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Bereich der Erfindung
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Diese
Erfindung betrifft neu identifizierte Polypeptide und Polynucleotide,
die die Polypeptide codieren, die Liganden für den Neuropeptid Rezeptor
HFGAN72, nachstehend als „HFGAN72-Rezeptor-Liganden" bezeichnet sind.
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Hintergrund der
Erfindung
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Diese
Erfindung betrifft neu identifizierte Polynucleotide, Polypeptide,
die durch solche Polynucleotide codiert sind, die Verwendung solcher
Polynucleotide und Polypeptide sowie die Produktion solcher Polynucleotide
und Polypeptide. Genauer, die Polypeptide der vorliegenden Erfindung
sind Liganden für
einen menschlichen 7-Transmembran-Rezeptor. Die Erfindung betrifft
auch die Hemmung und Aktivierung der Wirkung solcher Polypeptide.
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Es
ist wohlbekannt, dass viele medizinisch signifikante biologische
Prozesse durch Proteine vermittelt sind, die an Signaltransduktionswegen
beteiligt sind, die G-Proteine
und/oder sekundäre
Botenstoffe, z.B. cAMP (Lefkowitz, Nature, 1991, 351:353-354) einbeziehen.
Hierin sind diese Proteine als Proteine bezeichnet, die an Wegen
mit G-Proteinen für
PPG-Proteine beteiligt sind. Einige Beispiele für diese Proteine umfassen die
GPC-Rezeptoren wie jene für
adrenergische Mittel und Dopamin (Kobilka, B.K. et al., Proc. Natl.
Acad. Sci., USA, 1987, 84:46-50; Kobilka, B.K. et al., Science,
1987, 238:650-656; Bunzow, J.R. et al., Nature, 1988, 336 :783-787), G-Proteine
selbst, Effektorproteine, z.B. Phospholipase C, Adenylcyclase und
Phosphodiesterase, sowie Aktuator-Proteine, z.B. Protein-Kinase
A und Protein-Kinase
C (Simon, M.I. et al., Science, 1991, 252:802-8)
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Zum
Beispiel ist bei einer Form der Signaltransduktion die Wirkung der
Hormonbindung die Aktivierung des Enzyms Adenylat-Cyclase innerhalb
der Zelle. Die Enzymaktivierung durch Hormone hängt von der Gegenwart des Nucleotids
GTP ab. GTP beeinflusst ebenfalls die Hormonbindung. Ein G-Protein
verbindet den Hormonrezeptor mit Adenylat-Cyclase. Es wurde gezeigt,
dass G-Protein GTP für
gebundenes GDP eintauscht, wenn es durch einen Hormonrezeptor aktiviert
wird. Die GTP-tragende Form bindet dann an aktivierte Adenylat-Cyclase.
Die Hydrolyse von GTP zu GDP, katalysiert durch das G-Protein selbst, überführt das G-Protein
wieder in seine inaktive Grundform. Somit dient das G-Protein in
einer Doppelrolle, als ein Zwischenprodukt, das das Signal vom Rezeptor
zum Effektor schaltet und als eine Uhr, die die Dauer des Signals
kontrolliert.
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Die
Membran-Protein-Gen-Überfamilie
von an G-Protein gekoppelten Rezeptoren wurde charakterisiert, dass
sie sieben vermutliche Transmembran-Domänen
hat. Es wird angenommen, dass die Domänen transmembrane α-Helices
darstellen, die durch extrazelluläre oder cytoplasmatische Schleifen
verbunden sind. Mit G-Protein gekoppelte Rezeptoren umfassen eine
Vielzahl von biologisch aktiven Rezeptoren wie hormonelle, virale,
Wachstumsfaktor- und Neuro-Rezeptoren.
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Mit
G-Protein gekoppelte Rezeptoren wurden charakterisiert, dass sie
diese sieben konservierten hydrophoben Stränge von etwa 20 bis 30 Aminosäuren umfassen,
die mindestens acht divergierende hydrophile Schleifen verbinden.
Die G-Protein-Familie
von gekoppelten Rezeptoren umfasst Dopaminrezeptoren, die an neuroleptische
Wirkstoffe binden, die für
die Behandlung von psychotischen und neurologischen Störungen verwendet
werden. Andere Beispiele für
Angehörige
dieser Familie umfassen, sind jedoch nicht beschränkt auf
Calcitonin-, adrenerge Endothelin-, cAMP-, Adenosin-, muscarinische,
Acetylcholin-, Serotonin-, Histamin-, Thrombin-, Kinin-, Follikel
stimulierendes Hormon-, Opsin-, endotheliales. Differenzierungsgen-1-,
Rhodopsin-, Geruchsstoff- und Cytomegalievirus-Rezeptoren.
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Die
meisten mit G-Protein gekoppelten Rezeptoren haben einzelne konservierte
Cysteinreste in jedem der ersten beiden extrazellulären Schleifen,
die Dislufidbrücken
bilden, von denen angenommen wird, dass sie funktionelle Proteinstruktur
stabilisieren. Die sieben transmembranen Regionen werden als TM1,
TM2, TM3, TM4, TM5, TM6 und TM7 bezeichnet. Es wird angenommen,
dass TM3 bei der Signaltransduktion eine Rolle spielt.
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Phosphorylierung
und Lipidierung (Palmitylierung oder Farnesylierung) von Cysteinresten
können
die Signaltransduktion einiger G-Protein gekoppelter Rezeptoren
beeinflussen. Die meisten an G-Protein gekoppelten Rezeptoren enthalten
potenzielle Phosphorylierungsstellen innerhalb der dritten cytoplasmatischen Schleife
und/oder des Carboxyl-Endes. Bei mehreren an G-Protein gekoppelten Rezeptoren wie dem
b-Adenorezeptor vermittelt die Phosphorylierung durch Protein-Kinase
A und/oder spezifische Rezeptorkinasen die Rezeptor-Desensibilisierung.
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Bei
einigen Rezeptoren wird angenommen, dass die Liganden-Bindungsstellen von
an G-Protein gekoppelten Rezeptoren hydrophile Höhlungen umfassen, die durch
mehrere an G-Protein gekoppelte transmembrane Rezeptordomänen gebildet
werden, wobei die Höhlung
von hydrophoben Resten der an G-Protein gekoppelten Rezeptoren umgeben
ist. Es wird postuliert, dass die hydrophile Seite jeder an G-Protein
gekoppelten transmembranen Rezeptorhelix nach innen gewandt ist
und eine polare Liganden-Bindungsstelle bildet. Von TM3 wurde in
mehreren an G-Protein gekoppelten Rezeptoren angenommen, dass es
eine Liganden-Bindungsstelle hat, wie den TM3-Aspartatrest. TM5-Serine,
ein TM6-Asparagin
und TM6- oder TM7-Phenylalanine oder -Tyrosine sind ebenfalls bei
der Liganden-Bindung beteiligt.
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An
G-Protein gekoppelte Rezeptoren können intrazellulär durch
heterotrimere G-Proteine an verschiedene intrazelluläre Enzyme,
Ionenkanäle,
und Transporter gekoppelt werden. Vgl. Johnson et al., Endoc. Rev., 1989,
10:317-331. Verschiedene G-Protein-a-Untereinheiten stimulieren
vorzugsweise bestimmte Effektoren, um verschiedene biologische Funktionen
in einer Zelle zu modulieren. Es wurde herausgefunden, dass die Phosphorylierung
von cytoplasmatischen Resten von an G-Protein gekoppelten Rezeptoren
einen wichtigen Mechanismus für
die Regulierung der G-Protein-Kopplung einiger an G-Protein gekoppelter
Rezeptoren darstellt. An G-Protein gekoppelte Rezeptoren werden
an zahlreichen Orten innerhalb eines Säuger-Wirts gefunden.
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Während der
letzten 15 Jahre wurden nahezu 350 therapeutische Mittel, die auf
7 transmembrane (7 TM) Rezeptoren oder ihre Liganden abzielen, erfolgreich
auf dem Markt eingeführt.
Die zeigt an, dass diese Rezeptoren und ihre Liganden eine etablierte,
bewiesene Geschichte als therapeutische Ziele haben. Natürlich besteht
die Notwendigkeit der Identifizierung und Charakterisierung weiterer
Rezeptoren und Liganden, die eine Rolle bei der Prävention,
Verbesserung oder Korrektur von Funktionsstörungen oder Krankheiten spielen können, einschließlich, jedoch
nicht beschränkt
auf Infektionen wie Bakterien-, Pilz-, Protozoen- und Virusinfektionen,
insbesondere Infektionen, die durch HIV-1 oder HIV-2 verursacht
werden; Schmerzen; Krebs; Anorexia nervosa, Bulimie; Kachexie; Übergewicht;
Diabetes; Asthma; Parkinson'-Krankheit;
sowohl akutes als auch kongestives Herzversagen; Hypotonie, Hypertonie;
Harnverhaltung; Osteoporose; Angina pectoris; Herzmuskelinfarkt;
Geschwüre;
Asthma; Allergien; gutartiger Prostata-Hypertrophie; chronischem
Nierenversagen; Nierenleiden; gestörter Glucosetoleranz; sexueller
Funktionsstörungen
und psychotischer und neurologischer Störungen, einschließlich Ängste, Schizophrenie,
manischer Depression, Delirium, Demenz, schwerer mentaler Retardierung
und Dyskinesien wie die Huntington-Krankheit oder das Gilles dela
Tourett-Syndrom und andere.
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Polypeptide
und Polynucleotide, die den menschlichen 7-transmembranen G-Protein gekoppelten Neuropeptid
Rezeptor HFGAN72 codieren, wurden identifiziert und werden in U.S.S.N.
08/846,704 und 08/846,705, die beide am 30. April 1997 eingereicht
wurden, sowie in W0 96/34877, veröffentlicht am 7. November 1996,
offenbart.
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Die
vorliegende Erfindung stellt Polypeptide und Polynucleotide zur
Verfügung,
die Polypeptide codieren, die Liganden für den HFGAN72-Rezeptor sind.
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Zusammenfassung der Erfindung
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Zu
diesen und anderen Zwecken ist es eine Aufgabe der vorliegenden
Erfindung, unter anderem Polypeptide bereitzustellen, die als Liganden
für den
HFGAN72-Rezeptor identifziert wurden.
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Darüber hinaus
ist es eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Polynucleotide
bereitzustellen, die HFGAN72-Rezeptor-Liganden codieren.
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In Übereinstimmung
mit dieser Ausführungsform
der Erfindung werden Verfahren bereitgestellt, die isolierte HFGAN72-Rezeptor-Liganden-Polypeptide
und Nucleinsäuremoleküle, einschließlich mRNAs,
cDNAs und genomische DNAs, die diese Rezeptorligandenpolypeptide
codieren, bereitgestellt.
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Es
ist ebenfalls eine Aufgabe der Erfindung, die Verwendung eines HFGAN72-Rezeptor-Liganden-Polypeptids
bei der Herstellung eines Medikaments für die Behandlung einer Essstörung, ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus Anorexia nervosa, Bulimie und Kachexie,
bereitzustellen.
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Es
ist noch eine andere Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Identifikation
von Verbindungen bereitzustellen, die an HFGAN72-Rezeptor-Liganden
binden und ihre Interaktion mit dem HFGAN72-Rezeptor aktivieren
oder hemmen, umfassend das Inkontaktbringen einer Zelle, die auf
der Oberfläche
einen HFGAN72-Rezeptor exprimiert, wobei der Rezeptor mit einer
zweiten Komponente assoziiert ist, die in der Lage ist, ein nachweisbares
Signal in Reaktion auf die Bindung der HFGAN72-Rezeptor-Liganden
an den Rezeptor bereitzustellen, mit einer Verbindung, die unter
Bedingungen gescreent werden soll, die eine Bindung an den Rezeptor
erlauben; und die Bestimmung, ob die Verbindung an die HFGAN72-Rezeptor-Liganden
bindet und ihre Interaktion mit dem HFGAN72-Rezeptor aktiviert oder
hemmt, durch Nachweisen der Anwesenheit oder Abwesenheit eines Signals,
das durch diese Interaktion erzeugt wird. Zusätzlich kann der Ligand zum Beispiel
mit 125I markiert und in Rezeptorbindungstests
verwendet werden, um Antagonisten oder Agonisten zu identifizieren,
die eine Bindung blockieren.
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Kurze Beschreibung der
Zeichnungen
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1 zeigt
eine Genomsequenz (SEQ ID NR: 1), die menschliche HFGAN72-Rezeptor-Liganden
codiert. Großbuchstaben
zeigen Exons (cDNA) (SEQ ID NR: 21).
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2 zeigt
eine abgeleitete Aminosäuresequenz
(SEQ ID NR: 2), die zwei verschiedene menschliche HFGAN72-Rezeptor-Liganden,
Lig 72A (SEQ ID NR: 3, angezeigt durch Bindestriche) und Lig 72B
(SEQ ID NR: 4, angezeigt durch Sternchen), umfasst.
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3 zeigt
eine cDNA-Sequenz (SEQ ID NR: 5), die Ratten-HFGAN72-Rezeptor-Liganden
umfasst.
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4 zeigt
eine abgeleitete Aminosäuresequenz
von Ratten-HFGAN72-Rezeptor-Liganden
(SEQ ID NR: 6), die die N-terminale Signal- und Leader-Sequenz einschließt, die
durch den Heijin-Algorithmus vorhergesagt wurde (SEQ ID NR: 7).
Ebenfalls in 4 gezeigt sind zwei Liganden,
Lig 72A (SEQ ID NR: 8, angezeigt durch Bindestriche) und Lig 72B
(SEQ ID NR: 9, angezeigt durch Sternchen).
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5 zeigt
eine Präpro-Region
einer Aminosäuresequenz
von Mäuse-HFGAN72-Rezeptor-Liganden, denen
ein Abschnitt der N-terminalen Signalsequenz (SEQ ID NR: 10) fehlt.
Diese Aminosäuresequenz
umfasst zwei Liganden, Lig 72A (SEQ ID NR: 11, angezeigt durch Bindestriche)
und Lig 72B (SEQ ID NR: 12, angezeigt durch Sternchen).
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Glossar
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Die
folgenden veranschaulichenden Erklärungen sind bereitgestellt,
um das Verständnis
bestimmter Begriffe zu erleichtern, die hierin häufig, vor allem in den Beispielen,
verwendet werden. Die Erklärungen
werden aus praktischen Gründen
bereitgestellt und sollen die Erfindung nicht beschränken.
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„Isoliert" bedeutet „durch
menschliche Hand" im
Vergleich zu seinem natürlichen
Zustand verändert; d.h.,
dass, wenn es in der Natur vorkommt, es im Vergleich zu seiner ursprünglichen
Umwelt verändert
oder aus ihr entfernt wurde oder beides. Zum Beispiel ist ein natürlich vorkommendes
Polynucleotid oder ein Polypeptid, das natürlichenweise in einem lebenden
Tier in seinem natürlichen
Zustand vorkommt, nicht „isoliert", aber dasselbe Polynucleotid
oder Polypeptid, das von den mit ihm existierenden Stoffen seines
natürlichen
Zustands getrennt wird, ist, wie der Begriff hierin verwendet wird, „isoliert". Zum Beispiel bedeutet
der Begriff isoliert im Hinblick auf Polynucleotid, dass es von
dem Chromosom und der Zelle, in der es natürlicherweise vorkommt, isoliert
ist.
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Als
Teil der Isolierung oder danach können solche Polynucleotide
mit anderen Polynucleotiden wie DNAs zum Beispiel für die Mutagenese,
zur Bildung von Fusionsproteinen und für die Vermehrung oder Expression
in einem Wirt verbunden werden. Die isolierten Polynucleotide, allein
oder mit anderen Polynucleotiden wie Vektoren verbunden, können in
Kultur oder in ganzen Organismen in Wirtszellen eingeführt werden. In
Wirtszellen in Kultur oder in ganzen Organismen eingeführt, wären solche
DNAs immer noch isoliert, wie der Begriff hierin verwendet ist,
da sie nicht in ihrer natürlich
vorkommenden Form oder Umwelt wären. Ähnlich können die
Polynucleotide und Polypeptide in einer Zusammensetzung wie einem
Medium, Formulierungen, Lösungen
für das
Einführen
von Polynucleotiden oder Polypeptiden, zum Beispiel in Zellen, Zusammensetzungen
oder Lösungen
zum Beispiel für
chemische oder enzymatische Reaktionen, die keine natürlich vorkommenden
Zusammensetzungen sind, vorkommen und darin als isolierte Polynucleotide
oder Polypeptide innerhalb der Bedeutung dieses Begriffs, wie hierin
verwendet, verbleiben.
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„Oligonucleotid(e)" bezieht sich auf
relativ kurze Polynucleotide. Oft bezieht sich der Begriff auf einzelsträngige Desoxyribonucleotide,
aber er kann sich unter anderem auch ebenso auf einzel- oder doppelsträngige Ribonucleotide,
RNA:DNA-Hybride
und doppelsträngige
DNAs beziehen.
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„Polynucleotid(e)" bezieht sich im
Allgemeinen auf jedes Polyribonucleotid oder Polydesoxyribonucleotid,
das unmodifizierte RNA oder DNA oder modifizierte RNA oder DNA sein
kann. So bezieht sich Polynucleotide, wie hierin verwendet, unter
anderem zum Beispiel auf einzel- und doppelsträngige DNA, DNA, die ein Gemisch
ist aus einzel- und doppelsträngigen
Regionen, einzel- und doppelsträngige
RNA und RNA, die ein Gemisch ist aus einzel- und doppelsträngigen Regionen,
Hybridmoleküle,
die DNA und RNA umfassen, die einzelsträngig oder noch typischer doppelsträngig sein
können,
oder ein Gemisch aus einzel- und doppelsträngigen Regionen. Zusätzlich bezieht
sich Polynucleotid, wie hierin verwendet, auf dreifachsträngige Regionen, umfassend
RNA oder DNA oder sowohl RNA als auch DNA. Die Stränge in solchen
Regionen können
vom selben Molekül
oder von verschiedenen Molekülen
sein. Die Regionen können
alles aus einem oder aus mehreren der Moleküle einschließen, beteiligen
jedoch typischerweise nur eine Region von einigen Molekülen. Eines
der Moleküle
einer dreifach-helikalen Region ist häufig ein Oligonucleotid. Wie
hierin verwendet, umfasst der Begriff Polynucleotid auch DNAs oder
RNAs, wie vorstehend beschrieben, die eine oder mehrere modifizierte
Basen enthalten. Somit sind DNAs oder RNAs mit Rückgraten, die aus Stabilitätsgründen oder
aus einem anderen Grund modifiziert sind, Polynucleotide, wie dieser
Begriff hierin beabsichtigt ist. Darüber hinaus sind DNAs oder RNAs,
die unübliche
Basen wie Inosin, oder modifizierte Basen wie tritylierte Basen
umfassen, um nur zwei Beispiele zu nennen, Polynucleotide, wie der
Begriff hierin verwendet wird. Es ist zu verstehen, dass eine große Vielzahl
an Modifikationen an DNA und RNA vorgenommen wurde, die vielen nützlichen
Zwecken dienen, die dem Fachmann wohlbekannt sind. Der Begriff Polynucleotid,
wie hierin verwendet, umfasst solche chemisch, enzymatisch oder
metabolisch modifizierten Formen von Polynucleotiden sowie die chemischen
Formen von DNA und RNA, die für
Viren und Zellen, einschließlich
unter anderem einfache und komplexe Zellen, charakteristisch sind.
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„Polypeptide", wie hierin verwendet,
umfasst alle Polypeptide, wie nachstehend beschrieben. Die basische
Struktur von Polypeptiden ist wohlbekannt und wurde in zahllosen
Lehrbüchern
und anderen Veröffentlichungen
auf dem Fachgebiet beschrieben. In diesem Zusammenhang wird der
Begriff hierin verwendet, um sich auf jedes Peptid oder Protein
zu beziehen, das zwei oder mehr Aminosäuren umfasst, die durch Peptidbindungen
in einer linearen Kette miteinander verbunden sind. Wie hierin verwendet,
bezieht sich der Begriff sowohl auf kurze Ketten, die auf dem Fachgebiet üblicherweise
zum Beispiel auch als Peptide, Oligopeptide und Oligomere bezeichnet
werden, sowie auf längere
Ketten, die auf dem Fachgebiet im Allgemeinen als Proteine bezeichnet
werden und von denen es viele Typen gibt.
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Es
ist zu verstehen, dass Polypeptide oft andere Aminosäuren enthalten
als die 20 Aminosäuren,
die herkömmlicherweise
als die 20 natürlich
vorkommenden Aminosäuren
bezeichnet werden, und dass viele Aminosäuren, einschließlich der
terminalen Aminosäuren,
in einem bestimmten Polypeptid modifiziert sein können, entweder
durch natürliche
Prozesse wie die Prozessierung oder andere posttranslationale Modifikationen oder
durch chemische Modifikationsverfahren, die auf dem Fachgebiet wohlbekannt
sind. Sogar die üblichen Modifikationen,
die in Polypeptiden natürlich
vorkommen, sind zu zahlreich, um erschöpfend hier aufgelistet zu werden,
sie sind jedoch in Basistexten und in detaillierteren Monographien
sowie in einer umfangreichen Forschungsliteratur gut beschrieben
und somit dem Fachmann wohlbekannt. Bekannte Modifikationen, die
in Polypeptiden der vorliegenden Erfindung vorhanden sein können, umfassen,
sind jedoch nicht beschränkt
auf Acetylierung, Acylierung, ADP-Ribosylierung, Amidierung, kovalente
Anbindung von Flavin, kovalente Anbindung einer Häm-Einheit, kovalente
Anbindung eines Nucleotids oder Nucleotid-Derivats, kovalente Anbindung eines
Lipids oder eines Lipid-Derivats, kovalente Anbindung von Phosphotidylinosit,
Quervernetzung, Zyklisierung, Disulfidbindungs-Bildung, Demethylierung,
Bildung von kovalenten Querverbindungen, Bildung von Cystin, Bildung
von Pyroglutamat, Formylierung, Gamma-Carboxylierung, Glycosylierung,
GPI-Ankerbildung, Hydroxylierung, Iodierung, Methylierung, Myristoylierung,
Oxidation, proteolytische Prozessierung, Phosphorylierung, Prenylierung,
Racemisierung, Selenoylierung, Sulfatierung, Transfer-RNA-vermitteltes
Zusetzen von Aminosäuren
zu Proteinen wie Arginylierung und Ubiquitinierung. Solche Modifikationen
sind dem Fachmann wohlbekannt und wurden detailliert in der wissenschaftlichen
Literatur beschrieben. Mehrere besonders übliche Modifikationen einschließlich der
Glycosylierung, Lipid-Anheftung, Sulfatierung, Gamma-Carboxylierung von
Glutaminsäureresten,
Hydroxylierung und ADP-Ribosylierung sind in den meisten Basis-Texten
wie PROTEINS – STRUCTURE
AND MOLECULAR PROPERTIES, 2. Ausgabe, T.E. Creighton, W. H. Freeman
und Company, New York 1993, beschrieben. Zu diesem Thema sind auch
detaillierte Übersichtsartikel
erhältlich. Vgl.
z.B. Wold, F., Posttranslational Protein Modifications: Perspectives
and Prospects, Seiten 1-12 in POSTTRANSLATIONAL COVALENT MODIFICATION
0F PROTEINS, B.C. Johnson, Hrsg., Academic Press, New York, 1983;
Seifter et al., "Analysis
for protein modifications and nonprotein cofactors", Meth. Enzymol.,
1990, 182:626-646 und Rattan et al., "Protein Synthesis Posttranslational
Modifications and Aging",
Ann. N. Y. Acad. Sci., 1992, 663:48-62.
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Es
ist zu verstehen, wie wohlbekannt und wie vorstehend bemerkt, dass
Polypeptide nicht immer vollständig
linear sind. Zum Beispiel können
Polypeptide als ein Ergebnis der Ubiquitinierung verzweigt sein,
und sie können
zirkulär
sein, mit oder ohne Verzweigung, im Allgemeinen als ein Ergebnis
von posttranslationalen Ereignissen, einschließlich natürlichen Prozessierungsereignissen
und Ereignissen, die durch menschliche Manipulation hervorgebracht
wurden und die nicht natürlich
vorkommen. Zirkuläre,
verzweigte und verzweigte, zirkuläre Polypeptide können durch
natürliche,
nicht-translationale Verfahren sowie durch vollständig synthetische
Verfahren synthetisiert werden.
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Modifikationen
können
irgendwo in einem Polypeptid stattfinden, einschließlich dem
Peptid-Rückgrat, den
Aminosäure-Seitenketten
und den Amino- oder Carboxyl-Enden.
In der Tat ist die Blockierung der Amino- oder der Carboxylgruppe
in einem Polypeptid, oder beides, durch eine kovalente Modifikation
in natürlich
vorkommenden und synthetischen Polypeptiden üblich, und solche Modifikationen
können
in Polypeptiden der vorliegenden Erfindung ebenfalls vorkommen.
Zum Beispiel wird der aminoterminale Rest von Polypeptiden, die
vor der Prozessierung in E. coli hergestellt werden, fast immer
N-Formylmethionin sein.
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Die
Modifikationen, die in einem Polypeptid auftreten, werden oft eine
Funktion davon sein, wie es hergestellt wurde. Bei Polypeptiden,
die durch die Expression eines clonierten Gens in einem Wirt hergestellt
werden, werden die Eigenschaften und das Ausmaß der Modifikationen zum großen Teil
durch die Modifkationskapazität
der Wirtszelle nach der Translation und die Modifikationssignale,
die in der Aminosäuresequenz
des Polypeptids vorliegen, bestimmt. Zum Beispiel findet, wie bekannt,
eine Glycosylierung oft nicht in Bakterienwirten wie E. coli statt.
Entsprechend sollte ein Polypeptid, wenn eine Glycosylierung gewünscht ist,
in einem glycosylierenden Wirt, im Allgemeinen einer eukaryontischen
Zelle, exprimiert werden. Insektenzellen führen oft dieselben posttranslationalen
Glycosylierungen aus wie Säugerzellen
und aus diesem Grund wurden Insektenzell-Expressionssysteme entwickelt,
um Säuger-Proteine,
die unter anderem die natürlichen
Glycosylierungsmuster haben, wirksam zu exprimieren. Ähnliche
Betrachtungen gelten für
andere Modifikationen.
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Es
ist zu verstehen, dass derselbe Modifikationstyp in demselben oder
in unterschiedlichem Ausmaß an
mehreren Stellen in einem bestimmten Polypeptid vorhanden sein kann.
Auch kann ein bestimmtes Polypeptid viele Modifikationstypen enthalten.
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Im
Allgemeinen bezieht sich der Begriff Polypeptid, wie hierin verwendet,
auf alle derartigen Modifikationen, insbesondere jene, die in Polypeptiden
vorhanden sind, die durch die Expression eines Polynucleotids in
einer Wirtszelle synthetisiert wurden.
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„Variante(n)" von Polynucleotiden
oder Polypeptiden sind, wie hierin verwendet, Polynucleotide oder Polypeptide,
die sich von einem Referenz-Polynucleotid
beziehungsweise -Polypeptid unterscheiden. Varianten in diesem Sinn
werden nachstehend und anderswo in der vorliegenden Offenbarung
detaillierter beschrieben.
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Varianten
umfassen Polynucleotide, die sich hinsichtlich der Nucleotidsequenz
von einem anderen Referenz-Polynucleotid unterscheiden. Im Allgemeinen
sind Unterschiede insofern beschränkt, dass die Nucleotidsequenzen
der Referenz und der Variante insgesamt sehr ähnlich und in vielen Regionen
identisch sind.
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Wie
nachstehend bemerkt, können
Veränderungen
der Nucleotidsequenz der Variante stumm sein. Das heißt, es kann
sein, dass sie die Aminosäuren,
die von dem Polynucleotid codiert werden, nicht verändern. Dort,
wo Veränderungen
auf stumme Veränderungen
diesen Typs begrenzt sind, wird eine Variante ein Polypeptid mit
derselben Aminosäuresequenz
wie die Referenz codieren. Wie ebenfalls nachstehend bemerkt ist, können Veränderungen
in der Nucleotidsequenz der Variante die Aminosäuresequenz eines Polypeptids,
das durch das Referenz-Polynucleotid
codiert wird, verändern.
Solche Nucleotid-Veränderungen
können
Aminosäure-Substitutionen,
-Additionen, -Deletionen, -Fusionen und -Verkürzungen in dem Polypeptid ergeben,
das durch die Referenz-Sequenz codiert wird, wie nachstehend erörtert.
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Varianten
umfassen auch Polypeptide, die sich hinsichtlich ihrer Aminosäuresequenz
von einem anderen Referenz-Polypeptid unterscheiden. Im Allgemeinen
sind die Unterschiede begrenzt, so dass die Sequenzen der Referenz
und der Variante insgesamt stark ähnlich und in vielen Regionen
identisch sind.
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Eine
Variante und ein Referenz-Polypeptid können sich hinsichtlich der
Aminosäuresequenz
in einer oder mehreren Substitutionen, Additionen, Deletionen, Fusionen
und Verkürzungen
unterscheiden, die in jeglicher Kombination vorliegen können.
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„Fusionsprotein", wie der Begriff
hierin verwendet ist, ist ein Protein, das durch zwei, oft nicht
miteinander verbundene, fusionierte Gene oder Fragmente davon codiert
wird. EP-TO464 533 (Kanadisches Gegenstück 2045869) offenbart Fusionsproteine,
die verschiedene Abschnitte der konstanten Region von Immunglobulin-Molekülen zusammen
mit einem anderen menschlichen Protein oder einem Teil davon umfassen.
In vielen Fällen
ist die Verwendung einer Immunglobulin-Fc-Region als ein Teil eines
Fusionsproteins für
die Verwendung in der Therapie und der Diagnose vorteilhaft, was
zum Beispiel, verbesserte pharmakokinetische Eigenschaften (EP-A
0232 262) ergibt. Andererseits wäre
es für
einige Anwendungen wünschenswert,
wenn man in der Lage wäre,
den Fc-Abschnitt zu entfernen, nachdem das Fusionsprotein exprimiert,
nachgewiesen und gereinigt wurde. Entsprechend kann es wünschenswert
sein, die Bestandteile des Fusionsproteins mit einer chemisch oder
enzymatisch spaltbaren Verbindungsregion zu verbinden. Dies ist
der Fall, wenn der Fc-Abschnitt sich als ein Hindernis bei der Verwendung
in der Therapie und der Diagnose erweist, zum Beispiel wenn das
Fusionsprotein als ein Antigen für
Immunisierungen verwendet werden soll. Beim Wirkstoffnachweis wurden
zum Beispiel menschliche Proteine wie shIL5-α mit Fc-Abschnitten für die Verwendung in Absuch
-Tests mit hohem Durchlauf fusioniert, um Antagonisten von hIL-5
zu identifizieren. Vgl., D. Bennett et al., Journal of Molecular
Recognition, 1995, 8:52-58; und K. Johanson et al., The Journal
of Biological Chemistry, 1995, 270(16) :9459-9471.
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Somit
bezieht sich diese Erfindung auch auf gentechnisch veränderte,
lösliche
Fusionsproteine, die sich aus einem HFGAN72-Rezeptorliganden oder
einem Abschnitt davon und aus verschiedenen Abschnitten der konstanten
Regionen von schweren oder leichten Ketten von Immunglobulinen verschiedener
Unterklassen (IgG, IgM, IgA, IgE) zusammensetzen. Der konstante
Abschnitt der schweren Kette von menschlichem IgG, insbesondere
IgG1, wobei die Fusion in der Gelenk-Region stattfindet, wird als
Immunglobulin bevorzugt. In einer Ausführungsform kann der Fc-Abschnitt einfach
durch den Einschluss einer Spaltungssequenz, die mit Blut-Koagulationsfaktor
Xa gespalten werden kann, entfernt werden. Diese Erfindung betrifft
des Weiteren Verfahren für
die Herstellung dieser Fusionsprotein durch Gentechnologie und deren
Verwendung bei der Diagnose und Therapie. Noch eine weitere Ausführungsform
der Erfindung betrifft Polynucleotide, die solche Fusionsproteine
codieren.
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„Bindungsmoleküle" (oder anders „Interaktionsmoleküle" oder „Rezeptorkomponenten-Faktoren" genannt) betreffen
Moleküle,
einschließlich Rezeptoren,
die spezifisch an Polypeptide der vorliegenden Erfindung binden
oder damit interagieren. Solche Bindungsmoleküle sind ein Teil der vorliegenden
Erfindung. Bindungsmoleküle
können
auch unnatürlich
vorkommen, zum Beispiel als Antikörper und von Antikörpern abstammende
Reagenzien, die spezifisch an Polypeptide der Erfindung binden.
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Wie
auf dem Fachgebiet bekannt, wird eine „Ähnlichkeit" zwischen zwei Polypeptiden durch Vergleichen
der Aminosäuresequenz
und seiner konservierten Aminosäure-Substituenten
eines Polypeptids mit der Sequenz eines zweiten Polypeptids bestimmt.
Des Weiteren, ebenfalls auf dem Fachgebiet bekannt, ist „Identität", was das Ausmaß der Sequenzverwandtschaft
zwischen zwei Poylpeptid- oder
zwei Polynucleotid-Sequenzen, bestimmt durch die Identität der Übereinstimmung
zweier Stränge
solcher Sequenzen, bedeutet. Sowohl die Identität als auch die Ähnlichkeit
können
gut berechnet werden (COMPUTATIONAL MOLECULAR BIOLOGY, Lesk, A.M.,
Hrsg., Oxford University Press. New York, 1988; BIOCOMPUTING: INFORMATICS
AND GENOME PROJECTS; Smith, D.W., Hrsg., Academic Press, New York,
1993; COMPUTER ANALYSIS OF SEQUENCE DATA, PART 1, Griffin, A.M.
und Griffein, H.G. Hrsg., Humana Press, New Jersey, 1994; SEQUENCE
ANALYSIS IN MOLECULAR BIOLOGY, von Heinje, G., Academic Press. 1987;
und SEQUENCE ANALYSIS PRIMER, Gribskov, M. und Devereux, J. Hrsg.,
M. Stockton Press, New York, 1991). Es gibt eine Vielzahl von Verfahren,
die Identität
und Ähnlichkeit
zwischen zwei Polynucleotid- oder Polypeptid-Sequencen zu messen,
und die Begriffe "Identität" und "Ähnlichkeit" sind dem Fachmann wohlbekannt (Carillo,
H. und Lipton, D., SIAM J. Applied Math., 1988, 48:1073). Verfahren,
die üblicherweise
verwendet werden, um Identität oder Ähnlichkeit
zwischen zwei Sequenzen zu bestimmen, umfassen, sind jedoch nicht
beschränkt
auf jene, die im GUIDE TO HUGE COMPUTERS, Martin J. Bishop, Hrsg.,
Academic Press, San Diego, 1994, und Carillo, H. und Lipton, D.,
SIAM J. Applied Math., 1988, 48:1073, offenbart sind. Bevorzugte
Verfahren zur Bestimmung von Identität sind so ausgerichtet, dass
sie die größte Übereinstimmung
zwischen den beiden getesteten Sequenzen ergeben. Verfahren zur
Bestimmung von Identität
und Ähnlichkeit
sind auch in Computerprogrammen codiert. Bevorzugte Computerprogramm-Verfahren
zur Bestimmung von Identität
und Ähnlichkeit umfassen,
sind jedoch nicht beschränkt
auf das GCG-Programmpaket (Devereux, J. et al., Nucleic Acids Research,
1984, 12(1):387), BLASTP, BLASTN, FASTA (Atschul, S.F. et al., J.
Molec. Biol., 1990, 215:403).
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Detaillierte Beschreibung
der Erfindung
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In
einer Ausführungsform
betrifft die vorliegende Erfindung Polypeptide und Polynucleotide
von neuen HFGAN72-Rezeptorliganden. Diese Polypeptide umfassen die
Polypeptide eines menschlichen HFGAN72-Rezeptorliganden (SEQ ID
NR: 2), eines Ratten-Rezeptorliganden (SEQ ID NR: 6) und eines Mäuse-Rezeptorliganden
(SEQ ID NR: 10), deren Aminosäuresequenzen
in den 2 (SEQ ID NR: 2-4), 4 (SEQ ID NR: 6-9) beziehungsweise
5 (SEQ ID NR: 10-12) abgebildet sind.
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Neue
Polypeptide identischer Masse, die Liganden für den HFGAN72-Rezeptor sind, wurden
aus Rattenhirn und Rinder-Hypothalamus isoliert. Die Aminosäuresequenz
des reifen Ratten-Polypeptids, Lig 72A, wurde bestimmt, und wird
in 4 als SEQ ID NR: 8 gezeigt. Die genaue Masse des
Peptid-MH+-Ions wurde unter Verwendung einer verspäteten MALDI-Extraktion
gemessen und es wurde herausgefunden, dass sie 1286,6125 (berechnet
1286,6237) beträgt.
Der Gln-Rest an
der Position 9 (vgl. 3) wurde von Lys (beide Aminosäuren haben
dieselbe Rest-Masse) durch Acetylierung des Peptids und erneutes
Messen des Molekulargewichts unterschieden. Das Molekulargewicht
verschob sich um 42 Da von 1286,6 auf 1328,6 (berechnet 1328,6),
was anzeigt, dass nur eine Acetatgruppe angefügt wurde. Da Gln-Reste nicht
acetyliert werden können
und das N-Ende blockiert ist, lässt
das Anfügen
von nur einer Acetatgruppe stark annehmen, dass die C-terminale
Sequenz eines abgebauten Moleküls
QK und nicht KK ist. Basierend auf der Ähnlichkeit des Molekulargewichts
wird angenommen, dass das Ratten-Polypeptid
dieselbe Sequenz hat.
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Ergebnisse
aus der in situ-Hybridisierung bei Schnitten von adultem Rattenhirn
zeigen, dass die HFGAN72-Rezeptorliganden sowohl im Hypothalamus
als auch in den Hypothalamus-Neuronen stark exprimiert werden. Da
die HFGAN72-Rezeptorliganden
im Hypothalamus lokalisiert sind, wird angenommen, dass sie bei
einer Vielzahl an neurologischen (z.B. Epilepsie, Schlaganfall,
psychiatrischen (z.B. Ängsten,
Depression) und/oder Ess-Störungen
beteiligt sind.
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Interessanterweise
sind die Aminosäuresequenzen
für Lig
72A beim Menschen (SEQ ID NR: 3), der Ratte (SEQ ID NR: 8) und der
Maus (SEQ ID NR: 11) identisch. Es wurde herausgefunden, dass Lig
72B beim Menschen (SEQ ID NR: 4), der Ratte (SEQ ID NR: 9) und der
Maus (SEQ ID NR: 12) mit dem HFGAN72-Rezeptor reagieren und somit dieselben
Eigenschaften wie Lig 72A haben könnten.
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Die
Aktivität
des Lig 72A und Lig 72B für
den HFGAN72-Rezeptor wurden bestätigt.
Versuche wurden auf mit Fura beladenen 293 Zellen, die mit dem HFGAN72-Rezeptor
transfiziert waren, durchgeführt.
Intrazelluläre
Calciumspiegel wurden in den Zellen als Reaktion auf zunehmende
Konzentrationen der Polypeptide der HFGAN72-Rezeptorliganden Lig
72A und Lig 72B gemessen. Der EC5 0 des Polypeptids wurde auf 50 ng/ml geschätzt. Die
Aktivierung des HFGAN72-Rezeptors durch sowohl Lig 72A als auch
Lig 72B wurde als spezifisch bestimmt, da weder mit 293pCDN-Vektor
transfizierte Zellen noch mit einem alternativen Clon eine Stimulierung
beobachtet wurde.
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Es
wird angenommen, dass HFGAN72-Rezeptorliganden oder Fragmente, Analoga
und Derivate dieser Liganden-Polypeptide bei der Modulierung von
HFGAN72-Rezeptor-Aktivitäten
von Nutzen sein können.
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Das
Polypeptid der vorliegenden Erfindung kann ein rekombinantes Polypeptid,
ein natürliches
Polypeptid oder ein synthetisches Polypeptid sein. In bestimmten
bevorzugten Ausführungsformen
ist es ein rekombinantes Polypeptid.
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Unter
den bevorzugten Ausführungsformen
der Erfindung sind in dieser Hinsicht Polypeptide, die aus den Aminosäuresequenzen
der HFGAN72-Rezeptorliganden,
die in den 2 (SEQ ID NR:2-4), 3 (SEQ ID NR:
6, 8 und 9) und 4 (SEQ ID NR: 10-12) und genauer, das reife Polypeptid
Lig 72A, gezeigt in 2 als SEQ ID NR: 3, in 4 als
SEQ ID NR: 8 und in 5 als SEQ ID NR: 11 gezeigt
sind, bestehen.
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Die
Polypeptide und Polynucleotide der vorliegenden Erfindung werden
bevorzugt in einer isolierten Form bereitgestellt und sind vorzugsweise
zur Homogenität
gereinigt.
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Die
Polypeptide der vorliegenden Erfindung umfassen die Polypeptide
der SEQ ID NR: 2-4, 6, und 8-12 und im Besonderen das reife Polypeptid,
ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus den SEQ ID NR: 4, 8 und 11.
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Fragmente
oder Abschnitte der Polypeptide der vorliegenden Erfindung können für die Herstellung
des entsprechenden Polypeptids voller Länge durch Peptidsynthese verwendet
werden; deshalb können
die Fragmente als Zwischenprodukte für die Herstellung der Polypeptide
voller Länge
verwendet werden. Fragmente können „frei stehend", d.h. nicht Teil
von oder fusioniert mit anderen Aminosäuren oder Polypeptiden sein,
oder sie können
innerhalb eines größeren Polypeptids
zusammengefasst sein, von dem sie einen Tei oder eine Region bilden.
Wenn sie innerhalb eines größeren Polypeptids
zusammengefasst sind, bilden die hier erörterten Fragmente am meisten
bevorzugt eine einzelne, kontinuierliche Region. Es können jedoch
mehrere Fragmente innerhalb eines einzigen größeren Polypeptids zusammengefasst
sein. Zum Beispiel beziehen sich bestimmte bevorzugte Ausführungsformen
auf Fragmente der Polypeptide von HFGAN72-Rezeptorliganden der vorliegenden
Erfindung, zusammengefasst in einem Vorläufer-Polypeptid, das für die Expression
in einem Wirt hergestellt wurde und das heterologe Prä- und Pro-Polypeptid-Regionen,
die mit dem Amino-Ende der Polypeptid-Fragmente von HFGAN72-Rezeptorliganden
fusioniert sind, und eine zusätzliche
Region hat, die mit dem Carboxyl-Ende des Fragments fusioniert ist.
Somit bezieht sich Fragmente in einer Ausführungsform der hierin beabsichtigten
Bedeutung auf den Abschnitt oder die Abschnitte eines Fusions-Polypeptids
oder Fusions-Proteins, das von HFGAN72-Rezeptorliganden abstammt.
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Es
ist zu verstehen, dass die Erfindung unter anderem auch Polynucleotide,
die die zuvor erwähnten Fragmente
codieren, Polynucleotide, die mit Polynucleotiden hybridisieren,
die die Fragmente codieren, insbesondere jene, die unter stringenten
Bedingungen hybridisieren, und Polynucleotide wie PCR-Primer für die Amplifikation
von Polynucleotiden, die die Fragmente codieren, betrifft. In dieser
Hinsicht sind bevorzugte Polynucleotide jene, die eine Nucleotidsequenz,
ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus den SEQ ID NR: 1, 5 und 21 umfassen.
Andere bevorzugte Polynucleotide sind jene, die eine Aminosäuresequenz,
ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus den SEQ ID NR: 2-4, 6 und 8-12 codieren.
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Polypeptide
von HFGAN72-Rezeptorliganden und Polynucleotide, die diese Polypeptide
codieren, können
in Übereinstimmung
mit der vorliegenden Erfindung für
verschiedene Anwendungsformen verwendet werden, insbesondere jene,
die einen Nutzen aus den chemischen und biologischen Eigenschaften
dieser Liganden ziehen. Zusätzliche
Anwendungsformen betreffen die Diagnose und Behandlung von Störungen der Zellen,
Gewebe und Organismen. Diese Ausführungsformen der Erfindung
sind durch die folgende Diskussion weiter veranschaulicht.
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Verfahren
zur Herstellung von Antikörpern
sind dem Fachmann wohlbekannt. Polypeptide, ihre Fragmente oder
andere Derivate oder Analoga davon oder Zellen, die sie exprimieren,
können
als ein Immunogen zur Herstellung von Antikörpern dazu verwendet werden.
Diese Antikörper
können
zum Beispiel polyclonale oder monoclonale Antikörper, chimäre, einkettige und humanisierte
Antikörper
sowie Fab-Fragmente
oder das Produkt einer Fab-Expressionsbank sein. Verschiedene, auf
dem Fachgebiet bekannte Verfahren können für die Herstellung solcher Antikörper und
Fragmente verwendet werden.
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Antikörper, die
gegen die Polypeptide, die einer Sequenz der vorliegenden Erfindung
entsprechen, gebildet werden, können
durch direkte Injektion der Polypeptide in ein Tier, vorzugsweise
nicht den Menschen, erhalten werden. Der so erhaltene Antikörper wird
dann die Polypeptide selbst binden. Auf diese Weise kann sogar eine
Sequenz, die nur ein Fragment der Polypeptide codiert, verwendet
werden, um Antikörper
zu bilden, die die gesamten natürlichen
Polypeptide binden. Solche Antikörper
können
dann verwendet werden, um das Polypeptid aus Gewebe zu isolieren,
das dieses Polypeptid exprimiert.
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Für die Herstellung
von monoclonalen Antikörpern
kann jedes Verfahren, das Antikörper
bereitstellt, die durch kontinuierliche Zelllinienkulturen hergestellt
werden, verwendet werden. Beispiele umfassen das Hybridom-Verfahren
(Köhler,
G. und Milstein, C., Nature, 1975, 256:495-497, das Triom-Verfahren,
das menschliche B-Zellen-Hybridom-Verfahren
(Kozbor et al., Immunology Today, 1983, 4: 72 (1983) und das EBV-Hybridom-Verfahren
zur Herstellung menschlicher monoclonalen Antikörper (Cole et al., Seiten 77-96
in MONOCLONAL ANTIBODIES AND CANCER THERAPY, Alan R. Liss, Inc.
(1985)).
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Verfahren,
die für
die Herstellung von einkettigen Antikörpern (US-Patent Nr. 4,946,778)
beschrieben sind, können
angepasst werden, um einkettige Antikörper gegen immunogene Polypeptid-Produkte
dieser Erfindung herzustellen. Ebenfalls können transgene Mäuse oder
andere Organismen wie andere Säuger
verwendet werden, um humanisierte Antikörper gegen immunogene Polypeptid-Produkte
dieser Erfindung zu exprimieren.
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Die
vorstehend beschriebenen Antikörper
können
verwendet werden, um Clone, die das Polypeptid exprimieren, zu isolieren
oder zu identifizieren oder das Polypeptid der vorliegenden Erfindung
durch Anheften des Antikörpers
an einen festen Träger
für die
Isolierung und/oder Reinigung durch Affinitätschromatographie zu reinigen.
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Zusätzlich können Antikörper gegen
einen HFGAN72-Rezeptorliganden verwendet werden, um die Interaktion
eines solchen Liganden mit dem HFGAN72-Rezeptor zu hemmen, und können bei
der Behandlung von Krankheiten oder Störungen, einschließlich Anorexia
nervosa, Bulimie und Kachexie von Nutzen sein.
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HFGAN72-Rezeptorliganden
könnten
verwendet werden, um Proteine zu isolieren, die damit interagieren,
und diese Interaktion könnte
ein Ziel für
eine Interferenz sein. Inhibitoren von Protein-Protein-Interaktionen
zwischen HFGAN72-Rezeptorliganden
und anderen Faktoren könnten
zur Entwicklung von pharmazeutischen Mitteln für die Modulierung von HFGAN72-Rezeptorliganden-Aktivität führen. Wie
hierin verwendet, bezieht sich der Begriff „modulieren" auf die Beeinflussung
der Funktion der HFGAN72-Rezeptorliganden.
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Somit
stellt die Erfindung auch ein Verfahren zur Identifikation von Bindungsmolekülen an HFGAN72-Rezeptorliganden
bereit. Gene, die Proteine für
Bindungsmoleküle
an HFGAN72-Rezeptorliganden codieren, können durch zahlreiche Verfahren,
die dem Fachmann bekannt sind, identifiziert werden, zum Beispiel
durch Ligandenpanning und FACS-Sortieren. Solche Verfahren sind
in vielen Labor-Handbüchern
wie zum Beispiel Coligan et al., Current Protocols in Immunology
1 (Rivett, A.J. Biochem. J. 291:1-10 (1993)): Kapitel 5 (1991) beschrieben.
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Zum
Beispiel stellt das Hefe-Zwei-Hybrid-System Verfahren zum Nachweis
der Interaktion eines ersten Testproteins und eines zweiten Testproteins
in vivo zur Verfügung,
wobei die Wiederherstellung der Aktivität eines Transkriptions-Aktuators
verwendet wird. Das Verfahren ist in US-Patent Nr. 5,283,173 offenbart;
die Reagenzien sind bei Clontech und Stratagene erhältlich.
Kurz, cDNA eines HFGAN72-Rezeptorliganden wird mit einer DNA bindenden
Domäne
eines Gal4-Transkriptionsfaktors
fusioniert und in Hefezellen exprimiert. Angehörige der cDNA-Bank, erhalten aus
Zellen von Interesse, werden mit einer Transaktivierungsdomäne von Gal4
fusioniert. cDNA-Clone, die Proteine exprimieren, die mit einem
HFGAN72-Rezeptorliganden
interagieren können,
werden zur Wiederherstellung der Gal4-Aktivität und zur Transaktivierung
der Expression eines Reporter-Gens wie Gal1-IacZ führen. Die
cDNA des HFGAN72-Rezeptorliganden, die mit der DNA bindenden Domäne des Gal4-Transkriptionsfaktors
fusioniert ist, kann in einer oder in mehreren Aminosäuren mutiert werden,
wobei das Verfahren vorstehend beschrieben ist, um die Interaktion
von Kinase mit Substrat zu verstärken.
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Ein
alternatives Verfahren ist das Absuchen von λgt11, λZAP (Stratagene) oder von äquivalenten
cDNA-Expressionsbanken mit rekombinanten HFGAN72-Rezeptorliganden. Rekombinantes HFGAN72-Rezeptorliganden-Protein
oder Fragmente davon werden mit kleinen Peptid-Markierungen wie
FLAG, HSV oder GST fusioniert. Die Peptid-Markierungen können zweckmäßige Phosphorylierungs-Stellen für eine Kinase
wie Herzmuskel-Kreatinkinase besitzen oder sie können biotinyliert sein. Rekombinante
HFGAN72-Rezeptorliganden können
mit 32[P] phosphoryliert sein oder unmarkiert verwendet und mit
Streptavidin oder Antikörpern
gegen die Markierungen nachgewiesen werden. λgt11-cDNA-Expressions-Banken
werden aus Zellen von Interesse gemacht und werden mit den rekombinanten
HFGAN72-Rezeptorliganden inkubiert, gewaschen und cDNA-Clone werden
isoliert, die mit den HFGAN72-Rezeptorliganden interagieren. Vgl.,
z.B. T. Maniatis et al., vorstehend.
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Ein
anderes Verfahren ist das Absuchen einer Säuger-Expressions-Bank, in der
die cDNAs in einen Vektor zwischen einem Säuger-Promotor und der Polyadenylierungsstelle
cloniert werden und übergangsweise
in COS- oder 293-Zellen
transfiziert werden, gefolgt von einem Nachweis des Bindungsproteins
48 Stunden später
durch die Inkubation von fixierten und gewaschenen Zellen mit einem
markierten HFGAN72-Rezeptorliganden, der vorzugsweise iodiert ist,
und dem Nachweis von gebundenen HFGAN72-Rezeptorliganden durch Autoradiographie.
Vgl., Sims et al., Science 241 :585-589 (1988) und McMahan et al.,
EMBO J. 10 :2821-2832 (1991). Auf diese Weise können cDNA-Pools, die die cDNA
enthalten, die das Bindungsprotein von Interesse codieren, selektiert
werden und die cDNA von Interesse kann durch weitere Unterteilung
jedes Pools, gefolgt von Zyklen der transienten Transfektion, Bindung
und Autoradiogrpahie isoliert werden. Alternativ kann die cDNA von
Interesse durch Transfektion der gesamten cDNA-Bank in Säugerzellen
und Schwenken der Zellen auf einer Platte, die einen HFGAN72-Rezeptorliganden
enthält,
der an die Platte gebunden ist, isoliert werden. Zellen, die nach
dem Waschen anheften, werden lysiert und die Plasmid-DNA wird isoliert,
in Bakterien amplifiziert, und der Zyklus aus Transfektion und Panning
wird wiederholt, bis ein einzelner cDNA-Clon erhalten wird. Vgl.
Seed et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84:3365 (1987) und Aruffo
et al., EMBO J. 6:3313 (1987). Wenn das Bindungsprotein sezerniert
wird, kann seine cDNA durch ein ähnliches
Vereinigungsverfahren erhalten werden, wenn einmal ein Bindungs-
oder Neutralisierungsversuch für
den Test von Überständen aus
transient transfizierten Zellen eingerichtet ist. Allgemeine Verfahren
zum Absuchen von Überständen sind
in Wong et al., Science 228:810-815 (1985) offenbart.
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Ein
anderes alternatives Verfahren ist die Isolierung von Proteinen,
die mit einem HFGAN72-Rezeptorliganden direkt aus Zellen interagieren.
Fusionsproteine eines HFGAN72-Rezeptorliganden mit GST oder kleinen
Peptid-Markierungen werden hergestellt und auf Kügelchen immobilisiert. Biosynthetisch
markierte oder unmarkierte Protein-Extrakte aus den Zellen von Interesse
werden hergestellt, mit den Kügelchen
inkubiert und mit Puffer gewaschen. Proteine, die mit einem HFGAN72-Rezeptorliganden
interagieren, werden spezifisch von den Kügelchen eluiert und durch SDS-PAGE
analysiert. Primäre
Aminosäuresequenzdaten
des Bindungspartners werden durch Microsequenzierung erhalten. Optional
können
die Zellen mit Mitteln behandelt werden, die eine funktionelle Reaktion
wie Tyrosin-Phosphorylierung
von zellulären
Proteinen induzieren. Ein Beispiel für ein solches Mittel wäre ein Wachstumsfaktor
oder Cytokin wie Interleukin-2.
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Ein
anderes alternatives Verfahren ist die Immunaffinitäts-Reinigung.
Ein rekombinanter HFGAN72-Rezeptorligand wird mit inkubierten oder
unmarkierten Zellextrakten inkubiert und mit anti-HFGAN72-Rezeptorliganden-Antikörpern immunpräzipitiert.
Das Immunpräzipitat
wird mit Protein A-Sepharose gewonnen und durch SDS-PAGE analysiert.
Unmarkierte Proteine werden durch Biotinylierung markiert und mit
Streptavidien auf SDS-Gelen nachgewiesen. Bindungspartner-Proteine werden durch
Mikrosequenzierung analysiert. Des Weiteren können biochemische Standard-Reinigungsschritte,
die dem Fachmann bekannt sind, vor der Mikrosequenzierung verwendet
werden.
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Noch
ein weiteres alternatives Verfahren ist das Absuchen von Peptid-Banken
auf Bindungspartner hin. Ein rekombinanter markierter HFGAN72-Rezeptorligand
wird verwendet, um Peptide aus einer Peptid- oder Phosphopeptid-Bank
auszuwählen,
die mit einem HFGAN72-Rezeptorliganden interagieren. Die Sequenzierung
der Peptide führt
zur Identifikation von Consensus-Peptidsequenzen,
die in interagierenden Proteinen gefunden werden könnten.
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Insgesamt
können
HFGAN72-Rezeptorliganden-Bindungspartner, die durch eines dieser
Verfahren oder andere Verfahren identifiziert werden, die dem Durchschnittsfachmann
bekannt sind, sowie jene vermutlichen Bindungspartner, die vorstehend
erörtert
wurden, in dem Testverfahren der Erfindung verwendet werden. Das
Testen auf die Gegenwart eines HFGAN72-Rezeptorligand/Bindungspartner-Komplexes wird zum Beispiel
durch das Hefe-Zwei-Hybrid-System, ELISA oder Immuntests unter Verwendung
von Antikörpern,
die für
den Komplex spezifisch sind, ausgeführt. In Gegenwart von Teststoffen
(d.h. Inhibitoren oder Antagonisten), die die Bildung der HFGAN72-Rezeptorligand/Bindungspartner-Interaktion
unterbrechen oder hemmen, wird eine verringerte Menge an Komplex
relativ zu einer Kontrolle, der der Teststoff fehlt, bestimmt werden.
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Die
Polypeptide der Erfindung können
ebenfalls verwendet werden, um die HFGAN72-Rezeptorliganden-Bindungskapazität von HFGAN72-Rezeptorliganden-Molekülen in Zellen
oder in zellfreien Molekülen
zu bewerten.
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Die
HFGAN72-Rezeptorliganden der vorliegenden Erfindung können ebenfalls
in einem Verfahren zum Absuchen von Verbindungen verwendet werden,
die die Aktivierung des Liganden des HFGAN72-Rezeptors aktivieren
(Agonisten) oder hemmen (Antagonisten).
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Im
Allgemeinen ist bei solchen Absuch-Verfahren die Bereitstellung
geeigneter Zellen, die den HFGAN72-Rezeptor auf ihrer Oberfläche exprimieren,
beteiligt. Solche Zellen umfassen Zellen von Säugern, Hefe, Drosophila oder
E. coli. Insbesondere wird dann ein codierendes Polynucleotid mit
einer Testverbindung und einem HFGAN72-Rezeptorliganden der vorliegenden
Erfindung in Kontakt gebracht, um die Bindung, Stimulierung oder
Hemmung einer funktionellen Reaktion zu beobachten.
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Ein
solches Absuch-Verfahren beteiligt die Verwendung von Melanophoren,
die so transfiziert sind, dass sie den HFGAN72-Rezeptor exprimieren.
Ein solches Absuch-Verfahren wird in WO 92/01810, veröffentlicht
am 6. Februar 1992, beschrieben.
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Somit
kann zum Beispiel ein solcher Test für das Absuchen einer Verbindung,
die Interaktion des Liganden mit dem HFGAN72-Rezeptor hemmt, durch Inkontaktbringen
von melanophoren Zellen, die den Rezeptor codieren, sowohl mit einem
HFGAN72-Rezeptorliganden der vorliegenden Erfindung und einer abzusuchenden
Verbindung verwendet werden. Die Hemmung des Signals, das durch
den Liganden erzeugt wird, zeigt an, dass eine Verbindung ein potenzieller
Antagonist für
den Rezeptor ist, d.h. die Aktivierung des Rezeptors durch HFGAN72
hemmt.
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Somit
stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Identifikation
von Verbindungen zur Verfügung, die
an ein HFGAN72-Rezeptorliganden-Polypeptid, bestehend aus einer
Aminosäuresequenz,
ausgewählt aus
der Gruppe, bestehend aus den SEQ ID NR: 2-4, 6 und 8-12 binden
und die Interaktion dessen mit einem HFGAN72-Rezeptor hemmen, umfassend:
- (a) Inkontaktbringen einer Zelle, die einen
HFGAN72-Rezeptor auf ihrer Oberfläche exprimiert, wobei der Rezeptor
mit einer zweiten Komponente assoziiert ist, die in der Lage ist,
ein nachweisbares Signal in Reaktion auf das Binden einer Verbindung
an den Rezeptor bereitzustellen, mit einer Verbindung, die unter Bedingungen
abgesucht werden soll, die eine Bindung an den Rezeptor erlauben,
und
- (b) Bestimmen, ob die Verbindung an den HFGAN72-Rezeptorliganden
bindet und die Interaktion mit HFGAN72-Rezeptor aktiviert, durch
Nachweisen der Anwesenheit oder Abwesenheit eines Signals, das durch
die Interaktion des Rezeptorliganden mit dem Rezeptor erzeugt wird.
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Das
Absuchen kann für
die Bestimmung einer Verbindung, die den Rezeptor aktiviert, durch
Inkontaktbringen solcher Zellen mit Verbindungen, die abgesucht
werden sollen, und Bestimmen, ob eine solche Verbindung ein Signal
erzeugt, d.h., den Rezeptor aktiviert, was eine zweite Messenger-Reaktion wie, ohne
darauf beschränkt
zu sein, eine cAMP-Hemmung oder – Stimulierung, Calcium-Mobilisierung
und GTPγS-Bindung
ergibt, verwendet werden.
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Somit
stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Identifikation
von Verbindungen zur Verfügung, die
an ein HFGAN72-Rezeptorliganden-Polypeptid, bestehend aus einer
Aminosäuresequenz,
ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus den SEQ ID NR: 2-4, 6 und 8-12 binden und
die Interaktion dessen mit einem HFGAN72-Rezeptor hemmen, umfassend:
- (a) Inkontaktbringen einer Zelle, die einen
HFGAN72-Rezeptor auf ihrer Oberfläche exprimiert, wobei der Rezeptor
mit einer zweiten Komponente assoziiert ist, der in der Lage ist,
ein nachweisbares Signal in Reaktion auf das Binden einer Verbindung
an den Rezeptor bereitzustellen, mit einer Verbindung, die unter Bedingungen
abgesucht werden soll, die eine Bindung an den Rezeptor erlauben,
und
- (b) Bestimmen, ob die Verbindung an den HFGAN72-Rezeptorliganden
bindet und seine Interaktion mit HFGAN72-Rezeptor aktiviert, durch
Nachweisen der Anwesenheit oder Abwesenheit eines Signals, das durch
die Interaktion des Rezeptorliganden mit dem Rezeptor erzeugt wird.
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Ein
anderes derartiges Absuch-Verfahren beteiligt die Einführung von
RNA, die den HFGAN72-Rezeptor codiert, in Eizellen von Xenopus,
um den Rezeptor übergangsweise
zu exprimieren. Die Rezeptor-Oocyten können dann mit einem Rezeptorliganden
der vorliegenden Erfindung und einer abzusuchenden Verbindung in
Kontakt gebracht werden, gefolgt vom Nachweis der Hemmung oder Aktivierung
eines Signals im Falle eines Absuchens auf Verbindungen, von denen
man annimmt, dass sie die Aktivierung des Rezeptors durch den Liganden
hemmen.
-
Ein
anderes Verfahren beteiligt das Absuchen auf Verbindungen, die die
Aktivierung des Rezeptors hemmen, durch Bestimmen der Bindungshemmung
von markiertem HFGAN72-Rezeptorliganden der vorliegenden Erfindung
an Zellen, die den Rezeptor auf ihrer Oberfläche haben. Ein solches Verfahren
beteiligt die Transfektion einer eukaryontischen Zelle mit DNA,
die den HFGAN72-Rezeptor so codiert, dass die Zelle den Rezeptor
auf ihrer Oberfläche
exprimiert, und das Inkontaktbringen des Zell- oder Zellmembran-Präparats in Gegenwart
einer markierten Form eines HFGAN72-Rezeptorliganden mit einer Verbindung.
Der Ligand kann z.B. durch Radioaktivität markiert werden. Wenn die
Verbindung, wie durch eine Reduktion von markiertem Liganden, der
an die Rezeptoren bindet, bestimmt, an den Rezeptor bindet, wird
die Bindung des markierten Liganden an den Rezeptor gehemmt.
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Noch
ein anderes Absuch-Verfahren beteiligt die Verwendung einer FLIPR-Ausstattung für Absuchverfahren
von Testverbindungen mit hohem Durchsatz, die die Mobilisierung
von intrazellulären
Calciumionen oder anderen Ionen durch Beeinflussung der Interaktion
eines HFGAN72-Rezeptorliganden mit dem HFGAN72-Rezeptor hemmen.
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HFGAN72-Rezeptoren
werden im Säuger-Wirt
gefunden und können
somit für
viele biologische Funktionen verantwortlich sein, einschließlich vielen
Krankheiten. Entsprechend ist es wünschenswert, Verbindungen zu
finden, die einerseits den HFGAN72-Rezeptor oder die Interaktion
von HFGAN72-Rezeptorliganden und dem HFGAN72-Rezeptor stimulieren
und die andererseits die Funktion des HFGAN72-Rezeptors hemmen können.
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Zum
Beispiel wurde zuvor gezeigt, dass der HFGAN72-Rezeptor in vaskulären glatten
Muskelzellen, die mit Serum behandelt wurden, hochreguliert und
in Macrophagen, die mit oxidiertem LDL behandelt wurden, herabreguliert
wurde, und er wurde ebenfalls in mit Stents versehenen Arterien
gefunden. Entsprechend kann die Modulierung der Aktivität dieses
Rezeptors mit Polypeptiden oder Fragmenten, Derivaten oder Varianten der
Polypeptide der aktuellen Erfindung bei der Behandlung von kardiovaskulären Störungen von
Nutzen sein. Die Isolierung dieses Liganden vom Gehirn und Hypothalamus
zeigt ebenfalls eine ZNS-Relevanz an. Somit betrifft die vorliegende
Erfindung auch die Verwendung eines Polypeptids bestehend aus der
Aminosäuresequenz
von SEQ ID NR:3, SEQ ID NR:8 oder SEQ ID NR:11 bei der Herstellung
eines Medikaments für
die Herstellung einer Essstörung,
ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Anorexia nervosa, Bulimie und Kachexie.
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Beispiel
5 zeigt, dass die zentrale Verabreichung von Lig 72A (SEQ ID NR:
8) die Nahrungsaufnahme bei sich frei ernährenden Ratten über eine
Dauer von 4 Stunden stimulierte. Diese Zunahme lag in etwa viermal über der
von Kontroll-Ratten,
die einen Träger
erhielten. Diese Daten lassen annehmen, dass Lig 72A ein endogener
Appetit-Regulator ist. Deshalb können
Antagonisten seines Rezeptors bei der Behandlung von Fettleibigkeit
und Diabetes von Nutzen sein, wohingegen die Agonisten und Antagonisten
bei der Behandlung von Essstörungen
wie unter anderem Anorexia nervosa, Bulimie und Kachexie von Nutzen
sein können.
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Des
Weiteren zeigt Beispiel 6, dass Lig 72A (SEQ ID NR: 8) Antidiurese
induzierte, wenn er intravenös in
eine Ratte bei Bewußtsein
gespritzt wurde, ohne die systemische oder renale Hämodynamik
zu beeinträchtigen.
Diese Daten lassen ebenfalls annehmen, dass ein HFGAN72-Rezeptor-Antagonist
neue diuretische Aktivität
besitzen würde
und deshalb unter anderem bei der Behandlung von chronischem Nierenversagen,
Diabetes vom Typ II, Nierenkrankheiten, kongestivem Herzversagen,
verminderter Glucosetoleranz, Fettleibigkeit und sexueller Dysfunktion
von Nutzen sein kann.
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Somit
betrifft die vorliegende Erfindung auch Zusammensetzungen, die die
vorstehend erörterten
Polypeptide oder die Agonisten oder Antagonisten davon umfassen.
Somit können
die Polypeptide der vorliegenden Erfindung, oder Agonisten oder
Antagonisten dazu in Kombination mit (einem) unsterilen oder sterilen
Träger(n)
für die
Verwendung bei Zellen, Geweben oder Organismen wie zum Beispiel
einen pharmazeutischen Träger,
der für
die Verabreichung an ein Individuum geeignet ist, verwendet werden.
Solche Zusammensetzungen umfassen zum Beispiel einen Medium-Zusatz
oder eine therapeutisch wirksame Menge eines Polypeptids der Erfindung
und einen pharmazeutisch verträglichen
Träger
oder Excipienten. Solche Träger
können Kochsalzlösung, gepufferte
Kochsalzlösung,
Dextrose, Wasser, Glycerin, Ethanol und Kombinationen davon umfassen,
sind jedoch nicht darauf beschränkt.
Die Formulierungen sollten der Art der Verabreichung entsprechen.
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Die
Erfindung betrifft des Weiteren pharmazeutische Packungen und Kits,
die einen oder mehrere Behälter
umfassen, die mit einer oder mehreren der Zutaten der zuvor erwähnten Zusammensetzungen
der Erfindung gefüllt
sind. Einem solchen Behälter/solchen
Behältern
beigefügt
kann eine Notiz in der Form sein, wie sie durch eine staatliche
Behörde
vorgeschrieben ist, die die Herstellung, Verwendung oder den Verkauf
von Pharmazeutika oder biologischen Produkten reguliert, wobei so
die Zustimmung der Behörde
zu der Herstellung, Verwendung oder dem Verkauf des Produkts für die Anwendung
beim Menschen widergespiegelt, wird.
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Polypeptide
und andere Verbindungen der vorliegenden Erfindung können allein
oder in Verbindung mit anderen Verbindungen wie therapeutischen
Verbindungen verwendet werden.
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Die
Arzneimittel können
auf jede wirksame, passende Weise, einschließlich unter anderem zum Beispiel
der Verabreichung auf topischen, oralen, analen, vaginalen, intravenösen, intraperitonealen,
intramuskulären,
subkutanen, intranasalen oder intradermalen Wegen verabreicht werden.
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Die
Arzneimittel werden allgemein in einer für die Behandlung oder Prophylaxe
einer spezifischen Indikation oder spezifischen Indikationen wirksamen Menge
verabreicht. Im Allgemeinen werden die Zusammensetzungen in einer
Menge von mindestens etwa 10 μg/kg
Körpergewicht
verabreicht. In den meisten Fällen
werden sie in einer Menge nicht über
etwa 8 mg/kg Körpergewicht
pro Tag verabreicht werden. Vorzugsweise liegt die Dosis in den
meisten Fällen
bei etwa 10 μg/kg
bis etwa 1 mg/kg Körpergewicht
täglich.
Es ist zu verstehen, dass die optimale Dosierung für jede Behandlungsmodalität und -indikation
durch Standardverfahren bestimmt werden wird, wobei die Indikation,
ihre Schwere, Verabreichungsweg, komplizierende Bedingungen und ähnliches
in Betracht gezogen werden.
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BEISPIELE: BIOLOGISCHE
VERFAHREN
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Bestimmte
hierin verwendete Begriffe sind im vorstehenden Glossar erklärt.
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Alle
Beispiele wurden unter Verwendung von Standardverfahren ausgeführt, die
dem Fachmann wohlbekannt und eine Routine sind, außer dort,
wo sie anders detailliert beschrieben werden. Molekularbiologische Routineverfahren
der folgenden Beispiele können,
wie in Standard-Laborhandbüchern
wie Sambrook, et al., MOLECULAR CLONING: A LABORATORY MANUAL, 2.Ausgabe;
Cold Spring Harbor Laboratory Press. Cold Spring Harbor, N.Y. (1989),
hierin als „Sambrook" bezeichnet, durchgeführt werden.
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Beispiel 1: Clonierungsverfahren
für die
HFGAN72-Rezeptorliganden
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a. Clonierungsverfahren
für die
Ratten-HFGAN72-Rezeptorliganden
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Das
degenerierte Intrapeptid-RT-PCR-Verfahren wurde verwendet, um die
Sequenz für
den Ratten-HFGAN72-Rezeptorliganden voller Länge zu erhalten.
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Die
Peptidsequenz QPLPDCCRQKTCSCRLYELLHGAGNHAGI (Aminosäuren 1-29
von SEQ ID NR: 6) wurde ausgewählt,
um stark degenerierte Oligonucleotid-Primer herzustellen, die ihre Enden
codieren. Die Sequenzen der Primer waren: CAACCNCTNCCNGACTGCTG (SEQ
ID NR: 13) und ATNCCNGCNGCATGATT (SEQ ID NR: 14). An Position 3
des Primers von SEQ ID NR: 13 kann A mit G substituiert sein. An
Position 7 des Primers von SEQ ID NR: 13 kann C mit T substituiert
sein. An Position 15 des Primers von SEQ ID NR: 8 kann C mit T substituiert
sein. An Position 18 von SEQ ID NR: 13 kann C mit T substituiert
sein. An Position 12 des Primers von SEQ ID NR: 14 kann A mit G
substituiert sein. An Position 15 des Primers von SEQ ID NR: 14
kann A mit G substituiert sein. Jede aller dieser Substitutionen
kann in den Primern der SEQ ID NR: 13 und 14 vorliegen. In den Nucleotidsequenzen
der vorstehenden Primer kann das Symbol „N" ein A, C, G oder T sein. Das cDNA-Fragment,
das das Peptid codiert, wurde durch RT-PCR aus Rattenhirn-RNA gewonnen
und durch Nucleotidsequenzierung bestätigt.
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5'-RACE
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Ein
nicht degenerierter Oligonucleotid-Primer wurde basierend auf der
Sequenz des vorstehenden RT-Produkts hergestellt (#1; GTTGCCAGCTCCG
TGCAACAGTTCGTAGAGACGG) (SEQ ID NR: 15), und in einer 5'-RACE-Reaktion verwendet:
Doppelsträngige
cDNA wurde von polyA+-RNA aus Rattenhirn synthetisiert, mit dem
Marathon-Adaptor (Clontech) ligiert und als Matrize für die initiale
5'-RACE-Reaktion
mit dem Adaptor-Primer 1 (Clontech) und #1 als Primer verwendet.
Eine verschachtelte PCR-Reaktion wurde mit einem Oligonucleotid
CGGCAGGAACACGTCTTCTGGCG (#2) (SEQ ID NR: 16) und Adaptor-Primer
2 durchgeführt. Ein
5'-cDNA-Produkt
von etwa 250 Bp, das das Peptid genau codiert, wurde erhalten.
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3'-RACE
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Zwei
zusätzliche
Oligonucleotide, TCCTTGGGTATTTGGACCACTGCACCGAAG (#3) (SEQ ID NR: 17)
und ATACCATCTCTCCGCATTGCCTCTCCCTGA (#4) (SEQ ID NR: 18) wurden hergestellt,
die einem Teil der vermutlichen nicht-codierenden 5'-Region der cDNA-Sequenz, die durch
die vorstehende 5'-RACE-Reaktion
erhalten wurde, entsprachen. Einzelsträngige Rattenhirn-cDNA wurde
unter Verwendung eines Oligonucleotids CCTCTGAAGGTTCCAGAATCGATAGTAN
(SEQ ID NR: 19) als spezifischem Primer für die reverse Transkription
synthetisiert und als Matrize für
eine 3'-RACE-Reaktion unter Verwendung
von #3 und einem Anker-Primer (CCTCTGAAGGTTCCAGAATCGATAG) (SEQ ID
NR: 20) verwendet. An Position 27 des Oligonucleotids von SEQ ID
NR: 19 kann A entweder mit C oder G substituiert werden. In der
Nucleotidsequenz des Oligonucleotids von SEQ ID NR: 19 kann das
Symbol „N" ein A, C, G oder
T sein. Das Produkt wurde einer verschachtelten PCR-Reaktion unter Verwendung
von #4 und demselben Anker-Primer unterzogen. Ein diskretes Produkt
von 0,6 kB, das die genaue 5'-cDNA-Sequenz
enthielt, wurde erhalten. Die Sequenz voller Länge wurde auf cDNA-Produkten
bestätigt,
die von drei unabhängigen
initialen 3'-RACE-Reaktionen
erhalten wurden.
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b. Clonierungsverfahren
für die
menschlichen und Mäuse-HFGAN72-Rezeptorliganden
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Etwa
1,2 Millionen Plaques, jeweils von menschlichem (Clontech) und Mäuse (Stratagene)-Genbanken
wurden durch Standard-Plaque-Hybridisierung abgesucht. Eine Ratten-DNA-Insertion
voller Länge
(etwa 0,5 kB), die beide HFGAN72-Rezeptorliganden,
Lig 72 A und Lig 72B, codierte, wurde durch das Zufalls-Priming-Verfahren mit 32P
markiert und wurde als Sonde verwendet. Hybridisierungs-positive
Phagen wurden plaquegereinigt und genomische DNA-Fragmente, die
Exons von HFGAN72-Rezeptorliganden enthielten, wurden durch Southern-Blotverfahren
identifiziert und für
die weitere Analyse in Plasmid-Vektoren subcloniert. Die vollständige Nucleotidsequenz
des Genomfragments wurde aus Sequenzen der überlappenden Subclone zusammengeführt und
die Sequenzen wurden durch Primer-Walking erhalten.
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Beispiel 2: Reinigung
von HFGAN72-Rezeptorliganden
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Etwa
220 Gramm gefrorenes Rinder-Hypothalamusgewebe oder gefrorenes Rattenhirn-Gewebe,
bezogen von Pel-Freez (Rogers, AR) wurden durch Polytron (15 mm
Durchmesser) in 10 × Volumen
von 70% (Volumen/Volumen) Aceton/1M Essigsäure/20 mM HCl bei Raumtemperatur
homogenisiert. Die Homogenate wurden über Nacht bei 4°C gelagert,
um größere Proteine
auszufällen.
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Am
folgenden Tag wurden die Homogenate 30 Minuten bei 4°C bei 20.000 × g zentrifugiert.
Die Zentrifugation wurde wiederholt, bis alle sichtbaren, unlöslichen
Materialien von dem Überstand
entfernt waren. Der Überstand
wurde dann in mehrere große
Glasflaschen aliquotiert, und jeder Flasche wurde ein gleiches Volumen
Diethylether zugesetzt. Das Gemisch wurde 1-2 Minuten heftig geschüttelt, und
man ließ die
beiden Phasen 30 Minuten bei Raumtemperatur abscheiden. Die untere
wässrige
Phase (die trüb
erscheint) wurde in frische Flaschen überführt und die Ether-Extraktion
wurde zwei weitere Male wiederholt, um jegliches Aceton zu entfernen.
Nach den Extraktionen wurde die wässrige Phase bei 20.000 × g 30 Minuten
bei 4°C
zentrifugiert. Der Überstand
wurde nochmals zentrifugiert, um alle unlöslichen Materialien zu entfernen.
Der endgültige Überstand
(etwa 500-600 ml) wurde dann durch einen Maschenfilter (Falcon Cell
Strainer, Becton Dickinson, Co., Oxnard, CA) in eine Glasflasche
filtriert. Das Filtrat wurde dann mit einem gleichen Volumen H2O bei Raumtemperatur verdünnt und
direkt auf zwei SepPak C18-Kartuschen
von 10 Gramm (Gesamtbett 20 Gramm) geladen, die mit 0,1% (Volumen/Volumen)
Trifluoressigsäure
(TFA) voräqulibriert
waren. Durch Ansetzen eines leichten Vakuums an die Kartuschen wurde
die Durchflussrate so aufrechterhalten, dass die einzelnen Tröpfchen vom
Austritt der Kartusche noch sichtbar waren. Jede Kartusche wurde
mit 100 ml 5% CH3CN/0,1% TFA gewaschen,
und dann mit 30 ml 50% CH3CN/0,1% TFA eluiert.
Die ersten 6 Milliliter des Eluats wurden als Leervolumen verworfen.
Das übrige
Eluat wurde in silikonisierten Glasflaschen über Nacht lyophilisiert.
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Das
lyophilisierte Material wurde durch 10-20-minütige Beschallung in 24 Millilitern
1M Essigsäure
gelöst
oder bis keine sichtbaren unlöslichen
Materialien mehr vorhanden waren. Der Extrakt wurde dann durch einen
Mirex GV Spritzenfilter von 20 Micron (Millipore, Bedford, MA) filtriert.
Die Hälfte
(12 Milliliter) des filtrierten Extrakts wurde direkt auf eine C18-Umkehrphasen-HPLC-Säule (Vydac
218TP510; 5 Micron, 10 mm × 250 mm
semiprep; Hesperia, CA), prääquilibriert
mit 3% CH3CN/0,1% TFA, bei einer Durchflussrate
von 3 Millilitern/Minute bei Raumtemperatur aufgetragen. Die Probe
wurde über
eine große
(5 Milliliter oder größer) Probenschleife
in vier Chargen von je 3 Millilitern aufgetragen. Ein Gradient von
10% – 40%
CH3CN in 0,1 % TFA wurde dann über 100
Minuten angewendet. Drei Milliliter (oder 1 Minute) -Fraktionen
wurden in silikonisierten Glasröhrchen
von 5 Millilitern aufgefangen. Die identische HPLC wurde für die übrige Hälfte des
Extraks noch einmal wiederholt. 60 Microliter (1/50) von jeder Fraktion
wurden beiseite gestellt und bei 293/HFGAN72-Zellen auf die Ca-Übergänge getestet,
wie in Beispiel 2 beschrieben.
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Die
aktiven Fraktionen wurden gesammelt und direkt auf eine Kationen-Austausch-HPLC-Säule (TosoHaas
SP-5PW, 7,5 mm × 75
mm; Montgomeryville, PA), prääqulibriert
mit 20 mM Na-Phosphat (pH 3,0)/30% CH3CN
bei Raumtemperatur aufgebracht. Ein 0-0,5 M Gradient von NaCl in
20 mM Na-Phosphat (pH 3,0)/30% CH3CN wurde
60 Minuten lang bei einer Durchflussrate von 1 Milliliter/Minute
angewendet. Fraktionen von 1 Milliliter wurden gesammelt, und 30
Microliter jeder Fraktion wurden für den Ca-Test verwendet.
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Die
aktiven Fraktionen (2-3 Fraktionen; 2-3 Milliliter) wurden gesammelt
und 4-fach mit 0,1
% TFA verdünnt.
Die verdünnte
Probe wurde direkt auf eine analytische C18-Umkehrphasensäule (Vydac
218TP54; 4,6 mm × 250
mm), prääquilibriert
mit 3% CH3CN/0,1% TFA, bei einer Durchflussrate
von 1 Milliliter/Minute aufgetragen. Die Säule wurde mit einem Säulen-Erhitzer
bei 40°C
gehalten. Ein 21%-36% Gradient von CH3CN
in 0,1%TFA wurde über
75 Minuten angewendet. Individuelle Peaks (bei einer Absorption
von 210 nm überwacht)
wurden manuell in silikonisierten Glasröhrchen von 5 Millilitern aufgefangen
und 30 Microliter jeder Fraktion wurden getestet. An diesem Punkt
hatte der aktive Peak bereits eine Reinheit von >70-80%.
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Der
aktive Peak (etwa 1 Milliliter) wurde 4-fach mit 0,1% TFA verdünnt, und
direkt auf dieselbe C18-Säule
geladen, dieses Mal jedoch mit 3% CH3CN/20
mM Tris-HCl (pH 7,0 bei 40°C)
prääquilibriert.
Ein 3%-40% Gradient von CH3CN in 20 mM Tris-HCl
(pH 7,0) wurde 74 Minuten bei 40°C
angewendet. Der Haupt-Peak bei 210 nm wurde manuell aufgefangen.
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An
diesem Punkt sollte die Probe bereits rein sein. Um die Reinheit
zu bestätigen
und um das Material zu entsalzen, wurde der aktive Peak (etwa 800
Microliter) 4-fach mit 0,1 % TFA verdünnt und direkt auf eine C8-Umkehrphasensäule (Vydac
228TP104; pH-stabile beschichtete C8; 4,6 mm × 250 ml), prääquilibriert
mit 3% CH3CN/0,1% TFA, bei einer Durchflussrate
von 1 Milliliter/Minute aufgetragen. Ein 3%-36% Gradient von CH3CN in 0,1% TFA wurde 66 Minuten bei 40°C angewendet.
Der einzelne Peak bei 210 nm wurde manuell aufgefangen. Die biologische
Aktivität
wurde bestätigt.
Das vorstehende Verfahren wurde verwendet, um Lig 72A zu reinigen.
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Lig
72B wurde gefunden und durch Synthetisierung des Peptids basierend
auf der cDNA-Sequenz und durch Testen des synthetisierten Produkts
gereinigt.
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Beispiel 3: Ca-Test auf
Lig 72A und Lig 72B
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Der
Ca-Test wurde in Übereinstimmung
mit Verfahren, beschrieben durch Sakuri et al., Nature 1990, 348:732-735
durchgeführt.
Für den
Test wurde ein kleiner Abschnitt jeder HPLC-Fraktion in ein silikonisiertes 1,5
Milliliter-Eppendorf-Röhrchen überführt und
unter Vakuum bis zur Trockenheit evaporiert. Getrocknetes Material wurde
in 20 Microlitern des Ca-Testpuffers (140 mM NaCl, 4 mM KCl, 1 mM
Na2HPO4/1 mM MgCl2, 1,25 mM CaCl2,
11 mM Glucose, 5 mM HEPES (pH 7,4) und 0,2% Rinderserumalbumin)
durch Verwirbeln über 3
Minuten rekonstituiert. Für
jeden Testpunkt wurden 10 Microliter der rekonstituierten Lösung verwendet.
Die Zellen wurden mit Fura-2/AM in Übereinstimmung mit Standardverfahren
aufgetragen. Das intrazelluläre
Ionenanalysegerät
Jasco CF-110 (Easton, MD) mit 0,5 ml-Testkuvetten wurde verwendet.
Die 293/FGAN72-Zellen und nicht-transfizierte 293-Zellen wurden
parallel verwendet, um die Spezifität der Reaktion zu gewährleisten.
Endothelin-1 (Endkonzentration 1-100 nM) wurde als positiver Kontroll-Ligand
verwendet.
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Beispiel 4: Bestimmung
der Aminosäuresequenzen
von Lig 72A und Lig 72B
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Ein
Lys-C-Aufschluss des reduzierten und alkylierten Lig 72A in 50 mM
Tris-Puffer, pH
9,0, wurde für die
Sequenzanalyse verwendet. Eine Hälfte
der Probe (etwa 25 Microliter) wurde gereinigt und mittels einer Microsäule, die
mit Poros RII-Harz
gepackt war, aufkonzentriert. Die Peptide wurden mit 2 Microlitern
70% Methanol, 5% Ameisensäure
eluiert und auf eine Nanoelektrospray-Nadel überführt. Die Probe wurde unter
Verwendung von Nanoelektrospray-Ionisierung auf einem PE-Sciex-Dreifach-Quadrupolmassenspektrometer analysiert.
Ein einziges Peptid mit einem Molekulargewicht von 1286,6 wurde
beobachtet. Dieses Peptid wurde unter Verwendung von kollisionsinduzierter
Dissoziations(CID)-Tandem-Massenspektrometrie
(MS/MS) sequenziert. Um die Interpretation der Daten zu erleichtern,
wurden Fragmente des Peptids ebenfalls in der Elektrospray-Quelle
gebildet, die danach durch CID-Tandem-MS (ein Verfahren, das als
MS3 bezeichnet wird) sequenziert wurden.
Die Fragmente, die gebildet wurden, unterschieden sich durch den
Verlust von aufeinanderfolgenden N-terminalen Aminosäuren, die
mit dem des-3-Peptidfragment beginnen und durch das des-5-Fragment
weitergehen.
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Lig
72B wurde durch direkte Edman-Sequenzierung unter Verwendung eines
G1000A-Protein-Sequenzierungsgeräts
von Hewlett Packard, das mit on-line-Pth (Phenylthiohydantoin)-Aminosäure-Analyse ausgestattet
war, identifiziert. Das Molekulargewicht des Peptids wurde durch
Matrix unterstützte
Laser-Desorptions-Ionisierungs-Massenspektrometrie
(MALDI-MS) auf 2935,9 Da bestimmt, was anzeigt, dass das prozessierte
Peptid in voller Länge
und am C-terminalen Rest amidiert war.
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Beispiel 5: Lig 72A-Rattenfütterungsversuch
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Unter
Verwendung von Standardverfahren wurde eine chirurgische Implantierung
einer Kanüle
in das linke laterale Ventrikel von männlichen Sprague Dawley-Ratten
durchgeführt,
wobei ein stereotaktischer Rahmen verwendet wurde. Die Position
jeder Kanüle
wurde unter Verwendung einer submaximalen Dosis (2,35 nMol) Schweine-Neuropeptid
Y (NPY) verifiziert, ein Peptid, von dem bekannt ist, dass es die
Nahrungsaufnahme bei Ratten stimuliert, und das als positive Kontrolle
in Nahrungsversuchen verwendet werden kann. Nachfolgend erhielten
9 Ratten zufallsverteilt über
einen Zeitraum von 2 Wochen 3 Dosen an Lig 72A (2,34, 7,02 und 23,4
nMol). Die Nahrungsaufnahme wurde während der ersten beiden Stunden
stündlich
und wieder nach 4 Stunden gemessen, und das Körpergewicht wurde auf einer
täglichen
Basis überwacht.
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Die
Ergebnisse zeigen, dass Lig 72A die Nahrungsaufnahme in sich frei
ernährenden
Ratten über
einen Zeitraum von 4 Stunden erhöht.
Die Zunahme lag in etwa 4-mal über
der von Kontrollratten, die ein Vehikel erhielten. Alle Dosen von
Lig 72A ergaben dieselbe Reaktion, was nahe legt, dass sogar 2,34
nMol an der Spitze der Dosis-Reaktionskurve liegen und dass geringere
Dosen untersucht werden müssen,
um weitere Information über
das Potenzial zu erhalten. Die Reaktionsdauer für Lig 72A erschien länger zu
sein als die für
NPY. Diese Daten legen nahe, dass Lig 72A ein endogener Regulator
des Appetits sein kann und dass Antagonisten seines Rezeptors bei
der Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes von Nutzen sein können, wohingegen Agonisten
oder Antagonisten bei der Behandlung von Essstörungen wie unter anderem Anorexia
nervosa, Bulimie und Kachexie nützlich
sein können.
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Beispiel 6: Antidiuretische
Wirkung von Lig 72A bei der Ratte bei Bewußtsein
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Die
Wirkungen von Lig 72A auf den arteriellen Blutdruck (MAP), die Herzfrequenz
(HR), den renalen Blutfluss (RBF) und die glomeruläre Filtrationsrate
(GFR) sowie auf die Ausscheidung von gelösten Stoffen und Wasser durch
die Nieren wurden in ständig
an Instrumente angeschlossenen, männlichen Sprague Dawley (390-440
g)-Ratten (n=5), die bei Bewußtsein
waren, bestimmt. Einzelheiten der Operation und der chronischen
Behandlung wurden zuvor veröffentlicht
(Kidney Int. 15:419-426, 1979). Kurz, unter Betäubung wurden Katheter über die
femoralen Gefäße in die
abdominale Aorta und die untere Vena cava implantiert. Zusätzlich wurde
eine mit Silicongummi überzogene
Kanüle
aus rostfreiem Stahl in die Harnblase eingenäht. Während der Reconvaleszenz (6-8
Tage) wurden die Ratten einzeln untergebracht, hatten freien Zugang
zu Futter und Wasser und wurde an einen Plastik-Zwinger gewöhnt.
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Während der
Versuchszeiträume
wurden die Ratten in einen Zwinger gegeben und Verbindungen wurden
für die
Aufzeichnung des Blutdrucks und der Herzfrequenz und das Auffangen
des Urins hergestellt. Während
des Experiments wurde isotonische Kochsalzlösung, enthaltend 10% Inulin
und 2% PAH, i.v. in einer Geschwindigkeit von 20 μl/min infundiert.
Nach einer Stunde Äquilibrierung
folgte zweimal ein 20-minütiges
Auffangen von Urin (Kontrolle). Eine Blutprobe wurde in der Mitte
des zweiten Auftangens genommen, und dann wurde Lig 72A i.v. in
einer Geschwindigkeit von 1 μg/kg/min über 90 min
infundiert, währenddessen
dreimal ein 30-minütiges
Auffangen von Urin durchgeführt
wurde, und eine andere Blutprobe wurde zwischen dem zweiten und
dem dritten Zeitraum genommen.
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Urin-
und Plasmakonzentrationen von Inulin und PAH wurden durch Spektrophotometrie
bestimmt und die Elektrolyte wurden durch ein Synchron AS8 Clinical
Analyzer (Beckman Intrument Inc., Brea, CA.) gemessen. Die glomeruläre Filtrationsrate
(GFR) wurde aus der Nierenclearance von Inulin, dem Nierenplasmafluss (RPF)
als der Clearance von PAH, dem Nieren-Blutfluss (RBF) als RPF/(1-Hämatokrit)
geschätzt.
Clearance und Exkretionsraten wurden unter Verwendung von Standardverfahren
berechnet und werden pro 100 g Körpergewicht
angegeben. Alle Werte stellen maximale Veränderungen dar, exprimiert als
absolute Werte und dargestellt als Gruppenmittelwerte ± SEM.
Statistische Analysen wurden unter Verwendung der Analyse der Varianz
(ANOVA) durchgeführt.
Ein Wert von P < 0,05
wurde als statistisch signifikant betrachtet.
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Der
Blutdruck der Kontrolle betrug: 119 ± 3,2 mmHg, die Herzfrequenz
betrug: 405 ± 9,9
Schläge/min., und
keine Funktion wurde durch Lig 72A verändert. GFR und RBF stiegen
während
der Infusion des Peptids mäßig (nicht
signifikant) von 923 ± 80
auf 1032 ± 103
beziehungsweise von 5444 ± 410
auf 6385 ± 910 μl/min/100g
an. Im Gegensatz dazu wurden größere Veränderungen
durch Lig 72A: im Urinfluss, von 22 ± 3 auf 8,2 ± 1,5 µl/min/100g
(p < 0,05); in
der fraktionalen Exkretion von Natrium und Kalium von 1,58 ± 0,3 auf 0,78 ± 0,2 beziehungsweise
von 46 ± 6
auf 32 ± 2
% (p < 0,05) ausgelöst. Die
Veränderungen
bei der Clearance von Osmolen (von 39 ± 4 auf 30,3 ± 3 μl/min/100g)
und freiem Wasser (von –17,3 ± 2 auf
22,1 ± 2 μl/min/100g)
waren nicht statistisch signifikant.
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Die
Ergebnisse zeigen an, dass Lig 72A Antidiurese induziert, wenn es
intravenös
in die Ratte bei Bewußtsein
injiziert wird, ohne systemische oder renale Hämodynamik zu beeinflussen.
Die Daten legen ebenfalls nahe, dass ein HFGAN72-Rezeptor-Antagonist neue diuretische
(natriuretische) Aktivität
besitzt und deshalb unter anderem bei der Behandlung von chronischem
Nierenversagen, Diabetes vom Typ II, Nierenkrankheiten, kongestivem
Herzversagen, verminderter Glucosetoleranz, Fettleibigkeit und sexueller
Dysfunktion von Nutzen sein kann. SEQUENZPROTOKOLL
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Die
vorstehende Beschreibung offenbart die Erfindung vollständig, einschließlich bevorzugter
Ausführungsformen
davon. Modifikationen und Verbesserungen der hierin spezifisch offenbarten
Ausführungsformen sind
innerhalb der Reichweite der folgenden Patentansprüche. Ohne
weitere Ausarbeitung wird angenommen, dass ein Fachmann unter Verwendung
der vorhergehenden Beschreibung die vorliegende Erfindung in ihrem vollständigsten
Ausmaß verwenden
kann. Deshalb sind die hierin bereitgestellten Beispiele als rein
veranschaulichend zu betrachten und sind auf keine Weise eine Beschränkung des
Umfangs der vorliegenden Erfindung. Die Ausführungsformen der Erfindung,
in welchen ein ausschließliches
Eigentum oder Privileg eingefordert wird, sind wie folgt definiert.