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Verfahren zum Kühlen von Gußformen. Beim Betrieb von Stahlwerken oder
sonstigen Massetigußbetrieben ist die. jetzige Arbeitsweise so, daß nach dem Abgießen
der Schmelze die Gußfornien vorn Stripperkran abgezogen, einzeln nach dem Kühlbehälter
gebracht und dort abgestellt «-erden. Ebenso werden die gekühlten Gußforrnen einzeln
aus dem liühlbehälter geholt und vom Stripperkran nach der Gießgrube öder dein Gießzuzurückgebracht
und für den nächsten Guß gesetzt. Dabei müssen lange- Wege von den Stripperkränen
zurückgelegt werden. Feststellungen haben ergeben, daß ein Stripperkran je nach
den örtlichen Verhältnissen einen Tagesweg bis zu 231:m zurücklegen muß. Für die
Bewegung der verhältnismäßig kleinen Gewichte der Gußforinen werden die großen -lassen
der schweren Stripperkräne jedesmal beschleunigt und wieder abgebremst und ganz
außerordentliche Kraftaufwendungen gemacht. Durch -Messungen ist festgestellt, daß
die Arbeit der Stripperkräne, die je Tonne Rohstahl aufgewandt werden muß, bis zu
2 KW.-Std. betragen kann. Die langen Wege der Stripperkräne haben einen gros )en
Verschleiß an Laufrädern, Laufr adbolzen, der ganzen Getriebe und Kräne im Gefolge,
der teuer ist und den Betrieb mit Ausbesserungsarbeiten überlastet. Die Temperatur
des '\@'assers ini Kühlbehälter muß auf niedriger Höhe gehalten werden, damit die
Bildung von Dampfschwaden verhindert wird, die das Gesichtsfeld des Kranmaschinisten
namentlich in der kälteren Jahreszeit stören, zu Zeitverlusten beim Absetzen und
Greifen der Gußformen führen und große Gefahren für die unter den Kränen arbeitenden
Leute und dort befindliche Einrichtungen mit sich bringen. Aus diesem Grunde der
Niedrighaltung der Wassertemperatur folgt hoher Wasserverbrauch und die Unmöglichkeit,
die in das Kühlwasser übergehende Wärmemenge nutzbar zu machen. Die Haltbarkeit
der Gußformen wird bei diesem Verfahren stark heruntergedrückt, da der Kranmaschinist
keine Zeit hat, für langsame und sorgfältige Eintauchung Sorge zu tragen; die Temperatur
der gekühlten Gußformen schwankt in weiten Grenzen, da die Übersicht über die Länge
der Kühldauer verlorengeht. Tritt der Fall ein, daß eine Gußforin im Kühlbehälter
um-- gefallen ist, dann muß der Kran oft minutenlang fischen, bis er sie am Boden
des Behälter wieder greifen kann, was wiederum Zeitverlust und Störung des ruhigen
Betriebsganges bedeutet. . Es zeigt siüh meistens, daß eine Steigerung der Erzeugung
des Betriebes, obwohl sonst alle Vorbedingungen dafür g egehen sind, scheitert an
der örtlich begrenzten Lage der Gieß- und Stripperstände und der Arbeitsüberlastung
der Stripperkräne oder sonstiger Vorrichtungen, die die Gußforinen-und Gußstückbeförderung
besorgen. Eine Aufstellung weiterer Kräne ist meist zwecklos, da sich diese erfahrungsgemäß
um so mehr gegenseitig behindern, j e mehr Kräne auf derselben Kranbahn oder übereinander
am selben Ort arbeiten müssen.
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Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren, daß die
Arbeitsvorgänge vereinfacht und die Nachteile der jetzigen Betriebsweise vermeidet.
Sie besteht darin, daß die Gußformen nicht mehr einzeln, sondern zu mehreren gemeinsam
zum Kühlbehälter gebracht, gleichzeitig und in ein utid demselben Arbeitsvorgang
gekühlt und wieder zurückgebracht werden. Ob dies, wie beispielsweise dort, wo in
auf Gießzügen stehende Gußformen abgegossen wird, auf dem Gießwagen selbst oder
auf einem besonders eingeschalteten Kühlwagen oder sonst in irgendeiner Form geschieht,
ist .für die Erfindung belanglos. Dadurch fallen die längen Wege der Stripperkräne,
das zeitraubende und kraftverbrauchende Heben über den Rand und das Senken der Gußforinen
bis zum Grunde des Kühlbehälters weg. Die Stripperkräne kommen nahezu mit Bewegungen
der Katze aus, die Stromkosten verringern sich auf einen Bruchteil, da die schweren
Stripperkräne lange nicht mehr im alten Umfange in Bewegung gehalten werden müssen,
und die Arbeit, die bisher von mehreren Kränen geleistet werden mußte, kann von
weniger Kränen bewältigt werden. Es ist für das Verfahren bedeutungslos, ob der
Kühlbekälter
offen oder geschlossen ist, ob die zu kühlenden Gußformen
durch irgendeine Vorrichtung über den Behälter gebracht, dann eingetaucht werden,
oder aber in den seitlich offenen Behälter gebracht werden und der Behälter dann
geschlossen und mit Wasser gefüllt wird oder sonst in irgendeiner Form das Eintauchen
bewerkstelligt wird. Ein weiterer großer Vorteil des Verfahrens besteht darin, daß
das Kühlwasser des Behälters auf höherer Temperatur gehalten «-erden kann, die eine
:\ utzbarin.achung der in den Gußformen vorhandenen Wärme gestattet, da etwa sich
bildende Schwaden bei offe -ein Behälter (len Betriebsvorgang nicht mehr stören,
cla die Stripperkräne über dein Kühlbehälter nichts mehr zu suchen haben. Es kann
sogar lici Verwendung eines geschlossenen Behälters die in den Gußforinen enthaltene
Wärme unmittelbar in Dampfform gewonnen werden. Der Kühlvorgang selbst wird geregelter.
Man hat es in der Hand, das Eintauchen ganz langsam vorzunehmen. Die Haltbarkeit
der Gußformen steigt infolgedessen beträchtlich, und alle den Kühlbehälter verlassende
Gußforinen haben dieselbe Leinperatur. Dadurch werden die Gießvorgänge und die Abkühlungsverhältnisse
gleichmäßig. Die in Form heißen «#\'assei-s oder in Dampfform zu gewinnende Wärmemenge
ist nicht unerheblich. Welche Bedeutung dieses Verfahren in wärmetechnischer Beziehung
hat, geht daraus hervor, daß festgestellt ist, daß beim Vergießen einer Schmelze
von 25 t in sechs Gußforinen 2 t Dampf gewonnen werden können. Durch Anordnung zweier
oder mehrerer Kühlbehälter kann der Vorgang der Wärmegewinnung fortlaufend Beinacht
werden.
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Da: Verfahren macht den Bet:-ieb übersichtlicher, scheidet Gefahrquellen
aus, ermöglicht eine Steigerung der Erzeugung und bringt beträchtliche wirtschaftliche
Vorteile mit sich, die in Form von erheblicher @Värmegewinnung, geringem Kraftaufwand,
Schonung der Krätie und Einrichtungen und Erhöhung der Gußformenhaltbarkeit bestehen.
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In den Zeichnungen ist eine beispielsweise Einrichtung zur Ausübung
des Verfahrens dargestellt. In Abb. i im Aufriß, in Abb. 2, 4 und 5 im Querschnitt
und in Abb.3 im Grundriß ist a der geschlossene Kühlbehälter, b der Kühlwagen mit
den rlaraufstehenden Gußformen, c die seitlich verschiebbare Tür. g die zum Andrücken
der Tür seitlich vorhandenen Druckzylinder, d der Kühlwasserlx#hälter. t° der Änscliluß
für Druckluft mit dein Dreiwegehahn in, k die Absperrsclüeber im Zulauf des
Kühlwassers zum Kühlbehälter, f die Dampfentnahmeleitung mit dein Dampfschieber
1, i ein Schneckenantrieb zum Heben und Senken der Gußformen im Behälter,
Ir, eine Druckvorrichtung zum Kippen der Gußformen zum Zweck des Wassereintritts.
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Nachdem der Kühlwagen b mit den Baraufstehenden Gußformen in den Kühlbehälter
a gebracht ist, wird die Tür c vor die Öffnung des Behälters gefahren und mit Hilfe
der seitlichen Drtickzvlinrler g auf den Behälter aufgedrückt. -Nach öffnen des
Dampfschiel;ers und der Wasserschieber k und nach Umstellung des Dreiwegehahns in,
für Drucklufteintritt steigt das Kühlwasser aus dein Kühlwasserbehälter
d in den Kühlbehälter a
und taucht die Gußformen ein. Der eiit-«-'ickelte
Dampf entweicht durch die Rohrleitung fnach der '\,erwendtingsstelle. Nach Beendigung
des Kühlvorgangs wird der Darnpfschieüer 1 geschlossen und der Dreiwegelialin ni
so umgestellt, daß die Druckluft abgesperrt und der im Kühlwasserbehälter befindlichen
Luft der Austritt ins Freie möglich ist. Das Kühlwasser fließt nun aus dein Kühlbehälter
in den Kühlwasserbehälter zurück. \ach Abschluß des Wasserschiebers wird der Tür
verschluß gelöst, die Tür seitlich gezogen und der Kühlwagen mit den Gußformen herausgezogen.