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Verfahren zur Darstellung von organischen Verbindungen mit dreiwertigem
Arsen. Die Carbonylgruppe in Aldehyden und Ketonen ist bekanntlich sehr reaktionsfähig,
und es treten demgemäß Aldehyde und Ketone sehr leicht mit den verschiedenartigsten
Reagenzien in Wechselwirkung. Allgemein bekannt ist z. B. die leichte Reduzierbarkeit
der genannten Körper durch die verschiedenartigsten Reduktionsmittel. Es ist fernerhin
bekannt, daß die Carbonylgruppen mit Bisulfiten und Hydrosulfiten Additionsprodukte
von esterartigem Bau geben. Ein weiteres Beispiel für die leichte Angreifbarkeit
der Carbonylgruppe lieferte F e s s e k (Wiener Monatshefte, Bd. 5, S.
625, und Bd. 7, S.20), welcher zeigte, daß Aldehyde, Ketone, Säureamide usw.
mit Phosphortrichlorid Phosphinsäuren liefern.
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Es wurde nun die überraschende Beobachtung gemacht, daß es möglich
ist, aromatische Verbindungen, die neben dem Arsinsäurerest eine oder mehrere Carbonylgruppen
in nichtcyklischer Bindung enthalten, wie zum Beispiel aromatische Aldehydarsinsäuren
oder Ketonarsinsäuren, einer nur auf die Arsengruppen gerichteten schonenden --Reduktion
zu unterwerfen, so daß man z. B. Arsinsäuren vom Typus R#As 03H2 zu den betreffenden
Oxyden R -As= O und diese Oxyde zu den betreffenden Arsenoverbindungen
R#As= As # R oder auch die Arsinsäuren unmittelbar zu den betreffenden Arsenoverbindungen
reduzieren kann, ohne daß die Carbonylgruppen angegriffen werden. Es kommen für
das Verfahren insbesondere zwei Gruppen von carbonylhaltigen Verbindungen in Betracht,
nämlich i. acidylierte, ein- oder mehrkernige oder kondensierte aromatische und
hydroaromatische Verbindungen, die entweder nur einen Arsensubstituenten enthalten
oder die neben Arsen noch anderweitig substituiert sind, z. B. durch OH-, NHQ ,
NH # CO.-X- (wobei unter X zu verstehen ist: H oder ein beliebiges aromatisches
oder aliphatisches Radikal, substituiert oder unsubstituiert), Halogen-, Alkyl-,
Aldehyd- oder Ketogruppen, Carbonyl-Sulfogruppen usw., carbo- oder heterocykhscher
Natur, bei denen die Carbonylgruppe am Ringsystem steht und der Acidylrest der Rest
irgendeiner gesättigten oder ungesättigten aliphatischen Säure (auch der Ameisensäure
oder einer Oxy-Aldehyde-, Keto- oder Aminosäure usw.) sein kann.
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Z. Fettketone und Fettaldehyde mit einem oder mehreren aromatischen
Resten, carbo- oder heterocyklischer Natur, einkernig, mehrkernig oder kondensiertkernig,
die entweder nur Arsen in irgendeiner Bindungsform oder daneben noch andere Substituenten
(z. B. OH-, NHZ , Halogen-, Alkyl-, Keto- oder Aldehyd-, Carbony l-Sulfogruppen
usw.) enthalten, gleichgültig, ob eine oder mehrere Carbonylgruppen anwesend sind.
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Zur Bewirkung der Reduktion sind vorzugsweise die bekannten Reduktionsmittel
für fünfwertiges Arsen, z. B. Natriumhydrosulfit, Phosphortrichlorid, phosphorige
Säure,. schweflige Säure und Jodwasserstoff, Natriumbisulfit, Zinnchlorür, 3odwasserstoffsäure,
Zinn, Halogenwasserstoffsäure.usw., geeignet.
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Die durch dieses Verfahren zugänglich gewordenen neuen Substanzen
mit dreiwertigem Arsen besitzen an und für sich schon wertvolle
therapeutische
Eigenschaften und liefern überdies Derivate mit höchst aktiven trvpanociden und
spirillociden Eigenschaften.
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Die Herstellung der als Ausgangskörper in Betracht kommenden Arsinsäuren
kann z. B. derart erfolgen, daß aromatische oder gemischt aliphatisch-aromatische
Aminoaldehyde oder Aminoketone dianotiert werden und die so erhaltenen Diazoverbindungen
durch Behandlung mit arseniger Säure oder Arseniten in die entsprechenden Arsinsäuren
übergeführt werden. Ausführungsbeispiele 1. 6 g Benzaldehydarsinsäure und i8o cm3
Wasser werden mit 27 g Natriumhydrosulfit bei 65° C unter Luftabschluß reduziert,
wozu etwa 1/4stündiges Rühren erforderlich ist. Der ausfallende Niederschlag wird
unter Luftabschluß abfiltriert und mit verdünnter Salzsäure und dann mit Wasser
gewaschen. Man erhält den Arsenobenzaldehyd nach dem Trocknen unter Luftabschluß
als gelben Körper.
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2. 6,6 g i-oxy-6-nitro-2-butyrophenon-4-arsinsäure werden gelöst in
ioo cm3 n-Natronlauge und mit 7o cm3 Wasser verdünnt. Diese Lösung wird unter Rühren
zugegeben zu einer Lösung von 13 g Magnesiumchlorid und 76 g Natriumhydrosulfit
in 330 cm" Wasser. Man rührt bei 6o° i bis il,/, Stunden. Nach dem Absaugen
und Waschen wird im Vakuum getrocknet. Das erhaltene i-oxy-6-nitro-2-butyrophenon-4-arsenobenzol
verfärbt sich allmählich beim Erhitzen über ioo° dunkel, ohne zu schmelzen.
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3. 1 g p-Acetophenonarsinsäure wird mit 5 cm3 Natriumbisulfitlösung
übergossen. Beim Erwärmen auf offener Flamme geht die Substanz einen Augenblick
in Lösung, darauf tritt sofort Fällung des Arsinoxyds ein. Die Reaktion läßt man
durch 1/2stündiges Erwärmen auf dem Wasserbad zu Ende gehen: Nun saugt man ab, wäscht
und trocknet auf Ton. Das Arsinoxyd bildet ein in n-Natronlauge schwer lösliches
Natronsalz, das auf Zugabe von Wasser in Lösung geht. Aus dieser Lösung kann das
p-Acetophenonarsinoxyd durch Salmiaklösung als weißer, voluminöser Niederschlag
wieder gefällt werden. Das Oxyd schmilzt bei etwa 26o° bis 265° zu einer gelbbraunen
Schmelze zusammen. 4.. 1,2 g i-Oxy-6-nitro-2-aceto-2-phenonarsinsäure werden mit
24 cm3 Wasser und 8.,8 cm3 n-Natronlauge in Lösung gebracht und filtriert. Zur Lösung
gibt man 0,4 g Jodkali und 16 cm3 Schwefelsäure (1:5) und leitet unter Wasserkühlung
Schwefeldioxyd etwa i Stunde lang ein. Das gut verschlossene Gefäß läßtman 24 Stunden
stehen, saugt das entstandene 1-Oxy-6-nitro-2-acetophenon-4-arsinoxyd ab und trocknet
auf Ton. Aus Natronlauge umgelöst und mit Salmiaklösung gefällt, schmilzt das Arsinoxyd
bei etwa 230° bis 235° zu einer braunschwarzen Masse zusammen.
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5. Zu einer auf 65' erhitzten Suspension von 0,7 g p-Benzalacetonarsinsäure
in etwa 14 cm3 Wasser gibt man unter Rühren 5 g Natriumhydrosulfit und beläßt das
Reaktionsprodukt unter weiterem Rühren bei dieser Temperatur etwa i Stunde lang.
Hierauf wird das ausgefallene Arsenobenzol durch Absaugen von der Flüssigkeit getrennt
und im Vakuum getrocknet. Es schmilzt im Kapillarrohr erhitzt noch nicht bei 3oo
°, sondern verfärbt sich nur braun.
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6. Zu einer auf 65' erhitzten Lösung von 0,5 g Oxy-Benzalacetonarsinsäure
in 7,5 cm3 Wasser gibt man unter Rühren etwa 3,5 g Natriumhydrosulfit. Die bräunlichgelbe
Abscheidung des Arsenobenzols tritt erst nach einiger Zeit ein. Mitunter ist es
zweckmäßig, noch geringe Mengen von Hydrosulfit zuzusetzen. Nach etwa istündigem
guten Rühren bei 65' wird abgesogen und das gallertartige Produkt im Vakuum
getrocknet, wobei es sich etwas dunkler färbt, Im Kapillarrohr erhitzt, verändert
sich das Arsenobenzol kaum bis 300°. Es ist infolge seines Hydroxylgehaltes in Natronlauge
löslich und kann aus dieser Lösung als Natronsalz mit Alkohol gefällt werden.