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Hintergrund der Erfindung
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Die vorliegende Erfindung bezieht
sich auf verdichtete Keramikzusammensetzungen auf Titandiboridbasis
sowie Techniken zu ihrer Verdichtung.
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Bereits 1955 wurde erkannt, daß die „spanabhebende
Bearbeitung von Titan und seinen Legierungen ungeachtet der zur
Umwandlung dieses Metalls in Späne
eingesetzten Techniken grundsätzlich
ein Problem sein würde" (Siekmann, H.J.
Tool Engng, Jan. 1955, Band 34, Seiten 78–82).
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Über
einen zurückliegenden
Zeitraum von etwa 40 Jahren waren für die meisten Werkstückmaterialien bei
der kommerziellen Technologie der spanabhebenden Bearbeitung erhebliche
Fortschritte zu verzeichnen. Es wurden Keramik-, Cermet- und keramikbeschichtete
Schneidwerkzeuge entwickelt und in den Handel gebracht; die eine
signifikant verbesserte Produktivität bei der spanabhebenden Bearbeitung
von Stählen,
Gußeisen
und Superlegierungen aufweisen. Während dieses Zeitraums war
jedoch der im Bereich der spanabhebenden Bearbeitung von Titanlegierungen
erzielte Fortschritt nur gering. Die kommerziellen Schneidwerkzeugmaterialien
der Wahl für
die meisten Titanbearbeitungsanwendungen bleiben Hochgeschwindigkeitswerkzeugstähle und
ein unbeschichtetes, etwa 6 Gew.-% Kobalt enthaltendes Sinterwolframcarbid
wie das Sintercarbid Kennametal K313. Wurden beschichtete Sintercarbidwerkzeuge
(z.B. Kennametal KC720 und KC730) für die spanabhebende Bearbeitung
von Titanlegierungen eingesetzt, führte dies nur begrenzt zum
Erfolg. Der Einsatz unbeschichteter Sintercarbide zur spanabhebenden
Bearbeitung von Metallmaterialien auf Titanbasis begrenzte die Produktivitätsfortschritte
bei der spanabhebenden Bearbeitung dieser Materialien stark, da
unbeschichtete Carbide bei den meisten kommerziellen Anwendungen
auf Umfangsgeschwindigkeiten von 76 m/Min. (250 Fuß/Min.)
oder weniger begrenzt sind, wenn Titanlegierungen spanabhebend bearbeitet
werden (siehe Dearnley et al., „Evaluation of Principal Wear
Mechanisms of Cemented Carbides and Ceramics used for Machining
Titanium Alloy IMI318, „Materials
Science and Technology, Januar 1986, Band 2, Seiten 47–58; Dearnley
et al., „Wear
Mechanisms of Cemented Carbides and Ceramics used for Machining
Titanium", „High Tech
Ceramics, Herausgeber P. Vincenzini, Elsevier Sci. Publ. (1987),
Seiten 2699–2712;
Metals Handbook, 9. Auflage, Band 16, „Machining", (1989), Seiten 844–857; Marchado et al. „Machining
of Titanium and Its Alloys – A
Review", Proc. Instn.
Mech. Engrs., Band 204 (1990), Seiten 53–60 und „Kennametal Tools, Tooling Systems
and Services for the Global Metalworking Industry", Katalog Nr. A90-41(150)E1,
(1991), Seite 274.
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Kennametal, KC, K313, KC720 und KC730
sind Warenzeichen von Kennametal Inc., Latrobe, Pennsylvania, für ihre Schneidwerkzeuggüten.
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Die Bearbeitungsgeschwindigkeit bei
der spanabhebenden Bearbeitung von Titanlegierungen mit unbeschichteten
Sintercarbidwerkzeugen kann durch Verwendung eines Hochdruckkühlmittel-Bearbeitungssystems
(z.B. US-Patent Nr. 4,621,547) auf eine Umfangsgeschwindigkeit von
152 bis 305 m/Min. (500 bis 1000 Fuß/Min.) erhöht werden. Diese Systeme sind
teuer, schwer in bereits bestehende Werkzeugmaschinen zu integrieren
und erfordern eine erhebliche Wartung. Ihre Anwendung bei der spanabhebenden
Bearbeitung von Titanlegierungen ist daher begrenzt.
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Ein Artikel von Tadahiko Watanabe
und Shinichi Kouno in American Ceramic Society Bulletin, Band 61
(1982), Seiten 970 bis 973 mit dem Titel „Mechanical Properties of
TiB2-CoB-Metal Boride Alloys" beschreibt die Wirkungen
der Zusatzstoffe HfB2, VB2,
NbB2, TaB2, CrB2, MoB2, MnB2, Mo2B5 und
W2B5 auf die mechanischen
Eigenschaften von TiB2-CoB-Legierungen.
Es wird berichtet, daß diese
Zusatzstoffe, außer
HfB2, die Porosität, die Biegebruchstärke und
die Vickers-Härte
von TiB2-CoB-Legierungen verbessern. Die
Verbesserung der Biegebruchstärke
wurde durch Begrenzung des Kornwachstums und der Gitterspannung
des TiB2, die durch die Mischkristallbildung
zwischen TiB2 und dem Zusatzstoff Borid
verursacht wurden, reduziert. Es wurden unter anderem Legierun gen
aus TiB2 (5 Gew.-%), W2B5 (1 Gew.-%), CoB und TiB2 (1
Gew.-%), W2B5 (1
Gew.-%) und CoB untersucht.
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Damit bestand eindeutig ein lange
schon unerfüllter
Bedarf an verbesserten Schneidwerkzeugmaterialien und verbesserten
Verfahren zur spanabhebenden Bearbeitung von Metallmaterialien auf
Titanbasis.
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Zusammenfassung der Erfindung
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Erfindungsgemäß umfaßt eine verdichtete Keramikzusammensetzung
auf Titandiboridbasis eine Mikrostruktur mit einer ersten Tix1My1B2-Phase,
auf der sich eine zweite Tix2My2Z-Phase
befindet, wobei x1 > y1, y1 ≥ 0,
x2 > y2, y2 > 0, y2/x2 > y1/x1, M Wolfram einschließt, der
Zusammensetzung Wolfram als Wolframcarbid zusammen mit Co zugesetzt
wurde und Z aus Bor oder Borcarbid, Boroxid, Bornitrid, Borcarbonitrid,
Oxyborcarbonitrid, Boroxycarbid oder Boroxynitrid ausgewählt ist.
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Weiterhin stellt die vorliegende
Erfindung ein Verfahren zum Verdichten der Keramikzusammensetzung
auf Titandiboridbasis bereit, das den Schritt des heißisostatischen
Pressens eines teilweise verdichteten Presslings mit Titandiborid,
einer wirksamen Menge einer Sinterhilfe und einer wirksamen Menge
eines Kornwachstumshemmers bei einem Druck von bis zu 207 MPa (30.000
psi) und bei einer Temperatur und über einen Zeitraum, die ausreichen,
die zuvor beschriebene verdichtete Zusammensetzung mit einer mittleren
Korngröße von 8 μm oder weniger
zu erzeugen, umfaßt.
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Die Erfinder der vorliegenden Erfindung
haben nun überraschenderweise
ein neues Schneidwerkzeugmaterial für die spanabhebende Bearbeitung
von Metallmaterialien auf Titanbasis entdeckt, das die Titanbearbeitungsproduktivität signifikant
voranbringt und den zuvor genannten lange bestehenden Bedarf erfüllt. Die
Anmelder haben herausgefunden, daß die vorliegende Erfindung
für die
spanabhebende Bearbeitung einer Titanlegierung eingesetzt werden
kann, wobei die Metallentfernungsgeschwindigkeit bei Aufrechterhaltung etwa
derselben Menge pro Schneidkante entferntem Metall etwa zwei bis
drei Mal so hoch ist wie bei unbeschichteten Carbidschneidwerkzeugen
mit Flutkühlung.
Dies führt
zu einer signifikanten Verringerung der für die spanabhebende Bearbeitung
eines Titanlegierungswerkstückes
erforderlichen Arbeitszeit bei signifikant erhöhter Maschinenverfügbarkeit.
Diese Ergebnisse werden bei Einsatz von Standardflutkühlungstechniken erzielt.
Die vorliegende Erfindung hat daher den weiteren Vorteil, daß sie zum
Erreichen hoher Bearbeitungsgeschwindigkeiten nicht den Einsatz
eines Hochdruckkühlmittelsystems
erfordert.
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Die erfindungsgemäße verdichtete Keramikzusammensetzung
auf Titandiboridbasis kann bei einem Verfahren der spanabhebenden
Bearbeitung (z.B. Drehen) einer Titanlegierung eingesetzt werden,
bei dem das Schneiden mit einer Umfangsgeschwindigkeit von mindestens
122 m/Min. (400 Fuß/Min.),
noch bevorzugter von mindestens 152 m/Min. (500 Fuß/Min.)
erfolgt, wobei ein Schneidwerkzeug während der Flutkühlung vorzugsweise
eine Lebensdauer der Schneidkante von mindestens drei Minuten aufweist.
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Weiterhin kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung
als Metallschneidwerkzeug für
die spanabhebende Bearbeitung von Metallmaterialien der Gruppe IVB
(Ti, Hf, Zr) eingesetzt werden, das eine Sparfläche, über die die Späne des Metallmaterials
der Gruppe IVB während
der Bearbeitung fließen,
eine Freifläche und
eine Schneidkante zum Schneiden in die Materialien der Gruppe IVB
mit hohen Umfangsgeschwindigkeiten 122 m/Min. (≥ 400 Fuß/Min.) aufweist. Dieses Metallschneidwerkzeug
weist eine Zusammensetzung auf Titandiboridbasis (d.h. mindestens
60 Gew.-% Titandiborid) auf, bei der er sich vorzugsweise um eine
Keramikzusammensetzung mit einer Titandiboridphase und einer zweiten
Phase, vorzugsweise in Form eines Restes einer Sinterhilfe und der
Titandiboridphase, handelt.
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Erfindungsgemäß besitzt die verdichtete Keramikzusammensetzung
auf Titandiboridbasis eine Mikrostruktur mit einer wie zuvor beschriebenen
Tix1My1-Dibo ridphase
und einer zweiten, Ti und M enthaltenden Phase (z.B. Tix2My2Z, in der Z Bor oder ein Borcarbid, Boroxid,
Bornitrid, Borcarbonitrid, Oxyborcarbonitrid, Boroxycarbid oder
Boroxynitrid sein kann). Vorzugsweise liegt auch eine dritte, ebenfalls
Ti und M enthaltende Phase (z.B. Tix3My3Z) vor. Vorzugsweise ist das Verhältnis von
y2/x2 in der zweiten
Phase größer als
das Verhältnis von
y3/x3 in der dritten
Phase, das wiederum vorzugsweise größer ist als y1/x1 in der ersten Phase. M schließt Wolfram
und vorzugsweise Kobalt ein. Vorzugsweise bilden die zweite und
die dritte Phase eine Matrix, in der die Tix1My1-Diborid-Phase eingebettet ist. In vielen
Fällen
liegt die zweite Phase als Halo um die Tix1My1-Diborid-Phase herum vor, wobei sich die
dritte Phase außerhalb
der zweiten Phase befindet.
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Sekundäre Phasen, die sich zusätzlich zu
den bereits diskutierten Phasen in der erfindungsgemäßen Mikrostruktur
finden lassen, schließen
CoW2B2, CoWB5, WB, W2B, W3CoB, TiB und Ti3B4 ein.
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Es ist davon auszugehen, daß die zuvor
erwähnten
Phasen auch kleinere Mengen Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff
und anderer Elemente aus Sinterhilfen, Härtungsmitteln, Kornverfeinerungsmitteln
und Verunreinigungen enthalten können.
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Das obige verdichtete Keramikmaterial
kann neben seinem Einsatz als Schneidwerkzeug bei der spanabhebenden
Hochgeschwindigkeitsbearbeitung reaktiver Metalle (d.h. Ti, Hf,
Zr) und ihrer Legierungen auch zum Schneiden anderer Materialien
(z.B. Aluminium und Aluminiumlegierungen, gehärteter Stähle und gehärteter Gusseisen) sowie für nicht
schneidende Anwendungszwecke eingesetzt werden. Solche nicht schneidenden
Anwendungszwecke schließen
Artikel zur Handhabung von flüssigen
Metallen wie Aluminium (z.B. Schiffchen, Schmelztiegel und Elektroden)
oder solche, die damit in Kontakt kommen, sowie Prägestempel
und -platten zur Herstellung von Blechartikeln wie Konservendosen
ein.
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Es wird ein Verfahren zur Herstellung
des obigen Herstellungsartikels auf Titandiboridbasis bereitgestellt.
Dieses Verfahren schließt
den Schritt der Zugabe einer wirksamen Menge Co und WC zu einem
TiB2-Pulver ein, um das Material während des
Sinterns erheblich zu verdichten (d.h. mindestens 97% der theoretischen Dichte).
Es hat sich herausgestellt, daß Co
und WC dann, wenn sie der erfindungsgemäßen Zusammensetzung zusammen
in einer wirksamen Menge zugesetzt werden, eine Kombination verbesserter
Dichte für
die Zusammensetzung darstellen und dem verdichteten Material gleichzeitig
eine feine Korngröße verleihen.
Vorzugsweise beträgt
die Summe von WC und Co mindestens 2,5 Gew.-% und noch bevorzugter
mindestens 3 Gew.-%, wenn das Material durch uniaxiales Heißpressen
verdichtet werden soll. Soll das Material durch Kaltpressen und
anschließendes
Sintern verdichtet werden, sollte die Summe von Co und WC vorzugsweise
mindestens 3 Gew.-% und noch bevorzugter mindestens 3,5 Gew.-% betragen,
um sicherzustellen, daß bei
Temperaturen von etwa 2200° C
oder weniger eine adäquate
Verdichtung (d.h. mindestens 97% der theoretischen Dichte) erfolgt.
Wenn der Gehalt an WC und Co in der vorliegenden Erfindung signifikant über etwa
12 Gew.-% steigt, steigt auch ihre Verschleißgeschwindigkeit bei der spanabhebenden
Bearbeitung von Titanlegierungen. Daher wird der Gehalt an WC und
Co vorzugsweise auf ein Minimum reduziert, um übermäßige Verschleißgeschwindigkeiten
zu vermeiden. Der Gehalt an WC und Co sollte vorzugsweise unter
etwa 12 Gew.-% und noch bevorzugter unter 10 Gew.-% liegen.
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Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung werden dem TiB2-Pulver
etwa 3,0 bis 10 Gew.-% WC und Co zugesetzt und vermischt, so daß ein Gemisch
entsteht. Vorzugsweise können auch
0,25 bis 1 Vol.-% BN zugesetzt werden, um das Kornwachstum weiter
zu steuern. Das Pulvetrgemisch wird dann, vorzugsweise bei Raumtemperatur,
zu einem Pressling gepreßt.
Der Pressling wird anschließend bei
einem Druck von bis zu 207 MPa (30.000 psi) gesintert, so daß ein im
Wesentlichen voll dichter (d.h. mindestens 97% dichter) Herstellungsartikel
mit einer mittleren Korngröße von 8 μm oder weniger,
vorzugsweise 6 μm
oder weniger, am bevorzugtesten 4 μm oder weniger entsteht.
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Diese und andere Aspekte der vorliegenden
Erfindung werden bei Durchsicht der nachfolgend kurz beschriebenen
Figuren zusammen mit der nachfolgenden detaillierten Beschreibung
der Erfindung noch deutlicher.
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Kurze Beschreibung der
Zeichnungen
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1 stellt
eine Ausführungsform
eines Schneidwerkzeuges dar.
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2 stellt
eine Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Mikrostruktur
dar, wie man sie durch eine rasterelektronenmikroskopische Rückstreuungsbildgebungstechnik
erhält.
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3 stellt
eine Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Mikrostruktur
in der fünffachen
Vergrößerung von 2 dar.
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4 stellt
ein Diagramm des Verschleißes
der Schneidstahlspitze gegen die Schnittzeit bei der vorliegenden
Erfindung und einem unbeschichteten Sintercarbidwerkzeug aus dem
Stand der Technik während des
Drehens einer Ti-6A1-4V-Legierung
dar.
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5 stellt
ein Diagramm des maximalen Freiflächenverschleißes als
Funktion der Schnittzeit beim Drehen einer Ti-6A1-4V-Legierung bei
der vorliegenden Erfindung und einem unbeschichteten Sintercarbid aus
dem Stand der Technik dar.
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6 stellt
ein Diagramm des maximalen Freiflächenverschleißes als
Funktion der Schnittzeit bei der spanabhebenden Bearbeitung der
Ti-6A1-4V-Legierung bei der vorliegenden Erfindung und einem unbeschichteten
Sintercarbid aus dem Stand der Technik mit einer Umfangsgeschwindigkeit
von 152 bzw. 213 m/Min. (500 bzw. 700 Fuß/Min.) dar.
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Detaillierte Beschreibung
der Erfindung
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Eine bevorzugte Ausführungsform
eines Herstellungsartikels ist in 1 dargestellt.
Zwar kann die vorliegende Erfindung bei vielen Anwendungszwecken
Verwendung finden, doch die Erfinder der vorliegenden Erfindung
haben festgestellt, daß sie
als Schneidwerkzeug besonders nützlich
ist.
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1 stellt
eine Ausführungsform
einer Wendeschneidplatte 10 zum Metallschneiden aus dem
von den Erfindern der vorliegenden Erfindung entdeckten Keramikmaterial
dar. Die vorliegende Erfindung wird vorzugsweise bei der spanabhebenden
Hochgeschwindigkeitsbearbeitung (Umfangsgeschwindigkeit ≥ 122 m/Min
(≥ 400 Fuß/Min.))
(z.B. Drehen, Fräsen,
Nuten, Gewindeschneiden, Bohren, Ausbohren, Sägen) von Metallmaterialien
der Gruppe IVB (d.h. Zirconium und seinen Legierungen, Titan und
seinen Legierungen sowie Hafnium und seinen Legierungen) eingesetzt.
Die Erfinder haben herausgefunden, daß die vorliegende Erfindung
besonders für
die spanabhebende Hochgeschwindigkeitsbearbeitung von Titanlegierungen
nützlich ist.
Vorzugsweise sollte die Umfangsgeschwindigkeit mindestens 152 m/Min.
(500 Fuß/Min.)
und noch bevorzugter 305 m/Min. (1.000 Fuß/Min.) oder weniger betragen,
um die vorliegende Erfindung bei der spanabhebenden Bearbeitung
dieser Materialien am vorteilhaftesten einzusetzen.
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Bevorzugte Vorschubgeschwindigkeiten
für die
spanabhebende Bearbeitung von Titanlegierungen sind 0,05 bis 0,38
mm/Umdrehung (0,002 bis 0,015 Inch/Umdrehung) und noch bevorzugter
0,05 bis 0,25 mm/Umdrehung (0,002 bis 0,010 Inch/Umdrehung). Bevorzugte
Schnittiefen für
die spanabhebende Bearbeitung von Titanlegierungen sind 0,25 mm
bis 5,1 mm (etwa 0,01 bis etwa 0,2 Inch) und noch bevorzugter etwa 0,25
mm bis 3,8 mm (0,01 bis etwa 0,15 Inch).
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Das Schneidwerkzeug 10 besitzt
eine Spanfläche 30, über die
die während
der spanabhebenden Hochgeschwindigkeitsbearbeitung von Metallmaterialien
der Gruppe IVB gebildeten Späne
fließen.
Mit der Spanfläche 30 ist
mindestens eine Freifläche 50 verbunden.
An mindestens einem Zusammentreffen der Spanfläche 30 und der Freiflächen 50 ist
eine Schneidkante 70 zum Schneiden in das Metallmaterial
der Gruppe IVB ausgebildet.
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Die Schneidkante 70 kann
zwar scharf, gehont, abgeschrägt
oder abgeschrägt
und gehont sein, ist jedoch vorzugsweise abgeschrägt. Diese
Ausführungsform
ist in 1 dargestellt.
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Vorzugsweise besitzt der Schneideinsatz 10 während der
spanabhebenden Hochgeschwindigkeitsbearbeitung (z.B. Drehen) einer
Titanlegierung eine Lebensdauer der Schneidkante von mindestens
3 Minuten und noch bevorzugter mindestens 5 Minuten. Außerdem besitzt
das Werkzeug erfindungsgemäß eine maximale
Verschleißgeschwindigkeit
der Freiflächen,
die bei der spanabhebenden Bearbeitung (z.B. Drehen) einer Titanlegierung
unter denselben Hochgeschwindigkeitsschneidbedingungen inklusive
Flutkühlung
vorzugsweise nicht größer als
die Hälfte,
noch bevorzugter nicht größer als
ein Drittel derjenigen eines unbeschichteten Sintercarbidwerkzeugs
ist.
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Das in 1 dargestellte
Schneidwerkzeug besteht vorzugsweise aus dem erfindungsgemäßen Keramikmaterial
auf TiB2-Basis. Die 2 und 3 stellen
typische Mikrostrukturen einer bevorzugten Ausführungsform (siehe Beispiel
Nr. 1, Tabelle I) der vorliegenden Erfindung bei zwei unterschiedlichen
Vergrößerungen dar.
Aus 2 ist ersichtlich,
daß die
Kornstruktur im Wesentlichen fein und gleichmäßig ist, wobei die mittlere Korngröße auf etwa
4 μm geschätzt wird.
Aus 3 ist ganz klar
ersichtlich, daß die
Kornstruktur typischerweise durch eine dunkle Phase in der Mitte
oder einen dunklen Mittelabschnitt gekennzeichnet ist, der aus TiB2 oder Tix1My1B2 besteht, worin
M W und vorzugsweise Co einschließt und y ≥ 0. Diese erste Phase scheint
in eine Matrix aus einer zweiten und möglicherweise einer dritten
Phase eingebettet zu sein. In vielen Fällen ist das zentrale Korn
einer hellgrauen zweiten Phase benachbart oder im Wesentlichen von
ihr umgeben, die, so glaubt man, aus einer Tix2My2Z-Phase besteht, worin x2 > y2 und
y2 > 0,
y2/x2 > y1/x1 und M vorzugsweise W und/oder Co einschließt. Um viele
dieser Phasen befindet sich eine dritte Phase, die einen Grauton
besitzt, der zwischen dem des Mittelabschnittes und dem der zweiten
Phase liegt. Diese dritte Phase besteht, so glaubt man, aus einer
Tix3My3Z-Phase,
worin Mx3 vorzugsweise W und/oder Co ist
und x3 > y3, y3 > 0 und y2/x2 > y3/x3 > y1/x1 (z.B. die zweite Phase eine größere Wolframkonzentration
aufweist als die Matrix der dritten Phase). Die Titankonzentration
ist jedoch vorzugsweise im Mittelabschnitt des Korns am größten. Die
Röntgenbeugungsanalyse
hat außerdem
gezeigt, daß die
hauptsächlich
vorliegende(n) Phase(n) die Kristallstruktur vom TiB2-Typ
besitzt/besitzen. Aufgrund der fehlenden Empfindlichkeit der Röntgenbeugung
für geringere
Konzentrationen von Phasen und Mischkristallen ist es basierend
auf der Röntgenbeugung
allein jedoch unklar, welche sekundären Phasen oder Mischkristalle
vorliegen können.
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Aus der Röntgenbeugungsanalyse geht auch
nicht klar hervor, welche Phasen die zuvor erwähnte zweite und dritte Phase
bilden. Da jedoch basierend auf den Mikrophotographien erhebliche
Mengen der zweiten und dritten Phase vorzuliegen scheinen, ist ihre
Abwesenheit in den durchgeführten
Röntgenbeugungsstudien,
so glaubt man, dadurch zu erklären,
daß es
sich bei diesen Phasen auch um kleinere Mengen von W und/oder Co
als Mischkristalle enthaltende TixnMynB2-Phasen (d.h.
Z=B2) handelt (z.B. Tix2Wy2B2 und Tix3Wy3B2). In
diesem Fall würde
ihre Abwesenheit in der Röntgenbeugungsspur
durch die fast identischen Gitterkonstanten bei TiB2 erklärt. Das
heißt,
die TiB2-Peaks sind im Wesentlichen identisch
mit den Peaks der zweiten und dritten Phase und maskieren sie daher.
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Man glaubt zwar, daß die die
Halos um die erste Phase bildenden Phasen (siehe 3) Diboride sind, sie können aber
möglicherweise
auch kleinere Mengen Borcarbid, Bornitrid, Boroxid, Borcarbonitrid,
Boroxycarbid, Boroxynitrid oder Boroxycarbonitrid enthalten; dies
wurde jedoch bislang nicht bestätigt.
Was definitiv erscheint ist jedoch, daß der innere Halo – oder die
zweite Phase – eine
größere Wolframkonzentration
besitzt als der äußere Halo – oder die
dritte Phase – und
daß alle
drei Phasen Titan als hauptsächlich
vorliegendes Metallelement enthalten.
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Außer der bei der Röntgenbeugung
beobachteten TiB2-Phase schließen andere
Phasen, die zuweilen in kleineren Mengen bei der Röntgenbeugung
beobachtet wurden, CoW2B2,
CoWB5, WB, W2B,
W3CoB, TiB und Ti3B4 ein. Die in 3 sichtbare
weiße
Phase ist, so glaubt man, eine der zuvor erwähnten wolframreichen Phasen.
Die in 3 dargestellten
Stellen sind, so glaubt man, Porosität.
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Die Verdichtung der vorliegenden
Erfindung kann entweder durch Heißpressen eines Gemisches der geeigneten
Pulver oder durch Kaltpressen der gemischten Pulver zur Bildung
eines Presslings, der anschließend
gesintert und heißisostatisch
gepreßt
wird, erzielt werden.
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Diese Prozesse werden in der nachfolgenden
Diskussion mit Bezug auf die Zusammensetzungen auf TiB2-Basis
veranschaulicht, es ist jedoch davon auszugehen, daß die beschriebenen
Techniken erfindungsgemäß auch auf
Zusammensetzungen auf ZrB2- und HfB2-Basis sowie ihre Gemische und Mischkristalle
miteinander und/oder TiB2 angewandt werden
können.
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Erfindungsgemäß wird ein Pulvergemisch aus
mindestens 60 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 75 Gew.-%, noch bevorzugter
mindestens 85 Gew.-% und am bevorzugtesten mindestens 90 Gew.-%
TiB2 hergestellt.
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Die verwendete TiB2-Konzentration
sollte vorzugsweise so weit wie möglich der Fähigkeit der Zusammensetzung
entsprechen, entweder durch Heißpressen
oder Kaltpressen, Sintern und heißisostatisches Pressen verdichtet
zu werden, um die hohe Verschleißfestigkeit während der
spanabhebenden Bearbeitung von Titanlegierungen zu erzielen. Die
Anmelder haben herausgefunden, daß TiB2 während der
spanabhebenden Bearbeitung von Titanlegierungen eine hervorragende
Beständigkeit
gegenüber
einer Reaktivität
mit Titan sowie eine gute Wärmeleitfä higkeit
im Vergleich zu anderen Keramikmaterialien aufweist. Die Verdichtung
bei Aufrechterhaltung einer feinen Korngröße ist jedoch sehr schwierig.
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Die Anmelder haben überraschenderweise
herausgefunden, daß Keramikmaterialien
auf TiB2-Basis leicht verdichtet werden
können,
wenn dem TiB2-Pulvergemisch WC und Co zugesetzt
werden. WC und Co können
(1) direkt als einzelne Pulver von WC (oder W und C) oder Co, oder
(2) als Ergebnis des Abriebs der Sinter-WC-Co-Mahlmedien beim Mahlen
des TiB2-Pulvers, oder (3) als Sinter-WC-Co-Pulver, oder
(4) durch eine Kombination von (1), (2) und/oder (3) zugesetzt werden.
Dem TiB2-Pulver sollten insgesamt mindestens 2,5
Gew.-% WC und Co zugesetzt werden, um eine Verdichtung bei 2000° C oder weniger
beim Heißpressen zu
gewährleisten.
Soll die Verdichtung durch Kaltpressen, Sintern und heißisostatisches
Pressen erzielt werden, liegen vorzugsweise insgesamt mindestens
3,0 Gew.-% WC und Co vor.
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Die Erfinder haben, wenn auch noch
nicht optimal, herausgefunden, daß das Verhältnis von W/Co auf einer Gewichtsprozentbasis
etwa 9:1 bis etwa 20:1 betragen kann. Es hat sich herausgestellt,
daß die
Zugabe der Kombination aus Co und WC in den angegebenen minimalen
Mengen die Leichtigkeit, mit der die Verdichtung erzielt wird, ohne
die negative Wirkung auf die Korngröße des entstehenden Materials
signifikant erhöht. Man
glaubt, daß diese
Wirkung aufgrund einer durch WC und Co während des Sinterprozesses gebildeten
eutektischen Legierung mit niedrigem Schmelzpunkt entsteht. Man
glaubt daher, daß W/Co-Verhältnisse
von nur 1:20 ebenso nützlich
sein können
und in einer weiteren Senkung der für eine erhebliche Verdichtung
erforderlichen Sinter- oder Heißpreßtemperaturen
resultieren können.
Die gesamte Zugabe von WC und Co sollte vorzugsweise weniger als
etwa 12 Gew.-% und noch bevorzugter weniger als 10 Gew.-% betragen,
da die Erhöhung
des WC+Co-Gehaltes die beobachtete Verschleißgeschwindigkeit während der
spanabhebenden Hochgeschwindigkeitsbearbeitung von Titanlegierungen
erhöht.
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Die Erfinder haben außerdem herausgefunden,
daß die
Korngröße des verdichteten
Artikels durch die Zugabe einer wirksamen Menge eines Kornwachstumshemmers
zu der Pulvermischung weiter gesteuert werden kann. Die Erfinder
ziehen es daher vor, dem Gemisch BN-Pulver in einer bevorzugten
Konzentration von etwa 0,25 bis 1,0 Vol.-% des Pulvergemisches zuzusetzen.
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Dem Pulvergemisch können zur
Verbesserung verschiedener Eigenschaften des Materials für spezifische
Anwendungszwecke begrenzte Mengen (die insgesamt etwa 35 Vol.-%
nicht überschreiten)
anderer Elemente und/oder Verbindungen zugesetzt werden. Solche
nun in Erwägung
gezogenen Zusätze
können
Folgendes einschließen:
(1) TiC, ZrC, B4C, TaC und Mo2C
zur Verbesserung der Verschleißfestigkeit
und (2) TiN, TiC als Verdichtungshilfe. TiB2 kann
auch durch Hafniumdiborid und/oder Zirconiumdiborid ersetzt werden,
um die Verschleißfestigkeit
zu verbessern. Der Gesamtgehalt an HfB2 und
ZrB2 in der Zusammensetzung wird vorzugsweise
ebenfalls unter 35 Vol.-% gehalten. Es wird außerdem erwogen, daß ein Teil
der Co-Zugabe durch kleine Mengen W, Fe, Mo, Ni, Al und Cr teilweise
ersetzt bzw. ergänzt
und durch Fe und/oder Ni ganz ersetzt werden kann.
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Die Bruchzähigkeit kann durch die Verwendung
von Ausgangspulvern mit einer länglichen
oder Faserkristall-Morphologie weiter verbessert werden. Einige
der TiB2-Ausgangspulver können zum
Beispiel durch TiB2-Faserkristalle ersetzt
werden oder es können
SiC, B4C, TiC, ZrC, TaC oder Mo2C
als längliche
Teilchen oder Faserkristalle zugesetzt werden.
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Die zuvor genannten Pulver werden
vorzugsweise über
einen Zeitraum gemischt, der ausreicht, die erwünschte Aufnahme von WC und
Co aus den WC-Co-Sintercarbidmahlmedien zu ermöglichen. Vorzugsweise werden
dem Gemisch auf diese Weise mindestens etwa 2,5 Gew.-% WC und Co
zugesetzt.
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Das gemischte Pulver wird anschließend verdichtet.
Wird es durch uniaxiales Heißpressen
verdichtet, liegen die eingesetzten Heißpreßtemperaturen und -drücke vorzugsweise
bei etwa 1800 bis 2000° C
und etwa 6,9 bis 34,5 MPa (1 bis 5 Ksi) und noch bevorzugter bei
6,9 bis 18,8 MPa (1 bis 2 Ksi). Es ist wünschenswert, die Heißpreßtemperatur
auf ein Minimum zu reduzieren, um das Kornwachstum zu minimieren.
Um eine maximale Verdichtung während
des Heißpressens
zu erzielen, sollte der Druck während
der Temperaturerhöhung ausreichend
niedrig gehalten werden, um das Entweichen während der Erwärmung erzeugter
Gase zu erlauben. Nach dem Entweichen dieser Gase kann der volle
Heißpreßdruck ausgeübt werden.
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Alternativ kann das Pulvergemisch
auch durch Kaltpressen zur Bildung eines Grünlings und anschließendes Sintern,
vorzugsweise bei 1800 bis 2200° C,
vorzugsweise gefolgt von heißisostatischem
Pressen, vorzugsweise bei 1700 bis 2100° C und bis zu 207 MPa (30.000
psi) unter Verwendung von Argon oder Helium oder eines anderen Edelgases,
nicht aber Stickstoff verdichtet werden. Dieser Herstellungsweg
ist dem Heißpressen
vorzuziehen, wenn äquivalente
Verdichtungsniveaus und eine feine Korngröße für eine gegebene Zusammensetzung
erzielt werden können,
da das Schneiden und Schleifen der heißgepreßten Keramikbarren vermieden
und so die Herstellungskosten verringert werden.
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Die Erfinder glauben, daß die Korngröße bei dem
verdichteten Artikel für
die Erzielung der besten Metallschneideeigenschaften sehr wichtig
ist, und bevorzugen daher eine mittlere Korngröße von 8 μm oder weniger, noch bevorzugter
6 μm oder
weniger und ganz bevorzugt 4 μm
oder weniger. Die Erfinder glauben, daß eine feine Korngröße wichtig
ist, da TiB2 einen sehr hohen Elastizitätsmodul
E und einen anisotropen Wärmeausdehnungskoeffizienten α besitzt,
die dazu tendieren, die Wärmeschockbeständigkeit
eines große
TiB2-Körner
enthaltenden Keramikmaterials zu reduzieren. Die Erfinder glauben
jedoch, daß sie
alle negativen Folgen dieser Eigenschaften durch die zuvor beschriebene
Aufrechterhaltung der Feinheit der Körner, die, so glaubt man, im
Wesentlichen willkürlich
ausgerichtet sind, minimiert haben.
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Die erfindungsgemäß hergestellten entstehenden
Artikel haben vorzugsweise eine Rockwell A-Härte bei Raumtemperatur von
etwa 94,3 bis 96,5, noch bevorzugter etwa 94,7 bis 96,0 und ganz
bevorzugt 95,0 bis 96,0. Ihre Dichte beträgt vorzugsweise mindestens
97% und noch bevorzugter mindestens 98% der theoretischen berechneten
Dichte. Die Bruchzähigkeit
K1C (Evans & Charles) dieser Artikel ist schwierig
zu messen, wird jedoch (unter Verwendung von Lasten von 300 bis
500 g) durch das Palmgvist-Eindrucksverfahren der Bruchzähigkeitsmessung
auf etwa 3,5 bis etwa 4,5 MPam1/2 geschätzt. Trotz
dieser geringen mechanischen Bruchzähigkeit hat sich überraschenderweise
herausgestellt, daß die
erfindungsgemäßen Artikel
während
des Drehens einer Titanlegierung, wie in den nachfolgenden Beispielen
beschrieben, eine hervorragende Zähigkeit aufweisen. Diese Beispiele
werden bereitgestellt, um den signifikanten Nutzen der vorliegenden
Erfindung bei der spanabhebenden Hochgeschwindigkeitsbearbeitung
von Titanlegierungen weiter zu veranschaulichen.
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Erfindungsgemäß wurden die Artikel aus den
in Tabelle I dargestellten Zusammensetzungen hergestellt.
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Bei dem verwendeten Titandiboridausgangspulver
handelte es sich um Güte
F von Hermann C. Starck Berlin GmbH & Co. KG, POB 1229, D-7887 Laufenburg/Baden,
Deutschland. Dieses Pulver besteht aus zerkleinerten und gemahlenen
Teilchen ungleichmäßiger Größe mit einer
hexagonalen Kristallstruktur. Die Spezifikation sowie ein Beispiel
für die
tatsächlichen
Eigenschaften dieser TiB2-Pulver-Güte sind
in Tabelle II dargestellt.
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Das Bornitridausgangspulver wurde
als HCP-Güte
von Union Carbide bezogen.
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Das WC-Pulver besaß folgende
Eigenschaften:
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Bei dem Kobaltpulver handelte es
sich um Kobalt einer extrafeinen Güte.
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Diese Pulver wurden in den in Tabelle
I angegebenen Verhältnissen
miteinander gemahlen, so daß 100
g-Chargen entstanden. Das Naßmahlen
erfolgte in einer mit Polyurethan ausgekleideten Kugelmühle mit Isopropanol
und etwa 3900 g WC-Co-Sintercarbidzykloiden
so oft, wie in Tabelle I dargestellt. Diese Sintercarbidzykloide
besitzen eine nominale Zusammensetzung mit etwa 5,7 Gew.-% Co und
1,9 Gew.-% Ta sowie eine nominale Rockwell A-Härte und einen nominalen magnetischen
Sättigungswert
von etwa 92,7 bzw. etwa 92 Prozent.
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Aus unserer Erfahrung beim Mahlen
dieser Pulver unter den beschriebenen Bedingungen wird geschätzt, daß dem Gemisch
aufgrund des Abriebs der WC-Co-Sintercarbidzykloide
während
des Mahlens bei einer Mahlzeit von 45 bis 50 Minuten etwa 2,4 bis
etwa 2,7 Gew.-% Wo + Co und bei einer Mahlzeit von 120 Minuten etwa
4,1 bis etwa 5,8 Gew.-% WC + Co zugesetzt werden.
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Nach dem Mahlen wurden die Pulvergemische
getrocknet, gesiebt und anschließend gemäß den in Tabelle I dargestellten
Bedingungen in einer Argonatmosphäre uniaxial heißgepreßt. Während der
Erwärmung wurde
kein Druck ausgeübt.
Der Preßdruck
wurde erst bei der Heißpreßtemperatur
ausgeübt
und typischerweise eine Stunde lang gehalten. Die daraus resultierenden
Artikel waren im Wesentlichen voll dicht und wiesen die in Tabelle
I dargestellte Dichte, Härte
und Korngröße auf.
Gemäß Beispiel
1 hergestellte Barren wurden geschnitten und geschliffen, so daß Wendeschneidplatten
zum Metallschneiden vom SNGN-453T- Typ (0,05 – 0,10 mm (0,002 – 0,004
Inch) × 20° Abschrägung) entstanden
(siehe 1).
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Diese Schneideinsätze wurden in den nachfolgend
in Tabelle III beschriebenen Metallschneidetests gegenüber scharfkantigen
K313-Sintercarbidschneideinsätzen
vom SNGN-433-Typ aus dem Stand der Technik getestet. Diese Tests
wurden unter einem Flutkühlungsmittel
bei einer Umfangsgeschwindigkeit von 183, 244 bzw. 305 m/Min. (600,
800 bzw. 1.000 Fuß/Min.),
0,13 mm/Umdrehung (0,005 ipr) und einer Schnitttiefe von 1,3 mm
(0,050 Inch) wie in Tabelle III beschrieben durchgeführt. Die
Schneidwerkzeuge aus dem erfindungsgemäßen Material wiesen eine Lebensdauer
auf, die mehr als zweimal so lang war wie die der Sintercarbidwerkzeuge
aus dem Stand der Technik. Es wurde beobachtet, daß die chemische
Reaktion zwischen dem Titanlegierungswerkstück und dem erfindungsgemäßen Schneidwerkzeug
der dominante Verschleißmechanismus
auf der Span- und Freifläche
war. Die vorliegende Erfindung besaß jedoch eine signifikant geringere
Verschleißgeschwindigkeit
als das Werkzeug aus dem Stand der Technik, wie durch die in den 4 bzw. 5 dargestellten Diagramme
des Verschleißes
der Schneidstahlspitze und des maximalen Freiflächenverschleißes veranschaulicht,
die auf den in Tabelle III dargestellten Ergebnissen des Tests der
Umfangsgeschwindigkeit von 183 m/Min. (600 sfm) basieren.
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Ein wasserlösliches Kühlmittel, das bei diesen Anwendungszwecken
verwendet werden kann, ist Cimtech 500. Bei Cimtech 500 handelt
es sich um ein von Cincinnati Milicron Marketing Co., Cincinnati,
Ohio beziehbares synthetisches Flüssigkonzentrat für die spanabhebende
Bearbeitung und das Pressen von Eisenmetallen, das für Anwendungszwecke
der spanabhebenden Bearbeitung typischerweise in einem Verhältnis Wasser/Kühlmittel
von 30:1 bis 20:1 in Wasser verdünnt
ist.
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Tabelle
III
Ergebnisse des Metallschneidetests
Werkzeugstandzeit
in Minuten
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Kriterien des Lebensdauerendes
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Bruch (BK)
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- Verschleiß der
Freifläche
(FW): ≥ 0,76
mm (≥ 0,030
Inch)
- Maximaler Verschleiß der
Freifläche
(MW): ≥ 1,0
mm (≥ 0,040
Inch)
- Verschleiß der
Schneidstahlspitze (NW): ≥ 1,0
mm (≥ 0,040
Inch)
- Tiefe der Schnittkerbe (DN): ≥ 2,0
mm (≥ 0,080
Inch)
-
Es stellte sich weiterhin überraschenderweise
heraus, daß sich
die zuvor erwähnte
geringe Bruchzähigkeit
der Erfindung nicht negativ auf die Fähigkeit des Materials, die
obige Titanlegierung zu drehen, auswirkte. Es stellte sich außerdem überraschenderweise
heraus, daß der
Einsatz des Flutkühlungsmittels
nicht bewirkte, daß die
Erfindung wegen des übermäßigen Wärmeschocks
zerbrach. Diese Ergebnisse belegen, daß die vorliegende Erfindung
eine Lebensdauer der Schneidkante besitzt, die bei Bearbeitungsgeschwindigkeiten weit über den
für unbeschichtetes
Carbid empfohlenen (d.h. einer Umfangsgeschwindigkeit von 76 m/Min.
(< 250 sfm) mindestens
doppelt so lang ist wie die der Sintercarbidwerkzeuge aus dem Stand
der Technik.
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Während
unbeschichtete Sintercarbide bei niedrigen Umfangsgeschwindigkeiten < 76 m/Min. (< 250 sfm) eine ähnliche
Lebensdauer wie die der vorliegenden Erfindung erzielen können, reduzieren
diese niedrgeren Geschwindigkeiten die Metallentfernungsrate, die
für die
Bestimmung der Bearbeitungskosten und Maschinenverfügbarkeit
wichtig ist, erheblich.
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In einem anderen Beispiel wurde die
Zusammensetzung von Beispiel 1 gemäß Beispiel 1 gemischt. Nach
dem Mahlen wurden die Pulver getrocknet, mit einem Schmiermittel/flüchtigen
Bindemittel (z.B. Rosin/Polyethylenglycol) pelettisiert und anschließend uniaxial
kaltgepreßt,
so daß Schneideinsatz-Grünlinge entstanden.
Die Grünlinge
wurden in einem Vakuum auf bis etwa 460° C erwärmt, damit das Schmiermittel
und das flüchtige
Bindemittel sich verflüchtigen.
Die Erwärmung
wurde dann in einer Argonatmosphäre
bis auf die Sintertemperatur von etwa 2000° C fortgesetzt, 60 Minuten lang
dort gehalten und anschließend
auf Raumtemperatur abgekühlt.
Die gesinterten Schneideinsätze
wurden nun bei 1850° C
60 Minuten lang unter einem Argondruck von 103 MPa (15 Ksi) heißisostatisch
gepreßt.
Das Sintern und das heißisostatische
Pressen erfolgten durch Legen der Schneideinsätze auf ein Bett aus Bornitridhärtpulver.
Dann wurden die Schneideinsätze
auf ihre endgültige
Größe geschliffen.
Auf diese Weise wurden Schneideinsätze vom RNGN-45T-Typ (0,05 – 0,10 mm
(0,002 – 0,004
Inch) × 20° Abschrägung) hergestellt.
Diese Schneideinsätze
wurden gegenüber K313-Sintercarbidschneideinsätzen vom
RNGN-45-Typ aus dem Stand der Technik mit einer scharfen Schneidkante
beim Drehen einer Ti-6A1-4V-Titanlegierung getestet. Die Testbedingungen
sowie die Ergebnisse dieser Tests sind in Tabelle IV und 6 dargestellt und werden
nachfolgend zusammengefaßt:
Es
wurde ein Einzeltestversuch mit 152 m/Min. (500 sfm) durchgeführt, der
die zu Pillen gepreßten,
gesinterten und heißisostatisch
gepreßten
Schneideinsätze
mit dem K313-Sintercarbid aus dem Stand der Technik vergleicht. 6 ist eine graphische Darstellung
des maximalen Freiflächenverschleißes. Die
wichtige Beobachtung ist die, daß die Verschleißgeschwindigkeit
bei der vorliegenden Erfindung bis zum Ende der Lebensdauer nach
10 Minuten relativ gleichbleibend ist (basierend auf einem maximalen
Freiflächenverschleiß von 1,0
mm (0,040 Inch)). Die Schnittgeschwindigkeit von 152 m/Min. ist
für den
Stand der Technik, bei dem die Werkzeugstandzeit aufgrund des 1,0
mm (0,040 Inch) überschreitenden
maximalen Freiflächenverschleißes weniger
als drei Minuten betrug, zu hoch.
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Es wurden zwei Testversuche mit einer
Umfangsgeschwindigkeit von 213 m/Min. (700 sfm) durchgeführt (siehe
Tabelle IV und 6). Es
stellte sich heraus, daß die
zu Pillen gepreßten,
gesinterten und heißisostatisch
gepreßten
Schneideinsätze
(Δ) im Vergleich
zu den heißgepreßten Schneideinsätzen (☐)
unter diesen Bedingungen eine gleichwertige oder bessere Verschleißgeschwindigkeit
aufwiesen. (Die heißgepreßten Schneideinsätze (RNGN-43T)
versagten vorzeitig, indem sie zerbrachen, da sie für diesen
Anwendungszweck zu dünn
waren.) Bei einer Umfangsgeschwindigkeit von 213 m/Min. (700 sfm)
hält die
vorliegende Erfindung eine gleichmäßige Verschleißgeschwindigkeit
aufrecht, die der bei dem Schneidwerkzeug aus dem Stand der Technik
erzeugten signifikant überlegen
ist. Die Schnittgeschwindigkeit von 213 m/Min. (700 sfm) befindet
sich außerdem
klar außerhalb
des nützlichen
Bereiches des getesteten unbeschichteten Carbids, das in weniger als
zwei Minuten einen extremen lokalen Verschleiß erlebt.
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In einem Versuch die Obergrenze der
Schnittgeschwindigkeit für
die vorliegende Erfindung zu bestimmen wurde ein Test mit 305 m/Min.
(1000 sfm) durchgeführt
(siehe Tabelle IV). Die Erfindung versagte nach zwei Minuten, indem
sie zerbrach. Das Sintercarbidwerkzeug aus dem Stand der Technik
erfuhr einen extremen lokalen Verschleiß, was zu einem Splittern der
Span- und Freiflächen
in weniger als eine Minute führte.
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Basierend auf den vorangegangenen
Beispielen ist es klar, daß die
erfindungsgemäßen zu Pillen
gepreßten,
gesinterten und heißisostatisch
gepreßten
Schneidwerkzeuge dieselben Fähigkeiten
zur spanabhebenden Bearbeitung von Materialien auf Titanbasis aufweisen
wie die erfindungsgemäßen heißgepreßten Schneidwerkzeuge.
Die vorliegende Erfindung kann Schnittgeschwindigkeiten widerstehen,
die erheblich über dem
nützlichen
Betriebsbereich unbeschichteter Sintercarbide liegen. Es stellte
sich weiterhin heraus, daß die vorliegende
Erfindung größeren Verschleißnarben
widerstehen kann, ohne die Beschleunigung der Verschleißgeschwindigkeit
zu erfahren, die für
Schneidwerkzeuge aus Sintercarbid typisch sind.
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Man glaubt weiterhin, daß die Metallschneideleistung
der vorliegenden Erfindung für
eine längere
Lebensdauer der Schneidkante und/oder die Fähigkeit einer höheren Bearbeitungsgeschwindigkeit
durch das Aufbringen eines feuerfesten Überzugs auf die Spanfläche, die
Freifläche
und die Schneidkante weiter verbessert werden kann. Der Überzug kann
durch bekannte, für
das Beschichten von Schneidwerkzeugen verwendete Techniken des physikalischen
und chemischen Aufdampfens aufgebracht werden. Ein feuerfester Überzug mit
einem oder mehreren Schichten besteht vorzugsweise aus einem oder
mehreren der folgenden feuerfesten Materialien: Aluminiumoxid und
den Boriden, Carbiden, Nitriden und Carbonitriden von Zirconium,
Hafnium und Titan, ihren Mischkristallen miteinander und ihren Legierungen.
Es wird weiterhin vorgeschlagen, daß der Einsatz eines solchen
feuerfesten Überzugs
die Verwendung höherer
Konzentrationen von Härtungsmitteln
oder WC + Co zur weiteren Verbesserung der Sinterbarkeit der vorliegenden
Erfindung erlauben kann und gleichzeitig den negativen Einfluß solcher
Anstiege auf die Verschleißgeschwindigkeit
bei der spanabhebenden Bearbeitung von Titanlegierungen auf ein
Minimum reduziert.
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Es wird außerdem erwogen, daß die erfindungsgemäßen Schneideinsätze entweder
mit einer eingeschliffenen oder geformten Spänezerkleinererstruktur hergestellt
werden können.
Beispiele für
Spänezerkleinererstrukturen,
die hierin verwendet werden können,
sind in dem US-Patent Nr. 5,141,367 beschrieben. Titanlegierungsspäne lassen
sich bekanntermaßen
nicht leicht zerbrechen. Der Grund dafür kann teilweise die geringe
Geschwindigkeit beim Einsatz von unbeschichteten Sintercarbiden
zum Drehen von Titanlegierungen sein. Wir glauben, daß die höhere Bearbeitungsgeschwindigkeit,
die nun mit der vorliegenden Erfindung möglich ist, in Kombination mit
einer Spänezerkleinererstruktur
zu einer verbesserten Steuerung der Späne während des Drehens von Titanlegierungen
führen
kann.