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Kreiselgerät I)ie Erfindung bezieht sich auf Anlaufeinrichtungen für
Kreiselgeräte, in welchen der Rotor schnell auf seine Betriebsdrehzahl gebracht
wird und der Rotorrahmen schnell in die ungefähr richtige Lage eingestellt wird.
Bisher war die Zeitspanne, die benötigt wurde, um ein Gerät dieser Art anlaufen
zu lassen und einzustellen, bevor es seine betriebsmäßigen Funktionen übernehmen
konnte, verhältnismäßig lang. Dies rührte notwendigerweise daher, daß beim Anlauf
des Rotors aus der Ruhelage eine beträchtliche Zeit bis zur Erreichung der erforderlichen
Geschwindigkeit vergeht. Außerdem wurde, wenn die Präzessionssteuerung für den Rotorrahmen
langsam war und dieser Rahmen aus seiner richtigen Lage beträchtlich abgelenkt war,
verhältnismäßig lange Zeit benötigt, um den Rotorrahmen in seine genau richtige
Lage zu bringen.
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Die Erfindung wird im folgenden an Hand der Zeichnung beschrieben,
in welcher Fig. I eine schematische Ansicht der Bestandteile der Anlaufeinrichtung
für das verbesserte Kreiselgerät und das zugehörige Schaltbild darstellt Fig. 2
einen Vertikalschnitt eines Kreiselgerätes unter Verwendung der Erfindungsgedanken
und Fig. 3 einen Schnitt längs der Linie 3-3 in Fig. 2, welcher den oberen Teil
eines Kreiselgerätes zeigt.
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In Fig. 2 ist ein Kreiselgerät dargestellt mit einem Gehäuse IO,
an dessen Rückwand sich ein Fenster 1 1 befindet. In der Vorderseite des Gehäuses
befindet sich ein Drehgelenk für einen U-för-
innigen Kardanring
12, der einen Rotorrahmen 13 trägt, welcher selbst sich frei um eine zur Achse 14
des Ringes senkrechte Achse drehen kann. Bei dieser Art von Geräten ist, wie bemerkt
sei, der Rotorrahmen 13 universell im Gehäuse montiert, wobei seine zueinander senkrechten
Freiheitsachsen normalerweise horizontal liegen. Das Instrument ist außerdem im
Fahrzeug montiert, dessen Höhenultd Seitenneigungswinkel angezeigt werden soll,
mit Längsachse des Fahrzeugs parallel zur Achse des Kardanrings 12 angebracht, und
zwar mit der Vorder- und Rückwand des Gehäuses in derjenigen l age, die in Fig.
2 dargestellt ist. Bei dem dargestellten Gerät beobachtet der Pilot des Fahrzeugs
die Fahrzeugneigung am Fenster II, indem er die Stellung von in der Zeichnung nicht
mit angegebenen Marken auf der kugelförmigen Hülle 15, die auf dem Rahmen 13 befestigt
ist, vergleicht, und zwar bezüglich Höhenneigung und Seitenneigung mit einer Marke
auf dem Fenster.
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Wie in Fig. 2 dargestellt, enthält das Kreiselgerät eine Aufrichtvorrichtung,
die an anderer stelle im einzelnen beschrieben ist. Eine solche .\ufricht -orrichtung
enthält eine Mehrzahl von beweglichen Kugeln 16, die in einem drehbaren Behälter
17 am Boden des Rahmens 13 untergebracht sind. Der Behälter 17 wird durch den Kreiselrotor
18 im Rahmen 13 angetrieben, wobei die Welle 20 des Rotors über ein geeignetes Untersetzungsgetriel)e21
mit dem Behälter I7 gekuppelt ist. Der Rotor 18 des Gerätes läuft um eine Achse
um, welche in Fig. 2 um 2½° zur Vertikalachse nach vorwärts geneigt ist. Die Antriebsvorrichtung
für den Kreiselrotor 18 kann, wie dargestellt, die Form eines Wechselstrominduktionsmotors
mit Käfiganker besitzen, dessen bewickelter Stator 22 am Rahmen 13 befestigt ist.
Der Käfigankerrotor, der mit 23 bezeichnet ist, stellt einen Teil des Kreiselrotors
I8 dar.
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Gemäß der Erfindung wird eine Vorrichtung vorgesehen, durch welche
der Rahmen I3 beim Anlauf des Kreiselgerätes schnell eingestellt wird, so daß die
Umlaufachse des Rotors I8 sich in ihrer normalen annähernd vertikalen Lage befindet.
Dies ist insbesondere dann erforderlich, wenn die Aufrichtvorrichtung für das Instrument
mit geringen Aufrichtgeschwindigkeiten arbeitet. Diese Aufrichtvorrichtung enthält
gemäß Fig. 2 und 3 einen llektromagneten 24, welcher außen am Gehäuse 10 einstellbar,
z. B. mittels der Platten 25 und der Schrauben 26, befestigt ist. Die magnetisch
aktiven lSestandteile des Elektromagneten bestehen aus einem l,echerförmigen Teil
27 und einem daran befestigten zentralen Polschuh 28. Diese Teile sind, wie gezeichnet,
in einem Tragkörper 30 (Grundplatte 30) angebracht, der geringe magnetische I.eitfähigkeit
besitzt und so geformt ist, daß er auf die Außenseite des Gehäuses 10 paßt. An entgegengesetzten
Enden der Grundplatte sind Schlitze angebracht, so daß innerhalb gewisser Grenzen
die Lage des Elektromagneten am Gehäuse 10 eingestellt werden kann, um das Instrument
bei Fahrzeugen verschiedener Bauarten verwendbar zu machen. Die Platten 25 sind
größer als die Schlitzbreite und kommen mit den Armen der Grundplatte 30 beiderseits
der Schlitze in Berührung. Der Rand des Bechers 27, welcher am Gehäuse 10 aufliegt,
bildet den zweiten Polschuh des Elektromagneten.
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Die Magnetspule ist mit 32 bezeichnet. Bei der dargestellten Konstruktion
ist im Gehäuse 10 eine oeffnung 33 vorgesehen, in welche der Polschuh 28 hineinreicht,
und zwar bis nahe an die Armatur 34.
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Diese Armatur 34 besitzt die Form eines Kugelsegmentes, welches an
der Oberseite des Rotorrahmens I3 mit Hilfe der Schraubverbindung 35 starr befestigt
ist. Die Kriimmung der Armatur ist so gewählt, daß der Luftspalt zwischen der Armatur
und dem Polschuh 28 abnimmt, wenn der Rahmen 13 in die richtige Startlage kommt,
die in Fig. 2 veranschaulicht ist. Die Vorrichtung hat den Zweck, den Rahmen zum
Gehäuse 10 schnell einzustellen, und zwar dadurch, daß Drehmomente um beide Rahmenachsen
erzeugt werden.
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Gemäß der Erfindung werden die normalen Antriebseinrichtungen für
den Kreiselrotor dadurch ergänzt bzw. unterstützt, daß der Rotor aus seiner Ruhelage
schnell auf seine Betriebsgeschwindigkeit gebracht wird. Dies wird durch zeitweise
Übererregung der Antriebseinrichtungen für den Rotor t8 erreicht. Eine praktische
Ausführung einer solchen Anordnung ist in Fig. I dargestellt, in der die Wicklungen
des Stators 22 mit 36 bezeichnet sind. Diese Wicklungen werden bei Schließung des
Anlaufschalters 38 an eine Wechselstromquelle 37 angeschlossen. Dieser Anschluß
geschieht über einen Anlaufstromkreis mit dem in ihm enthaltenen Transformator 39,
der den Rotor I8 schnell auf Geschwindigkeit bringt. Die Primärwicklung 40 dieses
Transformators ist mit der Stromquelle 37 über die Leitung 41, die Leitung 42 sowie
den Schalterhebel 43 (in seiner punktiert gezeichneten Stellung) eines Gleichstromrelais
44, die Leitung 45, ferner durch die Leitung 46, den Schalthebel 47 (in seiner punktiert
gezeichneten Stellung) des Relais 44 und die Leitung 48 verbunden. Die Leitungen
4I, 45 und 48 liegen direkt an der Wechselstromquelle 37. Die sekundärwicklungen
50 des Transformators 39 sind über die Leitungen 51, 52 und 53 unmittelbar mit den
Wicklungen 36 verbunden. Ein weiterer zweiter dem Anlauf zugeordneter Stromkreis
erregt bei Schließung des Schalters 38 das Relais 44, so daß die Schalthebel bzw.
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Kontaktzungen43 und 47 an die Kontakte 54 und 55 angedrückt werden
und dadurch der Stromkreis von der Wechselspannungsquelle 37 über den Transformator
zu den Alotorwicklungen 36 geschlossen wird.
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Dieser zweite Stromkreis enthält die Spule 32 des Elektromagneten
24, der aus der Stromquelle 37 über einen geeigneten Dreiphasengleichrichter 56
gespeist wird. Dieser Stromkreis verläuft über die Leitung 57, die Spule 32, die
Leitung 58, die Spule 60 des Relais 44, die Leitung 6t, einen Zeitverzögerungsschalter
62 und die Leitung 63. Beim Beginn des Anlaufvorgangs ist der Bimetallstreifen 64
des Schalters 62 kalt und befindet sich in seiner unteren
Lage,
so daß er den Kontakt 65 berührt. Die Heizwicklung für den Schalter 62 kann durch
einen Widerstand 66 gebildet werden, der über die Leitungen 67 und 68 mit den bereits
obenerwähnten Leitungen 41 und 48 verbunden ist. Nachdem die Anlaufkreise der Anordnung
durch den Schalter 62 nach Verstreichen eines bestimmten Zeitintervalls, welches
zur Beschleunigung des betreffenden Rotors auf seine Normalgeschwindigkeit erforderlich
ist, geöffnet worden sind, wird ein Nebenschlußzweig zum Transformator 39 geschlossen.
Dieser Nebenschlußzweig verbindet die Stromquelle 37 mit der Wicklung 36 über die
Leitung 70 und den Kontakt 71 des Relais 44 sowie die Leitung 72 und den Kontakt
73 dieses Relais. Über die Feder 74 werden die Kontaktzungen 43 und 47 dieses Relais
mit den Gegenkontakten 71 und 73 in Berührung gehalten.
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Zur Inbetriebsetzung des Instrumentes beim Anlaufen wird zunächst
der Schalter 38 geschlossen.
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Bis dahin ruht der Rotor 18, und der Rahmen 13 mit der Umlaufachse
ist gegenüber seiner Betriebslage geneigt. Gelichzeitig mit der Schließung des Schalters
38 wird die Spule 32 der Schnelleinstellvorrichtung erregt und ferner die Relaisspule
60, s<, daß die \Vicklungen 36 des anlaufenden Motors aus der Quelle 37 über
den Transformator 39 gespeist werden. Ferner werden im Anlaufzustand die Kontaktzungen
43 und 47 gegen die Kraft der Feder 74 mit den Kontakten 54, 55 in Berührung gebracht.
Schließlich beginnt im Anlaufzustand auch über den Widerstand 66 die Heizung des
Bimetallstreifens 64 im Schalter 62. Nach einem bestimmten Zeitintervall, welches
vom Schalter 62 bestimmt wird, öffnet sich der Kontakt 65 dieses Schalters, und
der Stromkreis mit der Spule 32 und uo wird daher unterbrochen. Der Elektromagnet
24 und das Relais 44 werden somit entregt, so daß die Kontaktzungen 43, 47 durch
die Feder 74 wieder mit den Kontakten 71, 73 in Berührung kommen. Das Instrument
befindet sich nunmehr in seinem normalen Betriebszustand, wobei die Wicklungen 36
unmittelbar von der Stromquelle 37 gespeist werden und wobei der Rahmen durch die
.Äufr ichtvorricbtung gesteuert wird, sowie die SchIlelleitlstellvorrichtung außer
Betrieb gesetzt ist.
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Während des Anlaufintervalls wird das normale Aufrichtmoment der
Aufrichtvorrichtungen des Instrumentes durch die stärkere Schnelleinstellvorrichtung
überwunden.
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Während der Zeitspanne, in der sich der Rotor schnell auf seine Normalgeschwindigkeit
beschleuneigt, werden Reaktionsmomente zwischen dem Rotor und dem den Rotor tragenden
Rahmen 13 ausgeübt. Wenn der Rotortragrahmen im Kardanrahmen 12 um seine Achse geneigt
ist, haben diese Reaktionsdrehmomente Komponenten um die Fahrzeuglängsachse des
Kardanrahmens, welche zu einer Präzession des Kreisels Veranlassung geben, welche
die Neigung rückgängig macht und dadurch <leii Rotor mit dem Kardanrahmen zentralisiert.
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Nian sieht somit, daß diese Reaktionsmomente die erwähnten Drehmomentkomponente
unterstützen, welche durch die elektromagnetische Vorrichtung 32, 34 um die Längskardanachse
ausgeübt werden.
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Gewünschtenfalls kann die elektromagnetische Vorrichtung so gebaut
werden, daß sie nur Drehmomente um die Querachse des Kardanrahmens ausübt, d. h.
den Rotortragrahmen mit der Längskardanachse zentralisiert und derart, daß zur Zentralisierung
des Rotortragrahmens um die Querkardanachse von den Reaktionsdrehmomenten Gehrauch
gemacht wird.