<Desc/Clms Page number 1>
Österreichische PATENTSCHRIFT N"17129.
EMI1.1
Es ist bekannt, sogenannte runde Ware auf einschützigen Webstühlen in der Weise herzustellen, dass die in Gruppen eingeteilten Kettenfäden über entsprechend gestaltete Führungsbäume geleitet werden, gruppenweise Fach bilden und auch gruppenweise durch den Schuss abgebunden werden, so zwar, dass der Schuss in der Regel nur einen Teil der vorhandenen Ketten und nur selten sämtliche Kettenfäden abbindet, wodurch das Gewebe je nach Art der Einführung der Schüsse die Form eines Kreisbogens u. dgl. erhält.
Bei diesem Verfahren machen sich eine Reihe von Nachteilen fühlbar. So entstehen an den Umkehrpunkten der nicht über die ganze Kettenbreite geführten Schüsse Web- fehler, die insbesondere bei Geweben zur Herstellung von Frauenröcken, Besatzstreifen und dgl. stören. Ferner liegen die Schussfäden im runden Gewebe niemals radial.
Bei der in Fig. 1 dargestellten Webpatrone ist eine Teilung der Kette 1 in drei
Gruppen 2, 3 und 4 angenommen, demzufolge drei verschieden lange Schüsse 5, 6 und 7 betrachtet werden müssen, die dem gewählten Beispiel entsprechend die Kette in einem dreibindigen Köper abbinden und der leichteren Übersichtlichkeit wegen unterschiedlich von den Fig. 4 und f) mit Hinweglassung des rückkehrenden Schusses nebeneinander liegend dargestellt sind.
Hieraus ist zu ersehen, dass nur in der Gruppe 2 eine regelmässig fortlaufende
Köperbindung entsteht, während die Fäden 6, 7 und 9, 10, die beim Gewebe unmittelbar nebeneinander zu liegen kommen, in den Gruppen 3 und 4 eine gebrochene Köperbindung bewirken. Richtet man aber die Schäfte derart ein, dass sich auch in den Gruppen 3 und 4 eine fortlaufende Ahbindung ergibt (Fig. 2), dann entstehen an den Übergängen von Gruppe zu Gruppe an den mit einem Kreis bezeichneten Stellen Webfehler.
Diese Fehler worden vorliegendem Verfahren nach dadurch behoben, dass unter Bei- behaltung der Gruppeneinteilung der Kette das runde Gewebe auf einem mehrschützigen
Webstuhl in der Weise hergestellt wird, dass von den hintereinander eingeführten Schüssen sämtliche oder einige der auf eine grössere Anzahl Kettengruppen abbindenden Schüsse mit den auf eine kleinere Anzahl Kettengruppen abbindenden Nachbarschussfäden in dasselbe Facs eingeführt werden.
Bei Anwendung dieses Verfahrens wird unter Zugrundelegung des oberwähnten drei- bindigen Köpers die Webpatrone das in Fig. 3 dargestellte Aussehen haben. Die drei
Schüsse 5, 6 und 7 werden hintereinander in dasselbe Fach (der Gruppe 2) eingetragen und binden daher innerhalb dieser Gruppe an derselben Stelle ab. Der Schuss 5 bindet die
Kette nur in dieser Gruppe ab, während er rechts davon über den Ketten flott liegt : der Schuss 6 bindet auch in der Gruppe 3 ab, die nach Einschiessen des Schusses 5
Fach bildet und der Schuss 7 in allen drei Gruppen, indem er durch das Fach des
Schusses 6 und durch das nach Einführen des Schusses 6 gebildete Fach der Gruppe 4 geht.
Auf diese Weise entsteht ein regelmässig fortlaufender Köper, der bei dem dargestellten
Beispiel links von einem dreifachen, in der Mitte von einem zweifachen und rechts von einem einfachen Schuss, also sozusagen von einem an Dicke abnehmenden Schuss gebildet wird, wie es der Natur der Herstellung kreisbogenförmiger Ware entspricht. Die Art der
Einführung der Schüsse ist aus den Fig. 4 und 5 zu entnehmen. Die Schüsse 5, 6, 7 werden entweder in derselben (Fig. 6) oder in umgekehrter Reihenfolge (Fig. 4 und 5) zurückgeführt, wobei bei den in Fig. 4 und 5 dargestellten Beispielen alle drei Schüsse
<Desc/Clms Page number 2>
EMI2.1
förmigen Gewebe laufen die Kette und die Ware über konische Bäume, deren Konizität dem Krümmungsradius des herzustellenden Gewebes entsprechend gewählt ist.
Aber auch die Herstellung doppelt kreisbogenförmiger Gewebe ist auf diese Weise möglich, wozu man sich nur zwei WebaiUhle in der Weise vereinigt zu denken braucht, dass die konischen Bäume (Ketten-und Zeugbäume) mit ihrer grossen oder kleinen Basis zusammenstossen und wobei das doppelte Gewebe vor dem Aufwickeln in der Richtung der Kette in zwei einzelne kreisbogenförmige Gewebe zerschnitten wird.
Fig. 6 zeigt ein Beispiel der Herstellung eines solchen doppelt runden Gewebes, bei welchem die Mittelpunkte der Einzelgewebe aussen liegen. Hiebei ist die ganze Kette in vierzehn Gruppen, und zwar sieben Gruppen für jedes Einzelgewebe geteilt. Die sieben Gruppen 2-4 und 11-14 der Kettenfäden jedes Einzelgewebes werden von einer besonderen Jacquard-bezw. Schaftmaschine betätigt, wenn man nicht vorzieht, eine Jacquard-oder Schaftmaschine in zwei Hälften zu teilen. Da nur drei Schüsse zur Anwendung gelangen, so wird die ganze Kettenbreite jedes einzelnen Gewebes trotz der vorhandenen sieben
Gruppen jedesmal doch nur in drei Gruppen zerlegt. Die Anordnung von mehr Gruppen als Schüssen hat den Zweck der allmählicheren Abstufung des Gewebes.
Wichtig bei der Herstellung einfach kreisbogenförmigen Gewebes ist die Verlängerung der Schützenbahn auf jener Seite des Gewebes, auf welcher mehr Schüsse eingetragen werden. Ein nur über einen Teil der ganzen Kettenbreite geführter Schuss (z. B. Schuss 5 in Fig. 4) liegt auf dem restlichen Teil der Kettenbreite (über den Gruppen 3, 4) flott (siehe gestrichelte Linie) und muss bei der Rückkehr des Schützens zur Gänze in sein
Fach zurückgeführt werden. Aus diesem Grunde ist eine Verlängerung 16 der Schützen- bahn 15 (Fig. 7) erforderlich, welche so lang ist, als das längste Flottliegen eines Schusses vermindert um die Abbindungslänge beträgt, im vorliegenden Falle also gleich ist der
Gesamtbreite der beiden Gruppen. 3 und 4, weniger der Breite der Gruppe 2.
Stellt man zwei derartige Webstühle derart nebeneinander, dass die grossen Grundflächen der Zeug- bäume 17 einander zugekehrt sind, dann geht die Verlängerung der einen Lade in die
Nachbarlade über.
Durch das beschriebene Verfahren wird nun aber ein faltiges kreisbogenförmiges Gewebe mit ziemlich unregelmässig liegenden Schussfäden erzielt. Die Ursache davon ist in der Verzerrung der Schussfäden zu suchen, welche infolge der verschieden raschen Transportierung der Kettenfäden durch den Zeugbaum 17 (Fig. 7) von der Einschussstelle bis zur Aufwickelstelle entsteht und welche umso grösser ist, je weiter die Lade vom Zugbaum absteht.
Dieser Nachteil wird dadurch beseitigt, dass die Schüsse in einem derartigen spitzen Winkel x zur Zeugwalze 17 eingetragen werden, dass die Richtungslinie der Schützenbahn 15, die Verlängerung der Zeugwalze bezw. die Abzugwalzenachse 18 auf der Seite der Konusspitze aber innerhalb derselben schneidet. Hiedurch werden die Schüsse tangential zu einem um den Mittelpunkt des runden Gewebes beschriebenen Kreis eingetragen (bei 15 in Fig. 8), wodurch erreicht wird, dass sie nach der bis zum Aufwickeln auf den Kettenbaum erfolgenden Verzerrung im fertigen Gewebe eine nahezu genau radiale Lage einnehmen (bei 19 in Fig. 8).
Um den Webstuhl zur Herstellung von kreisbogenförmigen Geweben verschiedenen
Durchmessers verwenden zu können, ist eine Verstellbarkeit der Schützenbahn auf der Lade erforderlich, wie dies in Fig. 7 mit gestrichelten Linien angedeutet ist. Zu diesem Behufe ist das Rietblat. t 20 samt Schützenbahn 21 (Fig. 7 und 9) an dem einen Ladenende um ein vertikales Scharnier 22 drehbar (Fig. 7) und am anderen Ende längs einer Führung 23 ver-und feststellbar angeordnet (Fig. 9).
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung kreisbogenförmiger Gewebe unter Anwendung der Gruppeneinteilung der Kette, Führung derselben über entsprechend geformte Bäume und gruppenweise Fachbildung, dadurch gekennzeichnet, dass das Gewebe auf einem mehrschützigen Webstuhl in der Weise hergestellt wird, dass von den hintereinander eingeführten Schüssen (5, 6,7, Fig. 3) sämtliche oder einige der auf eine grössere Anzahl Fachgruppen abbindenden Schüsse in dasselbe Fach mit den auf eine kleinere Anzahl Fachgruppen abbindenden Nachbarschüssen eingeführt werden.