DE277C - Verfahren zur Aufbereitung der Abfallwasser von Wollwäschereien und Walkmühlen - Google Patents
Verfahren zur Aufbereitung der Abfallwasser von Wollwäschereien und WalkmühlenInfo
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Description
1877.
Klasse 12.
ED. NEUMANN in ROSSWEIN. Verfahren zur Aufbereitung der Abfallwässer von Wollwäschereien und Walkmühlen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 15. Juli 1877 ab.
Die Aufbereitung der Abfallwässer der Wollwäschereien und Walkmühlen geschieht bis jetzt
auf zweierlei Weise.
Nach dem Kalkverfahren werden die Wässer in grofsen gemauerten Bassins mit Kalkmilch
vermischt; es bildet sich Kalkseife, die sich nach einigen Tagen als schlammiger Niederschlag abscheidet;
das darüber stehende klare Wasser wird abgelassen, bezw. durch den hohlen Boden des Bassins filtrirt; der abgeschiedene Schlamm
wird getrocknet, ausgestochen und weiter auf Fett verarbeitet. (Verfahren nachSchwamkorn
in Aachen.)
Dieses Verfahren bietet den Vortheil, dafs alle Wässer, auch die wenig fetthaltigen, ausgenützt
werden können, gleichwohl sind die damit verknüpften Uebelstände so überwiegend,
dafs es wenig Anwendung findet. Zum Bau der Bassins, die Tausende von Centnern Wasser
aufnehmen müssen (zum ununterbrochenen Betrieb sind natürlich zwei nothwendig), gehört
erstens viel Platz und besonders ein verhältnifsmäfsig grofses Anlage-Capital; ferner erfordert
das Trocknen und Ausstechen des Schlammes viel Arbeitslohn, so dafs der gewonnene Rück-.
stand dadurch wesentlich vertheuert wird. — Es geht hieraus hervor, dafs kleine oder mit
dem Platz beschränkte Fabriken von dem Kalkverfahren absehen müssen.
Nach dem anderen bis jetzt gebräuchlichsten Verfahren wird das Fett durch Schwefelsäure
ausgeschieden, nach einiger Ruhe wird die auf dem Wasser schwimmende, mit Schmutz und Wollhaaren
verunreinigte Fettschicht abgeschöpft. Darauf wird zuerst kalt das mechanisch mitgeführte
Wasser, dann warm das Fett abgeprefst.
Auch dieses Verfahren leidet an manchen Mängeln. . Es erfordert ebenfalls wegen der
vielen hierzu nöthigen Apparate viel Platz und Anlage-Capital, wenn auch nicht so bedeutend,
wie das Kalkverfahren und ist nur für die gröfsten Fabriken lohnend.
Die Abfallwässer werden zusammengefahren, in grofsen, mit Hähnen versehenen Fässern mit
Schwefelsäure bis zur schwachsauren Reaction versetzt und mit directem Dampf gekocht; nach
vier- bis sechsstündigem Kochen werden sie einige Zeit der Ruhe überlassen, bis das Fett
sich vollständig oben aufgesetzt hat, dasselbe wird abgeschöpft und das klare Wasser durch
die Hähne entfernt. Hat man auf diese Weise eine gröfsere Masse unreines Fett gewonnen,
so wird dasselbe nochmals gekocht und dann abgeprefst.
Es ist leicht ersichtlich, dafs das Zusammenfahren bedeutender Wassermassen und das
Kochen derselben sehr kostspielig ist und dafs man aus diesem Grunde nur die fettreichsten
Wässer verwenden kann. Ein weiterer Mangel aber ist, dafs das Verfahren nur dann gewinnbringend
ist, wenn die Wollen oder Tuche mit Urin gewaschen sind, nicht aber, wie häufig geschieht, mit sogenannter Salzlauge (d. i. Abfall
der Seifensiedereien). Im letzteren Falle wird eine Reinhaltung der Abzugsschleusen und
Flüsse nicht erzielt. Ferner ist ein sehr ins Gewicht fallender Uebelstand des Säureverfahrens
der dabei unvermeidliche üble Geruch, weshalb die Fettfabriken auch stets an abgelegene Orte
verwiesen werden.
Die Aufgabe des neuen Verfahrens ist hiernach, Mittel und Wege zu finden, welche in
jedem Falle zum Ziele führen, sei mit Urin oder anderen Waschmitteln gewaschen, und
nach welchem man auch die fettärmsten Wässer aufarbeiten kann, wobei zugleich eine vollständige
Reinhaltung der Flüsse etc. erreicht wird. Die Einrichtung mufs ferner so compendiös und billig
sein, dafs sie überall getroffen werden kann und dafs die Aufarbeitung der Abfallwässer auch in
den kleinsten und abgelegensten Fabriken noch einen Gewinn abwirft.
Dieses Ziel wird durch folgendes Verfahren erreicht.
Die ganze Einrichtung in jeder Wäsche oder Walke besteht aus:
2 in der Erde eingegrabenen Reservoirs (auch für gröfsere Fabriken genügen 2 Oelfässer von
12 bis 15 Centner Capacität), in welche aus den Walkmaschinen bezw. Waschcylindern durch
Schleusen oder Rohre die Waschwässer einlaufen;
ι Saug- und Druckpumpe;
ι Filterpresse mit Abfallrinne.
Das Verfahren ist folgendes:
Man löst rohes Chlorcalcium (oder dessen Ersatzmittel, die mit Fetten im-Wasser unlösliche
Seifen bilden) in gleichen Gewichtstheilen Wasser und giefst von dieser Lösung je nach dem
Grade des Fettgehaltes des Wassers i, 1 '/2bis2pCt.
des Fassungsraumes in Reservoir No. i. Hierauf läfst man das Waschwasser einlaufen.
Durch die beim Einlaufen des Wassers entstehende Bewegung mischt sich dasselbe innig
mit der Chlorcalciumlösung; es scheidet sich die sofort gebildete Kalkseife in feinen Flocken
aus, die im Wasser suspendirt bleiben. Ist das Reservoir ι gefüllt, so pumpt man den Inhalt
in die Filterpresse und läfst inzwischen die Waschwässer in Reservoir No. 2 laufen, welches
ebenfalls vorher mit der nöthigen Menge Chlorcalcium beschickt worden ist.
In der Filterpresse bleiben Kalkseife, Schmutz, Haare etc. zurück und das Wasser, wesent-.
lieh Kali- und Natronlösung und etwa überschüssiges Chlorcalcium in sehr verdünntem
Zustande enthaltend, läuft klar durch die Fallrinne ab. Nachdem Reservoir 1 ausgepumpt
ist, wird Reservoir 2 ausgepumpt und 1 wieder gefüllt und so fort bis nach ca. 8- bis 12 stündigem
Pumpen die Presse gefüllt ist, was mit Leichtigkeit daran erkannt wird, dafs die Hähne
nur noch schwach tropfen. Die Presse wird geöffnet und die Prefskuchen, soweit sie nicht
von selbst herausfallen mit einem Holzspatel entfernt, die Presse geschlossen und die Pumpe
wieder eingerückt, worauf die Arbeit von neuem beginnt. Nur das Eingiefsen des Chlorcalciums,
das Oeffnen bezw. Schliefsen der Zulaufhähne, das Entfernen der Prefskuchen und das Einrücken
der Pumpe erfordert die Hand eines Arbeiters, ist aber in wenigen Minuten besorgt,
so dafs ein besonderer Arbeiter hierzu nicht nothwendig ist.
Die erhaltenen Prefskuchen werden entweder an der Luft getrocknet und zur Fabrikation von
Fettgas oder gewinnbringender zur Gewinnung von Fett verwendet. Die Fettgewinnung bildet
einen besonderen Theil der Aufbereitung der Abfallwässer und kann von gröfseren Walken
und Wollwäschen selbst vorgenommen werden.
Die Prefskuchen werden mit stark verdünnter Salzsäure zu einem dünnen Brei angerührt; wenn
nöthig, wird noch Salzsäure bis zur schwach sauren Reaction zugesetzt. Dann wird die
Masse durch eine mit Dampf erwärmte Filterpresse gedrückt. Fett und das wieder gebildete
Chlorcalcium kufen in kleine Bottiche ab, aus welchen nach einiger Zeit die Chlorcalcium-Lösung
mit der überschüssigen Salzsäure in einen Bottich abgezogen wird, welche etwas
kohlensauren Kalk enthält, mit welchem die Salzsäure wieder Chlorcalcium bildet, welches
wiederum zur Bereitung neuer Mengen Kalkseife verwendet wird. Somit ist die Beschaffung von
Chlorcalcium nur einmal nothwendig.
Das Fett wird mit 10 pCt. zehngrädiger Schwefelsäure durch directes Feuer in einem
Kessel bis 70° erwärmt, worauf es nach einiger Zeit der Ruhe klar oben aufschwimmt und in
Fässer geschöpft wird und zum Verkauf fertig ist.
Claims (3)
1. Die fabrikmäfsige Behandlung fetthaltender Abfallwässer der Wollwäschereien und Walkmühlen
mit Chlorcalcium oder dessen Ersatzmittel, zur Ausscheidung der Fette oder anderweitigen Verunreinigungen aus den
Abfallwässern, möge nun in den genannten Fabriken mit Urin oder mit Salzlauge gewaschen
werden.
2. Die Trennung der sich flockenartig ausscheidenden Verbindung von Kalk mit dem
Fett der Abfallwässer zu Kalkseife, aus dem Wasser mittelst bekannter Filterpressen.
3. Die Behandlung der Filterkuchen, zur Ausscheidung des Fettes und zur Wiedergewinnung
des Chlorcalciums, um letzteres zu weiteren Manipulationen mit Abfällwässern
wieder verwenden zu können, wie solches alles vorstehend beschrieben worden ist.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE277T | 1877-07-14 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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| DE277C true DE277C (de) |
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ID=70917934
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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| DE000000000277DA Expired - Lifetime DE277C (de) | 1877-07-14 | 1877-07-14 | Verfahren zur Aufbereitung der Abfallwasser von Wollwäschereien und Walkmühlen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE277C (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1014739B (de) * | 1955-07-11 | 1957-08-29 | Continental Gummi Werke Ag | Verfahren zur Herstellung von Schaumstoffen aus Abfaellen vernetzter Polyurethanschaumstoffe |
| DE1081218B (de) * | 1958-11-22 | 1960-05-05 | Basf Ag | Verwendung von Gleitmitteln in spanlos zu verformenden Polyamiden, Polyurethanen oder Polyharnstoffen |
-
1877
- 1877-07-14 DE DE000000000277DA patent/DE277C/de not_active Expired - Lifetime
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
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| DE1014739B (de) * | 1955-07-11 | 1957-08-29 | Continental Gummi Werke Ag | Verfahren zur Herstellung von Schaumstoffen aus Abfaellen vernetzter Polyurethanschaumstoffe |
| DE1081218B (de) * | 1958-11-22 | 1960-05-05 | Basf Ag | Verwendung von Gleitmitteln in spanlos zu verformenden Polyamiden, Polyurethanen oder Polyharnstoffen |
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