DE97686A - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Seit Bekanntwerden der alkalischen Chrombeizen (Chrommordants) hat der schöne und
echte sogenannte Chromfärbeartikel eine immer gröfsere Verbreitung in der Baümwollfärberei
gefunden und besonders die blauen Färbungen von beizenziehenden Farbstoffen auf Chrombeizen
sind in hellen Tönen zum Theil in erfolgreiche Concurrenz mit Färbungen von
natürlichem Indigo getreten. Wie' allgemein bekannt, werden derartige Chromfärbungen
durch den Einflufs von Eisenverbindungen in ihrer Schönheit erheblich beeinträchtigt, weil
die Färbungen dadurch getrübt werden und weniger lebhaft erscheinen. Aus dieser Thatsache
erklärt es sich, dafs die Anwendung von Chrombeizen in Mischung mit Eisenbeizen (Eisenmordants) in der Baumwollfärberei und
insbesondere in der Blaufärberei der Baumwolle bisher noch nicht bekannt geworden ist. Es
existirt zwar ein Verfahren zum Fixiren von alkalischer Chrombeize mittelst Kupfer- oder
Eisenvitriol, bei welchem sich gleichzeitig mit dem Chrom ein Theil des Kupfers oder Eisens
auf der vegetabilischen Faser fixirt (vergl. Sansone,
Zeugdruck, 1890, Seite 97), jedoch sind auf diese Weise hergestellte Chromeisenbeizungen
(Chromeisenmordants) zu Färbereizwecken und insbesondere zur Herstellung von brauchbaren Blaufärbungen durchaus untauglich,
wie weiter unten des Näheren ausgeführt wird.
Wir haben nun gefunden, dafs Chromeisenbeizungen sich doch mit Vortheil zu Färbereizwecken
verwenden lassen, besonders zur Erzielung von sehr echten Dunkelblaufärbungen',
wenn man Chrombeize und Eisenbeize einzeln nach einander auf der Baumwollfaser fixirt und
die so erhaltenen Chromeisenbeizungen mit beizenziehenden Farbstoffen ausfärbt. Wir
arbeiten beispielsweise wie folgt:
Die gebleichten Baumwollstücke werden auf einer Klotzmaschine durch eine alkalische
Chromoxydlösung genommnn, welche im Liter etwa 13,5 g Chromoxyd (Cr2 O3) enthält; alsdann
läfst man behufs Fixation der Chrombeizen
einige Stunden liegen, wäscht gründlich aus und trocknet. Dann wird die so mit
Chrom fertig gebeizte Waare in der Hotflue mit einer Eisenlösung geklotzt, welche etwa
13,5 g Eisenoxyd Fe2 O3 oder die äquivalente
Menge Eisenoxydul Fe O im Liter enthält; das Eisen wird dann in bekannter Weise entweder
durch Verhängen, kurzes Dämpfen, Abziehen in einem alkalisch wirkenden Bade, oder auch durch blofse Alkalipassage fixirt;
nach nochmaligem Waschen wird dann entweder direct gefärbt oder, wenn weifse Aetzmuster
hergestellt werden sollen, getrocknet, mit einer der bekannten Aetzweifsfarben für
Metallbeizungen bedruckt, gedämpft, gewaschen, gefärbt.
Auf diese Weise erhält man sehr echte Dunkelblaufärbungen, welche in vielen Fällen
die Färbungen des natürlichen Indigos ersetzen können, wenn man auf der in der beschriebenen
Weise bereiteten Chromeisenbeize beispielsweise etwa 7 pCt. Brillantalizarinblau G (Farbenfabrik
vorm. Bayer, Elberfeld), oder etwa
0,4 pCt. Prune pure (Chem. Fabrik vormals Sandoz, Basel) auffärbt. Anstatt Prune kann
die gleichwertige Menge Gallaminblau oder Gallocyanin verwendet werden. Ebenso lassen
sich z. B. die verschiedenen Alizarincyaninmarken der Farbenfabriken Elberfeld verwenden
; man erhält natürlich je nach Mengenverhältnifs und Natur der angewendeten Farbstoffe
Blaufärbungen von verschiedenem Ton.
Charakteristisch für das Verfahren ist es, dafs es schon gelingt, mit Farbstoffmengen ein
volles sattes Dunkelblau zu erzielen, welche zur Herstellung eines gleichwerthigen Blau auf
anderen Beizen, etwa blofsen Chrombeizen, nicht ausreichen.
Natürlich lassen sich auch Aenderungen in dem erhaltenen Ton durch die Abänderung
der Mengenverhältnisse von Chrom- und Eisenbeize erzielen.
Vergleicht man die Färbungen, welche man durch Auffärben auf einer eisenhaltigen Chrombeize,
wie nach dem bei Sa ns one angedeuteten Verfahren erhalten ,wird, so ergiebt sich,
dafs
1. die Färbungen auf der bei Sa η so η e beschriebenen Beize sehr viel weniger ausgiebig
sind als solche, welche unter Zuhülfenahme der nach unserem neuen Verfahren hergestellten
gemischten Chromeisenbeize erhalten werden;
2. die Färbungen auf der bei Sansone beschriebenen Beize immer ungleich und stark
fleckig ausfallen gegenüber den Färbungen auf unserer Chromeisenbeize, welche gleichmäfsig
und glatt ausfallen.
Die Ursache der. ganz verschiedenen Eigenschaften der Chromeisenbeize nach dem neuen
Verfahren und der von Sansone beschriebenen eisenhaltigen Beize liegt in der Bereitungsweise
derselben. -
Wenn, wie bei Sansone angedeutet ist, die mit der stark alkalischen Chromlösung
getränkte Baumwolle in eine Lösung von Eisenvitriol gebracht wird, so findet sofort eine
chemische Umsetzung in dem Sinne statt, dafs das Alkali der alkalischen Chrombeize die
Schwefelsäure des von aufsen an die Faser herantretenden Eisenvitriols bindet und eine
Fällung von Eisenoxydulhydrat an der Oberfläche der Baumwollfasern und Fäden bewirkt.
Die so niedergeschlagene gelatinöse Schicht von Eisenoxydulhydrat hindert, das weitere
Eindringen der Eisenvitriollösung und somit die vollkommene Umsetzung und Fixation der
,Chrombeize. Das Chrom wird also nicht vollständig und das Eisen nur ganz oberflächlich
und in geringer Menge fixirt, daher die geringere Ausgiebigkeit der so bereiteten Beize.
Da ferner die oben beschriebenen Erscheinungen je nach den kleinen Schwankungen in
der Festigkeit des Fadens und der Structur des Gewebes, ferner besonders durch mechanische
Einflüsse bei den Klotzoperationen auf dem Gewebe stellenweise quantitativ verschieden
stattfinden, so ergiebt sich hieraus eine vollständige Ungleichmäfsigkeit der Beize und
folglich auch der Färbungen.
Arbeitet man jedoch nach dem neuen Verfahren, so wird zunächst auf der Baumwolle
die Chrombeize vollständig und gleichmäfsig fixirt, dann wird die Baumwolle durch
Waschen von Alkali befreit und nach dem Trocknen mit der Eisenlösung getränkt, welche
die Faser vollständig gleichmäfsig durchdringen kann; dann wird nach dem Trocknen durch-,
die bekannten Fixationsoperationen das Eisen: vollständig niedergeschlagen. ..Auf diese Weise
erhält man eine völlig homogene (gleichmäfsige), vollständig fixirte, gemischte Chromeisenbeizung.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren, um Baumwolle, im besonderen zur Erzielung echter dunkelblauer Färbungen mit Beizenfarbstoffen, vorzubeizen.mittels Chromeisenmordant, dadurch gekennzeichnet, dafs auf der mittels Chrom gebeizten, sodann gewaschenen und getrockneten Baumwolle ' ein Eisenmordant fixirt wird.
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