Kontakt gebracht
wird; oder
Inkubieren eines Typ I-Kallus auf einem Medium,
das eine pflanzliche phenolische Verbindung enthält, für eine Zeitdauer, die ausreicht,
um die Zellteilung zu stimulieren und die Kompetenz für die Integration
von Fremd-DNA zu fördern,
bevor der Typ I-Kallus in Fragmente, insbesondere Fragmente mit
einer Maximallänge von
0,5 bis 5 mm geschnitten wird, bevor der Kallus mit dem DNA-Fragment
in Kontakt gebracht wird; sowie
2) Inkontaktbringen der nicht-transformierten
Zellen mit dem DNA-Fragment unter Bedingungen, bei denen das DNA-Fragment
von den nicht-transformierten Zellen aufgenommen und stabil in das
Genom der nicht-transformierten Zellen integriert wird, um transformierte
Zellen zu erzeugen, insbesondere mittels Elektroporation, direktem
Gentransfer unter Verwendung von Polyethylenglycol, Beschuss mit
DNA-beschichteten Mikroprojektilen oder durch Co-Kultivierung mit
einem Agrobakteriumstamm, der das DNA-Fragment enthält.
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Ebenfalls
bereitgestellt wird ein Verfahren zur Erhöhung der stabilen Transformationshäufigkeit
in monokotylen Pflanzen in Gegenwart einer pflanzlichen phenolischen
Verbindung, wobei die pflanzliche phenolische Verbindung in das
Medium, in dem Pflanzenzellen kultiviert werden, eingearbeitet wird,
bevor das in Kultur befindliche Gewebe mit der Fremd-DNA in Kontakt
gebracht wird.
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Weiterhin
werden Pflanzenmedienzusammensetzungen, die mindestens zwei pflanzliche
phenolische Verbindungen umfassen, bereitgestellt.
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DETAILLIERTE
BESCHREIBUNG VON BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSFORMEN
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Die
Erfindung beruht auf der ursprünglichen
Beobachtung, dass die Kultivierung von Pflanzenkalli, insbesondere
Maiskalli, ganz besonders fein zerschnittene Stücke von Typ I-Maiskalli, auf
einem Kulturmedium, das pflanzliche phenolische Verbindungen wie
Acetosyringon enthält, über einen
Zeitraum von ungefähr
5 Tagen die Zellteilung stark stimulierte und reproduzierbar Kalli
mit erhöhter
Kompetenz für
die Integration von Fremd-DNA, die in die Zelle mittels Agrobakterium-vermittelter
Transformation eingebracht wurde, in das Genom ergab, wie dies aus
der Anzahl von transformierten Zellen und Pflanzen, die unter standardisierten
Bedingungen gewonnen wurden, ersichtlich war.
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„Nicht-transformierte
Zellen" bedeuten
im vorliegenden Zusammenhang Zellen, die nicht mit dem jeweiligen
DNA-Fragment, das bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
verwendet werden wird, in Kontakt gebracht wurden. Natürlich können solche
Zellen auch von einer transgenen Pflanze bzw. von transgenem Pflanzengewebe,
die bzw. das zuvor mit einem unterschiedlichen oder ähnlichen
DNA-Fragment transformiert wurde, stammen.
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Die „Transformationseffizienz" oder „Transformationshäufigkeit" kann im vorliegenden
Zusammenhang durch die Anzahl der transformierten Zellen (oder der
transgenen Organismen, die aus einzelnen transformierten Zellen
herangezogen wurden), die unter Standardversuchsbedingungen (d.
h. in Bezug auf die Anzahl Zellen, die mit Fremd-DNA in Kontakt
gebracht wurden, Menge der abgegebenen DNA, Art und Bedingungen
der DNA-Abgabe, allgemeinen Kulturbedingungen usw. standardisiert
bzw. normalisiert) gewonnen werden. So kann z. B., wenn Kallusstücke als
Ausgangsmaterial für
die Transformation verwendet werden, die Transformationshäufigkeit
als Anzahl transgener Pflanzenlinien, die pro 100 transformierte
Kallusstücke
erhalten werden, ausgedrückt
werden. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
wurden Transformationshäufigkeiten von
ungefähr
1% oder darüber
erhalten.
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Eine
transgene „Pflanzenlinie" besteht im vorliegenden
Zusammenhang aus einer Gruppe von transgenen Pflanzen, die von einer
Einheit in Kultur befindlicher Zellen, z. B. einem transformierten
Kallusstück, stammen
und während
der Regeneration erhalten wurden. Im Allgemeinen sind Pflanzen von
einer Pflanzenlinie genetisch identisch und stammen von einem Transformationsereignis;
sie umfassen daher die gleichen Transgene an den gleichen Genompositionen.
Einzelne Pflanzen von einer Pflanzenlinie, wie sie im vorliegenden
Text definiert ist, können
jedoch aus unabhängigen
Transformationsereignissen stammen, insbesondere wenn der Agrobacterium-vermittelte
DNA-Transfer verwendet wird, und können sich so voneinander unterscheiden.
Werden Transformationshäufigkeiten
durch die Anzahl Pflanzenlinien/100 ursprüngliche Kallusstücke ausgedrückt, so
kann es vorkommen, dass die tatsächlichen
Transformationshäufigkeiten
(Transformationsereignisse/100 ursprünglich verwendete Kallusstücke) sogar
noch höher
liegen.
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„Pflanzliche
phenolische Verbindungen" oder „pflanzliche
Phenole", die sich
für die
Erfindung eignen, sind solche isolierten substituierten Phenolmoleküle, die
eine positive chemotaktische Reaktion induzieren können, insbesondere
solche, die eine verstärkte
vir-Genexpression in einer Ti-Plasmid-haltigen Agrobacterium Spezies, insbesondere
einem Ti-Plasmid-haltigen Agrobacterium tumefaciens, induzieren
können.
Verfahren zur Messung von chemotaktischen Reaktionen auf pflanzliche
phenolische Verbindungen sind von Ashby et al. (1988) beschrieben
worden, und Verfahren zur Messung der vir-Genexpression sind ebenfalls
gut bekannt (Stachel et al., 1985; Bolton et al. 1986).
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Es
wird angenommen, dass die positive Auswirkung auf die Transformationseffizienz,
die durch Inkubation der pflanzlichen Gewebe auf einem eine pflanzliche
phenolische Verbindung enthaltenden Medium erzielt wird, größtenteils
auf der Einleitung der Zellteilung und der Förderung der Kompetenz für den Einbau
von Fremd-DNA in das Genom der Pflanzenzelle beruht. Es ist bekannt,
dass die meisten monokotylen Pflanzen, insbesondere die Getreidearten,
bei Verwundung anders reagieren, als dies bei den meisten dikotylen
Pflanzen beobachtet wird (Potrykus, 1991). Es wird angenommen, dass
die äußerliche
Anwendung von pflanzlichen phenolischen Verbindungen eine wundartige
Reaktion auslösen
kann, insbesondere dann, wenn diese Verbindungen auf monokotyle
Pflanzen aufgebracht werden. Die Induktion von vir-Genen durch Restkonzentrationen an
pflanzlichen phenolischen Verbindungen, die von den vorbehandelten
pflanzlichen Geweben aufgenommen wurden, können bei der Verwendung des
Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfers ebenfalls die Transformationseffizienz
beeinflussen, es wird jedoch angenommen, dass diese Wirkung weniger
ausgeprägt
ist. Tatsächlich
wurde eine ähnliche
Verbesserung der Transformation auch dann beobachtet, wenn direkte DNA-Transfermethoden
verwendet wurden.
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Bei
bevorzugten pflanzlichen phenolischen Verbindungen handelt es sich
um diejenigen, die in Wundexsudaten von pflanzlichen Zellen auftreten.
Eine der am besten bekannten pflanzlichen phenolischen Verbindungen
ist Acetosyringon, das in verschiedenen verwundeten und intakten
Zellen verschiedener Pflanzen auftritt, jedoch in unterschiedlichen
Konzentrationen. Acetosyringon (3,5-Dimethoxy-4-hydroxyacetophenon) ist
jedoch nicht das einzige pflanzliche Phenol, das die Expression
von vir-Genen induzieren vermag. Weitere Beispiele sind α-Hydroxyacetosyringon,
Sinapinsäure
(3,5-Dimethoxy-4-hydroxyzimtsäure), Syringasäure (4-Hydroxy-3,5-dimethoxybenzoesäure), Ferulasäure (4-Hydroxy-3-methoxyzimtsäure), Brenzkatechin (1,2-Dihydroxybenzol),
Parahydroxybenzoesäure
(4-Hydroxybenzoesäure), β-Resorcylsäure (2,4-Dihydroxybenzoesäure), Protokatechusäure (3,4-Dihydroxybenzoesäure), Pyrogallol
(2,3,4-Trihydroxybenzoesäure), Gallussäure (3,4,5-Trihydroxybenzoesäure) und
Vanillin (3-Methoxy-4-hydroxybenzaldehyd), und von diesen phenolischen
Verbindungen ist bekannt, bzw. wird erwartet, dass sie Acetosyringon
in den Kulturmedien mit ähnlichen
Ergebnissen ersetzen können.
Im vorliegenden Text werden die obengenannten Moleküle als pflanzliche
phenolische Verbindungen bezeichnet.
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Pflanzliche
phenolische Verbindungen können
dem Pflanzenkulturmedium entweder allein oder in Kombination mit
anderen pflanzlichen phenolischen Verbindungen zugegeben werden.
Eine besonders bevorzugte Kombination von pflanzlichen phenolischen
Verbindungen umfasst mindestens Acetosyringon und Parahydroxybenzoesäure, es
wird jedoch erwartet, dass andere Kombinationen von zwei oder mehr
pflanzlichen phenolischen Verbindungen bei der Erhöhung der
Transformationseffizienz ebenfalls synergistisch wirken.
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Weiterhin
wird erwartet, dass gewisse Verbindungen wie osmotische Schutzmittel
(z. B. L-Prolin, vorzugsweise in einer Konzentration von ungefähr 700 mg/l
oder Betain), Pflanzenhormone (unter anderen NES), Opine oder Zucker
in Kombination mit pflanzlichen phenolischen Verbindungen synergistisch
wirken.
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Obwohl
sich die Erfindung besonders für
den verbesserten Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfer auf Pflanzenzellen,
insbesondere Maiszellen, Pflanzenzellkulturen, insbesondere von
monokotylen Pflanzen, die mit pflanzlichen Phenolen vorbehandelt
wurden, können
auch für
eine verbesserte Transformationseffizienz bei direkten DNA-Transferverfahren,
wie dem PEG-vermittelten DNA-Transfer, der Beschuss mit Partikeln oder
die Elektroporation verwendet werden. Im Prinzip stellt die vorliegende
Erfindung daher eine Verbesserung von bereits vorhandenen Vorgehensweisen
für die
genetische Transformation von Pflanzenzellen, insbesondere Monokotyledonenpflanzenzellen,
ganz besonders Maiszellen, bereit, bei der bei dem Medium, in dem diese
Zellen kultiviert werden, eine pflanzliche phenolische Verbindung
wie Acetosyringon für
eine gewisse Zeitdauer mitverwendet wird. Insbesondere werden die
Pflanzenzellen oder Pflanzengewebe 5 Tage auf einem Kulturmedium,
das Acetosyringon (100–200 μM) enthält, bevor
die Zellen mit der Fremd-DNA, die in die Zellen entweder direkt
mittels Elektroporation, PEG-vermitteltem DNA-Transfer oder Beschuss
mit Partikeln, oder vorzugsweise über den Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfer
eingebracht wird, in Kontakt gebracht werden.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform
wird das erfindungsgemäße Verfahren
zur Verbesserung der Transformationshäufigkeit bei dem Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfer
in Pflanzenzellen, insbesondere Maiszellen, verwendet.
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Bei
vielen traditionellen Vorgehensweisen für die genetische Transformation
von Pflanzenzellen, insbesondere Monokotyledonen-Pflanzenzellen,
werden in Kultur befindliche Zellen, Gewebe oder Explantate als Ausgangsmaterialien
verwendet, und Zellen in solchen Kulturen werden mit Fremd-DNA,
die mindestens ein interessierendes Gen (d. h. das Transgen) umfasst,
unter Bedingungen, die die Aufnahme von Fremd-DNA in das Genom der
Zellen fördert,
in Kontakt gebracht. Geeignete Medien für die Kultivierung von pflanzlichen
Zellen, Geweben, Organen oder Explantaten sind allgemein fachbekannt.
Bevorzugte Pflanzenkulturmedien sind definierte Kulturmedien, deren
chemische Zusammensetzung bekannt ist.
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In
einer Ausführungsform
der Erfindung wird bevorzugt, dass die pflanzliche phenolische Verbindung, insbesondere
Acetosyringon, dem Medium für
eine Zeitdauer von ungefähr
4 bis 5 oder 6 Tagen, vorzugsweise mindestens ungefähr 5 Tage,
zugegeben wird, bevor die Zellen mit der Fremd-DNA in Kontakt gebracht
werden. Es wird angenommen, dass die genaue Zeitdauer, über die
in Kultur befindliche Zellen in dem die pflanzliche phenolische
Verbindung, wie Acetosyringon, enthaltenden Medium kultiviert werden,
nicht kritisch ist, sie sollte jedoch vermutlich 2 Wochen nicht überschreiten.
Es scheint, dass die optimale Zeitdauer 1–10 Tage, insbesondere 3–7 Tage,
beträgt,
und dass die besten Ergebnisse mit einer Inkubationszeitdauer von
ungefähr
4 bis 5 oder 6 Tagen vor dem Zeitpunkt des Inkontaktbringens erzielt
wurden. Im Allgemeinen wird angenommen, dass ungefähr 5 Tage
eine nützliche
Zeitdauer ist, über
die die pflanzliche phenolische Verbindung dem Kulturmedium vor
dem Zeitpunkt des Inkontaktbringens zugegeben werden soll.
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Es
ist anzumerken, dass das in Kultur befindliche Gewebe nach der Inkubation
auf dem das pflanzliche Phenol umfassende Medium Bräunungserscheinungen,
ja sogar in gewissem Ausmaß Nekrosen
aufweisen kann, insbesondere dann, wenn bei dem Kulturmedium Gallussäure mitverwendet
wird. Trotzdem kann mit diesen in Kultur befindlichen Zellen, Geweben
oder Explantaten eine verbesserte Transforamtionseffizienz erzielt
werden.
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Weiterhin
wird angenommen, dass die Konzentration der pflanzlichen phenolischen
Verbindung in dem Medium eine Auswirkung auf die Entwicklung einer
Kompetenz für
die integrative Transformation, die vom Zelltyp (Spezies, Gewebeexplantat,
allgemeine Kulturbedingungen usw.) abhängt, hat. Innerhalb gewisser Konzentrationsbereiche
ist die Auswirkung jedoch minimal, insbesondere dann, wenn die in
Kultur befindlichen Zellen nicht länger als 7 Tage inkubiert werden.
Der optimale Konzentrationsbereich der pflanzlichen phenolischen
Verbindungen in dem Medium kann je nach der Spezies, von der das
Gewebe, die Zelle oder die Zellkultur abstammt, oder der verwendeten
Gewebeart abhängen,
es wird jedoch angenommen, dass 100 μM–200 μM eine geeignete Konzentration
für viele
Zwecke (z. B. für
Material, das von Mais stammt) darstellt. Die optimale Konzentration kann
auch von der Art der jeweiligen verwendeten pflanzlichen phenolischen
Verbindung, insbesondere von seiner Fähigkeit, die Zellteilung zu
fördern,
abhängen.
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So
wurde z. B. gefunden, dass die optimale Acetosyringonkonzentration
ungefähr
200 μM beträgt, dass
jedoch Konzentrationen von nur ungefähr 25 μM verwendet werden können, um
eine gute Auswirkung auf die Transformationseffizienz zu erzielen.
Es wird auch angenommen, dass höhere
Konzentrationen bis zu ungefähr
400 μM ähnliche
Auswirkungen haben werden.
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Vergleichbare
Konzentrationen treffen auch bei anderen pflanzlichen phenolischen
Verbindungen zu, und Optimalkonzentrationen können erfindungsgemäß leicht
durch Versuchstätigkeit
ermittelt werden.
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Wie
oben erwähnt
beinhalten Vorgehensweisen bei der Transformation von Pflanzen im
Allgemeinen die Kultivierung von Zellen, Zellkulturen, Geweben oder
Explantaten, bevor das in Kultur befindliche Gewebe mit der Fremd-DNA
in Kontakt gebracht wird. Als Ausgangsmaterialien für die Vorgehensweisen
bei der Transformation wurden verschiedene Gewebe beschrieben, darunter
trockene Samen, unreife Embryonen, unreife Blüten, Antheren, Mikrosporen,
Scutella, Nodien, junge Blattbasen, Hypokotylexplantate, Wurzeln
(insbesondere Wurzelspitzen), feste embryogene Kalli (z. B. Typ
I bei Mais), lockere embryogene Kalli (z. B. Typ II bei Mais), Suspensionskulturen,
Kulturen suspendierter Zellaggregate, somatische Embryonen und Sproßspitzen. Es
wird erwartet, dass die Mitverwendung von pflanzlichen phenolischen
Verbindungen, insbesondere Acetosyringon, in dem Medium, auf dem
diese Gewebe, Zellen, Zellkulturen oder Explantate vor dem Inkontaktbringen
mit der Fremd-DNA inkubiert werden, die Transformationseffizienz
verbessern, insbesondere dann, wenn die Agrobacterium-vermittelte
Transformation verwendet wird.
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Es
ist klar, dass, wenn der Begriff „Inkubieren auf einem (Pflanzen-)Medium" verwendet wird,
dieses Medium entweder flüssig
oder fest sein kann. Im Zusammenhang mit den Erfindungen umfassen
die Pflanzenmedien mindestens eine pflanzliche phenolische Verbindung.
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Es
ist selbstverständlich,
dass in Fällen,
wo das schlußendliche
Ziel des Transformationsverfahrens die Regeneration von transgenen
Pflanzen, insbesondere von phänotypisch
normalen Pflanzen, darstellt, das Ausgangsmaterial regenerationsfähig sein
sollte, wie dies im Stand der Technik allgemein beschrieben ist.
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In
einer besonders bevorzugten Ausführungsform
werden für
die Transformation kompetente Pflanzenzellen, vorzugsweise für die Transformation
mit Agrobacterium kompetente Pflanzenzellen, dadurch erzeugt, dass
man festen regenerationsfähigen
Kallus, wie Typ I-Maiskallus, auf einem Medium, das ein pflanzliches
Phenol, vorzugsweise Acetosyringon, umfasst, inkubiert. Zu diesem
Zweck wird der feste Kallus dadurch geteilt, dass man ihn in kleinere
Fragmente schneidet. Der erhaltene Kallus sollte ganz oder zumindest teilweise
die regenierbaren (z. B. die embryogenen) Abschnitte oder Teile
des Kallus umfassen. Die Kallusfragmente weisen vorzugsweise auch
eine durchschnittliche Maximallänge
von 0,5 bis 5 mm, insbesondere 1 bis 2 mm, stärker bevorzugt 1,25 bis 1,75
mm und vorzugsweise eine Minimallänge von ungefähr 0,1 mm
auf. Es ist jedoch trotzdem denkbar, größere Fragmente von Typ I-Kallus
von bis zu ungefähr
1 cm zu verwenden. Nach der Kultivierung auf den Medien, die pflanzliche
Phenole umfassen, können
die Kalli mit der Fremd-DNA, vorzugsweise mit den Agrobakterien,
die Fremd-DNA umfassen, ohne weitere Verwundung oder Enzymvorbehandlung
in Kontakt gebracht werden.
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Der
feste Kallus kann jedoch auch ohne Verwundung (z. B. Schneiden)
auf einem Medium, das eine pflanzliche phenolische Verbindung umfasst,
inkubiert und anschließend
verwundet, d. h. in kleinere Fragmente, insbesondere Fragmente,
die die obengenannten Abmessungen aufweisen, geschnitten werden,
bevor der Schritt des Inkontaktbringens durchgeführt wird.
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In
einer weiteren Ausführungsform
werden für
die Transformation kompetente Zellen, insbesondere für die Transformation
mit Agrobacterium kompetente Zellen, dadurch erzeugt, dass man unreife
Embryonen, vorzugsweise unreife Maisembryonen, auf einem Medium,
das ein pflanzliches Phenol, vorzugsweise Acetosyringon, umfasst,
inkubiert. Diesbezüglich
ist es bei Pflanzen wie Mais bevorzugt, dass die unreifen Embryonen
eine Maximallänge
von etwa 0,5 bis 2 mm, vorzugsweise 0,5 bis 1,5 mm, aufweisen, obwohl
auch kleinere Embryonen mit einer Länge von 0,5 bis 1 mm verwendet
werden können.
Nach der Kultivierung auf dem Medium, das pflanzliche Phenole umfasst,
können
die unreifen Embryonen mit der Fremd-DNA, vorzugsweise mit den Agrobakterien,
die die Fremd-DNA umfassen, ohne weitere Verwundung oder Enzymvorbehandlung
in Kontakt gebracht werden.
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Es
wurde gefunden, dass bei Verwendung der vorliegenden Erfindung verschiedene
Maisgenotypen dem Agrobacterium-vermittelten
DNA-Transfer zugänglich
sind, insbesondere Mais, PHH [(Pa91xH99)xH99], Pa91 HE89 oder PHP[(Pa91xH99)xPa91].
Es wird daher erwartet, dass sich die Erfindung ohne Einschränkungen
durch den Genotyp anwenden lassen kann, insbesondere für die Transformation
von Mais.
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Eine
Vorkultivierung der erfindungsgemäßen Pflanzenzellen, insbesondere
Maiszellen, erhöht
die Transformationseffizienz des Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfers,
und es wird erwartet, dass dieser Effekt unabhängig vom chromosomalen Hintergrund
des verwendeten Agrobacterium-Wirts, des verwendeten Ti-Plasmid-Typs,
des verwendeten Helferplasmids oder des verwendeten T-DNA-Vektors
ist. Das erfindungsgemäße Verfahren
erweitert daher die Reihe der Agrobakteriumstämme, die wirksam verwendet
werden können.
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Besonders
bevorzugte bakterielle chromosomale Hintergründe werden von A. tumefaciens
C58C1 bereitgestellt (Van Larebeke et al., 1974), A136 (Watson et
al., 1975) oder LBA4011 (Klapwijk et al., 1980).
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In
einer bevorzugten Ausführungsform
enthält
der für
die Transformation des mit der pflanzlichen phenolischen Verbindung
vorkultivierten pflanzlichen Gewebes verwendete Agrobakteriumstamm
ein Ti-Plasmid des L,L-Succinamophin-Typs, das vorzugsweise „disarmed" ist, wie pEHA101.
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In
einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
enthält
der für
die Transformation des mit der pflanzlichen phenolischen Verbindung
vorkultivierten pflanzlichen Gewebes verwendete Agrobakteriumstamm
ein Ti-Plasmid des Octopin-Typs, das vorzugsweise „disarmed" ist, wie pAL4404.
Im Allgemeinen wird bei der Verwendung von Ti-Plasmiden des Octopin-Typs
oder von Helferplasmiden bevorzugt, dass das virF-Gen deletiert oder
inaktiviert wird (Jarschow et al., 1991).
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
kann auch in Kombination mit bestimmten Agrobakteriumstämmen verwendet
werden, um die Transformationseffizienz weiter zu erhöhen, wie
Agrobakteriumstämmen,
bei denen die vir-Genexpression und/oder deren Induktion aufgrund
des Vorhandenseins von mutierten oder chimären virA- oder virG-Genen (z.
B. Hansen et al., 1994; Chen und Winans 1991; Scheeren-Groot et al., 1994)
geändert
wird.
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In
einer weiteren Ausführungsform
können
zur weiteren Erhöhung
der Transformationseffizienz Agrobakteriumstämme verwendet werden, die zusätzliche
Kopien des virG-Gens, insbesondere des sogenannten, von pTiBo542
abgeleiteten super-virG-Gens, umfassen, vorzugsweise solche, die
mit einem Mehrfachkopieplasmid verbunden sind.
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In
einer noch weiteren Ausführungsform
der Erfindung umfassen die verwendeten Agrobakteriumstämme eine
zusätzliche
Kopie des virB11-Gens, insbesondere das von p-TiBo542 abgeleitete
virB11-Gen, das in Agrobacterium exprimiert wird. Dies kann so durchgeführt werden,
dass man vorzugsweise ein chimäres Gen,
das die virB11-Kodierregion in operativer Verbindung mit einem Promotor,
der in Agrobacterium exprimiert werden kann, wie einem isolierten
virB-Promotor, ohne sonstige dazwischenliegende Kodierregionen des virB-Operons
umfasst.
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Agrobacterium-Zellen,
die mit den Pflanzenzellen, insbesondere den Maiszellen, cokultiviert
werden sollen, können
entweder auf fachbekannte Weise mit Acetosyringon oder einer anderen
pflanzlichen phenolischen Verbindung vorinkubiert werden, oder direkt
nach Isolation aus ihrem Kulturmedium verwendet werden. Besonders
geeignete Induktionsbedingungen für Agrobacterium tumefaciens
sind von Vernade et al. (1988) beschrieben worden.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
kann im Prinzip zur Transformation von Pflanzenzellen, insbesondere
Maiszellen, mit einer beliebigen Fremd-DNR verwendet werden. Im
Allgemeinen umfasst die Fremd-DNA zumindest ein interessierendes
Gen, das 1) eine Promotorregion, mit einem Promotor, der in Zellen
der zu transformierenden eukaryontischen Spezies, z. B. der Pflanzenspezies,
die Transkription der DNA in eine RNA steuern kann, und 2) eine
für eine
RNA (z. B. eine antisense-RNA oder ein Ribozym) oder für ein Protein
kodierende Kodierregion umfasst. Am häufigsten umfasst das interessierende
Gen auch 3) eine 3'-untranslatierte Region
eines eukaryontischen Gens, die ein Polyadenylierungssignal enthält. Der
Promotor kann so ausgewählt
werden, dass er die Expression des eukaryontischen Organismus in
ausgewählten
Geweben steuert. So sind z. B. Promotor bekannt, die die Expression
selektiv in Staubblattzellen einer Pflanze (z. B. im Tapetum) steuern,
und solche Promotoren wurden zur Verwendung von pollensterilen Pflanzen
und anderen Pflanzen, die sich für
die Produktion von Hybriden eignen, verwendet (
EP 344029 ;
EP 412911 ; WO 9213956; WO 9213957;
Mariani et al., 1990; Mariani et al 1992).
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Die
bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
verwendete Fremd-DNA umfasst vorzugsweise auch ein selektierbares
Markergen, dessen Expression die Selektion von transformierten Zellen
(bzw. Organismen) von nicht-transformierten Zellen (bzw. Organismen)
gestattet. Solch ein selektierbares Markergen kodiert im Allgemeinen
für ein
Protein, das der Zelle Resistenz gegen ein Antibiotikum oder eine
andere Chemikalie, die normalerweise für die Zellen toxisch ist, verleiht.
Bei Pflanzen kann das selektierbare Markergen daher auch für ein Protein
kodieren, das Resistenz gegen ein Herbizid, wie ein Herbizid, das
einen Glutaminsynthetase-Hemmer (z. B. Phosphinotricin) als Wirkstoff
enthält,
verleiht. Solche Gene sind z. B. Gene, die für die Phosphinotricin-Acetyltransferase
kodieren, z. B. die sfr- oder sfrv-Gene (
EP 242236 ;
EP 242246 ; De Block et al., 1987).
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Die
vorliegende Erfindung stellt daher ein schnelles, wirksames und
reproduzierbares Verfahren für die
Erhöhung
der Transformationseffizienz des DNA-Transfers, insbesondere des
Agrobacterium-vermittelten DNA-Transfers
bei Pflanzenzellen, insbesondere Monokotyledonen-Pflanzenzellen,
ganz besonders Maiszellen, jedoch auch Reis-, Weizen- oder Gerstenzellen,
bereit. Außerdem
werden mit Agrobacterium-vermittelten Transformationsverfahren mehr
transgene Pflanzen, insbesondere Maispflanzen, mit einer begrenzten
Anzahl Kopien des Transgens, insbesondere mit einer Kopie des Transgens,
die in das Genom ihrer Zellen integriert ist, als bei direkten Gentransferverfahren
erzielt. Außerdem
führen
transgene Pflanzen, insbesondere transgene Maispflanzen, die mit
der Agrobacterium-vermittelten Transformation erzielt werden, und
die mehr als eine Kopie des Transgens in ihrem Genom enthalten,
häufig
zu Nachkommenschaftspflanzen, bei denen die unterschiedlichen Kopien
des Transgens unabhängig
vererbt werden, wodurch eine Aufspaltung der unterschiedlichen Transgen-Kopien
bei den Nachkommenschaftspflanzen auftritt. Es wird daher erwartet,
dass in einer Population von transgenen Pflanzen, die mit den erfindungsgemäßen Transformationsverfahren
erhalten wurden, ein höherer
Anteil von transgenen „Elite"-Pflanzen mit den
erwünschten
Eigenschaften auftritt als in einer Population von transgenen Pflanzen,
die mit direkten Gentransfermethoden erhalten werden. Obwohl sich
die Erfindung besonders für
monokotyle Pflanzen eignet, wird erwartet, dass ähnliche Ergebnisse erzielt
werden, wenn in Kultur befindliche Zellen von dikotylen Pflanzen
als Ausgangsmaterial für
das erfindungsgemäße Verfahren
verwendet werden.
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In
den folgenden Beispielen werden die erfindungsgemäßen Methoden
genau beschrieben. Falls nicht anders in den Beispielen erwähnt, werden
alle DNA-Rekombinationstechniken nach Standardprotokollen, wie sie
bei Sambrook et al. (1989) Molecular Cloning: A Laboratory Manual,
Zweite Ausgabe, Cold Spring Harbor Laboratory Press, NY und in den
Bändern
1 und 2 von Ausubel et al. (1994) Current Protocols in Molecular Biology,
Current Protocols, USA, beschrieben sind, durchgeführt. Standardmaterial
und -verfahren für pflanzenmolekularbiologische
Arbeiten sind in Plant Molecular Biology Labfax (1993) von R. D.
D. Croy, gemeinsam von BIOS Scientific Publications Ltd (UK) und
Blackwell Scientific Publications, UK, verlegt, beschrieben.
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In
den Beispielen und in der Beschreibung der Erfindung werden die
folgenden Sequenzen der Sequenzbeschreibung erwähnt:
| SEQ
ID NR. 1: | Nukleotidsequenz
der T-DNA von pGVS71 |
| SEQ
ID NR. 2: | Nukleotidsequenz
der Kodierregion des bar-Gens mit dem adh1-Intron |
| SEQ
ID NR. 3: | Nukleotidsequenz
der T-DNA von pGVS8 |
| SEQ
ID NR. 4: | Nukleotidsequenz
des Oligonukleotids VG40 |
| SEQ
ID NR. 5: | Nukleotidsequenz
des Oligonukleotids VG41 |
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Versuchsteil: In den Beispielen
verwendete Medien, Plasmide und Bakterienstämme
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1.1. Medien
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In
allen Beispielen wurden die folgenden Pflanzengewebekulturmedien
verwendet:
- – Mahi1VII: N6-Medium (Chu
et al. 1975) mit Zusatz von 100 mg/l Caseinhydrolysat, 6 mM L-Prolin,
0,5 g/l 2-(N-Morpholino)ethansulfonsäure (MES), 0,2 M Mannit, 2%
Saccharose, 1 mg/l 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D), 2,5 g/l Gelrite,
eingestellt auf pH 5,8.
- – LSIDhy1.5VII:
MS-Salze (Murashige und Skoog, 1968) mit Zusatz von 0,5 mg/l Nikotinsäure, 0,5
mg/l Pyridoxin.HCl, 1 mg/l Thiamin.HCl, 100 mg/l Myo-Inositol, 6
mM L-Prolin, 0,5 g/l MES, 20 g/l Saccharose, 10 g/l Glucose, 1,5
mg/l 2,4-D, 2,5 g/l Gelrite, eingestellt auf pH 5,2.
- – LSI:
MS-Salze mit Zusatz von Vitaminen wie bei LSIDhy 1.5 VII, 1 g/l
Casaminosäuren,
0,2 M Saccharose, 0, 2 M Glucose, 1,5 mg/l 2,4-D, 2,5 g/l Gelrite,
eingestellt auf pH 5,2.
- – Ahx1.5VIIp500ino1000ppT10:
MS-Salze mit Zusatz von 1000 mg/l Myo-Inositol, 0,5 g/l MES, 30
g/l Saccharose, 10 g/l Glucose, 1,5 mg/l 2,4-D, 2,5 g/l Phytagel,
10 mg/l Glufosinate-Ammonium, 500 mg/l Carbenicillin, eingestellt
auf pH 5,8.
- – Mh1VIIp500ppT5:
N6-Medium mit Zusatz von 0,5 g/l MES, 20 g/l Saccharose, 1 mg/l
2,4-D, 5 mg/l Glufosinate-Ammonium, 500 mg/l Carbenicillin, eingestellt
auf pH 5,8.
- – A37VIIp500ppT2:
MS-Medium mit Zusatz von 0,5 g/l MES, 30 g/l Saccharose, 5 mg/l
Zeatin, 2,5 g/l Phytagel, 2 mg/l Glufosinate-Ammonium, 500 mg/l
Carbenicillin, eingestellt auf pH 5,8.
- – LSIIDhy1.5XI
wie bei LSIDhy1.5VII-Medium, wobei jedoch die 6 mM L-Prolin durch
1 g/l Casaminosäuren und
die 2,5 g/l Gelrite durch 0,5% BRL-Agarose (reinst) ersetzt wurden.
- – A6%VII500ppT2
MS-Medium mit Zusatz von 0,5 g/l MES, 60 g/l Saccharose, 2,5 g/l
Phytagel, 2 mg/l Glufosinate-Ammonium, 500 mg/l Carbenicillin, eingestellt
auf pH 5,8.
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1.2. T-DNA-Vektoren
-
In
allen Beispielen wurden die folgenden T-DNA-Vektoren verwendet:
- – pGSV71:
hierbei handelt es sich um einen T-DNA-Vektor, der sich von pGSC1700 (Cornelissen
und Vandewiele, 1989) ableitet, von dem er sich durch das Fehlen
des β-Lactamase-Gens
und das Vorhandensein der durch die Sequenz SEQ ID Nr. 1 charakterisierte
T-DNA unterscheidet. pGVS71 umfasst das selektierbare chimäre bar-Marker-Gen,
das operativ mit einem CaMV35S-Promotor und dem 3'-Ende des Nopalinsynthase-Gens
verbunden ist.
- – pTCO114:
hierbei handelt es sich um einen T-DNA-Vektor, der pGSV71 ähnelt und eine T-DNA umfasst, bei
der die Kodiersequenz des bar-Gens (Nukleotidsequenz von SEQ ID
Nr. 1 von der Nukleotidposition 1437 bis zur Nukleotidposition 1988)
durch die Sequenz eines bar-Gens, das ein Intron des adh1-Gens aus Mais
(Nukleotidsegeunz von SEQ ID Nr. 2) umfasst, ersetzt wurde
- – pTCO121:
T-DNA-Vektor, der das zusätzliche
virG-Gen aus pTiBo542, umfassend auf einem ungefähr 1,3 kb großen BglII-SphI-Fragment
aus pTiBo542, trägt.
Die T-DNA ist im Wesentlichen derjenigen von pTCO114 ähnlich.
Der Vektor wurde folgendermaßen
konstruiert:
ein ungefähr
1,3 kb großes
BglII-SphI-Fragment wurde aus pCNL2 (Liu et al. 1992) aufgereinigt.
Dieses Fragment umfasst das 3'-Ende
des virB-Operons, das vollständige
virG-Gen und das 3'-Ende
des virC-Operons aus pTiBo542. Das Fragment wurde durch Behandlung
mit T4-Polymerase stumpfendig gemacht und mit dem mit XbaI linearisierten
und mit Klenow behandelten pGSV8 ligiert, wodurch man pGSV15 erhielt.
Bei pGSV8 handelt es sich um einen T-DNA-Vektor, der sich von pGSC1700
(Cornelissen und Vandewiele, 1989) ableitet, von dem er sich durch
das Fehlen des β-Lactamase-Gens
und das Vorhandensein der durch die Sequenz SEQ ID Nr. 3 charakterisierte
T-DNA unterscheidet. In einem nächsten Schritt
wurde eine T-DNA, die den chimären
selektierbaren bar-Marker trug, in pGSV15 eingebracht. Zu diesem
Zweck wurde das ungefähr
1,2 kb große
EcoRI-BstEII-Fragment von pGSV15 (die EcoRI-Stelle befindet sich
innerhalb der T-DNA von pGSV15) durch das ungefähr 4 kb große EcoRI-BstEII-Fragment aus pTCO114,
das die T-DNA (mit Ausnahme der rechten Border) umfasst, ersetzt,
wodurch man zu pTCO121 gelangte.
- – pVE200:
T-DNA-Vektor, der die gleiche T-DNA wie pTCO121 und ein ähnliches
pTiBo542-Fragment, umfassend das 3'-Ende des virB-Operons (inklusive des
offenen Leserasters von virB11), das vollständige virG-Gen und das 3'-Ende des virC-Operons
umfasst, trägt,
wobei jedoch das 3'-Ende
des virB-Operons mit einem durch PCR amplifizierten virB-Promotorfragment
operativ verbunden ist (d. h. diesem nachgeschaltet ist). Der Vektor
wurde folgendermaßen
konstruiert:
- – ein
virB-Promotorfragment wurde durch eine standardmäßige Polymerasekettenreaktion
unter Verwendung der Primer VG40 (SEQ ID Nr. 4) und VG41 (SEQ ID
Nr. 5) und Gesamt-DNA aus A348 (pSM30) (Stachel und Nester, 1986)
als Matrize amplifiziert. Das erhaltene Fragment, das eine Größe von ungefähr 390 bp
aufwies (und das im Wesentlichen der Sequenz der EMBL-Eingangs-Nr.
J03216 von Nukleotid 475 bis Nukleotid 764 entspricht) aufweist,
umfasst einen von Das et al. (1986) beschriebenen virB-Promotor,
wurde mit XbaI und NheI verdaut und mit mit XbaI linearisiertem
pCNL2 (Liu et al., 1992) ligiert, wodurch man pVE194 erhielt. In
pVE194 befindet sich das 3'-Ende
des virB-Operons unter der transkriptionellen Regulation des virB-Promotors.
- – Das
DNA-Fragment, das das 3'-Ende
des virB-Operons
von pTiBo542 unter der Kontrolle eines virB-Promotors und das virG-Gen
von pTiBo542 umfasst, wurde anschließend durch dreifache Ligation
zwischen dem ungefähr
1,6 kb großen
xbaI-BglII-Fragment von pVE194, dem ungefähr 1,3 kb großen BglII-SphI-Fragment
von pVE194 und dem ungefähr
7,2 kb großen
XbaI-SphI-Fragment
von pGSV8, das die T-DNA umfasst, in einen T-DNA-Vektor eingebracht.
Das erhaltene Plasmid wurde mit der Bezeichnung pTVE197 versehen.
- – Das
selektierbare Markergen von pTCO114 wurde durch Ligation der folgenden
drei Fragmente in pTVE197 eingeführt:
- i) das ungefähr
5,3 kb große
BanII-BstEII-Fragment
von pTVE197, das das 3'-Ende
des virB- und des virG-Gens umfasst;
- ii) das ungefähr
3,7 kb große
BanII-EcoRI-Fragment
von pTVE197, das die rechte T-DNA-Border umfasst;
- iii) das ungefähr
4 kb große
EcoRI-BstEII-Fragment
von pTCO114, das das chimäre
selektierbare bar-Gen und die linke T-DNR-Border umfasst;
wodurch man
zu dem T-DNA-Vektor pVE200 gelangte.
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1.3 Agrobacterium tumefaciens-Stämme
-
Die
T-DNA-Vektoren pGSV71, pTCO114, pTCO121 und pVE200 wurden mit dem
Dreiwege-Kreuzungsprotokoll (Ditta et al., 1980) unter Selektion
auf Resistenz gegen Streptomycin (300 μg/ml) und Spectinomycin (100 μg/ml) in
die Agrobakteriumstämme
LBA4404 mit dem Helfer-Ti-Plasmid
pAL4404 oder EHA101, mit dem Helferplasmid pEHA101, eingeführt.
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In
allen Beispielen wurden die folgenden Stämme verwendet:
Stamm A3593:
LBA4404 mit pGSV71
Stamm A3532: LBR4404 mit pTCO121
Stamm
A3638: LBA4404 mit pVE200
Stamm A3460: EHA101 mit pTCO114
Stamm
A3533: EHA101 mit pTCO121
Stamm A3637: EHA101 mit pVE200
-
BEISPIELE
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Beispiel 1. Agrobacterium-vermittelte
Transformation von mit Acetosyringon vorbehandeltem Typ I-Maiskallus
-
Fragmente
des Typ I-Kallus wurden im Wesentlichen wie in WO 92/09696 beschrieben
gewonnen. Unreife Embryonen der Maislinie (Pa91xH99)xH99 (PHH-line)
wurden 9–12
Tage nach der Bestäubung
aus dem Korn herausgeschnitten, die Oberfläche wurde steril gemacht und
die Explantate wurden auf Mahi1VII-Medium ausplattiert, um Typ I-Kallus
zu induzieren. Der Typ I-Kallus wurde auf dem gleichen Medium ungefähr zwei bis
sechs Monate lang in einmonatigen Abständen subkultiviert. Anschließend wurde
der Typ I-Kallus fein in Fragmente mit einer durchschnittlichen
Länge von
ungefähr
1,5 mm zerschnitten, und die erhaltenen Fragmente wurden 5 Tage
auf LSIDhy1.5VII-Substrat mit Zusatz von 100–200 μM Acetosyringon inkubiert. Die
vorinduzierten Kallusfragmente wurden entnommen und ohne weitere
Verwundung ungefähr
3 bis ungefähr
20 Minuten lang in eine Suspension des entsprechenden Agrobakteriumstamms
getaucht. Die Bakteriensuspension wurde folgendermaßen erhalten:
die Bakterien wurden 3 bis 6 Tage auf MAG-Medium Minimal-A-Medium (Jeffrey Miller,
1972) mit Zusatz von 2 g/l Glucose] oder auf AB-Medium (Chilton
et al., 1974) kultiviert. Die Bakterien wurden geerntet und in flüssigem LSI-Substrat
mit Zusatz von 100–200 μM Acetosyringon
in einer Konzentration von ungefähr
5 × 109 Zellen/ml suspendiert.
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Nach
dem Eintauchen in die Bakteriensuspension wurden die Kallusfragmente
auf LSIIDhy1.5XI-Medium mit Zusatz von 100–200 μM Acetosyringon ungefähr 3 bis
6 Tage lang (3 Tage für
den LBA-Typ-Stamm, 6 Tage für
den EHA-Typ-Stamm)
bei ungefähr
25°C co-kultiviert.
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Nach
der Co-Kultivierung wurden die Gewebe auf Ahx1.5VIIp500ino1000ppT10
umgesetzt und 3 bis 4 Wochen lang kultiviert. Proliferierende Phosphinotricin
(PPT)-resistente Kalli wurden entnommen und mindestens zweimal mit
einem Subkulturabstand von 3 Wochen auf Mh1VIIp500ppT5 subkultiviert.
Embryogene PPT-resistente Kalli wurden auf Regenerationsmedium (A37VIIp500ppT2.)
ausplattiert, und das embryogene Gewebe wurde zweimal im Abstand
von 10 bis 14 Tagen auf dem gleichen Medium subkultiviert. Pflänzchen wurden
für das
weitere Wachstum in Glasbehältnisse,
die A6%VIIp500ppT2-Substrat
enthielten, umgesetzt, und sich entwickelnde Sprosse wurden anschließend auf
MS-Medium in halber Stärke
mit Zusatz von 1,5% Saccharose umgesetzt, um ein weiteres Längenwachstum
des Sprosses und eine Bewurzelung zu erzielen. Die Pflanzen wurden
auf Phosphinotricin-Acetyltransferase (Patienten)-Aktivität geprüft, und
PAT-positive Pflanzen wurden in das Gewächshaus umgesetzt. PAT-positive
Pflanzen wurden mittels Southern-Hybridisierung auf das Vorhandensein
des Transgens geprüft.
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Bei
Kontrollversuchen, bei denen die Fragmente des Typ T-Kallus nicht
durch Inkubation auf acetosyringonhaltigen Medien vorbehandelt wurden,
bei Co-Kultivierung mit den im Versuchsteil beschriebenen Agrobacterienstämmen, übertraf
die durchschnittliche Transformationshäufigkeit nie 0,1% (siehe Tabelle
I), obwohl jeweils PAT-positive Pflanzen erhalten wurden.
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Durch
die Vorbehandlung mit Acetosyringon konnte die Transformationseffizienz
von Typ I-Kallus durch Co-Kultivierung mit Agrobakterienstämmen um
das mindestens Dreifache erhöht
werden. Bei Co-Kultivierung von ungefähr 1700 Kallusfragmenten, die
mit Acetosyringon vorbehandelt worden waren, mit dem Stamm A3460
erhielt man 5 PAT-positive Linien (durchschnittliche Transformationshäufigkeit
von ungefähr 0,3%;
siehe Tabelle I).
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Die
Co-Kultivierung von ungefähr
4000 vorbehandelten Kallusfragmenten (pro Versuchsserie) mit den Agrobakteriumstämmen A3638,
A3533 und A3637 erhielt man 37, 30 bzw. 33 PAT-positive Pflanzenlinien (durchschnittliche
Transformationshäufigkeit
von ungefähr
1%). Bei diesen Versuchen war die Transformationseffizienz also
um mindestens ungefähr
das 7- bis 10-fache verbessert.
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Eine
Erhöhung
der Transformationshäufigkeit
durch Vorbehandlung mit Acetosyringon wurde auch bei der Co-Kultivierung
vom Typ I-Kalli, die von den Maispflanzenlinien (Pa91xH99)xPa91
(PHP) und Pa91 stammten, erzielt.
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Beispiel 2. Das Vorhandensein
eines zusätzlichen
chimären
virB11-Gens verbessert die Agrobacterium-vermittelte Transformationshäufigkeit
-
Fragmente
des Typ I-Kallus wurden wie in Beispiel 1 beschrieben gewonnen und
5 Tage auf LSIDhy1.5VII-Substrat
mit Zusatz von 100 μM
Acetosyringon inkubiert und anschließend mit dem Agrobakteriumstamm
A3532 und A3638 co-kultiviert. Mit Stamm A3532 wurde nur 1 PAT-positive
Pflanze erhalten, auch dann, wenn eine Vorbehandlung mit Acetosyringon
durchgeführt
wurde (Transformationshäufigkeit < 0,1%). Das Vorhandensein
des funktionellen virB-Promotors vor dem offenen Leseraster von
virB11 auf dem T-DNA-Vektor verbesserte jedoch die Transformationseffizienz
(siehe Tabelle I) um das mindestens Zehnfache.
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Beispiel 3. Agrobacterium-vermittelte
Transformation von Typ I-Maiskallus, der mit unterschiedlichen pflanzlichen
phenolischen Verbindungen vorbehandelt wurde
-
Fragmente
des Typ I-Kallus wurden wie in Beispiel 1 beschrieben gewonnen und
5 Tage auf LSIDhy1.5VII-Substrat
mit Zusatz von 100 μM
der in Tabelle II angegebenen pflanzlichen phenolischen Verbindungen
inkubiert. Ungefähr
200 vorinduzierte Kallusfragmente wurden mit dem Agrobakteriumstamm A3637
(oder A3638) co-kultiviert. Die Anzahl der PAT-positiven Linien
und die erzielten Transformationshäufigkeiten sind in Tabelle
II zusammengefasst.
-
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Beispiel 4. Die Vorbehandlung
von Typ I-Maiskallus mit Acetosyringon verbessert die Transformationshäufigkeit
durch Elektroporation
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Mit
fein zerschnittenen Kallusstücken
vom Typ I-Kallus, die 5 Tage auf 100 μM acetosyringonhaltigem Medium
wie in Beispiel 1 beschrieben vorinkubiert worden waren, wurde ohne
weitere Verwundung eine Elektroporation wie in WO92/09696 beschrieben
durchgeführt.
Kurz gesagt wurden ungefähr
50 Kallusstücke
in 100 μl
EPM-KCl-Puffer resuspendiert
und 3 Stunden bei Raumtemperatur vorplasmolysiert. Im Anschluß daran
wurden die Kallusstücke
in EPM + KCl-Puffer gewaschen und mit EPM + KCl-Puffer in eine Elektroküvette gegeben.
Es wurde mit Plasmid-DNA (10 μg
pDE110) versetzt, und die DNA wurde mit den Kallusfragmenten ungefähr 1 Stunde
bei Raumtemperatur inkubiert. Die Elektroporation wurde unter Standardbedingungen durchgeführt (1 Impuls
mit einer anfänglichen
Feldstärke
375 V/cm von einem Kondensator mit 900 μF). Die Kalli wurden niemals
auf Eis aufbewahrt. Es wurden phosphinotricinresistente Kalli selektiert
und Pflanzen wie beschrieben (WO92/09696) regeneriert. Die Phosphinotricin-Acetyltransferaseaktivität wurde
wie beschrieben (WO92/09696) nachgewiesen.
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Während durch
Kontrollelektroporation von ungefähr 5640 Kallusstücken, die
nicht mit Acetosyringon vorbehandelt worden waren, 13 PAT-positive
Pflanzen erhalten wurden (ungefähr
0,23%), wurden durch Elektroporation von ungefähr 530 Kallusstücken, die
mit Acetosyringon vorbehandelt worden waren, 4 PAT-positive Pflanzen
erhalten (ungefähr
0,75%). Die Transformationshäufigkeiten
lagen also ungefähr
dreimal höher, wenn
die fein zerschnittenen Stücke
vom Typ I-Kallus
durch 5-tägige
Inkubation auf 100 μM
acetosyringonhaltigen Medien vorbehandelt wurden.
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Beispiel 5. Die Kombination
von pflanzlichen Phenolen erhöht
die Transformationshäufigkeit
weiter
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Fragmente
des Typ I-Kallus wurden wie in Beispiel 1 beschrieben gewonnen und
5 Tage auf LSIDhy1.5VII-Substrat
mit einem Zusatz von entweder 200 μM Acetosyringon oder einer Kombination
von 100 μM
Acetosyringon und 100 μM
Parahydroxybenzoesäure
inkubiert. Ungefähr
250 Kallusstücke
wurden mit dem Agrobakteriumstamm A3533 co-kultiviert. Während auf
PPT-haltigen Medien nach Vordinduktion auf Acetosyringon 2 sprossregenierende
Linien (darunter 1 PAT-positive Linie) erzielt wurden (Häufigkeit
ungefähr 1%),
wurden auf PPT-haltigen Medien nach Vordinduktion auf Acetosyringon
und Parahydroxybenzoesäure
7 sprossregenerierende Linien (darunter 5 PAT-positive Linien) erhalten
(Häufigkeit
ungefähr
3%).
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Beispiel 6. Analyse der
durch Agrobacterium-vermittelte Transformation erhaltenen transgenen
Maispflanzen aus den Beispielen 1 bis 5
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Die
transgenen Maispflanzen aus den obigen Beispielen wurden mittels
Southern-Analyse untersucht.
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Zuerst
wurde überprüft, ob alle
transgenen Pflanzen, die aus einer einzelnen transgenen Kalluslinie regeneriert
wurden, identisch waren oder ob sie aus unabhängigen Transformationsereignissen
hervorgegangen sein könnten.
Alle regenerierten Pflanzen, die von 24 unabhängigen transgenen Kalluslinien
stammten, wurden durch Southern-Analyse untersucht, und es wurden
37 unterschiedliche Arten der T-DNA-Integration identifiziert. Anders
ausgedrückt,
stellten die 24 Pflanzenlinien (wie in der Beschreibung definiert)
mindestens 37 unabhängige
Transformationsereignisse dar. Wird die Transformationshäufigkeit
als Anzahl der pro 100 transformierte Kallusstücke erhaltenen transgenen Pflanzenlinien
ausgedrückt,
so wird die tatsächliche
Transformationshäufigkeit
also unterschätzt.
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Im
Anschluss daran wurden die Kopienzahlen der Transgene in den unterschiedlichen
Maislinien mittels Southern-Hybridisierung analysiert. Die meisten
analysierten transformierten Linien (T0) wiesen ein relativ einfaches
T-DNA-Integrationsmuster auf (weniger als 4 Kopien). Bei ungefähr 1/3 der
analysierten transgenen Linien (56/148) war eine einzelne T-DNA-Kopie integriert
worden. Nur eine begrenzte Anzahl von Linien (< 10%) wies ein komplexeres T-DNA-Integrationsmuster
auf (> 4 Kopien).
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Die
transgenen Maispflanzen der obigen Beispiele wurden auch auf das
Abspaltungsmuster der Transgene in der Nachkommenschaft untersucht.
Zur Kontrolle der Spaltung der PAT-Aktivität in 113 Pflanzen, die von
57 unabhängigen
transgenen Kalluslinien regeneriert wurden, wurde ein Herbizidspritzung
mit Basta verwendet. In der Nachkommenschaft von 74 Pflanzen, die
von 32 unabhängigen
transgenen Kalluslinien regeneriert worden waren, wurde eine 1 :
1-Spaltung der PAT-Aktivität
beobachtet, was anzeigt, dass das Herbizidresistenz-Transgen in einer
Kopie oder in mehreren eng gekoppelten Kopien vorlag. In der Nachkommenschaft
von 31 Pflanzen die von 18 unabhängigen
transgenen Kalluslinien regeneriert worden waren, waren alle Pflanzen
gegenüber
der Herbizidspritzung mit Basta tolerant, bzw. es waren signifikant
mehr Pflanzen tolerant als anfällig,
was anzeigt, dass bei den T0-Pflanzen 2 oder mehr nichtgekoppelte
Kopien des Transgens vorlagen. In der Nachkommenschaft von 14 Pflanzen,
die aus 7 unabhängigen
transgenen Kalluslinien regeneriert worden waren, wurden schließlich keine
toleranten Pflanzen beobachtet, bzw. es waren signifikant mehr Pflanzen
anfällig
als tolerant. Diese letztgenannten Pflanzen wurden nicht weiter
untersucht.
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Aus
der Southern-Analyse der gegen das Basta-Herbizid resistenten T1-Nachkommenschaft
von 53 unabhängig
transformierten Maispflanzen (T0) geht hervor, dass bei ungefähr 70% der
untersuchten Fälle (35/53)
beide Nachkommenschaftspflanzen ein mit der T0-Elternpflanzenlinie
identisches T-DNA-Integrationsmuster aufwiesen. Eine Spaltung wurde
bei ungefähr
18% aller Fälle
beobachtet (10/53).
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LITERATURANGABEN
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- Ashby et al. (1988) J. Bacteriol. 170: 4181–4187
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