DE54715C - Verfahren zur Herstellung von farbigen Bildern auf Leinwand, Holz und dergleichen - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von farbigen Bildern auf Leinwand, Holz und dergleichenInfo
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Classifications
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- G—PHYSICS
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 57: Photographs.
Mittelst dieses Verfahrens sollen sich Gemälde u. dergl. in vollendeter Weise und dabei
verhältnifsmäfsig billig copiren lassen. Dasselbe beruht darauf, dafs, wenn man ein Bild oder
dergleichen photographirt und ein positives und ein negatives transparentes Cliche herstellt, alsdann
einen lichtempfindlichen Stoff unter dem positiven Cliche belichtet, die Lichtpartien des
Originals entsprechenden Theile zuerst und am stärksten vom Licht angegriffen. Belichtet man
unter dem Negativ, so werden umgekehrt die Schattenlinien am meisten angegriffen.
Hat man nun einen Stoff, der wiederholte Belichtung verträgt, so kann man abwechselnd
Lichtpartien und Schattenpartien belichten.
Diese Thatsachen werden für das vorliegende ^Verfahren in folgender Weise verwerthet:
Zunächst wird in bekannter Weise ein positives und ein negatives Cliche des zu copiren.-den
Bildes etc. hergestellt. Beide müssen einander genau decken und durchsichtig sein.
Am besten fertigt man sie mittelst eines und desselben photographischen Negativs an.
Alsdann wird folgende Flüssigkeit bereitet: Destillirtes Wasser 200 ecm, feste Glucose 40 g,
Gummi arabicum 24 g, sehr reines Kaliumbichromat 24 g, reines flüssiges Ammoniak
(spec. Gew. 0,880) 6 Tropfen. Statt der Glucose kann man auch andere organische Substanzen
benutzen, z. B. Honig, Zucker, Syrup u. s. w.
Eine dünne Schicht dieser Lösung wird, nachdem sie sorgfältig filtrirt ist, auf eine reine,
hochpolirte Platte, am besten Glas, das sorgfältig gereinigt wurde, aufgetragen.
Die Platte wird in irgend einem passenden Apparat getrocknet, bis sie sich gar nicht mehr
klebrig anfühlt. Setzt man nun diese Platte der Luft im Schatten aus, so wird sie bald
wieder klebrig.
Schützt man aber nur Theile davon gegen Licht, so werden nur die beschatteten Theile
klebrig, die belichteten nicht. Je stärker die Belichtung war, um so länger braucht die
Schicht, um ihre Klebrigkeit wieder zu erlangen. Erwärmt man die klebrige Schicht
nochmals, so wird sie wieder trocken.
Die so zubereitete, bei mäfsiger Wärme getrocknete Platte wird alsdann unter, dem positiven
Cliche in der in der Photographic üblichen Weise exponirt. ·
Die stärksten Lichter des Originals bleiben hierbei trocken und die Schatten werden klebrig.
Man nimmt nun gepulverte vegetabilische Farbstoffe, die dem dunkelsten Colorit entsprechen,
und stäubt die entsprechenden Theile der Plätte damit ein.
Selbst in der sehr kurzen Zeit, die das Einstäuben beansprucht, ist schon ein weiterer
Theil (der der nächst dunklen Farbe entspricht) wieder klebrig geworden, man stäubt also die
nächste Färbe ein u. s. w., bis diese Farbentöne erschöpft sind.
Jetzt trocknet man das Ganze wieder (bei sehr trockener, warmer Atmosphäre ist dies
nicht immer nöthig), pafst das Negativcliche genau auf den Abdruck und exponirt abermals.
Während aber bei der ersten Belichtung die Schatten bedeckt und die Lichter blofs waren,
ist nun das Umgekehrte der Fall; denn das Negativ deckt die Lichter und läfst die Schatten
frei.
Man kann also jetzt die lichten Farben in passender Ordnung ebenso nach einander einstäuben,
wie vorhin die dunkeln. In der Wahl der Farben und in Bestimmung ihrer Reihenfolge ist der Charakter des Originals zu
beachten; man nimmt z. B. dunklere Töne, wenn man die Wirkung eines alten, von der
Zeit nachgedunkelten Bildes imitiren will, als wenn das Bild ein neues, in leuchtenden Farben
ausgeführtes ist.
In jedem Falle ist es bequem, die Farben (gepulvert) in Schälchen beisammen zu haben,
so dafs man eine nach der anderen ohne Zeitverlust benutzen kann, da die Schicht ihre
Klebrigkeit nach Belichtung sehr rasch wiedergewinnt.
Hat man nun ■ sä'mmtliche Farbentöne (die lichten, sowie die dunkeln) aufgetragen, so
überzieht man das Ganze mit einer dünnen Schicht einer Mischung, bestehend aus Leinölfirnifs
und Lack, gelöst im zehnfachen Gewicht von Terpentin.
Das Terpentin dieser dünnen Lackschicht verflüchtigt sich sehr bald; hierauf malt man
etwa noch fehlende Farben mit Oelfarbe nach, was sehr leicht und rasch geschehen ist. Man
nimmt sodann ein Collodion, und zwar Schiefsbaumwolle 2 g, Alkohol 62° 40 ecm, Aether
400 60 ecm. Hiermit überzieht man das ganze Bild, wobei eine recht dünne Schicht genügt.
Die Uebertragung des so geschaffenen Bildes auf die Leinwand, das Holz oder dergleichen
Material geschieht wie folgt:
Nachdem das Collodion trocken geworden ist, legt man das Ganze in Wasser, bis die
organische lichtempfindliche Schicht nebst dem darin enthaltenen Chromsalz sich aufgelöst hat.
Hierauf taucht man das Bild in ein Bad, bestehend aus: ι 1 Wasser, 20 g Seife, 20 g Chlorkalk.
Bereitet wird dieses Bad heifs, benutzt erst nach Erkalten und Filtrirung durch Flanell.
Der Einflufs dieser Mischung auf das Collodion zerstört letzteres bald, jedoch nicht so rasch,
dafs man die Uebertragung nicht erst bequem ausführen könnte.
Nachdem das Bild in letztgenanntem Bade war, wäscht man es leicht in frischem Wasser.
Inzwischen hat man die Leinwand, das Holz oder den Stoff, auf den das Bild aufgetragen
werden soll, unter .Wasser gebracht; ist es nothwendig (so z. B. bei Leinwand), so hält man
den Gegenstand in irgend passender Weise unter dem Wasser fest. Leinwand spannt man
am besten erst auf einen Rahmen.
Jetzt wird die Glasplatte mit der Bildseite nach unten ebenfalls in das Wasser gebracht,
worauf das Bild sich bald vom Glas ablöst und auf die Leinwand u. s. w. gebracht wird.
Nach Herausnahme der Leinwand (des Holzes u. s. w.) läfst man dieselbe mit dem übertragenen
Bild trocknen.
Zu bemerken ist, dafs, wenn ein Oelgemälde imitirt werden soll, die Leinwand u. s. w. erst
mit weifser Farbe bemalt werden mufs, so dafs im fertigen Product die Pinselstriche zu sehen
sind, ebenso wie bei Handarbeit. Das fertige Bild wird in der üblichen Weise lackirt.
Will man Aquarelle imitiren, so läfst man die oben beschriebene Lackschicht aus, ohne
sonst irgend etwas am Verfahren zu ändern.
Claims (6)
- Patent-Anspruch:.Ein Verfahren zur Herstellung von imitirten Oelgemälden, Aquarellen u. dergl., bestehend in den folgenden Operationen:
ι. Ueberziehung einer Glasplatte mit einer Schicht einer lichtempfindlichen Substanz, nämlich Wasser, Glucose oder dergleichen, Gummi arabicum, Kaliumbichromat und Ammoniak; - 2. Belichtung der Platte unter einem Positivcliche und Einstäubung der dunklen Farben je nach Mafsgabe der Belichtung der verschiedenen Theile;
- 3. zweite Belichtung unter einem Negativcliche und Einstäubung der lichten Farben nach Mafsgabe der Belichtung verschiedener Theile;
- 4. Ueberziehung der Farbschicht mit einer Collodionschicht, mit oder ohne vorheriges Lackiren und Retouchiren;
- 5. Auswaschen der lichtempfindlichen Schicht und Behandlung im Bade aus Wasser, Seife und Chlorkalk ;
- 6. Uebertragung auf die Leinwand, das Holz oder dergleichen.
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