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Verfahren zur Gewinnung von schlagfähigem Pflanzeneiweiss
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Es ist bekannt, zur Gewinnung von Nahrungs- mitteln aus ölhaltigem Pflanzenmaterial, z. B. aus
Sojabohnen, die Ölsaaten, nach dem man sie gegebenenfalls vorgepresst hat, mit einem Gemisch von Alkohol und Benzol oder Alkohol und Benzin oder Alkohol und einem chlorsubstituierten
Kohlenwasserstoff, zweckmässig in der Wärme, zu extrahieren, worauf der Rückstand vom
Lösungsmittel befreit wird. Nach diesem Ver- fahren können jedoch als Rückstand der Fett- extraktion keine Eiweissprodukte erhalten werden, die durch Schlagen in einen backfähigen Schaum übergeführt werden können, weil Alkohol, der in allen nach diesem bekannten Verfahren anzu- wendenden Lösungsmittelgemischen vorhanden ist, Eiweiss denaturiert und einen Teil der für die Schaumbildung wesentlichen Eiweissstoffe löst.
Die Erfinder haben bereits früher ein Verfahren zur Gewinnung von Eiweisskörpern, die insbesondere als schlagfähige Eiaustauschstoffe dienen können, aus eiweisshaltigen Pflanzenteilen angegeben, welches im Wesen darin besteht, dass man Getreidekeime in der Kälte mit Hilfe von Lösungsmitteln, die Eiweiss weder lösen noch denaturieren, wie beispielsweise Trichlor- äthylen oder Äther, bis zur praktisch vollkommenen Freiheit von öl extrahiert. Es wurde nun gefunden, dass man auch aus anderen öl bzw.
Fett und Eiweiss enthaltenden Pflanzenteilen als Getreidekeimen, nämlich aus eiweissreichen Samen als solchen oder aus den bei der Gewinnung von Öl aus solchen Samen durch Pressung zurückbleibenden eiweissreichen Rückständen (Presskuchen) oder Extraktionsschrotten durch Extraktion mit aliphatischen chlorierten Kohlenwasserstoffen unterhalb der Koagulationstemperatur der Eiweissstoffe Produkte erhalten kann, welche schlagfähig sind und einen backfähigen Schaum ergeben, sofern man die Extraktion so weit treibt, dass die Endprodukte praktisch frei von Glyceriden sind. In dieser Weise kann man beispielsweise schlagfähige Eiweissprodukte aus zerkleinerten Leguminosensamen, insbesondere aus Sojabohnen, die bekanntlich bis zu etwa 50% Eiweiss enthalten, ferner aus Sonnenblumen- kernen, Hederichsamen, Bucheckern u. dgl. gewinnen ; ferner kann man z. B.
Presskuchen von ölhaltigen und zugleich eiweissreichen Samen, wie z. B. von Erdnüssen, Baumwollsaat u. dgl., wenn während des Pressverfahrens die Koagulationstemperatur des Eiweisses (etwa 65 C) nicht überschritten wurde, zu schlagfähigen Eiweissprodukten gemäss dem Verfahren der Erfindung verarbeiten. Derartige Presskuchen enthalten bis zu etwa 70% Eiweiss und sind daher für den angegebenen Zweck sehr geeignet.
Ferner kann man Extraktionsschrotte von Pflanzensamen, aus welchen der Grossteil der Glyceride bereits durch die Extraktion entfernt ist, als Ausgangsmaterial für das Verfahren gemäss der Erfindung verwenden.
Eine wesentliche Bedeutung kommt im Rahmen des Verfahrens gemäss der Erfindung der Extraktion mit Hilfe von chlorierten Kohlenwasserstoffen zu, wofür die als Fettlösungsmittel wirkenden Chlorkohlenwasserstoffe der niederen Glieder der aliphatischen Reihe (sowohl der gesättigten wie der ungesättigten Reihen), beispielsweise Tetrachlorkohlenstoff, Dichlor- äthylen, Trichloräthylen, Tetrachloräthylen u. dgl., gewählt werden.
Diese Chlorkohlenwasserstoffe besitzen ein hohes Lösungsvermögen für Glyceride, ohne eine denaturierende Wirkung auf Eiweisskörper auszuüben, und ermöglichen es daher, innerhalb sehr kurzer Zeit den Gehalt des Eiweissgutes an Glyceriden so weit herabzusetzen, dass die Eiweisskörper schlagfähig werden. Hiezu ist eine praktisch vollkommene Extraktion des Fettes erforderlich, d. h., dass die Extraktion bis zu einem Restgehalt an Glyceriden unter
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getrieben wird.
Wie festgestellt wurde, übt die Behandlung mit Chlorkohlenwasserstoffen auch einen günstigen Einfluss auf die Backfähigkeit eines aus den von Fett bzw. Öl befreiten Eiweissprodukten hergestellten Schaumes aus ; diese besondere Wirkung kann durch die Annahme erklärt werden, dass durch Anlagerung von Chlorwasserstoff an die endständigen Aminogruppen-die Chlorkohlenwasserstoffe sind bei Lichtzutritt instabil und zerfallen unter Abspaltung freier Salzsäuredie Oberflächenspannung der Eiweisskörper herabgesetzt wird. Offenbar tritt hiedurch auch eine
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Umladung bzw. Verstärkung des negativen Charakters der Eiweisskörper ein.
Zur Durchführung des Verfahrens gemäss der Erfindung werden beispielsweise zerkleinerte oder gemahlene Sojabohnen bei Temperaturen zwischen 40 und 60 C mit Trichloräthylen so lange extrahiert, bis der Restgehalt an Glyceriden zwischen 0-1% und 0. 3% beträgt. Das extrahierte Gut wird in bekannter Weise durch Zentrifugieren und anschliessendes Durchblasen von schwach erwärmter Luft von den anhaftenden Lösungsmittelresten befreit und erforderlichenfalls durch eines der in der Müllerei üblichen Sichtungsverfahren von den Schalenanteilen befreit. Die in dieser Weise aus Sojabohnen erhaltenen Eiweisspräparate sind schlagfähig und können als Eiaustauschstoffe Anwendung finden ; sie geben beim Schlagen einen haltbaren und backfähigen Schaum, der für die Herstellung mannigfacher Konditorwaren Anwendung finden kann.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Gewinnung von schlagfähigem Pflanzeneiweiss durch Extraktion mit Fettlösungsmitteln bis zur praktischen Freiheit an Glyceriden bei Temperaturen unterhalb der Koagulationstemperatur des Eiweisses, dadurch gekennzeichnet, dass eiweissreiche Samen, insbesondere von Leguminosen, wie Sojabohnen, oder Presskuchen oder Extraktionsschrotte eiweissreicher Saaten, die nicht denaturiertes Eiweiss enthalten, mit Hilfe fettlösender chlorierter Kohlenwasserstoffe in Abwesenheit von Eiweiss denaturierenden Lösungsmitteln (wie Alkohol, Benzin oder Benzol) von den Glyceriden befreit werden.