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Verfahren zur Herstellung von Gipsbinden und sonstigen mit Gips überzogenen Teilen für ortho- pädische und chirurgische Zwecke od. dgl.
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Gipsbinden.
Es gibt bereits ein Verfahren zur Herstellung von Gipsbinden für orthopädische, chirurgische und sonstige Zwecke, wonach ein Brei aus ungebranntem Gipshydrat, das in kaltem, ein wasserlösliches Bindemittel enthaltendem Wasser angerührt worden ist, auf ein Gewebe aufgetragen wird und wonach die auf diese Weise hergestellten Binden einer ausreichenden Temperatur ausgesetzt werden, um das
Kalzinieren des Kipses zu erzielen, u. zw. derart, dass alsdann Binden zustandekommen, an denen ein
Gemisch von wasserfreiem gebranntem Gips und einem im Wasser löslichen oder quellfähigen Bindemittel anhaftet. Die Hauptschwierigkeit bei der Herstellung derartiger Gipsbinden besteht darin, dass der Gips unmittelbar auf dem Gewebe gebrannt werden muss.
Dieser Vorgang macht es nämlich erforderlich, dass das benutzte Gewebe der zum Brennen des Gipses nötigen Temperatur gegen Verbrennen standhalten muss und dass ferner das benutzte Bindemittel nicht zersetzt wird und nach dem Brennen seine Wasserlöslichkeit bzw. Wasserquellfähigkeit beibehält.
Nach einem andern Verfahren zur Herstellung von Gipsbinden werden diese Nachteile dadurch beseitigt, dass auf einem Gewebe wasserfreier gebrannter Gips mittels eines wasserfreien, wasserlöslichen Bindemittels zum Festhaften aufgebracht wird, nachdem dieses Bindemittel zuvor in einem wasserfreien, organischen Lösungsmittel aufgelöst und zum Quellen gebracht worden ist. Nach erfolgtem Auftragen des aus Gips, dem Bindemittel und dem Lösungsmittel bestehenden Gemisches auf das Gewebe lässt man das Lösungsmittel abdampfen. Der Nachteil dieses Verfahrens besteht darin, dass es die Verwendung eines organischen Lösungsmittels bedingt, wodurch sieh die Selbstkosten der Gipsbinden verteuern.
Die Nachteile dieser bekannten Verfahren zur Herstellung von Gipsbinden werden durch die Erfindung beseitigt. Das Wesen der Erfindung liegt darin, dass gebrannter wasserfreier Gips oder Gipshalbhydrat zu einem Brei mit Wasser angerührt wird, dessen Temperatur auf einer das Abbinden des Gipses verhindernde Höhe von zweckmässig 900 bis 1000 C gebracht wird, worauf die mit dem Brei überzogene Binde der gleichen Temperatur bis zum endgiltigen Trocknen ausgesetzt wird.
Beim Verfahren gemäss der Erfindung werden im Gegensatz zu bekannten Verfahren dem Gemisch keinerlei Mittel zur Verzögerung der Abbindung, wie Essigsäure od. dgl. zugesetzt ; ein derartiges Mittel erübrigt sich nämlich vollständig, weil der Gips bei der angewendeten Temperatur nicht abzubinden vermag.
Wie bereits erwähnt, soll das Bindemittel sowohl in warmem als auch in kaltem Wasser löslich sein oder stark aufquellen. Es muss sieh nämlich zunächst mit dem Gips während des Anrührens desselben in warmem Wasser innig vermengen. Nach erfolgtem Trocknen der Binde schützt es den Gips vor der Feuchtigkeit und verhindert die Entstehung von Gipshydrat. Die Binden lassen sich auf diese Weise sehr lange Zeit, z. B. in Pappsehachteln, aufbewahren, ohne dass besondere Massnahmen nötig wären, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Beim Eintauchen der Binden in kaltes Wasser zwecks ihrer Verwendung darf dagegen das Bindemittel nicht verhindern, dass das Wasser den Gips durchtränkt ; es muss deshalb im kalten Wasser löslich oder aufquellbar sein.
Bindemittel, die diesen Anforderungen entsprechen, sind beispielsweise die wasserlöslichen Resinate, Gummiarabikum, Stärke, Tragantgummi, Gelatine, in kaltem und in warmem Wasser lösliche Zellulose-Ester und insbesondere die in der Wärme nicht gerinnbaren Alkylzellulosen, Dextrin, Kasein usw.
Es ist von Wichtigkeit, dass die Temperatur auf einer genügenden Höhe erhalten wird, damit die Zubereitung des Gipsbreies, das Auftragen und das Trocknen so erfolgen, dass zu keinem Zeitpunkt auch nur ein beginnende Abbinden des Gipses eintritt. Ein teilweises und selbst sehr kurzes Abkühlen während eines Arbeitsvorganges oder zwischen zwei aufeinanderfolgenden Arbeitsstufen könnte nämlich eine störende Kristallisation des Gipses verursachen.
Es ist festgestellt worden, dass gute Ergebnisse erzielbar sind, wenn die Temperatur oberhalb 90 C und zweckmässig in der Nähe von 1000 C gehalten wird.
Damit der Gips stets annähernd auf dieser Temperatur während des ganzen Herstellungsvorganges erhalten bleibt, wird über dem Gipsbrei, dessen Temperatur in der Nähe von 1000 C liegt, eine zweckmässig feuchte Atmosphäre unterhalten, deren Temperatur ebenfalls in der Nähe von 100 C liegt ; die zu überziehende Binde wird alsdann durch diesen Brei gezogen. Beim Austritt der Binde aus dem Brei bleibt also der Gips in einer warmen Atmosphäre und kann nicht erkalten. Aus dieser warmen Atmosphäre wird die überzogene Binde alsdann unmittelbar in einen Trockenofen geleitet, wo die Temperatur ebenfalls annähernd 100 C beträgt.
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unvermeidlich wäre.
Ein Beispiel für die Herstellung einer Binde gemäss der Erfindung sei nachstehend beschrieben.
Die Zusammensetzung des Breies ist folgende :
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<tb>
<tb> Bindemittel <SEP> : <SEP> Dextrin <SEP> 23g
<tb> Wasser..................................................... <SEP> 500 <SEP> g
<tb> Gips <SEP> 900g
<tb>
Zunächst wird das Wasser in ein Becken gefüllt und auf ungefähr 95 bis 980 C erwärmt. Dann wird das Dextrin eingeschüttet und nach vollständiger Auflösung desselben wird vorsichtig und in kleinen Mengen der Gips zugesetzt, u. zw. derart, dass die Temperatur des Breies niemals unter 90 C herabsinkt.
Die Temperatur des Trockenofen wird auf 1000 C mit einem Spielraum von + 20 C eingestellt.
Die Trockenzeit liegt zwischen 9 und 10 Minuten.
Die erzielten Binden haben ein gutes Aussehen und der Gips haftet sehr gut an. Kurz vor ihrer Verwendung brauchen diese Binden nur in kaltes Wasser getaucht zu werden und ihre Tränkung geht sehr rasch vor sich.
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zum Abbinden gezeigt zu haben.
Die in diesem Beispiel angeführten Temperaturverhältnisse stellen keine Beschränkung dar.
Die Mindesttemperatur von 90 kann je nach der Beschaffenheit des Gipses leicht schwanken. Diese Temperatur muss derart sein, dass alle Arbeitsvorgänge durchgeführt werden können, ohne dass der Gips irgendwie abbindet ; bei sehr rascher Durchführung des Verfahrens kann diese Temperatur etwas herabgesetzt werden. In gewissen Fällen, z. B. zwecks Erzielung rasch abbindender Gipsbinden, kann die Temperatur während einer sehr kurzen Zeit selbst soweit herabgesetzt werden, dass einige Gipshydratkristalle entstehen, die ein beschleunigtes Abbinden beim Gebrauch der Binden zur Folge haben werden.
Anderseits können zum Trocknen Temperaturen von über 100 C benutzt werden, wenn dieses Trocknen sehr rasch durchgeführt werden soll. Es ist jedoch selbstverständlich, dass es sich stets um ein einfaches Trocknen und nicht um ein Brennen handelt.
Das Mengenverhältnis des Bindemittels kann ebenfalls je nach der Beschaffenheit desselben schwanken und lässt sich leicht durch Versuche ermitteln. Dieses Verhältnis darf nicht zu gross sein, da festgestellt worden ist, dass alsdann das Haftvermögen des Gipses am Gewebe abnimmt.
In gewissen Sonderfällen, wenn es sich um die Erzielung besonders geschmeidiger Binden handelt, kann die Bildsamkeit des Bindemittels dadurch gefördert werden, dass dem in der vorher angegebenen Weise zubereiteten Gemisch ein wasserlöslicher Weichmacher, wie z. B. Glyzerin, Ethylen-Glykol, Kernseife usw., zugesetzt wird.
Man kann beispielsweise folgendes Gemisch verwenden :
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<tb>
<tb> Dextrin <SEP> 23 <SEP> 9
<tb> Glyzerin <SEP> 15 <SEP> g
<tb> Wasser <SEP> 500g
<tb> Gips <SEP> 900 <SEP> g
<tb>
Die auf diese Weise hergestellten Gipsbinden haben eine grössere Geschmeidigkeit als die Binden ohne Weichmacher.
Zwecks Verwendung der erfindungsgemässen Binden zu orthopädischen oder chirurgischen Zwecken genügt es, diese Binden in kaltes Wasser zu tauchen, alsdann das überschüssige Wasser auszudrücken und z. B. auf das mit dem Gipsverband zu versehende Glied aufzuwickeln. Der Gips bindet alsdann ab.