DE21585C - Anwendung von kaltverseifbare Fette enthaltenden Früchten in stark zerkleinertem Zustande zur Seifenbereitung - Google Patents
Anwendung von kaltverseifbare Fette enthaltenden Früchten in stark zerkleinertem Zustande zur SeifenbereitungInfo
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Classifications
-
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
zur Seifenbereitung.
Bei der Herstellung von Seife war der bisher allgemein übliche Vorgang der, dafs das zur
Seifenfabrikation benutzte OeI aus den ölhaltigen Früchten entweder ■ auf mechanischem Wege
durch Pressen oder seltener auf chemischem Wege gewonnen und sodann durch bekannte
Zusätze einem Verseifungsprocefs unterworfen wurde.
Auch hat man versucht, Früchte, Samen etc. direct in der nicht zerkleinerten Frucht zu verseifen,
indem man von der Idee ausging, dafs durch die feine Vertheilung des Fettes in den
Zellen eine" Verseifung erleichtert würde.
Diese Methode führte zu keinen praktisch verwerthbaren Resultaten, da nur ein Theil des
Oeles durch Exosmose verseift, ein anderer Theil in die Lauge übertritt, event, auch OeI
unverseift in der Frucht zurückbleibt und die so erhaltene Seife ein nur unreines und mit
Farbstoffen, vermischtes Product abgiebt.
Vorliegende Erfindung bezweckt die Herstellung eines vollkommen reinen Productes bei
einer vollständigen Verseifung des in den Früchten enthaltenen Oeles und Vermeidung
des vorherigen Pressens, sowie der durch das letztere nöthigen maschinellen Einrichtungen.
Das Verfahren ist anwendbar bei allen Palmenfrüchten . (insbesondere bei der Cocosnufs),
1 deren OeIe sich schon auf kaltem Wege verseifen
lassen.
Die vorher gekennzeichneten Früchte werden in frischem, lufttrockenem oder geröstetem Zustand
dem Verseifungsprocefs unterworfen.
Das Rösten, welches ein Bröckligwerden der Zellenwand (um ein besseres Austreten des
Oeles zu ermöglichen) bewirkt, geschieht, indem man die etwas zerkleinerten Früchte einer
Temperatur von 120 bis i8o° C. aussetzt. Hierbei werden durch die höheren Temperaturen,
besonders über 130°, viele organischen Substanzen zerstört, während das Fett wesentlich
unverändert bleibt. ■ ■' ■
Die Höhe der Temperatur und die Zeitdauer ist abhängig von der Beschaffenheit und
Menge des Rohmaterials. Es ist zweckmäfsig, dasselbe so lange der erhöhten Temperatur
auszusetzen, bis es beim Zerreiben bröcklig wird und beim Anreiben einer Probe keine
Emulsion entsteht; eine wesentliche Zersetzung des Oeles darf dabei nicht stattfinden.
Das durch diese Röstung- erhaltene Material wird in nachstehend beschriebener Weise Weiter
behandelt. Es kann auch die Röstung vollständig wegfallen, also die ölhaltige Frucht
direct oder nach einer Lufttrocknung dem weiteren Procefs unterworfen werden.
Die Zerkleinerung des Materials wird jetzt so weit getrieben, dafs es breiartig wird; es
soll dadurch · das Zellengewebe möglichst zerstört werden, damit das in den Früchten enthaltene
OeI der chemischen Einwirkung der· später zuzusetzenden Lauge möglicht direct zügängig
gemacht 'wird.
Das Material besteht bei vorhergegangener Röstung wesentlich aus Cellulose und Fett und
wird nun mit Natron oder Kalilauge oder einem anderen Alkali in concentrirter Form>
am besten" im Ueberschufs, versetzt/um die Verseifung direct in der Masse zu bewirken.
Die Menge des Zusatzes der Laugen richtet sich nach dem Fettgehalt der zu verseifenden
Masse; das Verhältnifs des Gewichtes der letzteren zu dem des reinen Aetznatrons ist ungefähr
-wie 8 : i, wobei die Lösung des Aetznatrons nicht zu stark genommen werden darf
und ein Ueberschufs des Zusatzes anzurathen ist.
Das hierdurch gewonnene Halbfabrikat wird mit Wasser weiter behandelt, durch directes
Feuer öder überhitzten Wasserdampf abgedampft und sodann durch Coliren von den
nicht verseiften Theilen, welche, wie bereits erwähnt, wesentlich aus Cellulose bestehen, getrennt.
Man kann auch mit Umgehen der Theilung
des ganzen Processes in zwei Theile, unter gleichzeitigem Zusatz von Lauge und Wasser,
sofort die vollständige Verseifung bewirken.
Die Weiterverarbeitung der durch Coliren erhaltenen Flüssigkeit geschieht entweder durch
Verdampfen, und ergiebt dann'als Product eine
sogen, schwarze Rohseife, oder durch Zusatz von Kochsalz, wobei eine Kernseife in Stücken
oder auch in Pulverform als Rohproduct erhalten werden kann. Das endgültige Product
des ganzen Verfahrens, die sogen, geschliffene Seife, erhält man nach bekannten Verfahren
durch Behandeln der Kernseife mit verdünnten Alkalilösungen.
Das nachfolgende Beispiel soll das ganze Verfahren an einem speciellen Rohmaterial erläutern
und ist hierzu die -sogen. Copra, d. i. der Kern der Cocosnufs, gewählt worden.
Es werden hierbei ioo Gewichtstheile Copra so zerschnitten, dafs quadratische Stücke von
ungefähr io bis 20 mm Seitenlänge und 1 bis
2 mm Dicke entstehen. Diese werden in eiserne Trommeln gebracht, welche behufs gleichmäfsiger Röstung in Rotation versetzt
werden. Das Material wird in diesen Trommeln auf eine Temperatur von 120 bis 1400C.
gebracht, und zwar entweder durch eine direct unter den Trommeln befindliche Feuerung
oder durch eingeleiteten überhitzten Wasserdampf.
Das geröstete Product wird sodann zwischen Hartwalzen· gemahlen, so dafs eine pastaartige
Masse entsteht, und diese Zerkleinerung wird so weit geführt, bis die früher erwähnten Kennzeichen
eintreten.
Zu dieser Masse setzt man die entsprechenden Mengen Natronlauge oder eine andere
Alkalilauge hinzu.
Die Menge berechnet sich nach dem Fettgehalt der Masse, und zwar so, dafs ungefähr
auf 100 Gewichtstheile Fett ca. 12,5 Gewichtstheile wasserfreies Natron kommen.
Ein Ueberschufs von Aetznatron bezw.
Natronlauge ist zur Durchführung des Verfahrens nöthig. Am besten eignet sich zur Operation
eine Natronlauge von specifischem Gewicht 1,335, so dafs dann zu 100 Gewichtstheilen
Fett .ca. 70,78 Gewichtstheile Lauge nöthig
sind. -
Bei einem Fettgehalt der gerösteten Copra von 65 Theilen Fett wären demnach erforderlich
ca. 8,25 Gewichtstheile wasserfreies Natron oder ca. 47 Gewichtstheile Natronlauge von
einem specifischen Gewicht von 1,335.
Diese Mischung wird gehörig durchgerührt bezw. geknetet, mehrere Stunden einer Temperatur
von ioo0 C. ausgesetzt, und dabei wird allmälig Wasser in dem Mafse zugesetzt, als
eine Verdampfung des Wassers eintritt, damit die die Verseifung bewirkende Lauge während
der ganzen Dauer des Processes dieselbe Concentration behält.
Die Erhitzung kann auch durch einströmenden Dampf bewirkt werden, wobei dann der
Wasserzusatz wegfällt.
Nach dieser Erhitzung wird die entstandene Masse unter Zusatz von gröfseren Quantitäten
Wasser wiederholt ausgelaugt, colirt und abgeprefst. Das so erhaltene Product wird entweder
abgedampft, so dafs man die sogen, schwarze Rohseife erhält, oder es wird durch
Aussalzen, d. h. durch Zusatz -von Kochsalz, daraus geschliffene Seife erzeugt.
Bei dem angeführten Beispiel von 65 Gewichtstheilen Fett enthaltender Copra wurde
nach dem Aussalzen von ca. 100 Gewichtstheilen des Rohmaterials eine Ausbeute von
87 bis 97 Gewichtstheilen Seife mit einem Wassergehalt von ca. 19 pCt. gewonnen.
Das Beispiel zeigt, dafs aufs er der bedeutenden Vereinfachung des Verfahrens durch Vermeidung
des Pressens auch noch eine gröfsere Ausbeute als bei dem gewöhnlichen Verseifungsverfahren
erzielt wird.
Einen weiteren Vortheil gewährt das beschriebene Verfahren durch das leichte Abscheiden
der gebildeten Seife von den Unreinigkeiten, das hier durch das einfache Coliren
und Abpressen geschieht, während bei anderen Verseifungsverfahren, selbst bei directen, durch
Exosmose bewirkten, diese einfache Abscheidung nicht möglich ist.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Darstellung von Seifen aus kaltverseifbare Fette enthaltenden Früchten durch Behandeln der frischen, lufttrockenen oder gerösteten und stark zerkleinerten Palmfrucht und Alkalilaugen und Wasser in den angegebenen Verhältnissen und nachherige Trennung der gebildeten Seife von der Cellulose durch Coliren und Abpressen.
Publications (1)
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