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Entwässerung von Torf u. dgl. durch Behandlung von Rohtorf mit gebranntem
Kalk. Es ist bekannt, daß der Rohtorf bis zu. 95 Prozent Nasser enthält, daß aus
demselben außer Brenntorf noch zahlreiche Nebenprodukte gewonnen werden können,
daß aber die Entfernung des Wassers und die Gewinnung der Produkte schwierig ist
und daß sich zur Bestreitung des Brennmttelbedarfs für mehrere Jahrhunderte ausreichender
Rohtorf in Deutschland befindet. Es ist auch bekannt, daß Kalkstein gebrannt und
dann durch Zusatz von Wasser zu Kalkbrei oder Sackkalk i Kalkpulver] gelöscht werden
kann. Bei einem dieser Stoffe ist somit die Entfernung des Wassers, bei dem anderen
der Zusatz von Wasser erforderlich, um gewerblich vielseitig brauchbare Produkte
zu erhalten, was zu vielen Verfahren geführt hat, bei welchen der Rohtorf mit gebranntem
Kalk gemischt wird.
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Ferner ist bekannt, daß der Rohtorf noch wertvollere Bestandteile
enthält, darunter zahlreiche Stickstoff-, Wasserstoff- und Kohlenstoffverbindungen
mit ihren Ammoniak- und Kohlenwasserstoffgruppen, Teer, Alkohol- -und Zuckeruntergruppen
usw., die zum Teil, wie der Zucker, große Verwandtschaft zum Kalk haben, sich mit
demselben lösen, auch mit Ammoniak leicht Verbindungen eingehen, und daß der Kalk
z. B. durch Kohlensäure leicht wieder ausgefällt werden kann.
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Ebenso ist bekannt, daß gebrannter Kalk durch Zusatz von 2; 3 seines
Gewichts an Wasser zu Sackkalk gelöscht wird und hierbei sein Volumen auf das Dreifache
ausdehnt sowie daß gebrannter Kalk bei der Verbindung mit Wasser pro Kilogramm 27q.
W.E. entwickelt und daß der Stickstoff sowie der Sackkalk vielseitig notwendige
Düngemittel in der Landwirtschaft sind, ferner daß, Zucker ein gutes Nahrungsmittel
ist und daß auch die übrigen erwähnten Stoffe wertvoll sind.
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Die Gewinnung der Nebenprodukte hat wirtschaftliche Bedeutung, denn
es sind bereits z. B. aus der Tonne bestimmten TrokkentoTfs durchschnittlich 3oo
kg Zucker oder 8o 1 reinen 95prozentigen Alkohols herausgeholt. Die Aufnahmefähigkeit
der deutschen Landwirtschaft für Kalkstickstoff ist unbegrenzt.
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Die Erfindung bringt ein erprobtes neues \"erfahren zur Entwässerung
von Torf oder ähnlichen wasserhaltigen Stoffen (wie z. B. Schlamm) unter Verwendung
von gebranntem Kalk, die Herstellung von Sackkalk und die Bindung von Torfnebenprodukten
an den Kalk oder die Freimachung derselben.
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Durch die Erfindung wird der Rohtorf mit dem gebrannten Kalk in möglichst
nahe Berührung gebracht, jedoch nicht gemischt. Praktisch geschieht das in der Weise,
daß der gebrannte Kalk zu einer dem Bedarf entsprechenden Fläche hergerichtet und
darüber eine stärkere Schicht Rohtorf ausgebreitet wird.
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Zur Feststellung der Stärke der Schichten ist es nötig, den Wassergehalt
des RohtoTfs und den Wassergehalt des gebrannten Kalks in bekannter Weise festzustellen.
Der Rohtorf kann z. B. durch eine Vorbehandlung zum Teil bereits entwässert sein,
kann das
Nasser auch in Klumpen oder .einzelnen Teilen seiner Zusammensetzung
recht beträchtlich verschieden halten, und ebenso kann der gebrannte Kalk durch
längeres Liegen an der Luft, Regentropfen usw. schon zum Teil gelöscht sein. Wenn
der Rohtorf eine niedrige Temperatur (unter 3o° C Wärmne) hat und der gebrannte
Kalk z. B. im Winter stark abgekühlt ist, ist es notwendig, das Löschen an einer
Stelle durch Auflegen einiger Hände voll weniger oder mehr erwärmten Torfs einzuleiten.
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Angenommen, der Rohtorf hat noch 85 Prozent und soll bis auf 20 Prozent
Wassergehalt entwässert werden, dann sind aus i Tonne noch 820 kg Wasser
zu entfernen. Davon verdampfen im Laufe des Verfahrens 25o kg, so daß dem gebrannten
Kalk zum Aufsaugen 57o kg bleiben, was 755 kg gebrannter Kalk schaffen. Diese Zahlen
können beträchtlichen Schwankungen unterliegen, wie vorher schon ersichtlich gemacht
wurde.
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Eine Ausführungsform des Verfahrens ist folgende.
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Der gebrannte ungelöschte Kalk und der Rohtorf (oder der sonstige
Stoff) werden, der erstere seiner Wasseraufnahmefähigkeit, der letztere seiner zu
beseitigenden Wassermenge entsprechend, abgewogen. Dann wird der Kalk aus bis zur
Höhe seiner Schicht dicken Stücken, oder gemahlen in einem starkwandigen Kasten
ohne Deckel bis zu rund ij, der Höhe des Kastens dicht geschichtet. Weiter werden
die übrigen 3, _, mit Rohtorf gefüllt, der dabei dicht einzudrücken ist, damit der
Kalk mit dem Torf gut in Berührung kommt und Wasser aus dem Torf schnell einsaugt.
Auf den Kasten kann lose ein zweiter usw. gleichartig gefüllter gestellt und zur
Beschwerung auch noch ein Gewicht gelegt werden. Bei nicht zu niedriger Temperatur
der Masse ist an dem aus 'den Ritzen tretenden Dampf nach einigen Minuten bemerkbar,
daß das Verfahren im Gange ist. Setzt man die Kasten in einen größeren geschlossenen
Behälter, so kondensiert sich der Dampf an dessen Wänden oder kann zur Destillation
abgeleitet werden. Der am meisten beschwerte Torf wird am heißesten und schnellsten
trokken.
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Der vollwertige Kalk wird zu Kalkpulver, das ungeachtet der Beschwerung
noch dreimal mehr Raum einnimmt, den Kasten somit ungefähr füllt und den nach allen
Richtungen zusammenschrumpfenden Torf herausdrückt oder, wenn dazu keine Möglichkeit
gelassen wird, den Kasten sprengt.
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Die entstehenden Trockentorfplatten haben Sprünge, können jedoch leicht
abgehoben werden und haften an denselben nach Ausbürsten einiger Kalkpulverspitzen,
wie sie eine nicht ganz glatte Oberfläche roh geschichteter Kalksteine hinterläßt,
nur noch Spuren von Kalkpulver an dem Torf, die noch nicht ioo Prozent des Trockentorfs
zu betragen brauchen, also vollständig unschädlich sind. Die Kalkpulverschicht zeigt
an der Oberfläche eine bräunliche oder geblich e Färbung und einige Torfkrümel.
Diese Schicht läßt sich z. B. leicht mit der Kante eines hochgestellten Bretts abstreifen
und enthält einen Teil der von dem Kalk ausgezogenen obenerwähnten Nebenprodukte
des Torfs.
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Die dann frei werdende Kalkschicht zeigt ein gleichmäßiges Kalkpulver,
den erwünschten Sackkalk.
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'Wenn der Wassergehalt des Torfs nicht festgestellt wurde oder der
gebrannte Kalk nicht vollwertig war, so entstehen bei Wasserüberschuß, Pulverklumpen,
bei Wassermangel bleiben ungelöschte Kalkstücke, die sich leicht dadurch aussondern
lassen, daß, das ganze Kalkpulver durch ein entsprechend engmaschiges Sieb gelassen
wird.
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Die Stücke und Klumpen können ebenso wie das durch Torfkrümel und
Torfnebenprodukte verunreinigte Pulver der ,äußeren Schicht leicht in einem Behälter
xrit Wasser in üblicher Weise auf reinen Kalkbrei verarbeitet werden. Wegen des
verschiedenen spezifischen Gewichts setzt sich der Kalk auf den Boden, während die
Torfkrümel oben schwimmen und abgeschöpft werden können.
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Bei der Gewinnung der Torfnebenprodukte aus dem Trockentorf und dem
mit solchen angereicherten Kalkpulver werden auch das letzterwähnte Wasser und die
aufgefangenen, durch ihren öligen Geruch bemerkbaren flüchtigen Bestandteile der
Weiterbehandlung unterzogen.
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Den Arbeitsvorgang bei dem Verfahren kann man für einen umfangreicheren
Betrieb nach Bedarf mechanisch zusammenfassen.
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Die Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit des Verfahrens kann noch
durch die Hinzunalime der Zerkleinerungs-, Zerreiß-, Misch-, Aufschließungs- und
Entwässerungsmaschine, Patent 325395 erhöht werden. Der Rohtorf ist mehr oder weniger
ungleichmäßig. Dem läßt sich mechanisch leicht abhelfen. Die mechanische Entfernung
von Wasser aus dem Torf ist jedoch wegen dessen kolloidalen Zustandes oder dessen
Bindung durch Zukker an den Torf mit relativ großem Kraftaufwand verbunden, erfordert
auch Erwärmung des Torfs und Entfernung des Zuckers. Es liegt daher auf der Hand,
daß, weil die Maschine für die vier ersten Wirkungen geringen Kraftaufwand beansprucht,
sie dafür zweckmäßig angewandt wird, daß die Entwässerung und Bildung der verschiedenen
Produkte
dagegen dem hierbei teilweise doch nicht zu entbehrenden und selbsttätig arbeitenden
Kalk überlassen werden und daß die Produkte zur ansehnlichen Gestaltung dann wieder
mechanisch weiterbearbeitet und fertig gemacht werden.
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Die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens ist bei der Verwendung gebrannten
Kalks besonders groß, weil gleichzeitig, wie gesagt, die Verarbeitung desselben
auf guten Sackkalk .erfolgt, der für das: Streuen mit Maschinen in der Landwirtschaft
von Wichtigkeit ist. Die Umwandlung des gebrannten Kalks in Sackkalk geht am schnellsten
und besten bei einer gleichmäßig fortschreitenden Feu.chtigkeitsübernahme beim Löschen
vor sich. Diese besonders geartete Ausgabe der Feuchtigkeit bewirkt der sich erwärmende
Rohtorf. Andererseits kommen auch die guten Eigenschaften des gebrannten Kalks voll
zur Geltung, nämlich beim Löschen: i. auf 3 eigene Volumen 2 Volumen Wasser zu verbrauchen,
2. pro Kilogramm 27o W. E. zu liefern, 3. sich bis auf i 5o° C zu erhitzen, :1.
den ganzen Rohtorf mitzuerwärmen, 5. durch die zur Erwärmung nicht verbrauchten
bzw. bei der Abkühlung der Masse frei werdenden W. E. Wasser aus dem Torf zu verdunsten,
6. durch die Vergrößerung seines Volumens auf das Dreifache auf Selbstauspressen
des Wassers aus dem Torf einstellbar zu sein, die Ausnutzung nicht unbeträchtlicher
Abwärme zu ermöglichen.
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Die Abwärme kann, z. B. an Wasser gebunden, welches bei Frost an der
Baggerstelle des Rohtorfs eingeleitet wird, im beginnenden ZVinter eine beträchtliche
Verlängerung der Arbeitsperiode ermöglichen.
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Ein praktischer Versuch ergab, daß nach der vorbereitenden Behandlung
des Torfs durch die Maschine bei Verwendung von 15 Prozent Kalk am Ende der
durch den Löschprozeß verbrauchten Zeit von i Stunde die ganze Masse auf 450 C erwärmt
war und nach nochmaligem Durchlaufen der Maschine 25 Prozent Wasser enthielt.
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Mit gebranntem Kalk kann durch das, beschriebene Verfahren wirtschaftlich
ein lufttrockner Maschinentorf oder für die Brikettierung geeigneter wie an der
Luft.gut getrockneter Torf gewonnen werden, dessen Brennwert dabei nicht vermindert
wird, der viehmehr wegen seiner feinen Struktur einen höheren Heizwert besitzt und
ganz gleichmäßig mit langer Flamme brennt.
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Weiter kann gleichzeitig ein reiner und gleichmäßiger Sackkalk wirtschaftlich
gewonnen werden.
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Ferner werden gleichzeitig wertvolle Nebenprodukte in beträchtlichen-
Mengen aus dem Torf gezogen und für die Weiterverarbeitung gewonnen.