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Lichtpausverfahren. Vorliegende Erfindung betrifft ein Licht pausverfahren,
das'auf der bekannten Eigenschaft des Chromatleimes bzw. der Chromatgelatine beruht,
im belichteten bzw. gegerbten Zustand gewisse Farbstoffe abzustoßen, während die
unbelichteten, also urigegerbten Teile diese Farbstoffe aufnehmen. Diese Eigenschaft
der gegerbten Chromatgelatine bildete bereits die Grundlage eines Lichtpausverfahrens,
das jedoch trotz seiner außerordentlichen Einfachheit keine allgemeine Verbreitung
finden konnte, da, obwohl die gegerbten und urigegerbten Chromgelatineteile durch
gewisse Farbstoffe elektiv gefärbt werden, es trotzdem unvermeidbar ist, daß auch
die weißesten Stellen des Bildes in gewissem Maße mitgefärbt werden, was die Kontrastwirkungen
und Brillanz der Kopie stark beeinträchtigt. Berücksichtigt man aber die Billigkeit
eines derartigen Verfahrens und den in gewissen Fällen sehr großen Vorteil desselben,
daß es von einem positiven Bild unmittelbar positive Kopien auf Glas oder auf irgendeinen
mit einer Gelatineschicht überzogenen Stoff herzustellen ermöglicht, so müßte ein
Verfahren ein Bedürfnis befriedigen, das gestatten würde, den Hintergrund des Bildes
zu entfärben, ohne daß hierdurch die Brillanz der Kopie beeinträchtigt würde.
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I. Es ist gelungen, diese Aufgabe durch das nachstehend beschriebene
Verfahren zu lösen, das im wesentlichen darin besteht, daß das belichtete Chromatgelatinebild
nach dem Färben mittels geigneter Farbstoffe i. mit Mitteln behandelt wird, welche
die bisher unvermeidliche schwache Färbung der weißen Teile vollständig entfernen,
2. das derart behandelte Bild zur weiteren Steigerung der Kontrastwirkungen einer
neuerlichen Färbung unterworfen wird, und diese beiden Handlungen abwechselnd je
nach Bedarf mehrmals wiederholt werden, und zwar so lange, bis der gewünschte volle
Kontrast erreicht ist.
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Kurz zusammengefaßt gestaltet sich demnach das Verfahren folgendermaßen:
r. Die belichtete und entsprechend vorbereitete Chromatgelatineplatte wird im Farbbade
gefärbt, wobei ein Bild von geringer Kontrastwirkung entsteht. Das Bild wird nun
z. B. durch Auftragung eines chemischen Mittels behandelt, welches den betreffenden
Farbstoff entfärbt, und es wird dieses Mittel in solcher Konzentration verwendet
und das Bild so lange der Einwirkung desselben ausgesetzt, daß es bloß die schwächer
gefärbten Teile vollständig entfärbt, während die stärker gefärbten Teile kaum geschwächt
werden. Auf diese Weise wird bereits durch einmalige Abschwächung des vorher jeder
Kontrastwirkung entbehrenden Bildes ein kontrastreicheres Bild gewonnen.
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2. Diese Wirkung kann jedoch noch weiter gesteigert werden, wenn das
derart abgeschwächte Bild neuerdings in das Farbbad gelegt und dort so lange belassen
wird, bis
die weißen Teile wieder eine blasse Färbung anzunehmen
beginnen. Hierauf wird das Bild herausgenommen und von neuem abgeschwächt. Der Hintergrund
bzw. die lichten 5 Teile des Bildes entfärben sich hierbei wieder vollständig, während
auf den stark oder mittelstark gefärbten Teilen jetzt schon zwei Farbstoffschichten
übereinandergebracht sind. Beide Handlungen können so lange wiederholt werden, bis
die vollkommensten Kontrastwirkungen erreicht sind, so daß man das Maß des Effektes,
das erzielt werden soll, vollständig in der Hand hat.
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Beispiel. In einer 2Y/Zprozentigen Ammoniumbichromatlösung wird eine
mit vollkommen reiner Gelatineschicht überzogene Glasplatte gebadet und dann getrocknet.
Hierauf wird sie unter einem Diapositiv bei Sonnenlicht so lange belichtet, bis
an den belichteten Stellen die lichtgelbe Farbe eine tiefbraune Färbung annimmt.
Nach kurzem Waschen wird das Chromatbild in einer verdünnten Kaliumbisulfitlösung
i vollständig entfärbt. Die derart erhaltene, ganz farblose Gelatineplatte wird
in das gewählte Farbbad (beispielsweise »Fuchsin S«) gelegt und so lange darin gehalten,
bis bereits auch die weißen Teile die Farbe aufzunehmen beginnen. Hierauf wird die
Platte kurz gespült und mittels eines breiten weichen Pinsels schnell mit einer
Entfärbungslösung, im vorliegenden Fall z. B. mit stark verdiinnter Natronlauge,
überpinselt, wobei darauf geachtet werden muß, daß die Pinselung keine Flecke dadurch
hinterlasse, daß die Abschwächflüssigkeit stellenweise in größerer Menge oder längere
Zeit einwirkt. Nach gleichmäßiger Abschwächung folgt kräftiges Waschen, hierauf
neuerliches Färben und Abschwächen. Bis zur Erreichung des gewünschten Effektes
kann dies nach Belieben mehrmals wiederholt werden.
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Da das Wesen des Verfahrens in der Auflagerung mehrerer Farbschichten
übereinander besteht, können ohne weiteres bi-, gegebenenfalls polychromatische
Wirkungen dadurch erzielt werden, daß man verschieden gefärbte Schichten übereinander
derart anbringt, daß die Platte nacheinander nicht bloß in gleichfarbige, sondern
in verschieden gefärbte Farbbäder gelegt wird, welche dann, wenn bei der Abschwächung
darauf Gewicht gelegt wird, gegebenenfalls derart entwickelt werden können, daß,
wenn die letzte Schicht abgeschwächt wird, die Farbe der unter ihr liegenden Schichte
hervortritt, die noch vorn der vorhergehenden Färbung herstammt.
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Der Hauptvorteil des Verfahrens besteht demnach darin, daß der Kontrast
einer Kopie ohne jede neuere Belichtung und Präparierung in beliebiger Weise gesteigert
werden kann, und dieser Vorteil ist besonders bei der Reproduktion graphischer Zeichnungen
augenfällig. Abgesehen nämlich davon, daß optische Einrichtungen entbehrlich sind
und daß die Anfertigung eines Negativbildes nicht erforderlich ist, sichert die
subjektive Ausführbarkeit der Verstärkung und Abschwächung der einzelnen Teile einen
freien Spielraum für die Entfaltung der künstlerischen Fähigkeiten des Kopierenden.
Die graphische Zeichnung (Bleistift-, Kreide-, Tusche-, Kohlenzeichnung, Holz-,
Stahl-, Kupferstich oder Steindruck usw.) wird hierbei in einem Kopierrahmen mit
der Schichtseite auf die Plattenschicht gelegt und durch die Papierschicht in der
Sonne eine Kontaktkopie verfertigt, die dann nach dem Verfahren gefärbt wird. Die
Anfertigung derartiger Kontaktbilder war bisher deshalb nicht allgemein üblich,
weil bei dem Kopieren, besonders an den weißen Teilen, die mehr oder weniger auffallende
Papierstruktur sehr störend gewirkt hat. Das Verfahren nach der Erfindung überwindet
diese Schwierigkeit, da nach dem mehrmaligen Färben und Abschwächen der Hintergrund
der Glasplatte, wo die Papierstruktur sonst sichtbar wäre, vollkommen wasserhell
bleibt.
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IT. Das beschriebene Zerfahren kann betreffs seiner Einzelheiten in
mannigfachen Abänderungen ausgeführt «-erden. Was A) das Färben betrifft, wurde
eine ganze Reihe von die gegerbte Gelatine elektiv nicht färbenden organischen Farbstoffen
gefunden, die alle Farbentöne umfassen und den verschiedensten Farbstoffgruppen
angehören. Es ist hierbei zu unterscheiden: i. ein direktes Färben, wenn die Schicht
diejenige Farbe aufnimmt und beibehält, in die sie gelegt wurde. Die große Widerstandsfähigkeit
der gegerbten Gelatine ermöglicht jedoch auch die Ausführung gewisser chemischer
Operationen auf der Platte selbst, als deren Ergebnis entweder der Farbstoff auf
der Platte selbst entsteht oder die Farbe des bereits aufgetragenen Farbstoffes
auf chemischem Wege verändert wird, z. B. vermittels gewisser Indikatoren. Das in
letzterer Weise gefärbte Bild ist bereits durch 2. indirektes Färben hergestellt.
Je nachdem, welche der beiden Arten des Färbens angewendet wird und Farbstoff-;chichten
welcher Färbung übereinandergebracht werden, ist der geübte Kopierkünstler in der
Lage, abwechslungsreiche Farbeneffekte zu erzielen.
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Es sind sonach zu unterscheiden: direkte einfarbige, direkte mehrfarbige,
indirekte einfarbige und indirekte mehrfarbige Färbungen.
B) Die
Abschwächung bzw. -Entfärbung kann erfolgen: i. durch Wahl eines Farbstoffes, der
seine Farbe an den schwach gefärbten Stellen ohne Verwendung eines besonderen chemischen
Entfärbungsmittels bei der Trocknung an der Luft verliert und 2. durch Verwendung
entsprechender Chemikalien.
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Beispiele. i. Direkte einfarbige Färbung. -Diese erfolgt in der Weise,
daß die Platte in ein (aus einem einzigen Farbstoff oder aus einer Mischung mehrerer
Farbstoffe hergestelltes) Farbbad gelegt wird. Als solches kommt z. B. die wäßrige
Lösung des in die Triphenylmethanfarbstoffgruppe gehörenden »Fuchsin S« in Betracht.
Eine in diese Lösung gelegte, belichtete und entsprechend vorbereitete Platte färbt
sich unmittelbar einfarbig. Sehr geeignet sind- die Pinatypiefarbstoffe, wie z.
B. »Pinatypie Rot F« oder »Blau F«. Zum guten und gleichmäßigen Färben der Platten
ist manchmal ein Zusatz gewisser Stoffe erforderlich, so wird beispielsweise der
wäßrigen Lösung von »Wasserblau« Salzsäure zugesetzt. Man kann jedoch auch die Platte
vorerst in sehr stark verdünnter Salzsäurelösung baden und nachher in das »Wasserblau«-Bad
bringen; die Wirkung bleibt dieselbe.
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2. Direkte mehrfarbige Färbung.
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Diese erfolgt derart, daß die Platte erst beispielsweise in eine wäßrige
Lösung von »Lichtgrün« gelegt wird und hierauf nach wiederholter Abschwächung und
gegebenenfalls nach wiederholter Färbung in eine wäßrige Lösung von »Pinatypie Blau
D« gebracht wird. Da hierbei auf die grüne Farbe der Zeichnung ein blauer Farbstoff
sich ablagert, wird erstere einen blauen Ton annehmen. Wenn nun die Platte mittels
einer schwachen wäßrigen Alkalilösung abgeschwächt und dadurch die grüne Farbe entfernt
wird, bleibt die Zeichnung entsprechend der Abschwächung mittels des Pinsels stellenweise
rein blau.
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Eine mehrfarbige Wirkung wird bei auffallendem Licht auch erreicht,
wenn das Bild nach Entfärbung des Hintergrundes auf eine farbige Papier- oder Stoffunterlage
gelegt wird, oder bei durchfallendem Licht, wenn der Hintergrund mittels eines nicht
elektiv färbenden Farbstoffes von lebhafter Farbe gleichmäßig gefärbt wird, oder
aber als Deckglas eine andersfarbige Glasplatte benutzt wird. (Erzeugung farbiger
Glasfenster.) Außerdem ist es möglich, durch von derselben Zeichnung auf zwei Platten
mittels zwei verschiedener Farbstoffe und durch Übereinanderlegung der Platten eine
Zeichnung von neuer Färbung und anderer Tönung herauszubringen. Wenn beispielsweise
die eine Glasplatte mittels »Fuchsin S« rot und die andere Glasplatte von derselben
Zeichnung mittels »Wasserblau« blau gefärbt wird und die beiden Glasplatten übereinandergelegt
werden, so erhält man eine Reproduktion von blauvioletter Färbung.
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3. Indirekte einfarbige Färbung.
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Diese erfolgt in der Weise, daß die Farbe auf der Platte selbst entwickelt
wird, indem man die Platte z. B. in eine Lösung der farblosen Karbinolbase von »Brillantgrün«
legt und dann in verdünnter Salzsäurelösung badet, wobei das »Brillantgrün« auf
der Platte in statu nascendi erscheint.
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4. Indirekte mehrfarbige Färbung. Diese erfolgt auf ähnliche Weise,
wie die unter 3., nur wird die Behandlung mehrmals mit je einem anderen Farbstoff
wiederholt. Ein anderes Beispiel dieser Färbung ist das folgende: Die Platte wird
in die Lösung von alizarinsulphosaurem Natrium gelegt, wobei sie eine rotgelbe Färbung
annimmt. Wenn nun die auf der Platte befindliche Zeichnung oder ein beliebiger gewünschter
Teil derselben beispielsweise mit einer verdünnten Lösung von Natronlauge betupft
wird, so nimmt dieser Teil eine violette Färbung an. Wird die ganze Platte derart
behandelt, so geht natürlich die Farbe der ganzen Platte in Violett über, und man
erhält derart eine einfarbige Platte und kommt somit zu einer Abart der indirekten
einfarbigen Färbung.
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5. Spontane Entfärbung bzw. Abschwächung. Die belichtete und vorbereitete
Platte wird in eine Lösung von »Fuchsin S« gelegt und an der Luft getrocknet. Dabei
wird der Hintergrund fast vollständig entfärbt, während die stark gefärbten Zeichnungsteile
ihre Farbe fast vollständig beibehalten, obwohl während der Trocknung auch hier
eine geringe Abschwächung vor sich geht.
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6. Entfärbung bzw. Abschwächung mittels Chemikalien. Das in die Triphenylmethangruppe
gehörende »Lichtgrün« oder »Fuchsin S« wird mittels verdünnter Natronlauge abgeschwächt.
Wird ein Abschwächmittel benutzt, das, wie verdünnte Natronlauge, »Fuchsin S« nicht
zerstört, sondern in seine Karbinolbase verwandelt, so kann der Farbstoff auf der
Platte vor dem Waschen derselben durch Säure-Behandlung wieder regeneriert werden.
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Die Lösung von Kaliumpermanganat in
verdünnter Schwefelsäure
hingegen entfärbt gewisse Pinatypiefarbstoffe, wie »Rot F«, unter Zerstörung derselben,
und es kann somit der Farbstoff auf der Platte nicht wieder regeneriert werden,
sondern es ist nach der Entfärbung lediglich eine neue Einfärbung nötig.