<Desc/Clms Page number 1>
Österreichische PATENTSCHRIFT Nr. 18615. HEINRICH ANSPACH m MARTINLAMITZ (BAYERN).
Streupulver für Gussformen.
EMI1.1
querschnitten meistens mit Holzkohle, bei dickeren Querschnitten aber mit Graphit oder auch wohl einem Gemenge von Holzkohle und Graphit behandelt, um zu verhüten, dass das Material der Form mit dem glühenden Metall zusammenschmilzt und unter Umständen die Gussstücke unbrauchbar macht. Zuweilen poliert man die Forminnenfiäche auch noch, dm ein mechanisches Mitreissen des Graphites oder Kohlenstaubes durch das in die Form einfliessende schwere Material zu verhindern.
Beiden genannten Materialien haften erfahrungsgemäss nicht unerhebliche Mängel an. Die Holzkohle ist, obgleich sie die Luft und Gase sehr gut austreten lässt, allein ohne Beimengung anderer Materialien in Verwendung genommen, zu sehr dem Verbrennen ausgesetzt, während andererseits der Graphit die Luft und Gase zu schlecht durchlässt, so dass man ihn mit Kohlenpulver mischen muss.
Ganz besonders schlecht ist Graphit aber dann geeignet, wenn es sich um liegenstände handelt, welche später emailliert werden sollen, weit Graphit sehr leicht dazu neigt. sich, wie man sagt, in das Eisen cinzufressen. Wenn dieser Umstand auch bei Maschinenguss
EMI1.2
fläche haben und eventuell später emailliert werden sollen, sehr unangenehm, so dass man sich gegenwärtig in solchen Fällen ausschliesslich mit Holzkohle zu helfen sucht. Iliebei ist natürlich Ausschluss auch nicht ganz zu vermeiden, weil die Kohle sehr leicht mechanisch von dem in die Form fliessenden Material fortgerissen wird und sich in den Ecken der Form ansammelt, so dass an den betreffenden Stellen auch der Guss nicht die gewünschte. scharfe Gestalt erhält.
Die Anwendung des Graphites, wie auch die der Kohle hat aber noch einen anderen, unter Umständen recht fühlbaren Mangel im Gefolge. In den meisten Giessereien ist es bekanntlich ziemlich dunkel, so dass man nur mit Hilfe einer Lampe vor dem Guss feststellen kann, ob Fremdkörper in die fertige Form gefallen sind oder nicht. Wegen dflr schwarzen Innenfläche der Form ist es aber oft trotzdem nicht möglich, sich in dieser Beziehung Gewissheit zu verschaffen. Beim Abformen von Sanitätsutensilien, sehr dünnen Siphons und derartigen, feineren Gui3waren, welche in sogenannten verschnitt. enen (seitlich auseinandernehmbaren) Kasten gegossen werden, erschwert die Anwendung des Graphites und der Kohle sehr oft die genaue Feststellung der zu erwartenden Eisenstärke.
Allen diesen Mängeln wird durch das vorliegende Streupulver in wirksamer Weise begegnet, wenn statt des Graphites und eventuell auch der Kohle die unter dem Namen Federweiss zusammengefassten Materialien, wie Speckstein, Talkum, Stratit.. angewendet werden. Diese Materialien besitzen alle für den in Rede stehenden Zweck günstigen Eigenschaften des Graphites, ohne mit den oben genannten Mängeln behaftet zu sein.
Sie lassen die Gase in hinreichendem Masse durch und brennen im Gegensatz zum Graphit gar nicht oder doch nur im erheblich geringeren, in jedem Falle aber unschädlichen Grade an dem Metall fest, der Formsand löst sich daher grösstenteils schon durch blosses Beklopfen von den Gussstücken ab und dieser Umstand ist besonders dann von Wichtigkeit, wenn Guss- stücke zu putzen sind, deren Innenflächen, wie beispielsweise bei. Rohrkrümmern, Siphons
<Desc/Clms Page number 2>
EMI2.1
als bisher.
Hervorragend geeignet ist die Anwendung von Federweiss und der mit ihm verwandten, vorstehend bezeichneten Materialien, wenn es sich um Gussstucke handelt, welche später emailliert werden sollen, da es bei Benutzung dieser Materialien mit Leichtigkeit möglich, ist, die etwa haften gebliebenen Reste so zu beseitigen, dass sich die Gussstücke besonders gut emaillieren lassen.
Da sich das Federweiss, wenn es hellfarbig verwendet wird, von der dunklen Umgebung der Form deutlich abhebt, so erkennt man nicht nur viel leichter als bei Graphit und Kohle die in die Eingusstrichter bezw. die Form-oder die Zuflussrinne gefallenen Fremdkörper, sondern auch der Giesser, dessen Augen durch das glühende Metall stets mehr oder weniger geblendet sind, kann beim Eingiessen des flüssigen Metalls in die Form viel genauer als bisher die Eingussöffnung oder die Gussrinne sehen, und es kommt daher viel weniger vor, dass glühende Metall vorbeigegossen wird ; denn abgesehen von dem unmittelbaren Schaden, der aus dem Vorbeigiessen des Eisens erwächst, entstehen dadurch auch Gefahren für den Giesser und die sonst in der Nähe der Gussform befindlichen Leute.
Für dünnwandige Gussstücke genügt es, die unter dem Namen Federweiss zusammengefassten Materialien allein anzuwenden ; bei massiveren Gussstücken, z. B. Schwungrädern, kann man diese Materialien zweckmässig mit anderen schon jetzt in der Giesserei benutzten Materialien, wie Kohlenstaub, Kartoffelmehl u. s. w. vermischen.
Federweiss, Talkum u. s. w. lassen sich natürlich genau so gut wie Graphit und Kohle polieren, wenn die Natur des herzustellenden Gussstüc1ces dies erwünscht erscheinen lässt.
Bei Anwendung, von Federweiss u. s. w. kann man die Formen sofort polieren und Modelle in Staub klopfen, während man bisher, wenn Graphit zur Anwendung kapo, stets noch Kohlenpulver aufstäuben musste, um polieren oder Modelle in Staub klopfen zu können, so dass also durch die Anwenduug von Federweiss u. s. w. auch eine in Giessereibetrieben durchaus in Betracht kommende Ersparnis an Zeit und Arbeit erzielt wird.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Streupulver für Gussformen, bestehend aus den unter dem Namen Federweiss bekannten Materialien, wie Speckstein, Talkum, Stratit etc. oder einem Gemisch dieser Materialien.