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Verfahren zur Herstellung von Erzeugnissen aus Kautschuk od. dgl.
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Herstellung von Erzeugnissen aus Kautschuk durch Koagulation von Kautschuk aus Kautsehuklatex auf einer geeigneten Unterlage oder Form, und insbesondere auf die Herstellung von Erzeugnissen aus Kautschuk, welche, um besonderen Erfordernissen zu genügen, bestimmte Teile aufweisen, die stärker oder schwächer (dünner) sind als die übrigen Teile der Erzeugnisse.
Das hauptsächliche Ziel der vorliegenden Erfindung ist eine einfache, billige und sehr wirksame Arbeitsweise zur Herstellung von Erzeugnissen aus Kautschuk, welche bestimmte Stellen oder Teile von wechselnder Dicke aufweisen, zu schaffen, eine Methode, die es gestattet, solche Erzeugnisse unmittelbar aus Kautschuklatex herzustellen und die Dicke der aus dem Latex abgeschiedenen Kautsehukschichten auf den verschiedenen Stellen der Form oder Unterlage zu regeln. Weitere Vorteile des Verfahrens nach der vorliegenden Erfindung sind aus der folgenden näheren Erläuterung der Erfindung zu entnehmen.
Es besteht eine beträchtliche Nachfrage nach Kautschukhandschuhen, welche verhältnismässig dünne Finger und Handflächen aufweisen und in Einheit damit einen stärkeren Handgelenksteil. Bisher ist jedoch keine vollständig zufriedenstellende Arbeitsmethode zur Herstellung eines solchen Handschuhes in Vorschlag gebracht worden.
Die vorliegende Erfindung sieht ein solches Verfahren vor, obgleich die Anwendbarkeit dieses neuen Verfahrens, wie aus den folgenden Darlegungen hervorgehen wird, in keiner Weise auf die Herstellung von Handschuhen beschränkt ist. Zum Zwecke der Vereinfachung der Beschreibung wird indes die Erfindung in Verbindung mit der Herstellung eines solchen Kautschukhandschuhes beschrieben, wobei zu beachten ist, dass diese Beschreibung eben nur als Erläuterung, aber nicht als Beschränkung der Erfindung zu verstehen ist.
Gemäss der vorliegenden Erfindung besteht das Verfahren zur Herstellung von Kautschukerzeugnissen durch Koagulation von Kautschuk aus Kautschuklatex auf einer Unterlage oder Form im wesentlichen darin, dass die Oberfläche der Unterlage oder Form mit einem Koagulationsmittel versehen und die Wirksamkeit des Koagulationsmittels, zumindest teilweise, auf einem bestimmt beschränkten Teil der Oberfläche vor der Aufbringung des Latex herabgesetzt wird.
Nach einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung, angewendet auf die Herstellung eines Kautschukhandschuhs, wird eine Handschuhform der üblichen, vorzugsweise undurchlässigen Konstruktion verwendet, obgleich die Anwendung poröser Formen nicht ausgeschlossen ist. Die Form wird gereinigt und sodann mit einem im wesentlichen gleichmässigen Überzug eines Koagulationsmittels für Latex versehen, z. B. durch Eintauchen der Form in eine Lösung, welche 500 Calziumchlorid in 1000 cm3 denaturiertem Alkohol gelöst enthält, und Verdampfen eines wesentlichen Teiles des Alkohols, um einen nicht fliessenden Überzug von Koagulationsmittel von im wesentlichen gleichmässiger Wirksamkeit über die gesamte Form zu schaffen.
Die Wirksamkeit des Koagulationsmittels wird hernach an jenen Teilen der Form, an welchen ein dünnerer (schwächerer) Niederschlag gewünscht wird, vorzugsweise durch teilweise Herabsetzung der Wirkung des Koagulationsmittels mit Hilfe eines chemischen Mittels an diesen Teilen der Form, herabgesetzt. In dem angeführten Beispiel wird die Erzeugung dünner Finger und einer dünnen Handfläche gewünscht : aus diesem Grunde wird die
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Form für einen Augenblick-die Finger zuerst-bis zu einer gewünschten Tiefe in eine verdünnte Lösung eines geeigneten Mittels getaucht, welches mit Calziumehlorid reagiert und dessen Wirksamkeit zum Teil herabsetzt, wie z. B. in eine 10% igue wässrige oder alkoholische Lösung von Kaliumhydroxyd.
Die Form mit dem aufgebrachten Überzug des Koagulationsmittels, von welchem Teile in ihrer Wirksamkeit herabgesetzt worden sind, wird hernach etwa für eine Minute in eine wässrige Dispersion (im folgenden kurz Latex"genannt) eingetaucht, welche 100 Gewiehtsteile Kautschuk zugesetzt als
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von Latex über die Form zu verteilen, worauf der Kautschuk hernach gewaschen, getrocknet und in der üblichen Weise vulkanisiert wird. Der Handgelenksteil des fertigen Handschuhen ist wesentlich dicker als die Finger und die Handfläche, obwohl keine scharfe Grenzlinie zwischen den dickeren und dünneren Teilen vorhanden ist, wie es der Fall wäre, wenn der Handgelenksteil für sich einfach neuerlich in Latex getaucht worden wäre, um-dort eine stärkere Schicht aufzubringen.
Nach einer zweiten Ausführungsform der Erfindung werden zwei oder selbst mehr Tauchvorgänge oder Tauchungen in den Latex angewendet, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.
Beispielsweise kann eine Form gleichmässig mit Calziumchlorid überzogen werden, wie in dem früheren Beispiel angegeben ist, und dann ohne irgendeine Herabsetzung der Wirksamkeit des Koagulationsmittels für 30 Sekunden in den Latex getaucht werden. Die Form mit dem Niederschlag wird dann - die Finger zuerst-bis zu einem Punkt oberhalb der Handfläche, in eine 5%ige wässrige Lösung von Natriumhydroxyd eingetaucht und rasch herausgezogen. In dieser Weise wird das Koagulationsmittel, welches durch die äussere Oberfläche. des Kautschuks an den Fingern und der Handfläche diffundiert ist, teilweise in seiner Wirksamkeit-herabgesetzt, während das Koagulationsmittel, welches auf der äusseren Oberfläche des Kautschuks an dem Handgelenksteil der Form vorhanden ist, unbeeinflusst und voll wirksam bleibt.
Nun wird die Form wiederum für etwa 30 Sekunden in den Latex getaucht, während welcher Zeit eine beträchtliche Menge Kautschuk auf dem Handgelenksteil des Handschuhs abgesetzt wird, während verhältnismässig wenig auf den Fingern und der Handfläche abgeschieden wird. Der abgeschiedene Kautschuk wird schliesslich gewaschen, getrocknet und in der üblichen Weise vulkanisiert, um einen Handschuh zu liefern, bei welchem der Kautschuk eine vollständige Einheit bildet, obwohl er an den Fingern und der Handfläche beträchtlich dünner ist als am
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Nach einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist es möglich, das gewünschte Ergebnis dadurch zu erzielen, dass man eine poröse oder unporöse Form in Latex taucht,
ohne zunächst einen Koagulationsmittelüberzug auf die Form aufzubringen, die Form mit einem dünn anhaftenden Film von unkoaguliertem Kautschuk herauszieht, auf diesen Film ein Koagulationsmittel aufbringt, um den Kautschuk zu koagulieren, hernach die Wirksamkeit eines Teiles des Koagulationsmittels, welches mit dem Kautschuk vereinigt ist, herabsetzt und dann gemäss den vorhergehenden Beispielen weiterverfährt.
Es ist klar, dass alkalische Mittel anderer Art als die oben genannten gleichfalls verwendet werden können, um die Wirksamkeit des Koagulationsmittels herabzusetzen, und dass jedes geeignete Mittel, sei es in Lösung oder nicht, angewendet werden kann. So ist z. B. Ammoniak sehr wirksam,. ebenso kann Natriumbicarbonat in einigen Fällen angewendet werden, sei es in Form einer Lösung oder aufgestäubt in Pulverform. Die meisten der üblicherweise verwendeten Koagulationsmittel reagieren mit Alkalien und werden durch diese in ihrer Wirksamkeit herabgesetzt.
Die Erfindung ist jedoch nicht auf die Anwendung irgendeines besonderen Koagulationsmittels oder auf die Verwendung von Alkalien als Mittel zur Herabsetzung der Wirksamkeit irgendeines besonderen Koagulationsmittels beschränkt, sondern umfasst die Anwendung aller bekannten Koagulationsmittel und entsprechenden Mittel zur Herabsetzung ihrer Wirksamkeit. Wenn z. B. ein saurer Latex verwendet wird, so wird das Koagulationsmittel notwendigerweise von alkalischer Beschaffenheit sein müssen und das Mittel zur Herabsetzung der Wirksamkeit des Koagulationsmittels umgekehrt von saurer Beschaffenheit.
Die vorstehende Erläuterung befasst sich mit der Verwendung eines chemischen Mittels, welches durch Reaktion mit dem Koagulationsmittel die Wirksamkeit desselben herabsetzt. Diese Ausführungform ist wegen ihrer Einfachheit und der grösseren Leichtigkeit ihrer Durchführung eine bevorzugte.
Indessen können auch andere Massnahmen zur Herabsetzung der Wirksamkeit des Koagulationsmittels in einem bestimmt beschränkten Teil des Überzuges verwendet werden. Eine dieser Massnahmen besteht beispielsweise darin, einen Anteil des Koagulationsmittels von einer bestimmten Fläche des Überzuges zu entfernen, beispielsweise durch Eintauchen der Form mit dem Überzug des Koagulationmittels in ein Lösungsmittel, welches geeignet ist, einen Anteil des Koagulationsmittels von der Form zu lösen. Das Lösungsmittel soll vorzugsweise einen gewissen Anteil des Koagulationsmittels in Lösung enthalten, so dass ein Gleichgewichtszustand erreicht wird, um die Entfernung des gesamten Koagu- lationsmittels oder eines zu grossen Anteiles desselben zu verhindern.
So kann beispielsweise die durch Eintauchen in eine Lösung, welche 500 $'Calziumchlorid auf 1000 em des Lösungsmittels, wie dies
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zogene Form hernach zum Teil für eine kurze Zeit in eine Lösung von Alkohol, die nur 100 g Calzium- chlorid im Liter enthält, getaucht werden, um einen Teil des Koagulationsmittels von der Form zu lösen. Auch andere gleichartige Ausbildungen sind möglich.
Zum Zwecke der Erläuterung ist die Erfindung unter Bezugnahme auf bestimmte Koagulations- mittel, Lösungsmittel und Latexmischungen beschrieben worden ; es ist jedoch klar, dass die Erfindung auf die Anwendung dieser Stoffe nicht beschränkt ist und dass auch andere geeignete Lösungsmittel und Koagulationsmittel, wie z. B. die in der britischen Patentschrift Nr. 364684 beschriebenen Anwendung finden können.
In gleicher Weise wird der Ausdruck Latex"und/oder Kautschuklatex"in einem allgemeinen Sinn verwendet, um jede natürliehe oder künstlich hergestellte koagulierbare Dispersion von Kautschuk, Guttapercha, Balata, synthetischem Kautschuk oder ähnlichen Gummistoffen oder
Harzen zu bezeichnen, ob diese nun konzentriert, verdünnt, verdickt oder in der Viskosität herab- gesetzt, stabilisiert oder in irgendeiner andern Weise vorbehandelt sind. Der "Latex" kann jeden der üblichen Mischungsbestandteile enthalten.
Wie bereits oben auseinandergesetzt, ist die Erfindung in keiner Weise auf die Herstellung von
Kautschukhandschuhen beschränkt, sondern in gleicher Weise für die Herstellung jedes beliebigen
Kautschukerzeugnisses brauchbar, bei welchem dünne und dicke Teile gefordert werden und die durch
Koagulation von Latex auf einer Form hergestellt werden können. Beispiele solcher Erzeugnisse sind : Ballone, Spielzeuge, Badekappen, Fussbekleidungsstücke, mit Kautschuk überzogene Metallgegenstände, Kautschukplatten und zahlreiche andere Waren.
Der Ausdruck "Form" umfasst jede Form oder Unterlage, auf welcher Latex koaguliert wird, um solche Erzeugnisse herzustellen, gleichgültig, ob der Kautschuk hernach von der Unterlage oder Form abgezogen wird oder nicht und gleichgültig, ob diese Form porös oder nicht porös ist, wobei die Form jede beliebige Gestalt aufweisen und aus jedem beliebigen Material bestehen kann.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Erzeugnissen aus Kautschuk od. dgl. durch Koagulation von Kautschuk od. dgl. aus wässrigen Dispersionen auf einer Unterlage oder Form mit Hilfe eines auf die Oberfläche der Form aufgebrachten Koagulationsmittels, dadurch gekennzeichnet, dass die Wirksamkeit des Koagulationsmittels, wenigstens teilweise, an bestimmt beschränkten Teilen der Oberfläche vor der Aufbringung des Latex herabgesetzt wird, beispielsweise durch Reaktion des Koagulationmittels mit einem chemischen Agens, wie z. B. einem Alkali, oder durch Entfernung des Koagulationsmittels mit Hilfe eines Lösungsmittels für das Koagulationsmittel.